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Landshut

Archäologie hautnah

Archäologie. Das besagt wesentlich mehr als graben, schaufeln und in der Erde wühlen. In der Sonne braten oder vom Regen überschüttet zu werden. Archäologie ist – lebendig präsentiert  - ausgesprochen spannend und lohnt, sich einen praxisorientierten Einblick zu verschaffen. A special kind of lifestyle – real feeling. Archäologie weckt ebenso sehr viel Gefühl. Wer sich dem hingeben kann, dem eröffnen sich erstaunliche Eindrücke. Aus den prähistorischen Funden und Erkenntnissen entwickelt sich mit ein wenig Phantasie ein regelrechtes Kopf-Kino. In dem die Vorzeit lebendig wird.  

Sabine Erl

Um das Alter des Tierskeletts bestimmen zu können, benötigt man Keramikfunde

Wer sich selbst als Archäologe versuchen und an einer wissenschaftlichen Ausgrabung teilnehmen will, findet die Möglichkeit dazu in Niederbayern, der „Schatztruhe der Archäologie“.  Rund um Landshut im Herzen des Bayer. Golf- und Thermenlandes. Auf einer Reise durch acht Jahrtausende Menschheitsgeschichte beim „Abenteuerurlaub Archäologie“.

Das Bayerische Golf- und Thermenland als beliebte Reisedestination bietet neben seinen vielfältigen Möglichkeiten, dem Gesundheitsurlaub, dem Golf spielen, dem Radfahren entlang malerischer Flusslandschaften, der Kultur und der bekannten kulinarischen Genüsse seit 2004 auch ganz spezielle Eindrücke im Zuge einer Abenteuerreise in längst vergangene Zeiten.

Zugegeben, gelegentlich dauert es schone Weile, bis sich der Erfolg einstellt und ein Fundstück aus der Erde geborgen werden kann. Manchmal  gelingt dieses Highlight, in seltenen Fällen vielleicht aber auch nicht. Dazu benötigt Mann oder Frau wohl auch ein wenig Glück. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Langweilig jedenfalls dürfte es auch während der Ausgrabungen nicht werden. Wer keinen Goldschatz ausheben kann, findet vielleicht stattdessen die in unserer Zeit verloren gegangene Geduld, wird entschleunigt, wie wir es heute gerne bezeichnen. Keine Hektik ringsum, Zeit für sich und Zeit seine Gedanken schweifen lassen. Ausgrabungen sind ein klein wenig Meditation. Sich auf das begehrte Objekt konzentrieren und den Alltag ringsum hinter sich lassen – das ist eine der Perspektiven dabei. Archäologie geht in die Tiefe der Erde, aber auch der Seele. Sie zeigt uns was von uns bleibt und geht direkt ins Herz, erklärt Elmar Stöttner, der Organisator des Urlaubsangebotes „Abenteuer Archäologie“. Er weiß auch zu berichten von Bayerns „Stonehenge“, welches eigentlich älter ist als die Pyramiden. Bereits 4800 v. orientierte man sich hier an den Kriterien und Maßstäben, welche sich auch in Stonehenge wiederholen. Leider errichtete man hier die Meisterwerke aus Holz, welches dem schnelleren Verfall preisgegeben ist und deshalb heute nicht mehr in vollem Umfang besichtigt werden kann.

Natürlich werden die Hobby-Archäologen nicht ohne Einweisung auf das geschichtsträchtige Fleckchenen Erde losgelassen wie der Elefant im Porzellanladen. Vor dem „Sandkasten spielen für Erwachsene“ erfolgt ein Einführungsvortrag in die Grabungstechnik und die wissenschaftliche Fragestellung. Zum Abschluss erfolgt ein Grabungsfest.

Aus welchem Grund nun aber ist das Bayer. Golf- und Thermenland geradezu prädestiniert für das Angebot des Archäologietourismus, welches im gesamten deutschsprachigen Raum nur hier erlebt werden kann. Die Gäste kommen aus allen Teilen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und aus Holland: Mit seinen fruchtbaren Böden war das bayerische Unterland seit je her ein Paradies für die Menschen. Das Erbe aus vielen Epochen füllt heute ganze Museen. Niederbayern ist die Wiege der Bajuwaren und schreibt Kulturgeschichte beginnend um 5600 vor Christus mit Deutschlands ersten Bauern, wurde später von den Kelten geprägt, war Wohnsitz der Römer und die Bewohner mutierten in der Folgezeit durch die Verschmelzung der Kulturen zu einem unverwechselbaren Völkchen, den Bayern.

