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Potsdam

Aus Schandflecken Anziehungspunkte

Denkmalschutz im ländlichen Raum zum Nutzen aller 

Mindestens drei Finanzquellen lassen sich anbohren, wenn es sich um den Erhalt oder die Wiederbelebung von unter Denkmalschutz stehenden Baulichkeiten bzw. Anlagen und Einrichtungen handelt. Dabei geht es im Brandenburgischen keineswegs um das längst gesicherte Sanssouci und andere historisch repräsentative Objekte. Wie scheinbare „Kleinigkeiten“ Aufmerksamkeit und Förderung verdienen, ergab ein Exkurs rund um die Landeshauptstadt.

Die unterste Ebene der „staatlichen Beteiligung“ ist gewiss das vorrangig von privatem Interesse geprägte Vorhaben wie ein denkmalgeschütztes Gehöft in Philippsthal, das zu einem Restaurant mit Hofgarten umgestaltet wurde. Das hinfällige  ehemalige Kolonistenhaus hat der Gastronom Guido Hachel vor dem absoluten Verfall bewahrt. Für die 150 Einwohner des Ortsteils der Gemeinde Nuthetal dürfte das Objekt kaum lohnend gewesen sein. Da aber der neue Eigentümer viele alte Eigenheiten der Baulichkeit  für erhaltenswert hielt – so die offene Feuerstelle in der Schwarzen Küche  mit dem direkten Rauchabzug  übers Dach –, bildet  allein dieses Detail ein reizvolles Flair zum Verweilen ala’ Carte. 30 Gäste können zusätzlich im einstigen zur Lokalität  umgebautem Stall niveauvoll bewirtet werden. 265.000 Euro kostete die denkmalgerechte Sanierung .Davon kamen aus Brüssel 85.335 Euro, aus Landesmitteln verschiedener Ministerien (Kultur und Landwirtschaft) insgesamt 33.462 Euro  und der stattlich Rest aus dem Privatportemonnaie des neuen Hausherrn.

Eine Stufe höher aus Finanzierungs- und Nutzungssicht liegt das restaurierte Kossätenhaus  in Ferch am Schwielowsee. Seit etwa 130 Jahren zieht dieser Flecken  vorrangig  Landschaftsmaler an. Aber auch der namhafte belgische Architekt Henry van der Velde und die Bildhauerin Käthe Kollwitz fühlten sich hier wie zu Hause. Man kann getrost von einer Havelländischen Maler- und Künstlerkolonie sprechen. Für diese fand sich  eine repräsentative Heimstatt  im letzten vom totalen Verfall bedrohten Kossätenhaus des Ortes. Der im 18. Jahrhundert errichtete reetgedeckte Bau eines so genannten Häuslers war noch bis 1965 bewohnt. Im Jahr 2002 erwarb die Gemeinde Schwielowsee das unter Denkmalschutz befindliche Fercher Anwesen im Zusammenwirken mit dem Förderverein Havelländische Malerkolonie e.V. Gemeinsam entstand ein Museum für vor Ort geschaffene Gemälde. Bei einem Investitionsvolumen von 215.000 Euro kamen Zuwendungen aus der EU von 97.834 Euro, von Bundesmitteln über 19.566 Euro sowie aus der Landeskasse in Höhe von 13.044 Euro. Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 2008 konnten bereits mehr als 18.000 Besucher  Werke von den 40 Mitgliedern der Malerkolonie besichtigen.

Eine dritte Variante denkmalpflegerischer Aktivitäten bietet Paretz, ein Ortsteil der Stadt Ketzin im  Havelland. Hier wurde eine gutsmächtige Scheune, in der Heu und Stroh überwinterte und zu LPG-Zeiten Agrartechnik unter Dach kam, zu einer raumgreifenden  Kulturstätte für die breite Öffentlichkeit. Ohne das äußere Bild des landläufigen  nüchternen Fachwerkbaus grundlegend zu verändern, entstand ein Theater- und Konzertsaal mit rund 400 Plätzen. Bis auf den durch Traktoren und andere Landmaschinen ölverschmierten Tennenboden, der mit Betonestrich geglättet wurde und das bewusst sichtbar  erhaltene, aber stabilisierte Dachgebälk ist die einstige Gutsscheune eine Scheune geblieben. Leicht vorstellbar, dass anstelle der  400 Plätze für kulturelle Veranstaltungen wieder 400 Ballen Heu oder Stroh eingelagert werden könnten. Gerade diese Brücke vom Ursprünglichen zum Neuartigen macht Denkmalschutz so wertvoll. Dafür flossen aus dem brandenburgischen Programm für Dorfentwicklung und integrierte  ländliche Modernisierung ca. 850 000 Euro in den kleinen Ort Paretz.

Bei allen drei – Philippsthal, Ferch und Paretz -  sehr unterschiedlichen denkmalpflegerischen Maßnahmen zahlen sich bürgerschaftliches Engagement, staatliche und private Mittel zum Wohle aller aus. Aus bedrohlich abrissreifem historischem Bausubstanz entstanden so  durch die Denkmalpflege  neue, auch touristische Anziehungspunkte weit über die nähere Umgebung hinaus. 

Von Werner B. Hoppe  

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