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Neuburg a.d. Donau

Wie neu ist Neuburg an der Donau?

Kunst und Kultur in Neuburg an der Donau 

Neuburg ist nicht neu und die "Junge Pfalz" nicht jung: Definitiv wahr ist aber die Behauptung, mit einigen herausragenden „Attraktionen“ aufwarten zu können. Wie z.B. die Meisterwerke von Peter Paul Rubens, welche im Schloss in Neuburg an der Donau der Öffentlichkeit präsentiert werden, die alten Bücher in der historischen Bibliothek, die älteste lutheranische Schlosskapelle und und und.

Ansonsten - der geschützte Platz hoch über der Donau in Neuburg wurde bereits in der Steinzeit genutzt, eine alte Burg befand sich bereits zur Zeit der Agilofinger im Frühmittelalter an der Stelle des heutigen Schlosses und die "Junge Pfalz" wurde vor etwa 500 Jahren gegründet.

Neuburg

Um vieles in kultureller Hinsicht bräuchten sich die Neuburger eigentlich gar nicht zu kümmern. So einiges wurde ihnen von den Pfalzgrafen einfach so mit auf den Weg gegeben. Neuburg an der Donau war einst der Hauptort der Dynastie der Pfalzgrafen der "Jungen Pfalz". Diese stammten von den Reichen Herzögen Niederbayerns ab und brauchten, zumindest am Anfang mit dem schnöden Mammon nicht zu hadern. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg, in dem blutig um das Erbe Herzog Georgs des Reichen gerangelt worden war, erhielten seine Enkel sozusagen als Trostpflaster ein zersplittertes Gebiet mit Neuburg an der Donau als Hauptstadt.

Neuburg

So setzte also in Neuburg unter Ottheinrich (1502 bis 1559), dem ersten Herrscher der "Jungen Pfalz" der Bauwahn ein. Die bedeutendste Epoche der Stadt begann, in der das mittelalterliche Stadtbild völlig verändert wurde. Neuburg wurde zur Stadt der Renaissance und des Barock, wie sie sich heute noch zeigt. Allerdings versiegt jede Quelle einmal - auch die der Reichen Herzöge. Heute stört das die Neuburger längst nicht mehr, die Prachtstücke stehen nun schon da und müssen "nur" noch erhalten werden.

Eine große Aufgabe bekanntlich - äußerst wertvoll sind die Hinterlassenschaften der Neuburger Herrscher. Das wiederum braucht den Gast nicht zu kümmern, der zum Staunen und Schauen hierher kommt.

Da stehen gleich mehrere Exemplare in der pittoresken, in sich geschlossenen Altstadt. Bequem zu Fuß zu erreichen. Am besten im Rahmen einer Stadtführung. Ohne die kommt man nämlich in die Bibliothek nicht hinein. Das wäre jammerschade. Der historische Büchersaal aus dem Jahr 1730 ist ein bemerkenswertes Kleinod mit garantiertem Oh-Effekt. Ein Frührokokobau mit prachtvollem barockem Schrankwerk mit liebevollen Details. Darüber befindet sich die kleinste Staatsbibliothek Bayerns.

In dem im Biedermeierstil gestalteten Stadttheater hebt sich heute noch der Vorhang ebenso wie in der Neuburger Kammeroper, der kleinsten Opernbühne Deutschlands. Erhalten sind auch noch das Obere Tor, die Münz, der Hexenturm, die Hofapotheke oder auch der Marstall. Ein ehemaliges Adelspalais beherbergt heute das Stadtmuseum mit einer Dauerausstellung über die Stadtgeschichte und Wechselausstellungen zu Sonderthemen.

Eine Gedenktafel in der Amalienstraße erinnert an den zwangsweisen Aufenthalt des Historikers, Johann Georg von Lori, der von Kurfürst Karl Theodor hierher verbannt wurde, weil er ihm einen Deal vermasselt hatte. Es ging dabei um Belanglosigkeiten wie den Eintausch Bayerns an Österreich.

Das Schloss auf dem Jurafelsen ist heute die Heimat der Staatsgalerie flämischer Barockmalerei als Zweigstelle der Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Im ehemaligen Festsaal des Schlosses und einzigem Renaissancesaal mit freitragender Decke diesseits der Alpen finden sich bedeutende Werke des Malers Peter Paul Rubens.

Wolfang Wilhelm hatte insgesamt drei Altargemälde für die Hofkirche in Neuburg bei dem großen Meister bestellt. Die beiden Seitenaltäre mit der "Anbetung der Hirten" und der "Ausgießung des Heiligen Geistes" sowie das "Jüngste Gericht". Es gab allerdings eine Zeit, da wusste man gerade letzteres, dieses heute so berühmte Bild nicht zu schätzen. Um das 17. Jahrhundert musste es gelegentlich verhängt werden, weil zu viele „Nackedeis“ darauf abgebildet waren. Es ist heute in der Alten Pinakothek in München zu betrachten, die beiden Werke für die Seitenaltäre befinden sich nach 300 Jahren nun wieder in Neuburg.

Weitere 150 Gemälde von Rubens und seiner Werkstatt sowie anderer berühmter Maler der flämischen Malerei wie z.B. Anthonis van Dyck, Jan Brueghel dem Älteren werden in den Schlossräumen zur Schau gestellt.

Im Haupttrakt des Schlosses wird die Geschichte des Fürstentums veranschaulicht, welches keine unbedeutende Rolle spielte. Unter Ottheinrich war es Wiege der Reformation, Neuburger Fürsten wirkten als Kurfürsten von der Pfalz in Heidelberg, Düsseldorf und Mannheim. 1777 erbte der letzte Regent, Karl Theodor (1724-1799) das komplette Fürstentum Bayern, eine Art historische Wiedervereinigung sozusagen. Rund 550 Kunstwerke, Porträts, Bildteppiche und Möbel veranschaulichen ein spannendes Kapitel Pfalz-bayerischer Geschichte.

Als fünftes Zweigmuseum führt hier außerdem die Archäologische Staatssammlung München durch Jahrmillionen erdgeschichtlicher Entwicklung und Jahrtausende menschlicher Kulturgeschichte.

In seiner Funktion als einziges Residenzschloss der Fürstentums Pfalz-Neuburg genießt die Anlage, deren vier mächtige Flügel sich um einen Innenhof mit Arkadengängen schmiegen, besondere Bedeutung. Beeindruckend sind auch die Sgraffito-Malereien an der Hoffassade.

Die Schlosskapelle, auch die Sixtinische Kapelle des Nordens genannt, wurde 1543 von Hans Bocksberger ausgemalt und gilt als erster ältester lutheranischer Sakralbau der Welt. Sehenswert sind auch der holzvertäfelte Rittersaal sowie die barocken Schlossgrotten.

Die gesamte Altstadt von Neuburg wird all zwei Jahre zum Schauplatz für das Schlossfest, dem zweitgrößten historischen Fest dieser Art in Bayern gleich nach der Landshuter Hochzeit. Einen passenderen Ort könnte es gar Nichtgeben. Verdankt doch Neuburg eigentlich seine Blütezeit dem unglücklichen Umstand, dass aus eben dieser großen Landshuter Heirat keine männlichen Erben hervorgegangen sind.     

Tourist-Information - Ottheinrichplatz 118 A, D-86633 Neuburg an der Donau, Tel. +49 (0) 8431/55240, tourismus@neuburg-donau.de - www.neuburg-donau.de  

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Neuburg an der Donau 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.  

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