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Quito

Welt der ecuadorianischen Feste

In Ecuador gibt es eine reichhaltige Festkultur, die auf Grundlage des Neben- und Miteinanders verschiedener Ethnien vor allem christlich-westliche und indigene Elemente enthält.

Anlässe für die vielen Feierlichkeiten sind z.B. nationalstaatliche, lokalpolitische und religiöse Gedenktage. Viele von ihnen haben einen sehr volkstümlichen Charakter und dauern oft mehrere Tage oder sogar Wochen. Zu ihren typischen Bestandteilen gehören die Wahl von Schönheitsköniginnen, Volkstänze, Feuerwerksspektakel, Stierrennen bzw. –kämpfe und Spiele wie die Vaca Loca (durchs Festpublikum gejagtes Rind oder als Kuh verkleideter, herumwirbelnder Tänzer) oder der Palo Encebado (mit einer rutschigen Paste eingeschmierter Festbaum, an dessen „Krone“ verschiedene Geschenke befestigt werden).

Ein unabdingbares Element der Feierlichkeiten sind außerdem die vielen verschiedenen folkloristischen Figuren, wie z.B. der Curiquingue (bunte Vogelfigur) oder der Diabluma (Gestalt, die sich der Legende nach am Wasserfall von Peguche bei Otavalo in einen Teufel verwandelte). Bei ihrer Entstehung spielt der Synkretismus, d.h. die Mischung von katholischen und indigenen Glaubenselementen, eine große Rolle. Eine weitere wichtige „Zutat“ der ecuadorianischen Festkultur ist die Volksmusik mit ihren Dorfkapellen, Tänzern und andinen sowie afro-ecuadorianischen Rhythmen (wie etwa der Cachullapis und Albazo oder die Bomba del Chota); auch der Pasillo, eine vom europäischen Walzer beeinflusste melancholische Melodie, und die Musik der ländlichen Küstenbevölkerung (Música Montubia) tragen ihren Teil bei.

Zweifelsohne üben die religiös-motivierten Feste die größte Anziehungskraft auf das Volk aus und werden mit großer Ungeduld und Vorfreude immer wieder aufs Neue erwartet. Meist handelt es sich um Feierlichkeiten zu Ehren katholischer Schutzheiliger (wie z.B. der Jungfrau „des heiligen Wassers“ (de Agua Santa) in Baños / Provinz Tungurahua) bzw. indigener Naturgötter. Von besonders großer Bedeutung im religiösen Festkalender Ecuadors ist z.B. Fronleichnam (Corpus Christi), ein Fest im römisch-katholischen Kirchenjahr, mit dem 60 Tage nach dem Ostersonntag die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Abendmahl gefeiert wird und das in die Zeit zwischen dem 21. Mai und 24. Juni fällt. Im Gebiet des heutigen Ecuadors wurde dieser katholische Brauch von den Spaniern während der Conquista eingeführt und mit den indigenen Traditionen vermischt, um somit besser zur Christianisierung der ansässigen Bevölkerung beitragen zu können. Besonders lohnenswert, vor allem für Touristen, ist ein Besuch des Corpus Christi-Festes in Pujili (bei Latacunga, Provinz Cotopaxi), das sich jedes Jahr aufs Neue in ein Symbol des indigenen-christlichen Synkretismus verwandelt. Der Messe und religiösen Prozession folgen zwei weltliche Umzüge: ein größerer mit wichtigen Persönlichkeiten, Schönheitsköniginnen und folkloristischen Tänzern und ein kleinerer mit den Mitgliedern der umliegenden bäuerlichen Gemeinden. Während die einen tanzen oder musizieren, verteilen die anderen Früchte, Süßigkeiten oder Alkohol. Diejenigen, die den typischen majestätischen Federkopfschmuck tragen, erinnern besonders anschaulich an die Zeiten, in denen sich ihre Vorfahren mit Gold bemalten und mit Edelsteinen schmückten, um den Göttern Inti und Pachamama für ihre landwirtschaftlichen Gaben zu danken. Außer des Federschmucks erinnern auch die rhythmischen Bewegungen an jene Zeiten, denn auch heute weiß noch jeder Tushug (Tänzer auf Quichua), dass diese wie eine respektvolle Danksagung an die Naturgötter fröhlich und gleichzeitig andächtig dargebracht werden sollen. Weitere wichtige Orte im Rahmen des Corpus Christi sind neben Pujilií: Saquisilí, Poaló, Salcedo y San Felipe (Provinz Cotopaxi), La Huaca (Provinz Carchi), Salasaca y Quisapincha (Provinz Tungurahua) und Cañar bei Cuenca (Provinz Cañar).

