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Der unglaubliche Zauber im Wunderland Oz
"Jetzt bin ich 87 Jahre alt und schlaf' zum ersten Mal im Zelt" sagt stolz die rüstige Ilona aus Bad Homburg auf dem Campingplatz in Fitzroy Crossing, einer kleinen Gemeinde am Rande des Kimberley, einer der letzten Wildnisse der Erde. Sie hat ihre beiden Töchter Jutta (66) - 1966 in den fünften Kontinent ausgewandert - und Christiane (64), die in Austria lebt, sich aber in Australien - im Wunderland Oz - wohlfühlen würde, auf die 22-Tage-Tour durchs grandiose Westaustralien eingeladen. Sieben - zusammen knapp ein halbes Jahrtausend alt - waren gemeinsam mit Thomas Schad – dem deutschen „Gold Star“ -Fahrer- und Reiseführer - unterwegs; mit 58 war ich der Benjamin der Reisegruppe durch die "touristische Steinzeit" von Perth nach Darwin.

Quer durch Westaustralien unterwegs von Perth nach Darwin: Sechs rüstige Globetrotter - zwischen 58 und 87 (!) Jahre junggeblieben
Wer einmal hier ist, will nie wieder fort, sagen die "Ozzies" - die Australier - und meinen die zweieinhalb Millionen Quadratkilometer im australischen Westen; als unabhängiges Land wäre dieser Bundesstaat die neuntgrößte Nation der Welt. Wenn der tropische Norden wochenlang im Regen versinkt, scheint in der Hauptstadt Perth im Südwesten die Sonne bei angenehmen 23 Grad am Himmel. Hier verbergen sich die bestgehütetsten Geheimnisse des fünften Kontinents: bunte Korallenriffe, einsame Strände, geheimnisvolle Schluchten, menschenleeres Outback, urige Baumriesen und eine einzigartige Flora und Fauna.
Thomas Schad (61), der im hessischen Groß-Gerau geborene (fast) Ur-Bayer (lebte lange in Garmisch-Partenkirchen) entschied sich vor einem Vierteljahrhundert spontan aus Deutschland auszuwandern und sich in Perth eine neue Existenz aufzubauen, nachdem er erstmals durch den größten Bundesstaat Australiens gefahren war. Inzwischen hat er sich in Perth - der einsamsten Millionenstadt der Welt, die 2 700 km von Adelaide, der nächsten Großstadt entfernt liegt - zusammen mit seiner Marion (41) zwei Erwerbsquellen geschaffen: "Gold Star" ein Touristikunternehmen - als Gebeco-Partner - und ein Hannoveraner-Gestüt der Extraklasse. Harry Boldt, der zweifache deutsche Dressur-Olympiasieger (1964 und 1976) und vielfache Weltmeister auf dem Hannoveraner "Woyceck" ist nicht umsonst sein Nachbar.

Abend für Abend: unvergessliche Sonnenuntergänge in der australischen Einsamkeit, in der tagelang keine anderen Menschen entgegenkommen
Wie in den Tagen des Goldrush beginnen noch heute Touren in den "wilden Westen" in Perth. Bevor es auf die 6 300 Kilometer lange Reise nach Darwin geht, kann man in Perth-Downtown kaum glauben, schon bald ziemlich allein unterwegs zu sein. Von den zwei Millionen Menschen, die in Westaustralien wohnen, das siebenmal größer als Deutschland ist, leben 1.5 Millionen rund um Perth, der sonnigsten Stadt Australiens (durchschnittlich acht Stunden täglich). Das westaustralische "Millionendorf" am Swan River sprüht vor Lebensfreude und Ungezwungenheit. Als grüne "Seele der Stadt" bezeichnen die Bürger ihren Kings Park.
