Suche

Berin

Warum Wohnungen „Mitaltern“ sollen

In diesen Tagen wurde es amtlich: Die Bevölkerung von Deutschland ist unter die 82 Mio.-Marke gesunken. Gleichzeitig vollzieht sich ein demografischer Wandel. Bedingt durch den Anstieg der allgemeinen Lebenserwartung und die Alterung geburtenstarker Jahrgänge kommt es zu einer Umschichtung der klassischen Alterspyramide. Im Jahr 2035 werden mehr als die Hälfte der Menschen über 50 Jahre, jeder Dritte bereits älter als 60 sein. Wir leben also in einer Gesellschaft, in der Alter und Individualisierung gegenüber Jugend und Gemeinschaft zunimmt. Das bedeutet, dass die Zahl an älteren und allein stehenden Menschen stetig größer wird. Diese Entwicklung wird einen steigenden Bedarf an Orientierungs-, Unterstützungs- und Hilfsangeboten bei jungen und alten Menschen schaffen. Eine Lösung heißt AAL: „Ambient Assisted Living“ – Assistenzsysteme, die eine intelligente Umgebung gestalten, in der Wohnung und unterwegs. Damit hat sich im Januar 2010 der 3. Deutsche AAL-Kongress in Berlin beschäftigt, veranstaltet vom BMBF und dem VDE. Vorgestellt und diskutiert wurden u.a. AAL-Lösungen in der praktischen Anwendung von Wohnungswirtschaft und Pflege.

Assistenzsysteme im Dienste des älteren Menschen: Mit dem Alter ändern sich die Bedürfnisse und dies gilt ganz besonders für die Ausstattung der Wohnung. Für die Immobilienbranche stellt sich angesichts des demografischen Wandels die Herausforderung ihren Wohnungsbestand schrittweise an die immer älter werdende Kundschaft anzupassen. Mit dem Schwerpunkt „Intelligentes Haus“ für ein sicheres und komfortables Wohnen auch im hohen Alter beschäftigen sich aktuell viele Praxis-Projekte: Notruftechnik, die von selbst Hilfe holt, Bodenbeläge, die gefährliche Stürze erkennen und melden sowie sogar Roboter, die einem das Frühstück ans Bett bringen – sie alle bieten älteren und hilfsbedürftigen Menschen die Chance auf ein sicheres Leben in den eigenen vier Wänden. „Die Technik für intelligente Assistenzsysteme ist viel weiter als ihre Nutzung im Alltag. Es ist aus technischer Sicht kein Problem, diskrete Systeme zur Verfügung zu stellen, die das Alltagsleben einfacher und komfortabler machen“, erklärte VDE-Chef Dr. Hans Heinz Zimmer.  

Kein Wunder, dass gerade Wohnungsbaugesellschaften in Sachsen diese Möglichkeiten nutzen. Denn das Alter der Menschen im Freistaat liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Allein über 30 Prozent der Mieter von sächsischen Wohnungsgenossenschaften sind älter als 65 Jahre. Mit dem Projekt „AlterLeben“ des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (www.vswg-alterleben.de) soll durch intelligente Systeme und Dienstleistungen ein selbstbestimmtes Leben zuhause ermöglicht und die Kommunikation mit dem sozialen Umfeld gefördert werden. „Mit dem “Lösungsansatz der mitalternden Wohnung“, so Projektleiter Dr. Axel Viehweger, soll ein “mitwachsendes“ Konzept umgesetzt werden, dass durch seine modulare Gestaltung eine hohe Anpassungsfähigkeit an die sich verändernden Leistungsanforderungen der Menschen sichert“. Dieses sieht zum Beispiel die Unterstützung bei spezifischen Krankheitsbildern wie Demenz, Unterstützung des Geistes, der Sinne und des Körpers sowie Einbindung pflegerischer Unterstützungsleistungen des alltäglichen Lebens vor. Das bedeutet in der Umsetzung beispielhaft den Einbau von Bewegungssensoren, eines Sturzmelders, telemedizinische Dienste, ein Notrufsystem oder Abschaltsysteme für Herd und Licht. Im Ergebnis können Menschen mit altersbedingten Funktionseinschränkungen unter Nutzung der entwickelten altersgerechten Assistenzsysteme "so lange wie möglich unabhängig zu Hause leben“. Die Besonderheit des Projektes besteht dabei in der Entwicklung von Geschäftsmodellen, die den Anspruch "Altern lebenswert gestalten" zur Handlungsgrundlage erheben. Geprägt durch ein "gemeinschaftlich orientiertes Handeln" in Wohnungsbaugenossenschaften gewinnen Modelle, Konzepte und Lösungen an Bedeutung, die einerseits Fragen des Wohnens unter besonderer Beachtung der Anforderungen an die Selbstständigkeit von Senioren im Alter und andererseits auch einer langfristig geplanten Nutzung von Wohnraum als wirtschaftlichem Faktor Rechnung tragen.

