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Ein Gang durch die Klosterkirche Lamspringe
Die Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche mit vier Gewölbejochen, die von sechs achtseitigen Pfeilern und Wandkonsolen getragen werden. Das westliche Pfeilerpaar ist stärker ausgebildet, denn es sollte nicht nur die Orgelempore, sondern wie die Vorgängerkirche, einen Westturm tragen. Dieser wurde aber nur bis auf Dachhöhe gebaut, da während des Baus die Trägfähigkeit des Untergrundes für eine so große Last angezweifelt wurde. Vielleicht waren aber auch die wirtschaftlich schwierigen Zeiten am Ende des 17. Jahrhunderts der Grund für das Beenden des Turmbaus. Stattdessen erhielt das große Dach im Osten einen Dachreiter mit der Stundenglocke von 1727 und der in England gegossenen Viertelstundenschlagglocke von 1721 und einen Glockenturm (1937 erneuert) im Westen der Kirche. In diesem hängen vier Glocken aus der alten Kirche, von denen die älteste 1464, die andere 1614 (Neuguss 1965) und die beiden neuen 1965 gegossen wurden. Die beiden großen schiefergedeckten Dachflächen werden durch je 14 Gauben aufgelockert, die mit einem Türmchen versehen sind. Die mächtige dreigeschossige Dachkonstruktion wurde aus starken Eichenbalken gebaut, die von Bäumen aus dem Klosterforst am Heber stammten. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt innen 60,40 m, von denen 20,83 m auf den Chor entfallen. Die Breite einschließlich der beiden Seitenschiffe erreicht innen 28,79 m. Das Hauptschiff ist 18,35 m hoch.
Im Hohen Chor hängen zwischen den Fenstern 12 Gemälde von Heiligen des Benediktinerordens und im Hauptschiff 10 Apostelbilder von Hieronymus Sies, einem Laienbruder aus Antwerpen, der auch alle anderen Gemälde in der Kirche geschaffen hat. Auch die Deckenmalerei von 1689 stammt mit ihren blauen Gewölberippen, Blumen und Sternen von Sies, der sein Leben am 5. Februar 1727 in Lamspringe beschloss. Er malte auch in der Klosterkirche Corvey eines der Auswechselbilder für den Hochaltar.
Der Hohe Chor mit seinen 8 hohen Rundbogenfenstern, von denen im Süden zwei farbige Glasfenster vom Paderborner Bischof Hermann Werner (1684) und vom britischen König Jacob II. (1685) gestiftet wurden, befindet sich über der einschiffigen Unterkirche, der Krypta. Sie war wohl von Anfang an als Gruft geplant, was dann 1693 mit den Grabanlagen für Oliver Plunkett und Graf Ricdag realisiert wurde. Diese wird mit einem Tonnengewölbe nach oben abgeschlossen, die durch die in vier Mittelpunkten zusammenlaufenden verlängerten Fensterkanten den Eindruck eines Kreuzgratgewölbes erwecken. Die Krypta diente schon vor der offiziellen Einweihung ab 1688 als Gottesdienstraum. Das Dach des polygonalen Langchores ist wesentlich niedriger gehalten als das Mittelschiff der Hauptkirche.
Sieben barocke Altäre schmücken die Kirche seit mehr als 300 Jahren. Der Hochaltar auf dem Hohen Chor wurde 1695 vom Hofbildhauer Mauritz Gröninger im Zusammenwirken mit dem Goslarer Bildhauer Heinrich Lessen d. Ä. geschaffen, das Altargemälde (4 m x 2 m), die Anbetung der Hirten, wurde von H. Sies gemalt. Von ihm stammen auch die drei anderen an der Westwand hängenden Auswechselbilder (Mariä Verkündigung, Abendmahl, Allerheiligen). Überlebensgroße Figuren stellen links zwischen gewundenen Säulen St. Benedikt und rechts seine Schwester St. Scholastika dar. Seitlich davon stehen links St. Hadrian und rechts St. Dionysius über den seitlichen Durchgängen. Darüber flankieren die Apostel Petrus und Paulus die Inschrift-Kartusche und zwei Engel neben dem Rund des Giebels. Im oberen Abschluss des Altars tragen 4 Karyatiden beiderseits des Gemäldes „Marienkrönung“ das Gebälk mit dem Lamm und der Siegesfahne. Das Wappen des Stifters, des Hildesheimer Domherrn Georg von Hörde, hängt unter der Kartusche.