In der vorgelagerten Hafenstadt Freemantle vermischen sich Vergangenheit und Gegenwart. Das im Jahr 1903 gebaute Tarantella B&B ist für deutsche Touristen ein interessanter Ort - schließlich befanden sich hier bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs das Kaiserlich Deutsche Konsulat und das Büro der Reederei Norddeutscher Lloyd. Später diente das schmale Gebäude als Speditionsbüro, ehe 1971 an eine Gruppe ausgewanderter Italiener verkauft wurde. Die machten daraus "den wildesten Nachtclub der südlichen Halbkugel", wie Peter Donovan, ein ehemaliger Polizist meint.
Vor der Küste liegt die autofreie Insel Rottnest, die für ihre unberührte Natur bekannt ist. Dort leben Mini-Känguruhs (Quokkas). Die ersten Europäer, niederländische Seefahrer, betrachteten sie als Ratten, daher der Name Rattennest/Rottnest. Außerdem sind Buckel- und Pottwale im August und September vor dem Wildlife-Paradies keine Seltenheit. Auf Penguin Island - vor Rockingham/knapp 50 km südlich - ist von September bis Mai eine Pinguinkolonie für Besucher geöffnet.

In der australischen Wildnis keine Seltenheit: Steine auf der Kippe . . .
Unterwegs durch den australischen Westen gesäumt von zahlreichen Nationalparks und großartigen Naturschauspielen gelten Dörfer mit 50 (!) Einwohner(innen) schon als "Großstädte", weil dieses Drittel des Kontinents fast ausschließlich aus Wüste und Steppe besteht. 12 500 Kilometer lang ist die Küste. Die über 250 Millionen Jahre alte Hamersley-Gebirgskette im Norden, die bizarren Felsformationen der Pinnacles, die unerschöpflichen Goldvorkommen und die unendlich weiten Schaffarmen - sie machen alle die Faszination des größten australischen Bundesstaates aus. Die 350 Millionen Jahre alte Bungle Bungle-Gebirgskette und die Delphine von Monkey Mia sind weitere Natur-Highlihgts.
Die beste Reisezeit für die beschriebene Tour durch den Nordwesten mit extremen Temperaturwerten ist von April bis Oktober, weil von November bis März die Regenzeit viele Landstriche zu einer Seenlandschaft verwandelt. Down under, wie die Australier selbstironisch sagen und was soviel bedeutet wie "irgendwo unter dem Äquator", stehen die Jahreszeiten auf dem Kopf; dort beginnt die Weinlese im Februar, und die Junikäfer fliegen im Dezember. Dort gibt es Pflanzen und Tiere, die in keiner anderen Region des Globus zu finden sind; Bäume, die im Herbst ihre Rinde schälen, statt die Blätter abzuwerfen, und Säugetiere, die Eier legen.
Mit jedem Kilometer, den man Perth - die viertgrößte australische Stadt - auf dem Highway 1 hinter sich lässt, rückt die wilde Natur näher. Man fährt übrigens auf der linken statt auf der rechten Seite, also Linksverkehr. Nach drei Fahrstunden in Richtung Norden steht man inmitten eines Naturwunders, der 500 ha großen Pinnacles Wüste. In dieser Mondlandschaft des Nambung Nationalparks nahe Cervantes reihen sich unzählige, bis zu vier Meter hohe bizarre Kalksteinsäulen aneinander, die Witzbolde gerne als Phallussymbole sehen. "Besonders spektakulär wirkt die Laune der Natur in aller Frühe oder bei Sonnenuntergang, wenn die Steine lange Schatten werfen", meint Thomas, der deswegen seinen Routen-Tagesplan bei VIP-Touren danach ausrichtet.
Entlang der historischen Batavia-Küste, wo 1629 die ersten Europäer ausgesetzt wurden, nachdem das gleichnamige holländische Handelsschiff vor den Albrohos Inseln gestrandet war, durchquert man das größte australische Getreidegebiet. Außerdem ist Geraldton optimal gelegener Heimathafen der größten Langustenfangflotte der Welt. Hier werden in der Fangsaison täglich 8 bis 10 Tonnen Lobster in Fisherman's Wharf angelandet und verarbeitet. Der größte Ort (21 000 Einwohner) im zentralen Westen erlebte seine erste Blütezeit schon 1890 als Haupthafen für den Goldrausch am Murchison River.
