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Velden

Urlaub im Kloster

Im Wendekreis der Stille: Glockengeläut schallt früh morgens über das Stift St. Georgen in Kärnten. Wer Gast im Kloster ist, wird damit um sieben Uhr zum Morgengebet in die Kapelle gerufen, wer noch zu müde ist, gönnt sich eine weitere Runde Schlaf. Keine Angst, auch Langschläfer kommen beim Frühstück nicht zu kurz. Im Stift ist ein Hotel eingegliedert, da muss man weder auf Service noch auf Luxus verzichten. 

 

Das Stift St. Georgen thront seit mehr als 1000 Jahren majestätisch auf einem Hügel oberhalb des Längsees

 

Im lauschigen Klostergarten kann man die Ruhe genießen, dem Stress entfliehen und sich ganz dem hier und jetzt hingeben. Mittags lockt die Terrasse des klostereigenen Cafés oder das Stiftsrestaurant mit regionaler Küche.

Für den, der Aktivitäten braucht, gibt es ein volles Sportangebot mit schwimmen im wohltemperierten Längsee, wandern, Nordic Walking, Fahrrad fahren und Golf spielen. Das stärkt nicht nur die Muskulatur sondern auch Geist und Seele. Nach einem aktiven Tag lädt die klostereigene, großzügige Sauna zur Entspannung ein.

 

Die spartanischen Mönchszellen sind passé, die Möbel sind aus Zirbenholz und es gibt sogar einen Fernseher, was man im Kloster nicht unbedingt erwartet. Das Zirbenholz, so steht es auf einem Zettel im Zimmer, soll die Herzarbeit pro Nacht um einiges erleichtern. Im Stift leben Bernadette und Isabella, zwei immer fröhliche Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz. Eigentlich sind sie schon längst im Ruhestand. „Wer rastet, der rostet“, sagen sie und geben noch immer 20 Bastelkurse im Jahr.

 

Am nächsten Tag führt ein Ausflug per Bus zur Wallfahrtskirche Maria Saal. Schon im 8. Jahrhundert ließ hier Bischof Modestus eine kleine Holzkirche errichten, die später durch eine romanische Steinkirche ersetzt wurde. In der jetzigen Kirche von 1459 ist die anmutige, gotische Madonna das Ziel vieler Pilger. Kunstinteressierte kommen wegen des Arndorfer Flügelaltars, der noch vollständig erhalten ist.

 

Im Steinboden der Kirche sieht man einen Fußabdruck, der vom Teufel stammen soll, so sagt die Legende. Da der Teufel beim Bau der Kirche mitgeholfen hat, wurde ihm die erste Seele versprochen, die nach der Fertigstellung die Kirche betreten würde. Als ein Hund eintrat, stampfte der Teufel wütend auf und zog Unverrichtetherweise von dannen.

 

Weiter geht die Fahrt zum Kloster Wernberg. Schwester Monika-Maria begrüßt herzlich die Gäste und fragt „Ein kleiner Brauner oder ein Verlängerter?“ Pausbäckige Engel aus Stuck zieren den Speisesaal mit der kleinen Cafébar. Die große Sonnenterrasse vor dem Speisesaal mit dem Blick auf die vorbeifließende Drau tief unten im Tal, ist der perfekte Platz für eine Kaffeepause. Auch in Wernberg kann man als Gast am Klosterleben teilhaben und mitarbeiten. Aber alles aus freien Stücken, man kann einfach nur die Atmosphäre genießen und sich von der Fröhlichkeit der Schwestern anstecken lassen.

 

Das Klostergebäude, ursprünglich eine Burg, später zum Renaissanceschloss umgebaut wechselte ständig seine Besitzer. Das Gebäude wurde vernachlässigt und die Kirche zeitweise sogar als Pferdestall genutzt. Aus dieser Zeit stammt der Name „Brennnesselschloss“. Dann kamen bessere Zeiten, 1935 kauften die Missionsschwestern vom „Kostbaren Blut“ das Kloster. Heute leben und arbeiten hier 68 Schwestern. Sie kümmern sich um die klostereigene Landwirtschaft und verkaufen im Klosterladen eigene Produkte.

 

Die Schwestern von Wernberg sind weit über die Landesgrenzen für ihre Fertigkeit in der Paramentenstickerei, einer kirchlichen Textilkunst, bekannt und kommen wegen der vielen Aufträge kaum noch mit der Arbeit nach. Außerdem backen sie Hostien, die von vielen Geistlichen in Kärnten für die Heilige Messe bestellt werden. Trotz der harten Arbeit nehmen sich die Schwestern immer Zeit für ein Gespräch mit einem Gast.