Von den 6 weiteren barocken Altären befinden sich die beiden Seitenaltäre vor den Ostseiten der beiden Seitenschiffe. Der 15 m hohe Rosenkranzaltar im nördlichen Seitenschiff wird auch Marienaltar genannt. Er wurde ebenfalls von Mauritz Gröninger geschaffen, 1713 fertig gestellt, und ab 1993 umfassend restauriert. Der auffahrende Christus krönt den Altar. Das Altarbild von Sies stellt Maria mit dem Jesuskind dar, die St. Dominicus einen Rosenkranz überreicht, während der Jesusknabe St. Benedikt ein Buch mit der Ordensregel übergibt. Ein Rosenkranz umgibt die gesamte Szene, die nach Lamspringe verlegt ist, denn im Hintergrund ist die Südseite der neuen Klosterkirche, noch ohne den Konventflügel, zu erkennen. Die Kreuzigungsgruppe im Drehtabernakel zeigt die Kreuzigungsszene, umrahmt von zahlreichen Engeln. Neben den Altarsäulen steht links unter St. Beda Venerabilis der heilige Maurus und rechts unter St. Thomas von Aquin heilige Placidus der. Das Antependium aus der Zeit um 1750 zeigt in der Mitte ein Medaillon mit einer weiblichen Figur mit gekreuzten Armen unter einem Sternenbogen, beiderseits verziert von gut verteiltem Rokoko-Bildschmuck. Die ca. 97 cm hohen Altarschranken wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts von Heinrich Lessen d. Ä. gearbeitet, sind also älter als die beiden Seitenaltäre. Der St. Benedikt-Altar an der östlichen Wand des südlichen Seitenschiffes, gern als englischer „Heimwehaltar“ bezeichnet, wurde von den gleichen Künstlern geschaffen, wie der Rosenkranzaltar. Er gleicht diesem in Höhe, Aufbau und Architektur. Er zeigt im Altargemälde den Tod von St. Benedikt, von dessen Kopf ein Sonnenstrahl ausgeht, auf dem seine Seele in den Himmel steigt. Die große Figur links stellt Papst Gregor den Großen dar, rechts steht St. Augustinus von Canterbury. Über dem Kapitell stehen links der Märtyrer Thomas Becket und rechts St. Anselm von Canterbury. Über dem Altarbild ist die Krönung St. Benedikts dargestellt. Ganz oben steht die Figur, die Kirche, mit Kreuz und Buch.

Neben dem Altar führt der Eingang in die Sakristei, in der sich der ehemalige Altar von 1653 und ein lateinisches Worträtsel von H. Sies (1716) in stucco lustro - Technik befindet. An den vier vorderen Pfeilern stehen vier Nebenaltäre (um 1700). Dieses sind an den Ostpfeilern rechts der St. Josephsaltar mit einer Christusfigur und links der St. Katharinenaltar mit einer Marienfigur, beide aus einfachem Material (Schlacken, Holz und Pappmaché). An den mittleren Pfeilern stehen rechts der St. Johannesaltar (St. Dionysiusaltar) mit einem Bild des Evangelisten Johannes und der Figur des hl. Dionysius, sowie links der St. Magdalenenaltar (St. Hadrianaltar) mit einem Bild der hl. Maria Magdalena und der Figur des hl. Hadrian, sowie einem Anna-Selbdritt Medaillon, die beide von einem unbekannten Künstler stammen.
Seit seiner Weihe am 19. September 1982 steht vor der Treppe zum Hohen Chor der neue St. Oliver Tischaltar, der von Josef Baron aus Unna geschaffen wurde. Unter der Tischplatte befindet sich hinter dem in barockem Schmuck verzierten Bronzegitter der 1975 anlässlich seiner Heiligsprechung geschaffene Reliquienschrein des hl. Erzbischof Oliver Plunkett.
Das Chorgestühl im Hohen Chor diente dem Mönchkonvent im täglichen Gebetsrhythmus (7mal gemeinsames Gebet am Tag). Der Bildhauer Jobst Heinrich Lessen aus Goslar schuf ab 1701 die Chorschranken (mit dem heute jede Stunde anschlagenden Engel) und die Rückwand für die bereits vorhandenen 26 Stühle, die auf je 20 Plätze auf beiden Seiten erweitert wurden. Besonders kunstvoll sind die Seitenteile und Rückwände ausgeführt worden, die reichen plastischen, ornamentalen und figürlichen Schmuck in lebendiger Plastizität tragen.