Im Kalbarri Nationalpark hat der gewundene, 80 Kilometer lange Fluss über Millionen von Jahren bis zu 150 m tiefe Schluchten in die Sandsteinschichten geschnitten. Besonders sehenswert sind die Tumglagooda-Sandsteinklippen und "The Loop", ein steiniges Felsenfenster. Der erst 1951 entstandene Ort Kalbarri liegt außergewöhnlich reizvoll im Herzen von einem der schönsten NP's von Westaustralien. Rund um Kalbarri ist raues Outback. Während der Wildblumenblüte im australischen Frühjahr - August bis Oktober - verwandelt sich die Landschaft allerdings in eine bunte Palette mit allen Regenbogenfarben; ein farbenfroher Augenschmaus für Naturfreunde.
Etwas skurril ist die Hutt River Province. Nach eigener Definition der selbsternannten Regenten ist sie seit 21. April 1970 unabhängiges Fürstentum, das sogar von einigen Staaten (darunter Frankreich und Griechenland) aber nicht von der UNO anerkannt wurde. Das Kuriosum entstand aus einem Streit der Behörden nach dem sich Farmer "Prinz" Leonhard und "Prinzessin" Shirley Casley mit ihrem 7457 ha großen Besitz - ohne rechtliche Grundlage - von Australien getrennt haben.
Von hier aus folgen wieder viele Kilometer Outback, bis nach dem Overlander Roadhouse vom North West Coastal Highway die Denham Hamelin Road nach Shark Bay abzweigt. Diese verschwiegene Bucht ist ein Meeresparadies. Paradiesisch soll es bleiben, deshalb wurde der Shark Bay Marine Park eingerichtet, eine Schutzzone mit World-Heritage-Status, also ein Weltkulturerbe. Dazu gehört auch Dirk Hartog Island (jetzt in Privatbesitz). Die schmale Insel markiert den ersten Landepunkt eines Europäers auf dem Subkontinent: Der holländische Kapitän Dirk Hartog hinterließ am 25. Oktober 1616 eine Zinntafel als Beweis seines Landgangs.
Im seichten Wasser des Hamelin Pool existieren sogar noch Stromatoliten, seltene Lebensformen wie zur Geburtsstunde der Erde vor 3.5 Milliarden Jahren. Diese kugelförmigen Gebilde sind die ältesten Fossilien der Erdgeschichte. Ein weiteres Naturwunder ist der Shell Beach, ein ungewöhnlicher 160 Kilometer langer Strand, der in 40 m Breite bis hinab in zehn Meter Tiefe nur aus winzigen Muscheln besteht.
Die größte Anziehungskraft haben aber die zutraulichen Delphine von Monkey Mia. Morgens um acht und dann mehrfach täglich schwimmen im Familienverbund die Meeressäuger für Audienzen mit dem Menschen beim Monkey Mia Dolphin Resort an den Strand. Für die "diplomatischen Beziehungen" zwischen Delphinen und ihren zweibeinigen Freunden haben die Ranger die Benimmregel auf große Schilder am Strand geschrieben. Es war ein noch namenloser Delphin, der 1964 nach dem Fisch schnappte, den ihm Alice Watts von ihrem Boot aus zuwarf. Am nächsten Tag war der Meeressäuger wieder zur Stelle, und so ging es weiter. Der Gast aus dem Indischen Ozean wurde bald Charly getauft. Charly ist inzwischen gestorben, aber seine Nachfahren sind ebenso zutraulich. Der einzige Ort an der Shark Bay ist Denham.