 

Wie ein Pilger sollte man ganz klassisch die Wallfahrtskirche Gurk zu Fuß erreichen. Der Pilgerweg führt über bewaldete Hügel und so nähert man sich dem Dom und dem Kloster aus der Vogelperspektive. Zur Begrüßung gibt es eine Pilgersuppe mit Rollgerste, Graupen, weißen Bohnen und Geselchtem. Als Nachtisch wird Reindling, eine Kärntner Süßspeise, aus Hefeteig mit Rosinen und Nussfüllung serviert. So geht es gestärkt zur Besichtigung des sehenswerten Gurker Doms, der auf den Besitzungen der hl. Hemma entstanden ist. Sie wird heute noch von den Kärntnern als Landesmutter verehrt, denn sie hatte mit ihrem riesigen Vermögen mehrere Kirchen und Klöster bauen lassen. Zu den berühmten Kunstschätzen im Dom gehören die Krypta mit hundert romanischen Marmorsäulen, die Bischofskapelle mit spätromanischen Fresken, das gotische Fastentuch, der barocke Hochaltar sowie die Pietá von Georg Raphael Donner. Die Grabstätte der Heiligen Hemma in der Krypta wird von zahlreichen Pilgern besucht. Die Heilige Hemma, so sagt man, hat schon manchen Frauen zu Kindersegen verholfen. Im St. Hemma Gästehaus kann man sich für ein paar Tage auf der Suche nach Ruhe und Selbstfindung einquartieren.

 

Dann geht es zum Benediktinerstift St. Paul, das weithin sichtbar auf einem Hügel im Lavanttal liegt. Klöster sind besondere Orte, das spürt man hier, denn sie sind fast immer auf Kraftplätzen errichtet worden. Schon 1091 wurde das Kloster auf keltisch-römischen Fundamenten errichtet und im 13. Jahrhundert mit der Basilika ergänzt, die zu den bedeutendsten romanischen Gotteshäusern in ganz Österreich zählt. Das Stift sieht von außen sehr schlicht aus, doch im Inneren ist es prunkvoll und üppig im Barockstil ausgestattet. St. Paul ist für seine umfangreichen Kunstsammlungen berühmt und wird deshalb auch das „Schatzhaus Kärntens“ genannt. So berühmte Namen wie, Dürer, Holbein, Leonardo da Vinci, Rubens und van Dyck tauchen in der großen Gemäldesammlung auf. Und das ist noch nicht alles, denn dazu kommt noch eine umfangreiche Bücher- und alte Schriftensammlung. St. Paul besaß eine Gutenbergbibel, die aber leider nach der Wirtschaftskrise der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts nach Amerika verkauft wurde. Heute schwören die amerikanischen Präsidenten ihren Amtseid auf diese Bibel aus St. Paul. Das Reliquienkreuz der Königin Adelheid von Ungarn aus dem 11. Jahrhundert gehört mit seinen zahlreichen Edelsteinen und drei ägyptischen Skarabäen zu den bedeutendsten Kunstschätzen des Mittelalters. Wer möchte nicht in diesem prachtvollen Rahmen von Natur, Kunst und Religion ein paar Tage im Stift entspannen? Die Zimmer sind groß und sehr luxuriös, hier fühlt man sich gleich wohl. Und auch hier gilt: Man kann am Klosterleben der zwölf Mönche teilnehmen, muss aber nicht. Wer mag, kann sich von der Spiritualität verzaubern lassen. Auch das Weltliche kommt in St. Paul nicht zu kurz. Besonders Feinschmecker kommen im klostereigenen Restaurant Artrium auf ihre Kosten und der historische Weinkeller enthält viele edle Tropfen.

 

Nach den Ausflügen zu anderen Klöstern geht es immer wieder zurück in das Stift St. Georgen zum himmlischen Entspannen. Früher haben nur religiöse Leute im Kloster Urlaub gemacht. Heute sind es Familien mit Kindern, Urlaubsgenießer, Manager und Gestresste die Ruhe suchen. Man muss kein Katholik und auch nicht religiös sein, die Klöster öffnen sich für jeden, auch für den, der einfach nur still genießen möchte. Wer nie die Ruhe in einem Kloster erfahren hat, weiß nicht, wie viel Kraft man daraus schöpfen kann. Dr. Alois Schwarz, Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt, sagt zum Urlaub im Kloster: „Wer in solchen Häusern Erholung sucht, wird reich beschenkt wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren. Immer mehr Menschen tanken im Rhythmus des klösterlichen Lebens neue Kraft und erleben einen Aufenthalt dort als „Obdach für die Seele.“

 

Kontakt

 

Kärnten Information

Casinoplatz 1, A-9220 Velden

Tel.: 0043-4633000, info@kaernten.at, www.kaernten.at, www.kultur.kaernten.at

 

www.kath-kirche-kaernten.at - www.kloesterreich.at - www.dom-zu-gurk.at - www.stift-stgeorgen.at - www.stift-stpaul.at - www.klosterwernberg.at

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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