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Regensburg

Kopfschmuck für Papst und Depp

„Hutkönig“ aus Regensburg: „Handwerk hat goldenen Boden“ sagt ein altes deutsches Sprichwort. „Hutkönig“, die Regensburger Hutmanufaktur, fertigt seit 1875 exklusive Damen- und Herrenhüte in traditioneller Handarbeit – inzwischen in fünfter Generation. Andreas Nuslan (44) gilt als weltweit einziger Hutmacher- und Modistenmeister des aussterbenden Handwerks (früher Putzmacher) und ist inzwischen so prominent wie seine Kunden.

Melanie Marling, selbst Modistin und Angestellte bei Disney Deutschland erinnert sich - kurz bevor die erste Klappe zur Neuverfilmung  von „Alice im Wunderland“ als 3D-Film fällt - an das Hutgeschäft im Schatten des Regensburger Doms. Nur drei Tage und Nächte, viel Kreativität, eine Prise Wahnsinn aus der Meisterhand von Andreas Nuslan sowie die künstlerische Ausgestaltung von Melanie Marling sind notwendig, ehe der „verrückte“ Hutmacher den imposanten Kopfschmuck für den verrückten Hutmacher im Film (gespielt von Johnny Depp) als Unikat fertig gestellt hat.

Grundlage für eine Reihe von Verfilmungen von „Alice im Wunderland“ und die Neuverfilmung als 3D-Film ist das 1865 erschienene Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll. Vielleicht hat sich Carroll vom geflügelten Wort: „Verrückt wie ein Hutmacher“ inspirieren lassen, in dem er die Figur des „Mad Hatter“ (verrückter Hutmacher) schuf. Und was muss ein verrückter Hutmacher tragen? Einen ihm würdigen Hut.

Eine aufwendige Arbeit ist erforderlich, um einen Hut herzustellen. Bis zu 80 Arbeitsschritte bedarf es und zwar in einer Handarbeit. Um sein Handwerk von der Pike auf lernen zu können, ging Andreas schon im Alter von 17 Jahren nach Österreich. Dort lernte er auch das „Fachen“. Feine Tierhaare, meist vom Hasen, Kaninchen oder auch vom Fischotter, werden auf dem „Fachbrett“ ausgebreitet. Darüber hängt der hölzerne „Fachbogen“, in dem eine Darmsaite gespannt ist. Wird sie vom Hutmacher angeschlagen, versetzt sie den wirren Haarhaufen so in Schwingungen, dass die einzelnen Haare hochfliegen, sich dabei von Schmutz und Rückständen befreien und wie von Geisterhand etwa eine Armlänge entfernt sanft wieder landen. Wer es nicht selber gesehen hat, wird es nicht glauben. Und dieser Vorgang wird nun so lange wiederholt, bis sich das entstandene „Fach“ zur Weiterverarbeitung in mehreren Arbeitsgängen verfilzen und walken lässt.

Der so entstandene „Stumpen“ – wie ein Topf schaut er aus – wird vom Hutmacher dann in die gewünschte Form gebracht. Die Firma Zapf in der Nähe von Salzburg ist heute weltweit einer der letzten Betriebe, die noch Hutmacher ausbilden. In Deutschland kann man nur den Beruf des Modisten, also Damenhutmacher, lernen. Nur noch Nuslan fertigt für seinen „Hutkönig“ exklusiv Herrenhüte auf Bestellung an. Alle anderen kommen in Modellserien aus Fabriken.

Andreas Nuslan

„Unser berühmtester Herrenhut „Modell Playboy“, der 398 Euro kostet, benötigt 80 Arbeitsschritte in 3 Tagen, um den Hut nach alter englischer Zurichte herzustellen. Diese Schritte können nur in reiner Handarbeit ausgeführt werden. Durch diese vielen Arbeitsgänge wird der Filz so formstabil, dass er alle Wetterlagen meistert. Die handgefertigten Ziegenvelourlederbänder und Randeinfassungen werden je nach Modell in verschiedenen Farbkombinationen angepasst“, beschreibt Nuslan die Herstellung so kurz wie möglich.