Weniger im Rampenlicht steht - was gut für die Natur ist - das weitere nördliche Ningaloo Reef, ein gut gehütetes Geheimnis mit dem angrenzenden Cape Range National Park. Das 260 Kilometer lange Korallenriff verläuft nördlich von Coral Bay, an manchen Stellen - zum Beispiel beim Ningaloo Resort/wo Gebeco zwei Übernachtungen einplant - nur 150 Meter vom Ufer entfernt. Jeweils von März bis Mai sorgen die Korallen zur Laichzeit hier für ein ungewöhnliches Schauspiel: in den ersten Nächten nach Vollmond steigen aus den Korallen Millionen Samen und Eier auf, die dann befruchtet wieder absinken und neue Korallengärten bilden. In diesen Nächten scheint das Meer zu blühen.
Aber es hält eine noch größere Sensation bereit. Dutzende von Walhaien, mehr als an irgendeinem anderen Ort der Welt, schwimmen vor dem Riff. Die größten Fische der Welt - sie werden 18 Meter lang und 40 Tonnen schwer - sind zwar, wie ihr Name sagt, Haie, aber völlig ungefährlich. Aus einem Sportflugzeug erleb' ich das einmalige Naturschauspiel aus der Luft.
Fahrer Thomas Schad gönnt seinem Toyota Landcruiser und seinen konditionsstarken Reisegästen eine Verschnaufpause am ausgetrockneten Flussbett; in der Regenzeit wird er zum reisenden Strom Fotos: Ludwig Mario Niedermeier/Thomas Schad/MN-InfoText
Auf dem Weg nach Tom Price haben wir mitten in der Wildnis eine Reifenpanne; für Thomas keine Seltenheit und deshalb ist das Reserverad schnell montiert, ehe wir unser Tagesziel, die auf 747 Meter höchstgelegene westaustralische Stadt erreichen. In der 4 300-Einwohner-Stadt befindet sich das größte Eisenerz-Abbaugebiet der Hamersley Iron Pyt. Ltd., die dafür extra eine Eisenbahn nach Port Hedland bauen ließ. Immerhin sollen in dieser Region noch 40 Milliarden Tonnen hochwertiges Eisenerz lagern. Für gutes Geld müssen die Arbeiter stets im 12-Stunden-Takt (arbeiten/schlafen) drei Wochen im Tagebau durchgehend schuften, bevor sie zwei Tage frei haben.
Landeinwärts wartet das nächste Naturwunder: die Bergwelt des Karaijini Nationalpark, mitten in der vor Eisenerz strotzenden Pilbara, einer kaum erschlossenen Region des Kontinents. Die schönsten Schluchten und Felsenteiche des Nordwestens verbergen sich hier in der Hamersley Range. Der eindrucksvollste Aussichtspunkt ist der Oxer Lookout, von dem ein Blick in drei gewaltige Schluchten möglich ist.
Ein typisches Städtchen im westaustralischen ist Marble Bar. 400 Einwohner leben auf Australiens "heißestem Pflaster", wo zwischen 1891 und 1931 viel Gold gefunden wurde. Wir lernen ein 60jähriges Ehepaar kennen, das eine Mine gekauft hat und jetzt ihr Glück versucht. In den Jahren 1926/27 kletterten die Temperaturen an 162 Tagen über 38 Grad; seitdem gilt Marle Bar als heißester australischer Ort.
