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Lyon

Glück auf kleiner Welle auf Rhóne und Saóne

Tipps für Trips von Mario – Lifestyle-Reporter Ludwig Mario Niedermeier stellt für ReiseTravel exklusiv aus aller Welt Hotels & Restaurants vor:

 

Glück auf kleiner Welle auf Rhóne und Saóne

 

Es kann eine Bredouille sein: Wer sich ein tolles Hotel als Reise-Unterkunft auswählt, ist an einen festen Ort gebunden. Wer hingegen viel von Land und Leuten kennen lernen möchte, muss zwangsläufig von Herberge zu Herberge ziehen. Und der oft alles andere als einheitliche Standard kann die Urlaubsfreuden ganz schön trüben, vom ständigen Ein- und Auspacken mal ganz abgesehen. Wie schön wäre es, wenn das Hotel bei einer Auslandsreise – beispielsweise vom Burgund zur Provence – von Ort zu Ort mitkommen würde? Gibt’s nicht? Gibt’s wohl: bei der A-ROSA Flussschiff GmbH, einer Tochter der Arkona AG aus Rostock.  

 

Leben wie Gott in Frankreich

 

Eigentlich hatte diese Geschichte schon einen Titel, bevor die A-ROSA STELLA in Lyon nach einem Rondo, einer 180-Grad-Wende, vom Quai Claude Bernard zu einer Flusskreuzfahrt auf der Rhóne und Saóne abgelegt hatte. „Stille Tage im Klischee“ sollte sie heißen. In Anspielung auf einen Roman von Henry Miller und in der Erwartung von Kastanienbäumen, die in der Mittagshitze auf dem Dorfplatz schmachten; von Pappeln gesäumten Ufern, an denen Angler stundenlang ins Wasser starren; von Zikaden, die aus ihrem Leib die Musik der Provence pressen; und von den berühmten Charolais-Rinder-Herden, die geduldig ihrer Karriere als Fleischtopf-Einlage im Boeuf bourgignon entgegen käuen. Aber diese Phantasievorstellungen waren unterwegs auf dem zweitlängsten Fluss Frankreichs nur einige Mosaiksteinchen . . .

 

Bei einer Flusskreuzfahrt in Frankreich strudelt das Leben angenehm vorbei. Unterwegs in der Provence, die nicht nur eine Landschaft in Lavendelblau, sondern ein Lebensgefühl ist, gleichbedeutend mit wunschlosem Glück und heiterer Trägheit. Man liegt im Bett, über sich einen Himmel in Dijonsenfgelb mit Streifen in Bordeaux, bleibt liegen und schaut durch das offene, tief bis zum Boden heruntergezogene Fenster und erblickt die vollkommene, auf den Verlauf von Reling und Bettkante abgestimmte Linienführung des Ufers der Rhone. Augen wieder zu. Die Motoren vibrieren so leicht, dass sich die Matratze anfühlt, als sei sie auf den Entspannungsmodus doucement geschaltet. Man taucht weg, und wenn sich irgendwann die Augen wieder öffnen, ziehen vielleicht die bemalten Türme eines Kernkraftwerkes vorbei.

Die von der Quelle bis zur Mündung 812 Kilometer lange Rhóne gleicht dem Rhein. Wenn auch erheblich weniger Schiffe auf ihr verkehren und statt romantischer Burgen fünf Atommeiler inklusiv einer Anlage für Urananreicherung das Tal flankieren. 80 Prozent des französischen Stroms stammt aus diesen Kernkraftwerken, deren Kühlwasser in die Rhóne fließt. Worüber die Fische nicht glücklich sind, erfreut bei Montélimar viele Krokodile. Auf einer Farm profitieren sie von der Abwärme, die ihnen ein subtropisches Heimatgefühl vorgaukelt. Weil die kulinarisch verwöhnten Franzosen beim Krokodilfleisch nicht auf den Geschmack gekommen sind, werden jetzt mit den dort gezüchteten Tieren die Zoos in aller Welt beliefert.

Während des Frühstücks wird es dunkel hinter den Panoramafenstern des geschmackvoll eingerichteten Bordrestaurants, dem für gesellige Abende die Weinwirtschaft angeschlossen ist.

 

Ein Geruch nach Wasser und Moder lenkt die auf Kaffeearoma eingestimmten Nasen ab. Bei Stromkilometer 190 passieren wir die größte Schleusse auf der Rhóne: Bolléne. Sie war lange Zeit auch die größte der Welt. Sachte sackt das exakt 125,8 Meter lange Flusskreuzfahrtschiff A-ROSA  STELLA 26 Meter in die Tiefe, ehe sich die Stahltore öffnen und den Weg in die Provence freigeben.

