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Zu Besuch in Lamspringe
Kloster und Flecken Lamspringe blicken auf eine 1150-jährige Geschichte zurück. Prähistorische Funde bezeugen, dass der Raum Lamspringe schon früh besiedelt gewesen sein muss. Ob aber zur Zeit der Klostergründung schon eine Siedlung bestanden hat, ist nicht nachweisbar. Die Lage an der wichtigen Passstraße, von Frankfurt über Göttingen und Hildesheim zur Nordsee führend und ein quellenreiches Gebiet gaben beste Voraussetzungen für die Gründung einer Siedlung. Wenn auch keine Originalurkunden über die Gründung des Klosters vorliegen, so kann man doch nach der neuen Forschung das Gründungsjahr 847 bestimmen.
Mit der Gründung des Klosters beginnt auch die Siedlungsgeschichte des Ortes. Für die Bestellung der Felder und für andere Dienste wurden Arbeitskräfte benötigt. Dorfbewohner der näheren und weiteren Umgegend verließen ihre Dörfer, da das Kloster aus den meisten Orten Vorwerke machte. Für die Männer und Frauen gab es reichlich Arbeitsmöglichkeiten als Tagelöhner, Knechte, Handwerker und Klosterdiener. Mit ihren Familien wohnten sie in den vom Kloster für Klosterbedienstete errichteten Wohnhäusern in der Klosterfreiheit. Sie blieben abgabefrei. Nach dem Tod der Bewohner fielen die Häuser (Lebtagshäuser) an das Kloster zurück. So nahm allmählich die Einwohnerzahl des Ortes zu.
In den Wirren des 30jährigen Krieges hatten die Lamspringer viele Schrecknisse zu überstehen. Große Belastungen brachten häufige Einquartierungen. Nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge 1626 besetzten versprengte Söldnergruppen den Ort, plünderten und brannten die Häuser nieder. Aus Furcht vor weiteren Überfällen versteckten sich die Ortsbewohner mit ihrer geringen Habe im Wald. Der mutige Lamspringer Henning Eggers verschanzte sich mit einer Schar junger Männer in der Nähe von Rolfshagen. Wachen wurden aufgestellt, um die beutegierigen Söldner vor dem Ort abzufangen. Versprengte Truppenteile durchstreiften den Wald und gerieten aneinander. Im Hinterhalt blies Henning Eggers auf seiner Trompete zum Angriff. Dänen und Kaiserliche meinten, das Zeichen gelte ihnen. Sie feuerten ihre Musketen ab und stürzten in wilder Flucht davon. So wurde Lamspringe durch die List des Henning Eggers vor einem erneuten Überfall verschont. Noch heute heißt der Bereich in der Klosterforst, wo durch einen Trompetenstoß die Marodeure in die Flucht getrieben wurden „Trompeterbusch“. Gegen Ende des Krieges verarmte das Kloster immer mehr. Die Gebäude waren verwüstet und nur noch von wenigen bewohnt.
Abt Josef I. hatte sich neben der Durchführung des kostspieligen Kirchenbaus noch in manch anderer Hinsicht zum Wohle des Klosters verdient gemacht. Besitzansprüche auf früher verpfändeten Ländereien wurden geltend gemacht und die Gerichtsbarkeit des Klosters im Flecken und in den Dörfern wiedererworben. Das Halseisen an der Klostermauer erinnert noch heute an jene Zeit. Von der Steuerpflicht wurde das Kloster befreit und alte Rechte durch zahlreiche lang andauernde Prozesse wiedergewonnen. Nach einer Zeit der wirtschaftlichen Erholung begann man 1731 mit dem Bau der Konventgebäude.
Christoph Kronenberg vor der Abtei

„In der napoleonischen Zeit musste der Flecken Kontributation aufbringen, die sich 1811 auf 1335 Franken beliefen“
Die Teilnahme an Napoleons Feldzügen kostete fünf Lamspringern das Leben. 1819 und 1831 wurden große Teile des Fleckens Lamspringe durch Großbrände eingeäschert.
Nach Fertigstellung der Bahnlinie Hildesheim – Kreiensen (1902) nahm das gewerbliche Leben einen neuen Aufschwung. Die Handwerks- und Industriebetriebe entwickelten sich zu Firmen mit relativ großer Belegschaft und weitem Absatzgebiet. Durch die wirtschaftliche Entwicklung steig auch die Einwohnerzahl, denn viele fanden in den Fabriken, Handwerksbetrieben und Geschäften einen Arbeitsplatz.
Durch die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage einiger Lamspringer Gewerbebetriebe, denen nun ein Teil ihrer Absatzgebiete fehlten. Ab 1960 mussten immer mehr, oft alteingesessene, Betriebe schließen.
Führung durch die Kirche
Die alte Klostermühle, schon im 17. Jahrhundert erbaut, wurde durch einen großzügigen Umbau 1993 in ein Künstleratelier mit Wohnung umgewandelt. Das Wasserrad blieb erhalten und dreht sich noch heute zur Freude der Besucher. Kunstwerke, als Ergebnis des Bildhauer – Symposiums von 1984 bringen besondere Akzente in den Bürgerpark. Auffallend ist die von Peter Nedwal in Holz gehauene Figur des Schutzpatrons der Lamspringer Klosterkirche, des heiligen Dionysius (in der Nähe des Teiches aufgestellt). Am Eingang zum Park, von der Hauptstraße her, findet sich ein Sandsteinrelief (von Hans- Tewes Schadwinkel), in dem eine Begebenheit aus der Geschichte des Klosters künstlerisch umgesetzt worden ist. Ein bewaffneter Soldat ergreift die Hand einer Nonne und zerrt sie fort. Ängste und Nöte vergangener kriegerischer Ereignisse will der Künstler mit seinem Werk zum Ausdruck bringen.
Als Annerkennung seiner vorbildlichen Aktivitäten auf dem Gebiet des Fremdenverkehrs und aufgrund mehrerer Auszeichnungen im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ wurde dem Flecken Lamspringe 1977 die Bezeichnung „staatlich anerkannter Erholungsort
Kontakt
Samtgemeindeverwaltung Lamspringe
Kloster 3, D-31195 Lamspringe
tourist-information Hildesheim
Rathausstraße 20 (Tempelhaus), D-31134 Hildesheim
Telefon 05121-1798-0, Fax 05121-1798-88, tourist-info@hildesheim-marketing.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Christoph Kronenberg
Unser Autor arbeitet als Historiker in Lamspringe
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