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Attersee

Klimt und die VIPs am Attersee

Hat Klimt die Muse geküsst? In künstlerischer Hinsicht auf jeden Fall. Wie sieht es aber aus mit seiner leibhaftigen Muse, der Emilie. Unbestritten war er oft am Ufer des Attersees gesessen mit ihr. Und ein Kind der Traurigkeit was Frauen anbelangte war er auch nicht.

Er dürfte sie geküsst haben, vermutlich sehr zum Missfallen ihrer Familie, die den "Maler in seinem dreckigen Kittel" nicht besonders gemocht haben soll. Und das obwohl er kein brotloser Künstler gewesen ist. Im Gegenteil. Seine verschwenderische Art jedoch mit dem schnöden Mammon umzugehen, dürfte für die adelige Familie seiner Emilie mehr als verwunderlich gewesen sein.

Die meisten Künstler fangen klein an. Nicht so Gustav Klimt. Der österreichische Maler war einer der berühmtesten Vertreter des Wiener Jugendstils, auch Wiener Secession genannt. Seine Bilder verkauften sich bereits zu seinen Lebezeiten außerordentlich gut. Und heute wechseln für seine Werke horrende Summen den Besitzer. Das Bild „Schloss Kammer“ wurde im Oktober 1997 um 21 Millionen Euro verkauft, die „Häuser von Unterach“ aus dem Jahr 1916 um 35 Millionen Euro. Es handelt sich dabei um Landschaftsmotive vom Attersee, an dem Klimt jahrelang seine Sommerfrische verbracht hat. Für eine Ausstellung der Secession zum Thema Wälder entstanden seine Bilder über Birken und Buchen. Klimt finanzierte die Ausstellungen, sofern sie ein Defizit ergaben, aus seiner eigenen Tasche.

Die Gemeinde Unterach hat Klimt einen Gedenkplatz mit Statue gewidmet

Über die Art und Weise, wie seine Bilder entstanden, hielt sich jahrzehntelang ein Märchen, wie es Alwin Wiener, der Experte am Attersee, bezeichnet. Alfons Weidinger, Klimt-Experte, erforschte das Leben des Künstlers und fand heraus, dass entgegen bisherigen Vermutungen die Zeichnungen nicht vom Boot aus gemacht wurden. Mittlerweile weiß man genau die Standorte, an denen seine Landschaftsbilder am Attersee entstanden sind. Nicht vom Wasser aus. Tatsächlich fand man auch das hölzerne Stativ für das Fernrohr, durch welches er seine Motive ins Visier nahm. Interessant ist auch, dass Klimt jeweils durch ein Quadrat abgegrenzte Ausschnitte zu Papier brachte. Passte da der Kirchturm mal nicht mehr rein, dann wurde er kurzerhand abgeschnitten erklärt Wiener. Die Landschaftsmalereien von Klimt waren vermutlich keine Auftragsarbeiten, ca. 45 der insgesamt 50 Landschaftsmalereien entstanden hier am Attersee.

Alwin Wiener ist eine Koryphäe in Sachen Attersee

Sein Lieblingsthema waren eigentlich Kunst und Frauen sowie Tiere, gemalt hat er mit Vorliebe nackte Frauen, weshalb Klimt auch ein sehr umstrittener Künstler gewesen ist. Seine „goldene Periode“ war in den Jahren zwischen 1908 - 1922, in denen auch sein Bild „Der Kuss entstand“. Den Höhepunkt seiner Schaffenszeit hier am Attersee verbrachte er in der Villa Oleander in Kammer. Klimt, der vor allem durch seine goldenen Bilder berühmt ist, nahm die Idee dazu aus Ravenna mit. Gold - die Farbe der Ewigkeit - auch seine Bilder sollten für die Ewigkeit bestimmt sein.

Nicht für die Ewigkeit bestimmt jedenfalls war das Geld, das er für seine Bilder einnahm, es ging ihm ebenso flüssig von der Hand wie das Malen. Ein Grund, weshalb er von der Familie seiner Muse Emilie nicht akzeptiert wurde. Der Geldadel konnte es nicht mit Leuten, die den schnöden Mammut nicht zusammenhalten konnten. Allerdings - seine Bilder kauften sie schon, schließlich gehörte es zum guten Ton, zum Lifestyle, ein Bild von Klimt zu besitzen.

Emilie, seine Muse, war Modeschöpferin, die sich hier am Attersee mit Vorliebe in ihrer legeren Freizeitkleidung, losgelöst vom Zwang der damals herrschenden Korsetts für die Damen zeigte. Zahlreiche Fotos existieren von ihr mit den Kleidern mit Fledermausärmeln.