 

Auf dem Weg von Lyon, Frankreichs drittgrößter Stadt, bis zum Wendepunkt Arles werden es innerhalb von zweieinhalb Tagen deren zwölf sein – und diese müssen auf dem Rückweg erneut durchquert werden, manche bei Nacht. Damit die Rhóne für den Schiffsverkehr auf dieser Strecke tauglich ist, wurde die Fahrtiefe auf drei Meter angehoben damit 65 Brücken einen Durchlass gewähren.

 

Zwölf Schleusen auf der Rhóne und drei auf der Saóne. 65 Höhenmeter sind zu überwinden auf der 425 Kilometer langen Flussstrecke, die zweimal durchfahren wird. Geschwindigkeit: flussabwärts maximal 24 Stundenkilometer, flussaufwärts nur noch halb so schnell. Aber ökonomisch gesehen, beschleunigen Flusskreuzfahrten natürlich mit der Vitalität eines Rennbootes: 200 Prozent plus in den letzten zehn Jahren, das bedeutet 300 000 Passagiere im vergangenen Jahr. 

 

Auf Tanguy Delaporte, den französischen Kapitän, kommt dann jedes Mal zentimetergenaue Maßarbeit zu, denn die Schleusen sind 12 Meter breit, und die A-ROSA STELLA ist gerade mal 60 Zentimeter schmäler. Sie und ihr ebenfalls 17 Millionen teures Schwesterschiff A-ROSA LUNA – das vor dem Ablegen in Lyon mit am Quai Claude Bernard liegt – wurden speziell für die Rhóne und die Komforterwartungen deutscher Passagiere entworfen und erst im Mai 2005 in Dienst gestellt.

 

Es mag auf einer Flusskreuzfahrt gewesen sein, als Horst Rahe, der  Aufsichtsratsvorsitzende der Arkona AG die Vision von einer machtvollen Methusalem-Gesellschaft hatte, die mit geschmackvoller Qualitätskleidung, aber nicht im Business-Look ausgerüstet,  akzeptablen Rundungen und einem gut gepolsterten Konto die Reiselust packt. Von solchen Menschen können glatt 174 auf einem Schiff wie diesem verbucht werden, hat der Kreativmensch bei sich gedacht und das Konzept des total individuellen, wiewohl best organisierten Urlaubs ausgedacht.

An jedem Tag wird den Passagieren ein anderer Teil Südfrankreichs auf dem Silbertablett präsentiert. Noch vor dem ersten Touristenansturm können sie die Spiegelungen der berühmten römischen Aquäduktbrücke Pont du Gard in dem charmanten Flüsschen Gardon fotografieren. „Morgens um 9 Uhr ist die Welt hier noch in Ordnung“, meint Jaqueline, unsere farbige Führerin unter dem antiken Architektur-Meisterwerk. „Auf ihm waren bis zur Sperrung in fünfzig Meter Höhe manche Eltern mit dem Kinderwagen unterwegs und nicht Schwindelfreie wurden von der Feuerwehr gerettet. Ich könnte ein Buch drüber schreiben“, meint sie nachdenklich.        

 

Vorgestern noch Lyon, heute Nachmittag in Arles, schon fast am Mittelmeer. Nachts flussaufwärts, vorbei an Avignon und dann Viviers in seiner mittelalterlichen Pracht und zurück am Quai Claude Bernard in Lyon. Bereits am Abend weiterverschifft, die Saóne hoch in Richtung Mácon. Drei Stunden dauert am nächsten Abend auf dem Weg nach Chalon die Wellness-Nacht (EUR 75,00). Eine reizvolle Mischung aus Salz-Peeling im Dampfbad, Eiswürfel-Einreiben in der finnischen Sauna mit fürstlichem Fensterblick auf die dunkle Saóne (sehen, aber nicht gesehen werden). Bein-, Rücken- und Gesichtsmassage. Dazwischen entspannen bei Wellness-Drinks und Obstteller. Sauna-Liebhaber können täglich von 8 bis 20 Uhr schwitzen und im Adam- oder Eva-Kostüm die vorbeifließende Landschaft genießen.

