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Udo Lauer und seine Fotos
Sehr verehrte ReiseTravel User, ein Foto ist der Augenblick einer Ewigkeit. Es hält für eine sehr lange, vielleicht mehrere Generationen überdauernde Zeit einen Moment fest, für immer und – unveränderbar.
Die Sekunde im fortlaufenden Geschehen bleibt „fest-gehalten“ für eine ganz lange Zeit. Wenn wir ehrlich sind, lassen wir es so, wie es ist. Wenn wir ändern wollen, dann manipulieren wir durch Retusche oder wir fälschen die Realität durch elektronische Veränderung, oder wir vernichten gar den Augenblick durch Löschen.
Wahr ist: Eine konkrete Sekunde wird als Fotografie Teil der Geschichte. Sie behält ihren Inhalt, ihre konkrete Realität.
Zeit wird so zur Dauer.
Das scheinbar rasch Vorübergehende wird bleibend haptisch; - ich kann den Moment fassen, ihn körperlich, gegenständlich festhalten in unverfälschter Wirklichkeit.
Das war ja überhaupt das Bestreben vieler Gelegenheits- und Amateurerfinder zu Beginn des bürgerlichen Zeitalters um 1800 gewesen: Ein getreues, unbestreitbar reales – also nicht mit dem Pinsel gemaltes „gefälliges“ – Abbild der Wirklichkeit, echt und für ewig unveränderbar festgehalten, so jedenfalls, wie die Wirklichkeit sich allem Anschein nach tatsächlich darbot. Hieraus leitete sich die Motivation für Niecéphore Nièpce (so jedenfalls meine ich, sprachen die Zeitgenossen seinen Namen; ihm glückte nichts weiter bedeutendes, soweit bekannt) ab, der den Beginn für eine ganz neue Technik der Wirklichkeitswiedergabe setzte, was aus der Haltung der Französischen Revolution zur gesellschaftlichen und politischen Gesamtsituation in Europa erwuchs. Die bildnerische Ausdrucksform und dem nüchternen, auch wirtschaftlichen Realitätssinn des Bürgertums entsprach die Fotografie: nicht die Malerei mit ihrer Tendenz zu verklären.
So entstand die erste Fotografie der Welt aus dem Bestreben nach Realem, Wahren und nach bleibend Dokumentarischem.
Dieses allererste Foto von Nièpce im Süden Frankreichs aufgenommen, zeigt in noch ziemlich undeutlichen Umrissen, ja fast schummrig, den Blick aus einem Fenster auf den Hof des Urhebers. Freilich benötigte er noch einen ganzen Tag Belichtungszeit, bis dieser Ausschnitt der Realität sich gleichsam selbst auf einer Metallplatte abgelichtet hatte.
Was war geschehen?
Ein Einzelner – der Fotograf – gab erstmals seine wirkliche Welt in mikrokosmischem Ausschnitt wieder. Der Ausschnitt aus dem Gesamten ist das Gegenüber des Einzelnen!
Die Begegnung mit dem Augenblick findet statt für einen mehr oder weniger längeren, später dann, nach der Erfindung der Momentfotografie, für einen kürzeren oder sehr kurzen Augenblick, welcher die Gegenwart zu bleibender Geschichte macht und verewigt.
Und mit Daguerre, dem späteren Partner von Nièpce, der mit der camera obscura arbeitete, die durch eine Linse technisch verbessert worden war, sowie mit chemischen Substanzen, die auf eine Platte aufgebracht wurden, ist die Fotografie, heute mit den Mitteln der digitalen Elektronik, zum dominanten bildnerischen Medium unserer Neuzeit seit dem 19.Jahrhundert geworden mit unzählbaren Milliarden von Fotoaufnahmen jährlich rund um den Globus.
Freilich: Das Festhalten und Verewigen des Realen und Wahren allein ist dem, der bildnerisch, ob fotografisch oder malerisch, arbeitet, nicht ausreichend. Er will etwas sagen, vermitteln, ausdrücken, oder aber auch etwas verbergen, verhüllen im Sichtbaren.
Realität ist so gesehen eine zu interpretierende Wahrheit.
Und nun:
Was immer der Inhalt, das Thema des Augenblicks ist:
Das Foto erzählt Geschichten, es vermittelt Botschaften, es schildert und bildet Stimmung, Atmosphäre, es zeigt uns etwas, schwarz, weiß, farbig, wir nehmen Gegenständliches als Spur auf und versuchen den Blick, neugierig, hinter Form und Gestalt.