Losgelöst von den familiären Zwängen jedenfalls schienen sie hier am Attersee dennoch nicht gewesen zu sein. In Wien war Klimt ein ausgesprochenes Muttersöhnchen, er wohnte mit seiner Mutter und seiner Schwester unter einem Dach, hielt sich aber tagsüber in seinen noblen Ateliers auf. Dort liefen die nackten Modelle herum. Die, sobald sie eine Pose einnahmen, die Klimt zu malen beabsichtigte in dieser Position stehen bleiben mussten.

Die Sommerfrische verbrachte Klimt 1900 bis 1907 in Litzlberg im Bräuhaus, 1908 bis 1912 in der Villa Oleander in Kammer. 1913 schweifte er ab an den Gardasee, wohnte aber dann wieder am Attersee. 1914 bis 1916 im Forsthaus in Weißenbach. Die Villa Paulik, deren Bilder über die ganze Welt gingen, gehörte dem Bruder der Emilie. Klimt aber hat vermutlich die Villa in Seewalchen am Attersee selten betreten. Meist saß er an der Seepromenade dort und gab sich mit seiner Emilie den Tagträumen hin. Die Villa Paulick gilt heute als ein seltenes Beispiel einer zur Gänze erhaltenen Gründerzeitvilla. Von dort eröffnet sich auch der Blick hin zum Schloss Kammer.

Das Bild der Villa Paulick wurde berühmt, obwohl Klimt das Haus nie gemalt hat

Im Nordteil des Attersees in der Nähe von Seewalchen befindet sich das eigentliche Klimt-Gebiet. Auf der kleinen Insel Litzlberg am Ufer stand auch das Bräuhaus, in dem Klimt wohnte. Zwischen Seewalchen und Schörlfing liegt auch der Klimt-Themenweg. Beginnend in Schörfling am Ufer bis Seewalchen zur Villa Paulik. Auf 1 1/2 Kilometer blickt der Besucher immer wieder durch eine quadratische Öffnung in den Klimt-Stelen auf die realen Bilder der Natur. Wie sie der Künstler gesehen und auf das Gemälde übertragen hat. Die Info-Tafeln geben Aufschluss über Gustav Klimts Aufenthalt in der Region. Schwerpunkt des Themenweges sind jene Orte, an denen Klimts Landschaftsbilder entstanden sind. Die Säulen an der Promenade sind mit quadratischen Ausschnitten versehen. Beim Blick durch diese Ausschnitte kann man -ähnlich wie Klimt selbst mit einem Sucher aus Pappe vorgegangen ist - die Landschaft aus der Sicht des Künstlers betrachten und mit seinen Werken in Zusammenhang bringen.

Die Quadrate in den Stelen eröffnen den Blick für Klimts „Ausschnitte“

Im Juli und August finden jeden Samstag um 14.00 Uhr Führungen zum Thema Klimt statt. Teilweise zu Fuß und teilweise mit dem Schiff. Die Fuß- und Schiffsführung kostet 15 Euro inklusive Schifffahrt (Nordrunde des Attersees). Während der Führung werden nicht die künstlerischen Aspekte und Standpunkte betrachtet, thematisiert wird sein Leben und die Orte, an denen er stand während er seine Bilder gemalt hat. Ein Klimt-Führer begleitet die Besucher und erzählt Wissenswertes und Anekdoten aus dem Leben des berühmten Jugendstilmalers. Die „Rundreise“ dauert ca. 2 Stunden und kostet 15 Euro inklusive Bootsfahrt.

Am anderen Ende des Sees, während einer Bootsfahrt auf der „Südrunde des Attersees“ passiert man die Ortschaft Unterach, welche Klimt von der anderen Seite des Sees, von Weißenbach aus, gemalt hat. Es eröffnet sich der berühmte Klimt-Blick auf die Kirche und den Park, in dem heute eine Büste des Malers steht. Unterach wird auch als „das Venedig vom Attersee“ bezeichnet, die Häuser stehen teilweise auf Pfahlkonstruktionen. In Unterach soll bis 2013 auch das Klimt-Zentrum realisiert werden. Als Ableger des Leopold-Museums in Wien, dem zweitgrößten Klimt-Museum in Österreich.