Unterbrochen wird die endlos monotone Strecke nach Broome, entlang der Great Sandy Desert, nur durch die Eighty-Mile-Beach. In den 20er Jahren war Broome ein Weltzentrum der Perlenindustrie. Über 3 000 Paerl-Lugger - meist Japanerinnen - tummelten sich damals vor der australischen Nordwestküste und rissen die Perlenmuscheln von den Felsen. Doch die Arbeit war gefährlich, was 600 Grabsteine auf dem Japanese Cementery bezeugen. Besonders begehrt war Perlmutt, das zu Schmuck und Knöpfen verarbeitet wurde - 80 Prozent für den weltweiten Bedarf kam aus Broome. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Plastikknöpfe den Weltmarkt überschwemmten, ging es mit Broome bergab. Doch die Entwicklung von Zuchtperlen hat die Industrie wieder aufleben lassen. Ein kurzer Spaziergang vorbei an den Holzhäusern der Chinatown mit ihren vielsprachigen Straßenschildern lässt die Vergangenheit wieder lebendig werden. "Wir haben Glück gehabt", sagt ein betagter Chinese, der im "Son Ming" in der Carnavon Street trotz der Hitze einen heißen Tee trinkt. "Wir hatten nach dem Krieg kein Geld, um die alten Häuser durch neue zu ersetzen. Deshalb hat Broome jetzt ein historisches Viertel. Es heißt zwar Chinatown, aber die Japaner waren hier immer viel einflussreicher - bis sie uns im Zweiten Weltkrieg bombardierten . . .", fügt er nach einer kleinen Pause hinzu. Broome ist westlicher Ausgangsort in die Kimberley-Region.
Die abenteuerlichste Piste des fünften Kontinents, die unbefestigte Gibb River Road, verläuft von Derby nach Kununurra quer durch die Kimberleys - fast 600 Kilometer Waschbrettstrecke. Für die Ozzies haben die Kimberleys einen fast mythischen Charakter. Einen kleinen Beitrag dazu leistet Thomas Schad, der mit uns tapferen Sechs im Tunnel Creek National Park durch einen 750 m langen finsteren Tunnel im unterirdischen Flusslauf wandert. Das gigantische Plateau ist durch Schluchten stark gegliedert. Während im Winter die Landschaft austrocknet, bringen sommerliche Monsunregen unglaublich viel Wasser, das zusammen mit hohen Temperaturen für ein nur schwer erträgliches Klima sorgt. Flüsse schwellen dann, nach flutartigen Regenfällen, auf etliche Kilometer an und setzen das Land in der Wet Season bis zu 10 Meter unter Wasser. In den Kimberley halten große 99 Farmen gigantische Rinder- und Schafherden, die mit dem Helikopter zusammengetrieben werden.
Die lange Isolation machte die Kimberleys zu der am stärksten von Aborigines geprägten Region in Australien; etwa 30 Prozent des Landes sind im Besitz der traditionellen Eigentümer. Die australischen Ureinwohner führen zu alten Höhlenmalereien im Windjana Gorge National Park; zusammen mit dem "Wüstenfuchs" Thomas wurden wir auf eigene Faust fündig. Aber auch die Stippvisite bei einer Aborigines-Familie erweiterte den Blickwinkel für fremde Völker; wir waren zu Gast, als Kleinkinder am gebratenen Krokodil knabberten, das Papa ein Tag vorher geschossen hatte.

Der Geikie Gorge National Park am Fitzroy River ist einer der spektakulärsten Schluchten im Nordwesten. Auf der Ostseite der Schlucht liegt Fossil Downs, eine riesige private Rinderstation, die mehr als 405 000 ha umfasst. Sie wurde 1886 am Ende des weltweit längsten Viehtriebs - 5600 Kilometer waren es von New South Wales aus - gegründet und ist die einzige Rinderfarm in den Kimberleys, die noch den Nachkommen der ersten Pioniere gehört, den Mac Donalds. Auf dem Great Northern Highway kommen wir nach Halls Creek, das mit komfortablen Hotels und klimatisierten Supermärkten der regionalen Viehzucht als Stützpunkt dient. Old Halls Creek, 15 km außerhalb der heutigen Siedlung, ereilte 1886 der Goldrausch. Südlich von Halls Creek liegt bei Wolfe Creek der zweitgrößte Meteoritenkrater der Welt.