Wir lesen im Bild. Das Foto wird zur Erzählung, zum Buch, es erzählt uns Hintergründe.
Es macht den Augenblick zum Kosmos eines Ganzen.
Der Ausschnitt aus dem Gesamten erhält durch die Aussage wieder ein Gesamtes, freilich in einer hintergründigen dritten, unsichtbaren Ebene und Dimension.
Landschaften gebären Fantasien!
Häuser machen neugierig auf Menschen und ihr Tun in ihnen.
Menschengesichter machen neugierig auf ihre Lebensgeschichte.
Gesichter sprechen wirklich Bände.
Soll heißen: sie erzählen Geschichten vom Leben mit Freude und Trauer, mit Schmerz und Wonnen und werden so zum Buch, zu einer Lektüre mit vielen möglichen Interpretation, aus der wir eine Auswahl treffen.
Sehen heißt in diesem Sinn: wir bestimmen beim Betrachten einer Landschaftsfotografie in dieser Landschaft unseren Ort.
Wir lesen uns sozusagen in den Ort, in die Landschaft ein:
Das rauschende, wilde Meer macht uns Angst,
die ruhige, glatte See lässt uns die Zeit vergessen,
Gebirsgmassive machen uns demütig.
Sehen wir Gesichter in Fotografien, lesen wir in Charakteren und Stimmungen, die uns Botschaften vermitteln, die wiederum in uns selbst emotionale Zustände auslösen.
Aus unbeteiligtem sehen und betrachten wird durch das Lesen in Fotos aktive Anteilnahme mit-fühlen, mit-machen: - Mit-Leid, Mit-Freude!
Es gibt viel zu lesen in Fotografien, - Geschichtenbücher unseres eigenen Erlebens!
Fotos sind stets unser Gedächtnis und oft unser Vermächtnis. Sie bleiben von uns übrig, wenn wir nicht mehr real sind. Sie zeigen uns in gleicher Weise, aber unverrückbar, erwecken erneut Sympathie oder Abneigung, schaffen Interesse an uns oder Beiläufigkeit.
Aber immer erwecken Gesichter die Erinnerung an Geschichten, die einmal das Leben schrieb und in denen man Teil eines Buches war – und was ganz wichtig ist: - immer bleiben wird.
Das Foto bleibt stets ein Teil unserer fassbaren Identität, unserer eigenen Lebensgeschichte.
Es erzählt uns auch von Persönlichkeiten, über die wir sagen:
„sie haben wir auch gekannt“ – ohne dass wir sie wirklich kannten oder kennen.
Wir haben die Menschen, denen wir hier in dieser Ausstellung mit den Fotos von Udo Lauer begegnen entweder gar nicht, oder mehr oder weniger oft persönlich getroffen. Wir kennen sie in der Regel aber nicht wirklich und doch wissen wir mit ihrer Physiognomie mehr über sie, bleibt mehr von ihnen im Gedächtnis, wird mit den Fotos über sie vermittelt.
Die Fotografie ist das Medium einer vielleicht sehr intensiven Begegnung mit Menschen, die wir nur selten oder aber niemals in unserem oder deren Leben getroffen haben oder treffen. Die Gesichter, die Mimik, festgehaltene, gebannte Bewegung, sei es nur ein Augenschlag, der zum Augenblick wird, bleibt für immer haften, vermittelt eine Erzählung von einem Menschen.
Die Fotografie von Personen vermischt sich mit diesen Erzählungen, den Eindrücken, den Berichten von ihnen und über sie und kann Teil einer Legende werden. Diese Legende rankt sich um ein Foto, das Menschen visuell verewigt.
Ich meine, über die Qualität der Fotografie als Kunst gibt es heute nichts mehr zu reden. Diese Diskussion ist ausgestanden spätestens seit der Documenta VI und VII in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen sich auch in Deutschland ein gemeinsames Verständnis zur Fotografie als Kunstform gefunden und weiterentwickelt hat.
Die Fotografie kann mehr sein als bloße Realität. Hinter der Darstellung ist eine Idee und dies schon ist die Ästhetik der Kunst. Gut oder schlecht ist für diese Definition ohne Belang.