Die Beichtstühle an den Längsseiten der Seitenschiffe wurden von der Hildesheimer Bildhauerwerkstatt von Gerhard Ambstenradt und Johannes Schloß um 1730 angefertigt. Die Künstler waren Laienbrüder des dortigen Jesuitenkollegs. Die lebensgroßen Figuren des nördlichen Beichtstuhls stellen unter der Darstellung des auf dem Ölberg betenden Christus von links nach rechts den „Werdegang des Sakraments“ dar: die böse Leidenschaft, das schlechte Gewissen, die Buße, das Bekenntnis, die Vergebung und den unbelehrbaren Bösen. Auf der Südseite zeigt der Beichtstuhl die „Wirkung des Bußsakraments“ unter dem auferstandenen Christus, der von den Büßergestalten des Schächers am Kreuz, Petrus mit dem Hahn, Maria Magdalena und dem Verlorenen Sohn mit dem Schwein umgeben ist. Die Figuren (von links nach rechts) sind: Standhaftigkeit, Frömmigkeit, Hoffnung, Glaube, Liebe und Unschuld, sowie der hl. Michael. Stellt vielleicht die gegenüber den großen Figuren (ca. 1,80 m groß) auffallend kleine Figur (1,13 m) des Beters „Frömmigkeit“ in Barockkleidung einen Stifter aus der Zeit um 1730 dar?
Die Kanzel wurde 1701 vom Bildhauer Heinrich Lessen d. Ä. gearbeitet. Sie zeigt auf dem Schalldeckel einen Engel mit Posaune und Putten mit den Passionswerkzeugen. Die Wangen des Aufstiegs sind mit Blumen, Fruchtsträußen und Akanthusranken geschmückt, in denen Putten spielen.
Nach der Fertigstellung des Kirchenschiffes wurden die eichenen Sitz- und Kniebänke angefertigt, die größtenteils in den Jahren von 1710 bis 1712 von Lamspringer Bürgern gestiftet wurden, wie die Inschriften an den Wangen zeigen. Weitere Bänke sind mit dem stabtragenden Lamm geschmückt, einige zeigen Heiligenköpfe mit deren Namen und Gebetsanrufe.
Bereits am 4. April 1688 wurde eine neue Orgel für die fast fertige Kirche beim Orgelbauer Landrock in Hamburg zum Preis von 700 Reichstalern gekauft. Da sich diese aber als unzulänglich erwies, wurde im Jahre 1693 eine andere Orgel beim Einbecker Orgelbaumeister Andreas Schweimb erworben. Diese sollte 400 Rthlr. kosten. Sie wurde 1738 vom Hildesheimer Organisten Johann Hermann Biermann als „vortreffliches Orgelwerk“ bezeichnet. Zu der Orgel wurde ein spätbarocker Prospekt gebaut, der ursprünglich aus 4 Rundtürmen, 6 Spitztürmen und 8 Flachfeldern bestand. 170 Jahre blieb sie trotz einiger Veränderungen in ihren Grundzügen erhalten. Im Jahre 1876 wurde sie jedoch auf Anraten des damaligen Lehrers und Organisten Paul Homeyer durch die Orgelbaufirma Furtwängler und Söhne aus Elze einschneidend umgebaut: „Das durchsichtig helle, fast silbrige Klangbild, das typisch für die Barockorgel ist, wurde abgelöst durch ein eher grundtoniges und zur Gravität neigendes Klangspektrum“. Aber trotz weiterer Umbauten im Jahre 1956 gibt die Orgel mit den auf 3 Manuale verteilten Registern auch heute den Gottesdiensten einen festlichen Rahmen und erfreut bei Orgelkonzerten mit ihrer Klangfülle die Kirchenbesucher.
Vor der Westwand des Mittelschiffes steht die Taufsteinanlage mit einem achteckigen steinernen Taufstein in Kelchform. Der reich geschnitzte hölzerne Deckel (Ende 18. Jahrh.) zeigt über den Köpfen der vier bedeutendsten frühchristlichen Kirchenväter und vier Evangelisten die Taufe Kaiser Konstantins in einem Palmenoval. Das Taufbecken mit der geschnitzten 1,60 m hohe Schranke aus Eichenholz (Inschrift in der Tür: ANNO 1696) wurde wohl von Heinrich Lessen d. Ä. gearbeitet. Putten beleben die Akanthusranken in den sieben Feldern der Schranken, die nach oben mit reichem Rankenwerk abschließen. Der Anstrich ist dunkelbraun.
Nahe des Haupteingangs steht das 1,18 m hohe Weihwasserbecken von H. Sies (1710). Das achteckige Becken steht auf einem quadratischen Sockel, der in seltener stucco lustro - Technik mit Blumen, Tieren, Ranken, Blumenvasen, Kartuschen und einer Inschrift verziert ist. Eine Besonderheit ist die Abbildung der Klosteranlage, die auf dem unteren Teil des Sockels dargestellt ist. Diese interessante Ansicht zeigt die neue Klosterkirche, aber noch die alten Klostergebäude, die erst 1730 –1750 durch Neubauten ersetzt wurden.
Kontakt
Samtgemeindeverwaltung Lamspringe
Kloster 3, D-31195 Lamspringe - www.lamspringe.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Axel Christoph Kronenberg
Unser Autor arbeitet als Historiker in Lamspringe
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Ein Gang durch die Klosterkirche Lamspringe
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