Die Wohnung passt sich dem Alter an

 

Bei der WG Aufbau Dresden läuft das Projekt AUTAGEF, automatisierte Assistenz in Gefahrensituationen. Mit diesem System wird der Notfall in der Wohnung automatisch erkannt und der Notruf selbst ausgelöst. Die neue Technik ist preiswert und funktioniert, ohne dass der Bewohner etwas an seinem Körper tragen oder selbständig agieren muss. Dies wird erreicht, indem schon vorhandene Technik (z.B. der Stromzähler oder funkablesbare Zähler für Wasser, Gas, Heizung) genutzt wird, um Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf festzustellen und entsprechend zu reagieren. Ähnlich funktioniert das Angebot SensFloor (www.future-shape.com), bei dem ein intelligenter Fußboden den Senioren zu mehr Sicherheit und Komfort verhilft. Die meiste Zeit unseres wachen Lebens sind wir mit dem Boden in Berührung. Diese Tatsache wird bei dem sensitiven Bodenbelag ausgenutzt. Er basiert auf einer textilen Unterlage mit integrierten Mikroelektronikmodulen und Näherungssensoren, die praktisch unter jede Art von Bodenbelag verlegt werden können. Läuft eine Person über den Boden, werden die orts- und zeitaufgelösten Sensorereignisse an einen Empfänger gefunkt. Aus diesen Signalen können durch Mustererkennung und Berechnen von Bewegungsvektoren verschiedene Ereignisse identifiziert werden. Sogar im Pflegbereich kann SensFloor zusätzliche Sicherheit bieten: Bleibt eine Person nach einem Sturz am Boden liegen, wird ein Pfleger gerufen. Auch eine sehr lange Inaktivität, weil z.B. eine Person im Bett einen Schlaganfall erlitten hat, kann einen Notruf auslösen. So trägt der Boden dazu bei, dass Menschen im Alter möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben können und selbst bestimmt, aber doch sicher leben können.         

SensFloor hilft:

Liegt ein Mensch am Boden (Abb. links), werden dadurch Sensorsignale (Abb. rechts) erzeugt. Bei einem Sturz, der zu einer Bewegungsunfähigkeit führt, kann somit ein Notruf abgesetzt werden

 