Nie war er so notwendig, wie an diesem Tag, der allradgetriebene Toyota Landcruiser 100, als wir hundert Kilometer nördlich von Halls Creek zum - zusammen mit dem Ayers Rock - erstaunlichsten australischen Naturerlebnis auf die Piste einbiegen. Mehr als drei Stunden benötigen wir für 53 Kilometer über Stock und noch mehr Stein, ehe wir im Safari Camp im Purnululu National Park ankommen. Bis vor fünfzig Jahren waren die Sandsteinformationen am Rande der Tanami-Wüste nur den Kija-Aborigines bekannt, denen die steinernen Bienenkörbe als heilig gelten. Purnululu bedeutet Sandstein in der Sprache der traditionellen Bewohner. Die so genannten Bungle Bungles - die versteinerten Reste eines Korallenriffs - Hunderte von orange-schwarz gestreiften Felspyramiden bedecken ein Gebiet von 45 000 ha und erscheinen wie riesige Bienenkörbe.
In den schattigen Schluchten findet man Grotten voller Palmen, gewaltige Höhlen und . . . weiße Sandstrände. Aufgrund der Isolation war dieses Gebiet lange nur den Einheimischen bekannt, bis 1982 zufällig ein Fernsehteam darauf stieß. Dort hat Thomas mit uns den Fußmarsch durch die Echidna Chasm, eine kilometerlange Schlucht im Felsenlabyrith, unternommen. Die aufragenden Felswände rücken abschnittsweise so nah zusammen, dass vom blauen Himmel nur noch ein schmales Band zu erkennen ist.
Einmalig ist die Wanderung durchs ausgetrocknete Flussbett in die Cathedral Gorge, deren Akustik so perfekt ist, dass dort sogar Konzerte stattfinden sollen. Wir waren dabei, als eine Sängerin das "Ave Maria" übte. Das einzige, aber größte Problem wird wohl der Transport der Instrumente und der Zugang der Musikfreunde sein, weil sie zwischen engen Felswänden kilometerweit über Klippen steigen müssen. Der absolute Höhepunkt - jedem zu empfehlen - war mir 150 australische Dollar wert, ein Helicopter-Flug über die Bungle Bungle. Aus der Vogelperspektive erscheinen die geriffelten Felsen wie aus einem Bilderbuch-Märchen.
Weniger spektakulär ist die Tour bis nach Kununurra, was soviel bedeutet wie "großes Wasser". Das Städtchen entstand vor vierzig Jahren als Versorgungs- und Verwaltungszentrum für das Bewässerungsprojekt ORIS. Der Fluss wurde südlich von Kununurra in den Bergen zum Lake Argyle aufgestaut, dem mit 1000 km² größten künstlichen See in Australien. Über ein Kanal- und Grabensystem bewässert ORIS eine 6000 km² große Anbaufläche. Das ehrgeizige Projekt hat zwar die landwirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt, aber die Bewohner der Kleinstadt verstanden es, aus dem Stausee touristisches Kapital zu schlagen, indem sie am Lake Argyle ein Ferienzentrum bauten.
Darwin, die tropische Hauptstadt des Northern Territory - Zielort unserer 22-Tage-Tour -entstieg bereits dreimal wie Phoenix der Asche; nach dem Wirbelsturm von 1897, einer Reihe japanischer Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges und zuletzt nach dem katastrophalen Zyklon "Tracy" am Heiligen Abend 1974. Längst ist die junge Tropenstadt wieder voller Lebensfreude.
Nach drei erlebnisreichen Wochen wissen wir, was die Ozzies meinen, wenn sie sagen "wer einmal hier ist, will nie wieder fort". Wir fünf Australien-Besucher verstehen jetzt, warum sich Thomas und Jutta - die beiden ehemaligen Deutschen mit australischer Staatsbürgerschaft - schon vor langer Zeit von Schwarz-Rot-Gold verabschiedet haben.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText.
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Unser Autor: Lifestyle-Reporter Ludwig Mario Niedermeier stellt für ReiseTravel exklusiv aus aller Welt interessante Orte vor, Ort, die zu jeder Zeit besuchenswert sind. eu@reisetravel.eu
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