Das größte Passagierschiff am Attersee trägt selbstverständlich den Namen „Gustav Klimt“. Auf ihm findet Mitte Juli jeweils die Klimt-Geburtstagsrundfahrt statt. Eine Rundfahrt über den See auf der so genannten Nordroute dauert ca. 1 Stunde, der große Rundkurs Süd 2 1/2 Stunden. Auf den Schiffen der Atterseeschiffahrt werden darüber hinaus diverse Rundfahrten zum Thema Villen und Künstler angeboten. Klimt war nicht der einzige Künstler, welcher den Attersee zu schätzen wusste.

Auch Gustav Mahler komponierte während seines Aufenthalts am Attersee seine 3. Symphonie Schöpfung. Im Komponierhäuschen mit traumhaften Blick auf das Höllensteingebirge. Mahler war sehr lärmempfindlich. So sollte seine Schwester einen Ort suchen, an dem absolute Ruhe herrschte und glaubte ihn in Steinbach gefunden zu haben. Allerdings hatte sie den Lärm der Hühner nicht bedacht. Und so wurde das kleine Gebäude abseits des Wirtshauses für ihn zum Komponieren errichtet.

Im „Zentrum“ von Weißenbach steht das Komponierhäuschen von Gustav Mahler

Weiteren Künstlern, die in Steinbach und Weißenbach gelebt haben, begegnet man auf dem Künstlerweg rund um die beiden Ortschaften. Franz von Schönthan, Charlotte Wolter, Hedwig Bleibtreu. Sie alle wurden vom Attersee und seiner faszinierenden Schönheit inspiriert.

Auch Friedrich Gulda, ein sehr exzentrischer Künstler, wohnte in Weißenbach am Attersee. In späteren Lebensjahren konnte es schon Malvorkommen, dass er nach der Pause nackt auf der Bühne erschienen ist, weiß Wiener zu berichten. Guldas Leitspruch war: „Erst die Improvisation macht aus einem Tastendrücker einen Musiker.“ Gulda galt als einer der größten Klaviervirtuosen der Welt. Einen Rang, den er sich hart erkämpfen musste. Bereits mit sechs Jahren musste er ständig Klavier spielen. Später stand Gulda stundenlang am See, am Straßenrand sein Ferrari. Eine Anekdote erzählt, wie Wiener zu berichten weiß, dass Gulda einst seinen Tod inszenierte. Über die traurige Nachricht in den Medien soll er sich köstlich amüsiert haben. Allerdings gab es bei seiner Rückkehr an den Attersee ein kleines Problem mit seiner Nachbarin, die ihm mitgeteilt haben soll: „Mit Toten spreche ich nicht“. Die Meldung an seinem tatsächlichen Todestag lautete dann auch „Nicht schon wieder“. Nun ist er allerdings tatsächlich tot und liegt - seinem Wunsch entsprechend - auf dem Friedhof vor der Kirche in Steinbach mit Blick auf dem Attersee. Seine Bank, von der aus er oft auf den Attersee geblickt hat, steht heute noch unberührt an der Stelle.

In der kleinen Ortschaft Unterach am südlichen Teil des Attersees genoss auch Maria Jeritza, eine der faszinierendsten und Opernsängerinnen ihrer Zeit das Panorama des Attersees. Ebenfalls in Unterach verwandelte Viktor Kaplan sein Anwesen Rochuspoint in ein eigenes Kraftwerk und lebte dort autark. Der Viktor-Kaplan-Themenweg gibt Einblick in das Leben und Wirken eines der bedeutendsten Erfinder Österreichs. Viktor Kaplan wurde 1876 geboren und starb 1934 in Unterach am Attersee. Der Ingenieur verbrachte hier seine letzten Lebensjahre.

In Nußdorf lebte Baron Eugen Freiherr von Ransonnet. Der Künstler, Forscher und Abenteurer malte um 1870 in einer Taucherglocke sitzend die Korallenwelt des Indischen Ozeans und sammelte auf seinen Weltreisen botanische Raritäten, die er im Garten seiner Villa in Nußdorf pflanzte. Ebenfalls in Nußdorf in der Villa des Grafen Ransonnet lebte bis 1949 der Künstler Sigmund Walter Hampel. Er war bei der Gesellschaft der Wiener Avantgarde und auch bei der Hagengesellschaft, welche die Secession gründete und verstarb 1949 in Nußdorf.  

Tourismusverband der Ferienregion Attersee-Salzkammergut, Nussdorferstraße 15, A-4865 Attersee, Tel. +43 (0) 7666-7719, info@attersee.at - www.attersee.at

Salzkammergut Tourismus - Salinenplatz 1, A-4820 Bad Ischl, Tel. +43 (0) 6132 269090, info@salzkammergut.at - www.salzkammergut.at

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

 

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