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Geschichte der Melone
Melonen aus Cavaillon
Die ursprüngliche Herkunft der Melone ist Afrika: Sie war bereits bei den Griechen und Römern bekannt. Galien, Pline und Columelle erwähnten sie schon in ihren Texten.
In Cavaillon tauchte die Melone erstmals in Schriften der Stadtarchive im Jahr 1495 auf. Zwei Gutsherren, Clément de la Rovère (Vize-Legat des Papstes) und Toussaint de Villeneuve (Bischof von Cavaillon), verfassten damals ein Gesetz, in dem festgelegt war, dass jeder Einwohner, mit Ausnahme Behinderter und schwangerer Frauen, der auf den Gutshöfen anderer Weintrauben, Mandeln, Pfirsiche, Feigen, Äpfel, Birnen, Melonen,
Oliven und andere Früchte pflücken, pro Frucht 6 Heller zu zahlen hat. Die Melone wurde als exklusives Qualitätsprodukt angebaut. Es ist in verschiedenen Texten aus dem 16., 17. und 18. Jh. belegt, dass bekannte Persönlichkeiten auf ihrer Durchreise durch die Stadt stets als Geschenk eine Melone erhielten.
Dem Herzog Duc de Guise wurden im Jahre 1620 eine Auswahl von Früchten, Melonen, Artischocken und Wein geschenkt. Ebenso wurde Monseigneur d’Oppède, erster Präsident des Parlaments der Provence, bei seiner Ankunft mit Artischocken, Pfirsichen und Melonen beschert.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. beginnt der Aufschwung der Gemüse- und Melonenproduktion von Cavaillon. Ab diesem Zeitpunkt wird Cavaillon zu einer wichtigen Handelsstadt, mit der das Image „Melone von Cavaillon“ verbunden wird. Bereits 1859 machte der Gemeinderat auf die Wichtigkeit des Wochenmarkts von Cavaillon aufmerksam: „Unser Markt erweckt keinen Neid bei den Nachbarstädten, sondern Erstaunen und Bewunderung. In der Tat sind unsere Märkte so schön, dass die Plätze mit der Zeit zu klein geworden sind. Der Platz „du Clos“, auf dem der Melonenhandel stattfindet, hat gerade einmal Platz für zwanzig Verkäufer und ihre Produkte“.
Der gute Ruf unserer Kürbisfrucht war damals weit verbreitet
Bis nach Paris fanden sich zahlreiche Liebhaber, wie etwa der Schriftsteller Alexandre Dumas. Im Jahr 1864 antwortete der Schriftsteller, der den besten Sinn für Humor besaß, aber auch Opportunist war, auf ein Gesuch des städtischen Bibliothekars. Er bot der Stadt die Gesamtheit seiner veröffentlichten Werke an und knüpfte an diese Spende folgende Bedingung: „(…) Ich bitte Sie, Herrn Tourel, ihrem ehrenwerten Bürgermeister auszurichten, dass ich an meine Zusendung eine Bedingung binde. Wenn der Stadt meine Bücher zusagen sollten, so wünsche ich, als Gegenleistung zu meinen 300 oder 400 Büchern, eine lebenslange Rente von zwölf Melonen pro Jahr zu erhalten, da ich eure Melonen sehr mag. Dies soll mir durch eine städtische Verordnung zugesichert werden.“
Der Gemeinderat war hoch erfreut über ein soll einzigartiges Angebot und antwortete wie folgt: “Wir würden diesen Wunsch des gastronomischen Nutzungsrechts nur ungern der Person verwehren, welche sich uns gegenüber so gutherzig gezeigt hat.“ Die Bibliothek bereicherte sich fortan also der Werke des Romanautors, welcher bis zu seinem Tod im Jahre 1870 regelmäßig seinen Anteil an Melonen erhielt.
Ab 1892 fand der Wochenmarkt täglich statt
Ardouin-Dumazet schrieb: "Im Jahr 1895 hat Cavaillon bereits 6700 Tonnen Waren exportiert, zum größten Teil Obst und Gemüse. Im Jahr 1908 waren es bereits 12000 Tonnen; 3828 Tonnen Melonen wurden zum Bahnhof von Cavaillon geliefert! Die 10000 Einwohner von Cavaillon leben vor allem von den Erzeugnissen ihrer reichhaltigen Plantagen“.