Einen Eindruck in den wechselvollen weiteren Verlauf niederbayerischer Geschichte eröffnet ein Besuch auf der Burg Trausnitz, die über der gotischen Stadt Landshut thront. Der Ausflug dorthin ist ebenfalls im Programm enthalten.

Im Rahmen des „Buddelevents“ werden darüber hinaus nicht nur Ausgrabungen durchgeführt, sondern auch weitere Ausflüge in die nähere Umgebung unternommen. Die Besiedelungen in Altdorf bei Landshut lassen sich z.B. über 7500 Jahre zurückverfolgen, das in einem 450 Jahre alten Bauernhaus entstandene Heimatmuseum zeigt Ausstellungsstücke, welche in der Umgebung von Altdorf gefunden wurden. Darunter findet der Besucher das älteste Kupferarmband Mitteleuropas und die älteste Tasse Mitteleuropas. Hier im Museum, erklärt die Leiterin Monika Weigl, ist jede Kultur vertreten.

Sabine Erl

Das Altdorfer Museum befindet sich in einem der ältesten Häuser Niederbayerns

In Landau an der Isar, wenige Kilometer entfernt von Landshut, wurde das Niederbayerische Archäologiemuseum errichtet, eine Zweigstelle der Archäologischen Staatssammlung München. In dem aus dem Jahr 1224 stammenden Kastenhof präsentiert man die berühmte Venus von Aufhausen aus den Jahren zwischen 4500 und 3900 vor Christus oder den Keltischen Münzschatz von Wallersdorf.

Im Gäubodenmuseum in Straubing befindet sich der Römerschatz, der größte bekannte Komplex römischer Paraderüstungen; das Museum Quintana in Künzing befasst sich mit der Archäologie, das Kastell Boitro in Passau ruht direkt auf den Fundamenten eines spätrömischen Kastells. Ein weiteres, das Römerkastell Abusina bei Bad Gögging wurde in die Liste als UNESCO-Weltkulturerbe mit aufgenommen. 

Rund um Kelheim präsentieren das Archäologiemuseum und der Archäologiepark im Altmühltal mit einer Gesamtausdehnung von 40 Kilometern Zeugnisse aus der Vergangenheit. Der Park liegt zum Großteil am Altmühlradweg und ist jederzeit kostenfrei zugänglich.

Die archäologischen Touristengrabungen werden seit 2004 veranstaltet. Mittlerweile haben die Teilnehmer bei ihren Ausgrabungen schon große Erfolge zu verzeichnen. So wurden von den „Hobby-Archäologen“ Gräber aus der Zeit der Schnurkeramiker (2400 v. Chr.) und der Hallstatt-Zeit (600 v. Chr.), ein Kultopferplatz aus der Bronzezeit um 1700 v. Chr. und eine Siedlung aus der Jungsteinzeit 4800 v. Chr. entdeckt.

Sabine Erl

Robert Graf, experimenteller Archäologe entfacht das Feuer mit Zunder

Bevor die Gruppe wieder in den Alltag entlassen wird, zeigt ein experimenteller Archäologe noch ein paar Tipps und Tricks unserer Vorfahren in Sachen Feuer machen oder Waffenproduktion à la Steinzeit. Im Rahmen eines  Vortrages eines international renommierten Forschers erlangen die Teilnehmer Erkenntnisse über die faszinierende Arbeit der Luftbild-Archäologie. Der Kurzurlaub kostet 900 Euro pro Woche. Die in der Regel 15 bis 25 Teilnehmer werden von zwei Archäologen betreut. Da so eine Ausgrabung, auch wenn sie nicht so bewegungsintensiv ist, hungrig macht, dürfen während der Reise natürlich auch die kulinarischen Spezialitäten der Region mit dem weltberühmten Nationalgetränk der Bayern, dem Bier in einem typisch bayerischen Biergarten nicht fehlen. Bei der Brotzeit lernt der Besucher die Gastlichkeit und die Menschen kennen.

Apropos lukullische Genüsse. Nicht nur für die Archäologen ist die fruchtbare Erde interessant, „Ausgrabungen“ ganz anderer Art bringen biologische Highlights zum Vorschein. Niederbayern ist das größte zusammenhängende Gurkenanbaugebiet Europas, berühmt für seinen Spargel und beinhaltet das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt.

Tourismusverband Ostbayern e.V. - Im Gewerbepark 4, D-93059 Regensburg, Tel. +49 (0) 941 58539-0, info@ostbayern-tourismus.de - www.bgutl.de - www.archaeologie-niederbayern.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich

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