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Discovery unterwegs auf ihrem letzten Flug zur ISS
Während die Bahn zu Verspätungen neigt, hat die US-amerikanische Raumfähre Discovery plangemäß die Erde verlassen: Zwölf Tage wird sie nun den blauen Planeten von oben betrachten, bereits zwei Tage nach dem Start an die Internationale Raumstation (ISS) andocken und ihre Mission STS-133 erfüllen. Der Flug, gestartet vom Kennedy-Space-Center in Cape Canaveral (Florida), ist der 35. Flug eines Shuttle zur ISS. In den letzten 26 Jahren war allein die Discovery 39 Mal im All und ist damit das am häufigsten geflogene Space Suttle der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA. Ihr erster Einsatz erfolgte im Januar 1986. Nach den missglückten Flügen der Challenger 1986 und Columbia im Februar 2003 war es die Discovery, welche den Flugbetrieb der Shuttleflotte wieder aufgenommen hat. Zu ihren Aufgaben zählte der Transport des Hubble-Space-Teleskops 1990 in den Erdorbit, die letzte Docking-Mission zwischen einem Shuttle und der russischen Raumstation Mir im Juni 1998 und die Mission STS-95 mit dem US-Senator John Glenn im Oktober 1998. Nun wird die Discovery ihren wohlverdienten Ruhestand antreten und im Anschluss daran voraussichtlich als Ausstellungsstück im Luft- und Raumfahrtmuseum in der US-Hauptstadt Washington untergebracht.
Eigentlich war ihre letzte Mission bereits im November 2010 geplant, doch der Flug musste aufgrund technischer Störungen mehrmals verschoben werden.
Mal war ein Leck in den Helium- und Stickstoff-Leitungen im Steuersystem entstanden, dann folgte elektronisches Versagen im Hauptcomputer oder es zeigten sich Risse am Verbindungsstück zwischen den Außentanks und einem Ableitungsrohr. Das Schicksal nach drei Jahrzehnten treuer Dienste ersetzt zu werden, teilen mit der Discovery voraussichtlich in den nächsten Monaten auch die Endeavour und die Atlantis.
Auf ihrem letzten Flug hat die Discovery dabei einiges im „Gepäck“. Neben den sechs Astronauten wird erstmals ein menschlicher Robonaut den Weg ins All antreten. Für ihn ist es allerdings ein One-Way-Ticket. Im Gegensatz zu seinen Kollegen wird er auf der Raumstation verbleiben. Robonaut R2 ist darauf programmiert worden, als Vorreiter seine Qualifikation unter Beweise zu stellen. Wie reagiert er z.B. mit seinen 150 Kilo auf die Schwerelosigkeit? Schließlich soll er später einmal den Astronauten bei schwierigen Arbeiten behilflich sein. Dafür wurde er mit Gliedmaßen und einem Kopf ausgestattet. Allerdings ist er dort oben nicht auf sich alleine gestellt. Auf der ISS befinden sich in der Regel ständig sechs Astronauten, welche für jeweils sechs Monate der Welt den Rücken kehren und ihren Dienst hoch über unseren Köpfen leisten.
Die Astronauten, welche die Discovery nun auf ihrem letzten Flug führen, werden während dieser Shuttle-Mission auch außerhalb der Raumstation in zwei „Außeneinsätzen“ am Columbus-Modul Arbeiten durchführen. Der Außeneinsatz wird vom NASA-Kontrollzentrum in Houston (Texas) geleitet. Die Crew steht bis Ende der Mission am 07. März 2011 unter dem Kommando des NASA-Astronauten Steven Lindsey, Pilot ist Eric Boe. Missionsspezialisten sind Alvin Drew, D. Michael Barratt, Nicole Stott und Steve Bowen. Bowen und Drew haben die Aufgabe, die geplanten Außenbordeinsätze zu übernehmen.
Der DLR in Oberpfaffenhofen ist in ständigem Kontakt mit der Raumfähre
Auch im Columbus-Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen haben sich die Ingenieure auf den letzten Discovery-Einsatz vorbereitet. Das so genannte Columbus-Modul, wird von den Kontrollräumen im oberbayerischen Pfaffenhofen gesteuert. Auch hier wurde der Start mit Spannung verfolgt, obwohl die eigentliche Aufgabe für die Wissenschaftler der DLR vor und dann wieder nach erfolgtem Abflug beginnt. So wurde die Prozedur, nach denen die Astronauten den Austausch eines Wasserventils vornehmen werden, von den Ingenieuren des Columbus-Kontrollzentrums beim DLR vorbereitet. Nicht nur der eigentliche Aus- und Einbau ist kompliziert. "So müssen bestimmte Stromverbindungen abgeschaltet werden, um die Crew an Bord nicht zu gefährden und damit die Reparatur des Ventils zu erlauben", erklärt Columbus-Flugdirektor Thomas Uhlig. Die Astronauten werden während dieser Shuttle-Mission auch außerhalb der Raumstation am Columbus-Modul Hand anlegen. Der Außeneinsatz wird vom NASA-Kontrollzentrum in Houston (Texas) aus geleitet. Das Columbus-Betriebsteam beim DLR ist für die Sicherheit der Astronauten mitverantwortlich. "Wir müssen die korrekte Konfiguration der externen Plattform jederzeit gewährleisten, das heißt im konkreten Fall müssen die Stromleitungen zu LWAPA spannungsfrei geschaltet werden", verdeutlicht Columbus-Ingenieur Uhlig.
Der deutsche Astronaut Reinhold Ewald wäre gerne mit von der „Partie“
Den Start von der Brücke in Pfaffenhofen verfolgte auch der Physiker Reinhold Ewald. Er kann wohl die Anspannung der Astronauten als einziger im Raum wirklich Nachverfolgen. Nach einem Auswahlverfahren mit 1200 anderen Kandidaten begann er seine Karriere als Astronaut und wurde 1997 erstmals „in die Luft gejagt“. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf der Beobachtung und Analyse der Dynamik des Zustandes interstellarer Molekülwolken, die als Geburtsstätte neuer Sterne gesehen werden. 1997 verbrachte er 18 Tage auf der russischen Raumstation Mir. Obwohl die Mir aus heutiger Sicht veraltet erscheint sind, so Ewald, viele der operationellen Erfahrungen aus der Mir in die Internationale Raumstation ISS eingeflossen und machen den derzeitigen Stand der ISS erst möglich“.
Auf den nervlichen Zustand im Hinblick auf den Start der „sechs Kandidaten“ angesprochen, erklärt Ewald, dass man in diesen Minuten völlig konzentriert sein müsse und eigentlich keine Zeit habe darüber nachzudenken, schließlich muss alles funktionieren. Auch während des Aufenthalts im All will man ja in der kurzen Zeit alle Ziele erreichen und kommt nicht so viel dazu, sich Gedanken zu machen. Allerdings habe er seinen eigenen „Weltraum-Trip“ als grandiose persönliche Erfahrung kennen gelernt, während der man mit allen Sinnen viel Neues erlebt.
Ob es für die Astronauten eine Beruhigung ist, dass in Köln ein Team von Ärzten sitzt, falls die Mission abgebrochen werden muss? Die Route führt zunächst über den Atlantik, so dass sich der Notfallflughafen in Spanien befindet. Auch das Team aus Köln würde diese Position sehr schnell erreichen. Ein wirklich internationales Projekt also, welches letzten Endes die Rückendeckung erfreulicherweise nicht gebraucht hat.
Wer in die Fußstapfen der berühmten „Alleroberer“ treten will, sollte vorzugsweise einen technischen Hintergrund mitbringen.
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) www.dlr.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.
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