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Barocke Puppensammlung „Mon plaisir“
„Mon plaisir“ - „Mein Vergnügen“ nannte die Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt (1666-1751) ihre Schöpfung, eine regelrechte Puppenstadt, die vom Umfang und der Geschlossenheit der Sammlung weit über die Zielstellung vergleichbarer Puppenhäuser in Nürnberg, Amsterdam, Utrecht, Frankfurt/M. oder London hinausgeht. In 82 Puppenstuben mit 391 Figuren und 2670 einzelnen Inventargegenständen fügen sich nach dem Willen der Auftraggeberin Szenen ein, die unterschiedlichsten Lebensbereichen entstammen, so daß in dreidimensionaler Weise wahre Genrebilder entstanden, die an Authentizität und Komplexität kaum zu überbieten sind.
Als Entstehungsort dieser Sammlung ist im Wesentlichen das Lustschloß der Fürstin Auguste Dorothea, die Augustenburg, anzusprechen, zwischen 1700 und 1708/10 nahe bei Arnstadt erbaut. Auguste Dorothea, Tochter des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel und Gemahlin des Grafen, seit 1697 Fürsten Anton Günther II. von Schwarzburg-Arnstadt, gab sich in der Abgeschiedenheit dieses Lustschlosses ihrer künstlerischen Sammelleidenschaft hin, wobei zu ihren Sammelobjekten Porzellane und Gemälde wie auch diverse kunsthandwerkliche Erzeugnisse zählten. Es ist bekannt, daß sich die Fürstin in ihrer Eigenschaft als Kunstsammlerin hoch verschuldete, wozu nicht zuletzt die durchaus kostspielige Beschäftigung mit der „Mon plaisir“- Sammlung geführt haben dürfte.
Endlose Hinweise über das Schuldenwesen der „Herzogin zur Augustenburg“, wie Auguste Dorothea sich selbst bezeichnete, füllen die Akten, so u.a. 600 Reichstaler, die ihr 1707 das Erfurter Ursulinenkloster lieh - wobei eine Beziehung zum Orden der Ursulinen, die in der Folgezeit bestand, wohl den Anlaß zur Gestaltung mehrerer Klosterszenen in der Puppensammlung gab.
Obwohl der Hauptteil der Puppensammlung auf der Augustenburg entstanden sein dürfte, können Anfänge hierzu noch während des Aufenthaltes der Auguste Dorothea im Arnstädter Residenzschloß Neideck vermutet werden. Eine erste Rechnung über 24 Reichstaler „an Poppenzeug“ und noch einmal sechs Groschen für „1/4 Loth Poppenzeug“, gekauft auf der Leipziger Ostermesse 1697, steht wohl im Zusammenhang mit dem Vorhaben der Fürstin. Die auf mehreren Objekten in der Sammlung selbst enthaltenen Jahreszahlen umspannen im Wesentlichen den Zeitraum von 1704 bis 1751, wobei wenige, aus diesem Zeitraum herausfallende Jahreszahlen Phantasiezahlen sein können. Nicht zuletzt stilistische Kriterien stützen dabei die Annahme, daß die Hauptentstehungszeit des „Mon plaisir“ von den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts bis ca. 1735 reicht, wobei bis zum Tode der Fürstin 1751 mehr oder weniger regelmäßig ergänzt wurde.
Die Verhandlungen darüber, was nach dem Tode der Auguste Dorothea mit der Augustenburg, seinem Inventar und im Besonderen mit der Puppensammlung geschehen sollte, zogen sich bis zum Jahre 1765 hin. Auf Antrag der Arnstädter Waisenhausdirektion und durch Intervention deren Vorsitzenden, des Arnstädter Superintendenten Gabriel Christoph Benjamin Mosche, überließ jedoch schließlich der Herzog von Braunschweig, dem mit der Augustenburg auch deren Inventar einschließlich der Puppensammlung zufiel, „Mon plaisir“ dem Arnstädter Waisenhaus. Die Augustenburg jedoch wurde im genannten Jahre - 1765 - auf Abbruch verkauft.
Die „Mon plaisir“ - Sammlung wurde im Arnstädter Waisenhaus zunächst als Bestandteil eines kleinen Raritätenkabinetts neben anderen Kunstgegenständen, Naturalien und Kuriositäten interessierten Besuchern gegen ein geringes Eintrittsgeld gezeigt. Nachlassendes Besucherinteresse, schlechte Unterbringung und mangelnde Pflege der Sammlung veranlaßten wohl die Fürstin Marie von Schwarzburg-Sondershausen, das „Mon plaisir“ Ende 1881 in das „Neue Palais“ in Arnstadt überführen zu lassen. Von dort gelangte die Puppensammlung 1892 in das Schloß zu Gehren, wo sie noch 1930 in zwei größeren Räumen des zweiten Obergeschosses untergebracht war. Ein Stiftungsgesetz aus dem Jahre 1919 ordnete die Puppensammlung schließlich dem Arnstädter Schloßmuseum zu, wo sie nach der Überführung aus Gehren im Jahre 1930 am 24. Mai 1931 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und sich seitdem als Bestandteil der Sammlungen des Arnstädter Schloßmuseums präsentiert.
Kontakt
Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt „Schlossmuseum“
Schlossplatz 1, D-99310 Arnstadt
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 9.30 bis 16.30 Uhr
Informationen und Führungsanmeldungen:
Tourist-Information Arnstadt
Markt 1, D-99310 Arnstadt
Tel.: 03628/ 60 29 32, Fax: 03628/ 48 264
e-Mail schlossmuseum@kulturbetrieb.arnstadt.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Matthias Klein.
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