Von der zweiten Hälfte des XIX.Jh. bis 1980 führte die renommierte Melone aus Cavaillon zu einem wirtschaftlichen Aufschwung für die Stadt. Die Produktionsmengen stiegen kolossal an und die Lagerung und Vermarktung der Früchte wurde verbessert. Jedes Versandhaus gründet seine eigene Marke. In den achtziger Jahren sprach man von einer wirtschaftlichen Krise, die viele Veränderungen mit sich brachte. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden reduziert. Die Ergiebigkeit der Melonenfelder jedoch steigerte sich, deshalb blieb die Produktionsmenge auf dem Großhandelsmarkt gleich. Im Jahr 1987 wurde die Bruderschaft des Melonenordens gegründet, um für das Produktimage der Melone aus Cavaillon zu werben. Im Jahr 2002 schlossen sich Hersteller und Unternehmen der Branche zu einer Gewerkschaft zusammen (Syndicat Interprofessionnel des Maîtres Melonniers de Cavaillon). Die regionale Melonenproduktion beträgt heute 130000 Tonnen und ist damit das bedeutendste Produktionsgebiet Frankreichs.
Hauptstadt der Melone in der Provence
Cavaillon liegt in Südfrankreich, 60 km von Marseille und dem Mittelmeer entfernt und 20 km östlich von Avignon, zwischen der Durance, den Alpilles und dem Naturschutzpark Luberon.
Die Geschichte von Cavaillon lässt sich anhand des kulturellen Erbes der Stadt, den Monumenten und Bauwerken, nachvollziehen. Der Mariusbogen erinnert an die Präsenz der Römer in Cavaillon. Die Synagoge aus dem 18. Jh. zeugt davon, dass der Comtat Venaissin, heutiger Vaucluse, Hoheitsgebiet der Päpste war, die entscheidend zur Entwicklung der Stadt Cavaillon und ihrer Umgebung beigetragen haben.
Die Stadt Cavaillon ist neben ihrer Geschichte auch für ihre Produkte aus der Landwirtschaft und ihre Gastronomie bekannt. Die Region um Cavaillon wurde lange als „der Garten Frankreichs“ bezeichnet, da das erste Obst und Gemüse der Saison fast immer aus diesem Gebiet kam. Landwirtschaft wurde in Cavaillon schon in der Römerzeit betrieben. Die Agrarproduktion von Cavaillon und Umgebung erlebte ihre Blütezeit im XIX.Jh, als Cavaillon eine Zugverbindung erhielt. Die Bahn ermöglichte den Händlern, ihre Produkte schneller, in größeren Mengen und vor allem in weitere Entfernungen zu schicken. Zahlreiche Versandhäuser für Obst und Gemüse ließen sich in unmittelbarer Nähe zu den Bahngleisen nieder und sendeten täglich tonnenweise Produkte durch ganz Frankreich. Die Agrarproduktion führte zu einem großen Wirtschaftswachstum, das im XX. Jh. weiterhin bestand und erst in den achtziger Jahren nachließ. Als die wirtschaftliche Lage sich verschlechterte, mussten viele große Versandhäuser schließen. Die Landwirte der Region mussten sich den Veränderungen anpassen und neu organisieren. Sie bemühten sich die Produktion bestimmter historischer Obstsorten, die schon seit der Römerzeit hier kultiviert wurden, weiterhin anzubauen und den Bekanntheitsgrad der Melone wieder herzustellen. Es war ihnen besonders wichtig, dass die Melonen aus Cavaillon geschmacklich als die besten Melonen anerkannt werden. Eine Grundbedingung war es, deshalb umweltfreundlichen Anbau zu bevorzugen und Qualitätskontrollen durchzuführen. Aus diesem Grund haben sich die Melonenbauern zu einer Gewerkschaft zusammengeschlossen, um die Qualitätsmarke „IGP“ Melon de Cavaillon (Identität eines geographisch geschützten Anbaugebiets) auf den Markt zu bringen. In Cavaillon erkennt man die Vorliebe für raffinierte Produkte in der großen Anzahl hochwertiger Restaurants, die typisch provenzalische Küche anbieten. Frische Produkte aus der Region kann man ebenfalls auf den Märkten von Cavaillon und den umliegenden Dörfern kaufen.
Das Fremdenverkehrsamt bietet seinen Gästen Führungen und Feinschmeckertouren an, durch ein besonderes Anbaugebiet, seine zahlreichen Facetten und kulinarischen Spezialitäten. Eine Stadt, in der Gastronomie schon lange eine wichtige Rolle spielt: Cavaillon lädt Sie ein, die Spezialitäten der Provence zu entdecken.
Office de Tourisme Intercommunal Cavaillon-Luberon
Place François Tourel –BP 176 – 84305 Cavaillon Cedex
Tel. :00 33 (0)4 90 71 32 01, o.t.cavaillon@wanadoo.fr - www.cavaillon-luberon.com
Von Corinne Russo, unsre Autorin ist Amtsleiterin in Cavaillon.
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