In Wiesbaden betreut die GWW das Modell WohnSelbst, das durch eine Partnerschaft mit dem Klinik-Verbund HSK die ambulante und stationäre Versorgung für ältere Menschen miteinander verknüpft (www.hsk-gruppe.com). Die Wohnungen wurden dafür mit vernetzten Technologiebausteinen ausgestattet, die auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Anwenders abgestimmt sind. Dazu gehören z.B. Vitalsensoren zur Bestimmung von Gewicht, Blutdruck und Blutzucker. Das TV-Gerät dient als zentrale Steuerungseinheit. Es ist verbunden über eine Serviceplattform mit einem medizinischen Betreuungscenter, mit Ärzten und Pflegedienstleistern. Webbasierte Dienste für ältere Menschen und Angehörige bietet die Phoenix Software GmbH aus Bonn an. Ihr Projekt WebDA will Senioren dabei helfen, auch bei schwindendem Erinnerungsvermögen so lange wie möglich selbständig zu bleiben (http://webcc.fit.fraunhofer.de/projects/webda.html). Neuartige webbasierte Dienste sollen das Gedächtnis entlasten, die Strukturierung des Alltags unterstützen, durch Training von Kommunikations- und Gedächtnisfähigkeiten die soziale Integration aufrecht erhalten sowie Notsituationen erfassen. Da Demenzkranke zunehmend auf Unterstützung angewiesen sind, bezieht WebDA auch die betreuenden Angehörigen ein. Ein maßgeschneidertes Informations- und Dienstleistungsangebot wirkt dabei einer Überforderung der Betreuenden entgegen. Zum Serviceangebot gehört auch das Auffinden verlegter Gegenstände. Hierfür wurde die Radio Frequency (RFID)-Technologie so weiterentwickelt, dass verlorene Dinge jederzeit zuverlässig und präzise lokalisiert werden können – und zwar auf seniorengerechte Weise mit möglichst geringem Einsatz von technischen Geräten.

Soziale und gesundheitliche Aspekte zur Unterstützung von Senioren beinhaltet auch die neue Plattform SmartAssist aus Lübeck (www.itm.uni-luebeck.de/projects/smartassist). Anstelle einer frühzeitigen Einweisung in ein Heim, in dem eine dauerhafte Überwachung geleistet wird, soll eine bedarfsorientierte Betreuung alter Menschen durch Paten erfolgen. Solche Patenschaften können Freunde, Verwandte, Bekannte und Nachbarn ebenso wie kommerzielle Dienstleister übernehmen. Wird eine gesundheitsrelevante Veränderung der Lebensgewohnheiten erkannt, wird der Pate informiert und kann sich persönlich um die Bedürfnisse des älteren Menschen kümmern. Möglich wird dies durch ein in der Wohnung installiertes System von drahtlosen indirekten Sensoren, die alle Notsignale an ein Serviceportal senden.                                                                                                                      

 

Für Berlin entsteht gegenwärtig mit Mobidat eine Datenbank: „Barrierefreies Wohnen“. Die Internet-Plattform www.rb-wohnungen.de gibt eine Übersicht über alle barrierefreien Wohnraumangebote aus dem Berliner Immobilienmarkt detailreich wieder. Noch ist in der Hauptstadt nur jede 100. Immobilie frei von Schwellen. Jedes Wohnungsangebot des Projekts Mobidat enthält nähere Angaben zur Wohnung sowie Kontaktdaten des Vermieters. Bei Interesse für eine Wohnung hat man somit die Möglichkeit, sich direkt mit dem Vermieter in Verbindung zu setzen, dort gegebenenfalls weitere Informationen einzuholen oder direkt einen Besichtigungstermin zu vereinbaren.            

 

Forschen für mehr Lebensqualität: Mit der Förderung von „Altersgerechten Assistenzsystemen für ein gesundes und unabhängiges Leben – AAL“ unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung ganzheitliche Lösungen, die auf neuen Technologien, Diensten und Dienstleistungen basieren. Gefördert wird der Aufbau regionaler Netzwerke u.a. aus Anbietern von Gesamtsystemen, Unternehmen, Dienstleistern, Wohnungswirtschaft, Ärzten, Krankenkassen, Nutzern und Landespolitik. Insgesamt gefördert werden derzeit 18 Projekte mit 45 Mio. Euro.

