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Merseburg

Die Merseburger Rabensage

Schon wieder war`s der Rabe: Wir bezeichnen Tage an die man sich nicht gerne erinnert als Rabenschwarz, Eltern, welche sich nicht um ihre Kinder kümmern als Rabeneltern. Leute denen das Leben nicht so hold ist als Unglücksraben. Was müssen sich eigentlich diese Vögel alles gefallen lassen. Was dichten wir ihnen alles an. Zu Unrecht etwa oder steckt wie so oft auch hier ein Funken Wahrheit drin. Sind sie nun Leichenfledderer, Heilkundige, Galgenvögel, Hoffnungsträger oder Himmelsvögel.

Lange vor unserer Zeit galten die Raben als weise, ja häufig sogar als heilige Vögel. Die germanische Sagenwelt erzählt von zwei Raben als Begleiter des Gottes Odin. Sie saßen auf seinen Schultern und berichteten ihm was in der Welt vor sich ging. Bevor man in eine Schlacht zog, sollten die Raben durch ihren Flug deuten ob das Glück gnädig gestimmt sei. Selbige Hoffnung hatten auch die Römer. Auf Schiffen wiesen die Raben den Weg durch das Gewässer.

Die Indianer in Nordamerika verehren den Raben noch heute als Geistwesen. Mit seinen übernatürlichen Kräften kann er sich in jede Gestalt verwandeln. Dann wieder hört man von Raben als Tiere Satans - Vögel, deren Ankunft nichts Gutes verheißt. Ja, sie wurden sogar verfolgt und massenhaft getötet. Druiden, Schamanen und Hexen bedienten sich ihrer dunklen Mächte.

Heute noch werden im Tower of London Raben an den Ort gebunden, indem man ihnen die Flügel stutzt. Damit sie nur ja nicht das Weite suchen können. Einer Legende zufolge wird die englische Monarchie dem Untergang geweiht sein, wenn die Raben den Tower verlassen. Ein anderer wieder, der Kaiser Barbarossa - in Kyffhäuser der Erneuerung seines Reiches entgegenfiebernd - wird sein Versteck erst verlassen, wenn sich keine Raben mehr dort aufhalten.

„Nevermore“ droht der Rabe laut Edgar Allan Poe

In neuester Zeit taucht der Rabe in unterschiedlichen Deutungen in zahlreichen Verfilmungen, Schriftstücken oder Erzählungen auf. Bekannt ist das Gedicht des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe über einen mysteriösen Raben als Sinnbild trauervoller und nie endender schmerzhafter Erinnerung. Oder auch das Märchen der Gebrüder Grimm „Die sieben Raben“. Wesentlich besser weg kommt da der Rabe in Michael Endes Buch. Dort ist der Rabe Jakob Krakel ein Abgesandter des Hohen Rats der Tiere, dem es schließlich gelingt die Welt vor dem Zauberer Beelzebub und seiner Hexe Tyrannja Vamperl zu retten.

Woher kommen dieser Sinneswandel sowie dieses gespaltene Verhältnis zu den gefiederten Freunden oder Feinden, welche übrigens zu den Singvögeln zählen? Wie das oft so gewesen ist mit den heidnischen Kulturen, gefiel es der christlichen Kirche nicht, dass den Raben Ehrfurcht gegenüber gebracht wurde. So wurde erst nach der Christianisierung aus dem zur Gattung corvus zählenden Federtier

 

 

 

 

 

 

 

 

aufgrund seiner mystischen Bedeutung bei den Vorgängerkulten ein Unheil bringendes Omen. Ein so schwarz eingefärbtes Tier musste verflucht sein, es konnte nichts anderes verheißen als Verderben und Tod.  Die Farbe Schwarz galt ja schon bei den Römern als Farbe der Trauer, des Unheils und Unglücks.

Da fressen also Raben so ziemlich alles, auch totes Fleisch und sie sind obendrein schwarz. Zudem fand man sie als Aasfresser an den Galgen der mittelalterlichen Richtstätten. Da war es ein leichtes, sie mit dem Tod und anderen finsteren Mächten in Zusammenhang zu bringen. Eine Assoziation, welche lange in den Köpfen der Menschen haften blieb. Heute wissen wir, dass sie damit der Verbreitung von Krankheitserregern entgegenwirken. Die Tiere sind weitgehend rehabilitiert.

Auch die Bezeichnung Rabenmutter lässt sich auf eine ganz einfache Beobachtung zurückführen. Junge Raben erscheinen zunächst einmal recht tollpatschig und verlassen ihr Nest, bevor sie in der Lage sind zu fliegen. Das liegt in ihrer Natur. Rabeneltern sind sogar ausgesprochen fürsorgliche „Rabeneltern“. Was auch diese negative Interpretation völlig über Bord wirft.

Heute hat sich das Bild also gewandelt. Laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zählen Raben zu den intelligentesten Vögeln, ja sie erkennen sogar, dass es sich bei einem Spiegelbild nur um ein Abbild ihres eigenen Selbst handelt. Eine Eigenschaft, die andere Tiere nicht besitzen.

Dennoch halten sich einige Missverständnisse über die klugen Vögel hartnäckig. So gelten sie nach wie vor als diebisch. Die Merseburger Rabensage berichtet in diesem Zusammenhang aus dem Jahr 1668 eine Begebenheit, welche sich unter Bischof Tilo von Trotha ereignet hat.  Er ließ seinen Diener Johannes hinrichten, weil dieser ihm einen Ring gestohlen hatte. Den fand man später im Nest eines im Domturm hausenden Raben. Als Zeichen seiner Reue wird seitdem im historischen Merseburger Dom ein Rabenpärchen in ewiger Gefangenschaft gehalten, um für die ungerechtfertigte Bestrafung des armen Johannes zu büßen. Wilhelm Busch soll am Merseburger Rabenkäfig Zeichenstudien angefertigt und dem Raben als Haustier in Hans Huckebein, der Unglücksrabe ein literarisches Denkmal gesetzt haben.

Schön ist es, ihnen zuzuschauen und sie zu beobachten. Wörter und sogar kleine Sätze sollen sie in der Lage sein zu erlernen. Dennoch – ein Privatmann muss viele Auflagen erfüllen, wenn er sich so ein niedliches Tierchen in einer Voliere halten will. Die Haltung bedarf einer besonderen Erlaubnis.

Der Spieltrieb dieser Gattung Corvus ist wohl schwer zu übertrumpfen. Den lateinischen Namen corvus, der Krächzer hat sie ihren Lauten zu verdanken, den Ruf als diebischer Vogel wohl der grenzenlosen Neugier. Die wird auch der Elster zugeschrieben, welche ebenfalls zu den Rabenvögeln zählt.

Eine andere Legende existiert auch in München über diese arglistigen Diebe. Auch dort büßte ein Mensch für die Übeltat eines gefiederten Erdenbewohners. Ein Goldschmied wurde hingerichtet für einen vermeintlichen Diebstahl eines Schmuckstückes. Und auch hier stellte sich später heraus, dass die Wertstücke von einem Vogel entwendet wurden. Allerdings war`s anno dazumal eine Elster. Auch die Elster ist eine Vogelart aus der Rabenfamilie. Wer in München über den Marienplatz wandert kann noch heute die im Boden markierten Umrisse des einstigen Turmes betrachten. In dem der unglückliche Goldschmied gewohnt hat.

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Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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