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Freilandmuseum Neusath-Perschen

Freilichtmuseen bieten Einblick in den Lifestyle unserer (Ur)Großmütter- und Väter zweihundert Jahre vor unserer Zeit. Designermöbel Marke Eigenbau, Kunstwerke von eigener Hand gestaltet und Mode, die nur funktionell sein musste. Außer ab und an bei den wenigen meist kirchlichen Events. Dazu keine Rund-um-die-Uhr-Berieselung durch Medien aller Art, sondern nichts als das Rauschen des Bauches oder das Säuseln der Blätter im Wind. Schlichtweg romantisch? 

Die eigentliche Geschichte des Oberpfälzer Freilandmuseums begann bereits 1964, als der heute noch an Ort und Stelle erhaltene „Edelmannshof“ im drei Kilometer entfernten Perschen als „Bauernmuseum Perschen“ eröffnet wurde. Die 1605 ausgebaute Pfarrhofanlage zählt zu den ältesten Museen seiner Art in Bayern.

Seit über 400 Jahren behauptet der Perschenhof seinen Platz

Einst wurde der Hof zur Versorgung der Mönche des Klosters errichtet, welches hier als Missionspfarrei existierte.  Nachdem diese verlegt wurden, ging der Hof in Privatbesitz über und wurde bis 1953 bewohnt. Ausgestellt werden hier hauptsächlich Möbel und Geräte des bäuerlichen Lebens.

Heute bildet es gemeinsam mit dem in Neusatz liegenden Teil das „Oberpfälzer Freilandmuseum“ Neusatz-Perschen bei Nabburg und bietet Einblick in das ländlich-bäuerliche Leben früherer Zeit. Liebevoll gestaltet, mit Blumen bepflanzt und besiedelt mit verschiedenen Tierarten erweckt es heute noch einen erstaunlich authentischen Eindruck. Als wären die einstigen Bewohner gerade mal eben nur shoppen gegangen und kämen jeden Moment wieder zurück.

Alle Gebäude stammen aus verschiedenen Gegenden in der Oberpfalz, welche an ihrem ursprünglichen Standort nicht mehr erhalten bleiben sollten und nach Neusath-Perschen verbracht wurden. Darunter finden sich typische Bauweisen aus dem Oberpfälzer Wald, dem Bayerischen Wald, dem Oberpfälzer Jura und dem Altmühltal. Die Dachkonstruktionen bestehen teilweise aus Stroh aber auch aus Ziegeln.

Das gesamte Museumsgelände wird traditionell bewirtschaftet, es werden alte Pflanzen und Getreidesorten angebaut. Aber auch das Bestellen der Felder und des Waldes mit altem landwirtschaftlichem Gerät trägt zur Authentizität bei. Rund um die historischen Häuser liegen wie damals üblich Obst- und Wurzelgärten.

In über 50 wiedererrichten Häusern wird das Bauen, Wohnen und Wirtschaften der letzten 300 Jahre dem Besucher näher gebracht. Sie alle wurden einst von Bauern, Tagelöhnern, Hirten, Müllern, Jägern oder auch Adeligen bewohnt und in typisch Oberpfälzer Bauweise errichtet. Ein Schloss, so wie man es sich bei den Edelleuten vorstellt, ist die Räuberweihermühle, ein herrschaftliches Jagdhaus, jedoch keineswegs. Der einzige Luxus waren die großzügige Anlage und drei Küchen im Haus. Aber wie in jedem Schloss, gibt es hier wenigstens ein Schlossgespenst, eine weiße Frau, die als gutmütiger Geist hier ihr Unwesen getrieben haben soll.

Dieses „komfortable“ Jagdhaus gehörte einem Adeligen

Kein Vergleich dennoch besteht zu unseren heutigen Wohlfühltempeln. Aber dafür versprüht die kleine Ansiedelung einen Hauch von Romantik und ländlicher Idylle. „Die Grillen zirpen und es duftet nach Heu, wenn ich träume“. Das mag ja für ein paar Stunden ganz schön sein, aber - den Wunsch, selbst hier zu leben, wecken die dürftig eingerichteten Höfe nicht. Die oft titulierte gute, alte Zeit wird lebendig aber auch begreifbar gemacht, wie hart noch wenige Generationen vor uns sich ihr Essen verdienen mussten. Gedanken darüber, wie sie ihre Freizeit totschlagen sollten, hatten die jedenfalls damals noch nicht. Harte Knochenarbeit von früh morgens bis spät in die Nacht, auch am Wochenende stand auf dem Tagesplan. Selbst wenn in dem ein oder anderen im Laufe der Zeit dann doch die moderne Technik Einzug gehalten hat. Die Häuser waren teilweise noch vor fünfzig Jahren bewohnt.

Zwei Stunden je nach eigenem Interesse dauert offiziell der Rundgang durch das „Stiftlandorf“, das „Waldlerdorf“, das „Mühlental“ oder auch das „Juradorf“. Auch ein Wirtshaus gibt es. Allerdings ein wenig an die heutigen Bedürfnisse angepasst mit regionalen Spezialitäten für die Besucher. Wer die romantische Seite des Besuches ganz auskosten, noch eine Zeit lang auf der Bank in der Nähe der klappernden Mühle verweilen, oder einem Pfau beim Schlagen seines Rades zusehen will, der sollte allerdings sehr viel mehr Zeit mitbringen.

Ein typisches Haus aus dem bayerischen Jura ziert einen Hügel im Museum

Das Stiftlanddorf, einst dem Kloster Waldsassen gestiftet, gleicht synonym einem 200 Jahre alten Dorf mit einem Dorfplatz, dem Ortszentrum, sowie einem typischen Teich, der der Entnahme von Löschwasser, dem Tränken von Vieh aber auch dem Flachseinweichen diente. Ein Schmuckstück ist das Weberhaus, ein Fachwerkbau mit Malereien an Decke und Wänden im Inneren. Die ältesten Bauwerke mit beinah 400 Jahren auf dem Gebälk befinden sich im Juradorf. So genannt, weil die Häuser aus dem Oberpfälzer Jura stammen. Der wieder nach dem Juragestein benannt wurde, einem besonderen Kalkstein welcher sich hier gebildet hat.

An verschiedenen Aktionstagen im Jahr bietet das Freilandmuseum Vorführungen alter Handwerkstechniken und der Arbeiten in Haus und Hof, also „Putztage ohne technische Hilfsmittel“. Im Rahmen von Kindergeburtstagsfeiern werden einfach Tätigkeiten wie Stricke drehen oder Blockhäuser bauen demonstriert.

Oberpfälzer Freilandmuseum - Neusatz 200, D-92507 Nabburg, Tel. +49 (0) 9433 24420, freilandmuseum@bezirk-oberpfalz.de - www.freilandmuseum.org

Tourismusverband Ostbayern e.V. - Im Gewerbepark 4, D-93059 Regensburg, Tel. +49 (0) 941 58539-0, info@ostbayern-tourismus.de - www.bgutl.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl

 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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