Heute wünsche ich Ihnen und uns die ganze Vielfalt von Geschichten in Menschenbüchern, die sich hinter den Gesichtslandschaften und Augenblicken der Begegnungen unseres Künstlers, Udo Lauer zunächst verbergen und im Betrachten und Nachdenken auftun.
Nachdenklichkeit ist ein souverän-vergnügliches Tun. Und vielleicht spornt diese Art von Vergnügen die Sponsoren dieser Fotoausstellung, die etwa 60 Bilder, die seit 1970 entstanden sind, werden ab Oktober auch im Taschenbergpalais in Dresden zu sehen sein, wünschenswerter Weise noch zusätzlich an, die Betrachtung des Gesehenen in einer gesammelten Broschüre der Fotografien zu vertiefen.
In diesem Sinne uns einen interessanten Abend und den vielen Besuchern dieser Ausstellung in diesem öffentlichen Raum reiche und in der Erinnerung bleibende, fruchtbare Foto - Begegnungen!
Sehr verehrte ReiseTravel User, Willkommen zur Fotoausstellung von Udo Lauer in Karlsruhe.
Ihr
Dr. Dieter Bosch
Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung HfG Hochschule für Gestaltung Ulm
Fotoausstellung: Begegnungen. Gesichtslandschaften und Augenblicke von Udo Lauer und dessen Antwort:
„Wer in mein Gesicht schaut, schaut in meine Seele“ In wessen Seele schauen wir denn da eigentlich? Charakterstudien im Gesicht der gezeigten Personen? Über den Fotografen? Oder sieht man sich ganz persönlich, selber, - wie in einem über deutlichen Spiegel? Oder vielleicht meinen Nachbarn?
Ist es eine Erinnerung die ich da in der Gesichtslandschaft sehe?
Adele Sandrocke sagte: „Ein Gesicht ohne Falten, ist wie nicht geliebt.“ Alle Fotos sind aktuell entstanden! Zwar aus dem berühmten „Bauch“ heraus. Draußen auf der freien unerbittlichen Wildbahn der aktuellen Terminen, in Bruchteilen von Sekunden. Aber in aller Ruhe von Innen heraus. Fotografieren heißt für mich: Als Bogenschütze sein Ziel zutreffen ohne den Pfeil abzuschicken. Eins werden mit seinem Gegenüber und dem zukünftigen Bild.
Darum kann ich sagen, meine Kinder oder Freunde schauen Sie und mich an.
Mit allen die hier als Foto anwesend sind, verbindet mich eine Unzahl von Geschichten. Die vielen Geschichten sind so viele geworden weil alle wussten, Lauer liegt zwar auf der „Lauer“ als Fotojournalist und Nachrichtenhändler. Aber, der Udo schweigt.
Dieses werde ich auch heute nicht ändern.
Ein Foto ist nur ein Bild, wenn es mehr sagt als 1.000 Worte und mindesten DREI Meinungen weckt. In allen Sprachen dieser Welt. Egal, ob mit Film oder Chip in DIN oder Asa jetzt in Pixel Egal welche Kammara der Fotograf benutzt. Wenn ein Nichtsehender durch den Sucher schaut, wird nur geknipst. Sehen lernt man nur, wenn drei Tugenden beherrscht werden: Verschwiegenheit, Bescheidenheit und Wissen um den Termin. Sie könnten auch Meistertugenden heißen. Fast alle hier gezeigten Fotos sind mit einem Fotoapparat Namens Praktika fotografiert worden.
Rückblickend freue ich mich im letzten Monat meine Friedensallee verlängern zu können. Heute ist auch der Tag der DEUTSCHEN SPRACHE“
Also reden wir miteinander.
Es ist mir eine Ehre an dieser Stelle Dank zu sagen Ihnen Herr Pfarrer für die Gastfreundschaft hier in der Kirche Dir Ulf für die Musik, gestern wurde Deine Komposition vor dem Papst gespielt. Ihnen allen für Ihr Lesen.
„Wer in meinen Park schaut, schaut in meine Seele" sagte eins der Fürst Pückler.
„Wer in unser Gesicht schaut, schaut in unsere Seelen“ sagen die hier ausgestellten Personen.
Herzlich Udo Lauer
Fotoausstellung: Begegnungen. Gesichtslandschaften und Augenblicke von Udo Lauer in Karlruhe, bis Ende Dezember 2011
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