Von nicht minderer Bedeutung im religiösen Festkalender ist das alljährlich zur Sonnenwende im Andenhochland stattfindende Erntedankfest Inti Raymi. Das Ritual mit seinen weit zurückliegenden indigenen Wurzeln beginnt in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni und dauert mehrere Tage an. Zu seinem Anlass danken die indigenen Gemeinschaften der Andenhochlandregion der Sonne für die „Befruchtung“ der Pacha Mama („Mutter Erde“), die den Menschen wiederum mit dem Beginn der Erntezeit die nötige Nahrung zum Überleben sichert. Als Dankesgeste bereiten die Festteilnehmer diverse Gerichte und Getränke aus Mais zu, wie z.B. den Mote (gekochter Mais) oder die Chicha (alkoholisches Maisgetränk). Ein gemeinschaftliches rituelles Bad in Quellen, Flüssen oder Wasserfällen dient der spirituellen Reinigung sowie der Vereinigung zwischen Mensch und „Mutter Natur“. Zwei grundlegende Tänze kennzeichnen die Feierlichkeiten: Zum einen der sog. Culebrillando, bei dem die Teilnehmer eine Reihe bilden und den Gang einer Schlange bzw. die Strahlen der Sonne imitieren. Der andere Tanz nennt sich Chimbapura, bei dem sich die einzelnen teilnehmenden Gemeinschaften am Hauptplatz zusammenfinden, zu Trupps zusammenschließen und einen Kampf nachspielen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten sind die so genannten Copleros (Strophensänger), die entweder von Buntgekleideten 15- bis 20-jährigen Gitarrenspielern dargestellt werden oder durch einen 12-jährigen Jungen zu Pferd, der dem Großgrundbesitzer der Umgebung in Begleitung einiger Aruchicos Passagen aus der Bibel vorträgt. Die Aruchicos sind mit Poncho und Lederschurz bekleidete Gestalten, die über ihren Rücken mit Bronzeglöckchen bestückte Rindsleder tragen und sich meist mit Masken schmücken, die aus zwei Gesichtern und 12 Hörnern bestehen. Als wahre Explosion verschiedenster Farben, musikalischer Rhythmen und indigener Traditionen stellt Inti Raymi auch eine wichtige touristische Attraktion dar. Typische Örtlichkeiten des Geschehens sind z.B. das Äquatordenkmal Mitad del Mundo bei Quito, der Peguche-Wasserfall bei Otovalo (Provinz Imbabura) und die Ingapirca-Ruinen (Provinz Cañar).

Eine weitere beliebte religiöse Feier ist die Fiesta de la Mama Negra in Latacunga (Provinz Cotopaxi), die jedes Jahr Ende September und Anfang November stattfindet und zu deren Ursprüngen es die verschiedensten Annahmen gibt: Einer vermutlich indigenen Legende nach gedenkt das Fest einem Dämonen, der in Gestalt einer schwarzen Frau erschien. Eine andere Entstehungstheorie geht davon aus, dass die Spanier das Fest erfanden, um den Auszug einer maurischen Königin und ihres Hofes nach der Rückeroberung Granadas durch die Katholischen Könige im Jahre 1492 zu feiern. Bei der Suche nach den Entstehungsgründen von Mama Negra sollten auch keinesfalls die afrikanischen Sklaven vergessen werden, die zu Kolonialzeiten in den Minen der Region arbeiteten. All die verschiedenen Entstehungsmythen weisen darauf hin, dass hinter dem Ritual alte und verschiedenartige Glaubenstraditionen stecken. Das zentrale Element des Festes ist ein Umzug, der vor der Kirche Iglesia de la Merced endet und der Jungfrau Mercedes gewidmet ist. Die Hauptfigur des Festes ist die durch einen schwarz angemalten Mann dargestellte Mama Negra („Schwarze Mutter“), die ihr Kind – in Form einer Puppe - im Arm trägt. Begleitet wird sie von einer Kindernachhut, der zahlreiche andere Charaktere folgen: ein mit Vorräten beladener Diener, der maurische König, seine Botschafter, Fahnenträger und etliche Charaktere der indigenen Folklore. Hierzu gehören z.B. die Huacos - weiß bekleidete Medizinmänner, die Tiergeräusche imitieren und sich den Zuschauern mit Tiergeweihen nähern, um sie einer Reinigung bzw. Heilung zu unterziehen – oder die Camisonas, welche Tücher ins Publikum werfen und diejenigen, die nach ihnen greifen, mit der Gerte verfolgen. All diese phantastisch-bunten Figuren und anderen schillernden Festelemente haben dazu geführt, dass die Mama Negra – wie der Corpus Christi und Inti Raymi – in zunehmendem Maße auch internationale Touristen in ihren Bann zieht.

Falls nun auch Sie vom Festfieber gepackt worden sind und bei Ihrem kommenden Ecuadoraufenthalt einen Einblick in das reichhaltige Angebot der Fiestas Populares gewinnen wollen, starten Sie eine Reise in Richtung Quito.

 

Kontakt

 

Ecuadorline

 

ist der touristische Informationsdienst rund um Reisen nach Ecuador, der von zahlreichen touristischen Unternehmen unterstützt und finanziert wird. 

CallCenter in Deutschland Fon 0851-7565644, Fax 0851-7565651, info@ecuadorline.de 

 

www.ecuadorline.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Bina Kreykenbohm.

 

 

 

 

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