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So ein Theater und noch viel mehr!
Seit mehr als 30 Jahren: Als im Herbst 1990 in Schwedt die Gründung der Uckermärkischen Bühnen Schwedt verkündet wurde, brachte das nicht wenige im Lande ins Grübeln. Weder das brandenburgische Kulturministerium in Potsdam, noch Theaterkollegen oder die Presse hatten für das, was in der Oderstadt geschehen war, eine passende Schublade. Kulturhaus und Theater der Stadt Schwedt fusionierten unter der Regie des Theaters in einer bundesweit einmaligen Konstellation zu den Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Eine Einrichtung, in der es neben dem Repertoire eines Schauspieltheaters mit eigenem Ensemble unter anderem Unterhaltungsveranstaltungen, Konzerte, Kino und Ausstellungen gab und gibt. Eine Einrichtung, die also mit dem klassischen Drei-Sparten-Begriff vom Theater, den Angeboten in den Bereichen Schauspiel, Musik und Ballett, nicht mehr fassbar ist und sich scheinbar in kein Raster einfügt. Bezeichnungen wie „Gemischtwarenladen“ sollen damals nicht die unfreundlichsten Bezeichnungen gewesen sein. Am „richtigen Theater“ Uckermärkische Bühnen Schwedt zweifelt heute niemand mehr. Angesichts der Suche von neuen Wegen in einer Zeit knapper öffentlicher Kassen ist inzwischen sogar vom „Schwedter Modell“ die Rede.
Elfen – vor der neuen Freilichtbühne
Der Start Schwedts als Theaterstadt ist bereits im 18. Jahrhundert zu verzeichnen: Neben dem Schloss am Ufer der Oder gab es unter im letzten Markgrafen nach 1771 ein Hoftheater, in das nicht nur Schwedter Bürger, Angehörige des Militärs und des Hofes freien Eintritt hatten, sondern wo es für Beamte auch die Pflicht zum wöchentlich zweimaligen Theaterbesuch gab - ein Umstand, der in der Marketingabteilung des Theaters heute übrigens auf sehr großes Interesse stößt...
1788, nach dem Tod des Markgrafen, endete die kurze Episode Schwedts als Theaterstadt, die bis nach Berlin ausstrahlte. Sie sollte erst 200 Jahre später wieder belebt werden. Als Privileg für den neuen Industriestandort Schwedt, derartige Angebote waren überwiegend den Bezirksstädten vorbehalten, wurde am 7. Oktober 1978 das Kulturhaus Schwedt eröffnet. Ein Jahr später zog das bis dahin in Prenzlau beheimatete Theaterensemble ebenfalls in die Oderstadt. Kulturhaus und Theater haben bis zu ihrer Fusion im Jahr 1990 unabhängig voneinander – und, wie Zeitzeugen aus beiden Einrichtungen berichten, zum Teil gegeneinander – ihr eigenes Profil entwickelt. Der Name Uckermärkische Bühnen Schwedt gab für das neue Haus als Programm vor. Das Ergebnis der politischen Kreisgebietsreform 1993 vorweg nehmend, das aus drei Landkreisen und einer kreisfreien Stadt den Landkreis Uckermark schuf, trat man unter dem zunächst kühn anmutenden Motto „Hier machen wir das Theater“ mit einem künstlerischen und kulturellen Angebot für diese Region, für die Uckermark, an.
Das seit 1995 als Eigenbetrieb der Stadt Schwedt arbeitende Theater hat insgesamt 99 Mitarbeiter, davon 15 Schauspielerinnen und Schauspielern, zu Zeit der Fusion waren es in beiden Einrichtungen zusammen 163.
Neben der Entwicklung eines neuen und in der deutschen Theaterlandschaft bislang beispiellosen Profils standen schnell auch ökonomische Überlegungen zur Erhöhung der eigenen Einnahmen auf der Tagesordnung. Mit fast 20 Prozent Eigeneinahmen sind die ubs, die vom Land Brandenburg, der Stadt Schwedt und dem Landkreis Uckermark gefördert werden, heute das am wirtschaftlichsten arbeitende Theater Brandenburgs.
Intendant Reinhard Simon
„Auch im Bundesmaßstab kann sich unser Theater sehen lassen!“
Die ubs verfügen über einen Theater- und Veranstaltungskomplex mit mehreren Spielstätten: über das Große Haus, das einstige Kulturhaus mit einem 1999 modernisierten Saal mit einer Kapazität von 832 Plätzen, das „intime theater“ mit Studiobühnencharakter für 100 Zuschauer und die neue Parkbühne am Ufer der Alten Oder für 400 bis 700 Besucher. 2003 entstanden mit Mitteln der EU eine kleiner Saal mit 300 Plätzen und ein Hauptfoyer. Mit diesem Foyer, das alle Gebäudeteile miteinander verbindet, wurde also nach der organisatorischen Fusion von Kulturhaus und Theater auch die architektonische vollzogen. Vor allem innerhalb des Großen Hauses gibt es eine Reihe kleinerer alternativer Spielstätten – im Prinzip wird jeder Raum, in dem es nicht aus Sicherheitsgründen verboten ist, Theater gespielt: im Lastenaufzug, im Foyer, auf der Hinterbühne, in diesem Jahr erstmals auch auf der Unterbühne.
Statistisch gesehen besucht jeder Uckermärker in jedem Jahr eine der 650 Veranstaltungen der Uckermärkischen Bühnen: Schauspiel von Faust bis Weihnachtsmärchen, Revue und Musiktheater, Shows und Konzerte von Silly bis zur Philharmonie Stettin, Wirtschaftsmesse Inkontakt, KulinariUM, Parteitage, Fernsehaufzeichnungen, Lesungen, Puppentheater, Parkfestspiele, Podiumsdiskussionen, Firmenfeiern … Viel zu tun für eine fast Zwanzigjährige, die sich auch jederzeit auf die Erfahrungen einer mehr als 30-Jährigen stützen kann. Zum Jubiläum 2008 wurde übrigens noch einmal das Stück gezeigt, mit dem das Kulturhaus 1978 eröffnet wurde und dessen Titel die Arbeit der Bühnen seither programmatisch bestimmt: „Was ihr wollt“.
Wiederaufbau der historischen Schlossgitter vor dem Theater
Schwedt ist eine Reise wert! www.schlossgitterverein-schwedt.de
Zahlen und Fakten: Eröffnung des Kulturhauses Schwedt am 7. Oktober 1978, Umzug des Theaterensembles von Prenzlau nach Schwedt – ab 1. 1. 1979 Theater der Stadt Schwedt, 19. Oktober 1990: Zur Premiere des Musicals „Linie 1“ verkündet Intendant Reinhard Simon den Start der Uckermärkischen Bühnen Schwedt, ab März 1990 Engagement von Absolventen der (West-)Berliner Hochschule der Künste (HdK) – eines der ersten deutsch-deutschen Theaterensembles, seit 1992 Zusammenarbeit mit polnischen Partnern, 2001 Verleihung des „Walter-Mertineit-Preises“ der UNESCO für internationale Zusammenarbeit
Kontakt
Uckermärkische Bühnen Schwedt - Eigenbetrieb der Stadt Schwedt
Intendant Reinhard Simon
Berliner Strasse 46-48, D-16303 Schwedt
Von Eva Schuster
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