Um die Entwicklung auf diesem Forschungsgebiet zu beschleunigen, hat das BMBF mit dem Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) eine Innovationspartnerschaft gegründet. Dieses Netzwerk aus Technik, Politik, Sozialwissenschaften und dem Pflegebereich arbeitet intensiv an der Umsetzung bedarfsgerechter und marktfähiger Produkte und Dienstleistungen. Nach einer VDE-Studie möchten mehr als 58 Prozent der Seniorinnen und 37 Prozent der Senioren mit Unterstützung technischer Systeme in den eigenen vier Wänden leben. Dazu gehören auch die Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen, die Gesundheits- und Aktivitätsüberwachung, der Zugang zu sozialen, medizinischen und Notfallsystemen sowie das Erleichtern sozialer Kontakte. Damit sollen verbesserte Lebensqualität und intensivere soziale Teilnahme älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben erreicht, aber auch bessere Gesundheits- und Sozialdienste ermöglicht werden. Grund genug, die Fördergelder für das Forschungsfeld "Assistenzsysteme im Dienste des älteren Menschen" in diesem Jahr deutlich aufzustocken. Im Bundeshaushalt 2010 ist eine Steigerung um 21 Millionen Euro auf insgesamt 30 Millionen Euro vorgesehen. Auch auf EU-Ebene wirkt ein transnationales AAL-Förderprogramm, das von 23 Ländern der Europäischen Union gestaltet, organisiert und mitgetragen wird. Die Länder haben sich verbindlich verpflichtet, nationale Fördermittel über die gesamte Laufzeit des Programms (bis 2013) bereit zu stellen. Das Gesamtförderbudget beträgt etwa 50 Mio. Euro pro Jahr. Gefördert werden F&E-Projekte mit mindestens 3 Partnern aus drei verschiedenen am Programm beteiligten Ländern, wovon mindestens 1 Partner ein Unternehmen sein muss.

www.aal-europe.eu - www.aal-deutschland.de                                                                               

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Günter Knackfuß.

 

Sehr geehrte ReiseTravel User,

bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Wünsche.

Vielen Dank.

 

Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

 

 

ReiseTravel empfehlen/merken:
del.icio.usLinkaARENAMister Wonggoogle.comYahooMyWeb

ReiseTravel aktuell:

Hensted

Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint: Da werden die Fahrräder flugs aus Kellern und Schuppen geholt. Doch aufgepasst mahnt Thorsten Rudnik,...

Völz

Völs am Schlern als Familien-Urlaubsparadies mit hohem Erlebniswert: Sanft streichelt die Sonne die saftig grünen Almen, auf denen kleine Dörfer,...

München

Eine Art Testlauf war das Fachsymposium „Regionale Schätze – Genuss aus Münchens Vorgarten“. Falls die Veranstaltung ein Erfolg wird, so hieß es,...

London

Rolls-Royce - Edel und für viele unerschwinglich: Was haben Thomas Gottschalk und David Beckham gemeinsam? Vielleicht nicht wirklich viel, aber auf...

Regensburg

Reisen & Speisen in Regensburg führen zu facettenreichen Erlebnissen: Egal, wie lange ein Regensburg Aufenthalt dauert, einen kulinarischen...

Klaistow

Spitzenleistung: Wenn der Spargel seine Spitzen durch den märkischen Sand treibt, dann wissen Berliner und Brandenburger, dass wieder Saison für...

Rom

In Bella Italia waren Sie schon lange nicht mehr, sind aber grundsätzlich nicht abgeneigt? Bei mir war es bis vergangene Woche genauso. Da habe ich...

Peking

Noch Dunst oder schon Smog? Klare Sicht ist in Peking selten. Die Chinesen kaufen zu wenige chinesische Autos. Chinas Hersteller bangen um ihre...

Uly Koch

In Donaueschingen befindet sich die Quelle der Donau: Nach 609 Kilometern durch Deutschland fließt der Fluss dann weiter durch zahlreiche Länder und...

Volker Lange

Volker Lange   Kurz vor der AMI: Vom 2. bis 10. Juni 2012 findet die AUTO MOBIL INTERNATIONAL (AMI) als PKW-Messe des Jahres in...