Schließlich ist er in dieses Metier hineingewachsen, denn die Familie Nuslan blickt auf eine lange Tradition zurück. Im März 1919 gründete der Urgroßvater Josef Lange in der Nähe des Alten Rathauses in Regensburg eine Hutfassonieranstalt. Somit legte er den Grundstein für eine lange Familientradition. Bereits sieben Jahre später übernahm der Sohn Alfred den Betrieb, führte ihn über viele Jahre erfolgreich.

Seine Tochter Berta verliebte sich in den ungarischen Hutmacher Johann Nuslan, den die Wirren des Krieges nach Bayern und schließlich in die Hutfassonieranstalt am Regensburger Dom führten. Der „Eiserne Vorhang“ Verhinderte eine Rückkehr in die ungarische Heimat, die Liebe war stärker. Fortan führten er und Ehefrau Berta den Familienbetrieb weiter. Noch heute ist Berta Nuslan im Verkauf tätig und kümmert sich um die Dekoration.

1981 übernahm Sohn Robert die kaufmännische Leitung des Betriebes, sein Bruder Andreas bekam 1989 den Hutmachermeistertitel mit Auszeichnung. Ein Jahr später absolvierte er die Modistenmeisterprüfung in Augsburg. Das ist einmalig in Deutschland. Robert Nuslans Tochter Bettina trat 2006 in die Fußstapfen ihres Onkels Andreas. Sie absolvierte an der Münchner Meisterschule für Mode als beste Auszubildende ihres Jahrganges die Modistenprüfung mit Auszeichnung.

Vertreter aus Königs- und Fürstenhäusern, bekannte Künstler, Politiker, selbst der Papst tragen Hüte, geschaffen durch Andreas Nuslans Hand:

Aus Anlass seines 80. Geburtstages überreichte Robert Nuslan gemeinsam mit Ehefrau Ursula und den beiden Töchtern bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom Papst Benedikt XVI einen edlen Papsthut als Geschenk.

Aber auch für Andreas Nuslan gilt der Spruch: „Im eigenen Land ist der Prophet nichts wert“. Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes Regensburg haben das Hutmacher-Geschäft an einem Sonntag kontrolliert und festgestellt: Es ist geöffnet, aber Hüte passen nicht ins erlaubte Reiseandenken- und Warenangebot. Der umstrittene Ordnungsamtchef Alfred Sandfort forderte die Nuslan-Brüder auf, ihr Geschäft an Sonn- und Feiertagen geschlossen zu halten. Dies trifft in erster Linie die Touristen, die am Wochenende in die Weltkulturerbestadt kommen!

Weltweit bekannt sind die Nuslan-Brüder Robert (54) und Andreas (44). Für viele VIPs ist der „Hutkönig“ am Krauterermarkt gegenüber dem Dom-West-Portal eine beliebte Adresse. Wohl auch deshalb, weil individuelle Beratung, das Eingehen auf eigene Wünsche, Freundlichkeit und Diskretion oberstes Gebot sind. Was sie besonders auszeichnet? Authentizität. „Wissen Sie“, sagt Andreas Nuslan, „wenn ein Hartz-IV-Empfänger darum bitten würde, ihm für ein ganz wenig Geld einen Hut zu verkaufen, so würden wir auch einen für ihn finden.“ Wer Gelegenheit hat, den offenherzigen Hutmacher persönlich kennen zu lernen, ist vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage überzeugt.

„Hutkönig“ - Krauterermarkt 1, D-93047 Regensburg, Telefon 0941-51840, Online-Shop 0941–56955703, info@hutkoenig.de - www.hutkoenig.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText.

 

Ludwig Mario Niedermeier stellt für ReiseTravel exklusiv aus aller Welt interessante Orte vor, Orte, die zu jeder Zeit besuchenswert sind.

 

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