 

Die Silberköpfe - ich bin einer davon – die sich zum letzten Blick auf die Lyoner Promenade an Deck treffen bevor es nordwärts geht, haben schon manchem scharfen Wind getrotzt und finden es an der Zeit, das ein Lüftchen sie kommod umweht. Durchschnittsalter an Bord: 60 plus. 91 Jahre war diesmal eine rüstige Wienerin. Andererseits: Teresa (12) und ihre zwei Jahre ältere Schwester Natascha (14), die zusammen mit ihren Eltern an Bord waren zeigen deutlich, dass sich jung und alt bei Flusskreuzfahrten gleichwohl fühlen. Schließlich ist die A-Rosa Stella ein Schiff für Aktivurlauber.

Weshalb sich die A-Rosa Stella mit jugendlichem Kussmund auf dem  Bug und zarten Rosen am schlanken Leib der Zielgruppe entgegenreckt und die Crew im Handumdrehen eine kleine Flotte silbrigen Fahrrädern im Arles am Quai auftischt: Wäre das nicht aufregend, mit dem Bike die Camargue zu erkunden? Auf einer langen Strecke, ja, von 40 Kilometer . . .   

 

Fitness-Trainer Marco, der ehemalige Radsportler aus Erfurt, jetzt im A-ROSA-Team, hat volles Vertrauen in seinen gemischt feminin-maskulinen „50plus-Rennstall“. Vier Stunden später haben ihm die Flusskreuzfahrer im besten Alter quer durch die flache Landschaft bewiesen, wie stark ihre Lunge und Beinmuskulatur noch sind. Die „Radfahr-Meisterprüfung“ kann man am letzten Tag der Reise ablegen, wenn es in Turnus heißt: „Biking durch die Weinberge“. Eine schnelle Entscheidung muss treffen, wer sich dazu entschließt, weil in Marco’s Zweirad-Fuhrpark lediglich neun „Maschinen“ stehen. 

 

Die Camargue schweigt natürlich zu dieser Variante der Eroberung. Seit vielen Jahrhunderten schweigt die Camargue erfolgreich auch zur Frage, ob dies eigentlich Land ist, das im Wasser schwimmt, oder ein Meer, in dem sich Landinseln schwankend über Wasser halten, nur damit Licht und Wolken sich darin am späten Nachmittag fotogen spiegeln? An den Wegrändern recken Irisblüten gelbe Köpfe aus den Gräben, hinten den Zäunen strecken weiße Pferde ihre Nüstern allen flaumbedürfigen Händen entgegen. Und gänzlich unberührt von den Blicken aller Fremden staksen die rosafarbenen Flamingos im Etang de Vaccarés durch den Schlamm.

 

Zurück auf der A-ROSA Stella das täglich zweimal wiederkehrende Ritual: Man muss wieder eine Entscheidung von einiger Taillenweite treffen. Eva Fischer aus dem oberösterreichischen Schärding, „Guest Relation Manager“ auf dem Schiff, hat es am ersten Abend ohne Umschweife gesagt: „Man nimmt drei Kilo zu“. „Schuld“ daran ist Küchenchef Argon Barka mit seinem Team, der jede/n PassagierIn am Mittag und Abend vor die Qual der Wahl stellt: Escabeche von der Meerbarbe auf Fenchelsalat? Meersfrüchte-Cocktail mit Limetten-Knoblauchmarinade? Oder nur eine Wachtelconsommé? Steinbutt an Paprikacreme? Entenbrust mit Orange? Lavendelbraten? Boeuf de Bourgignon? Quiche? Schafskäse mit Trüffeln? Und zu guter Letzt noch Creme von Pina Collada mit Kokoshippe oder Nougatmousse mit Birnen?  Schnecken mit Blattspinat sind nach meinem Geschmack und strapazieren mein tägliches Kalorienkonto wenig, aber täglich das gleiche Essen . . . mag ich auch nicht. 2,7 Kilogramm schwerer hab’ ich die A-ROSA STELLA nach einer Woche verlassen, obwohl ich in Gedanken mein Optifast-Programm nie vergaß. Jetzt ist klar, was der Spruch „Leben wie Gott in Frankreich“ bedeutet. Sonderwünsche wie vegetarisches Essen oder Diätküche sind auf Anfrage kein Problem.

 

Nur wenige Extras kauft Hotelmanager Gerald Hauswirth in den Markthallen von Lyon – einem Mekka für Gourmets, Chalon-sur-Saóne und Avignon ein („In den Monaten mir R natürlich Austern – und Chalon bietet sich für delikaten Käse und frische Beeren an“). Alles was die Küche sonst für das stets köstliche Mittags- und Abendbüffet verarbeitet wird aus logistischen Gründen aus Hamburg eingeführt.  Als die A-ROSA STELLA nach einer Woche wieder am Ausgangspunkt anlegt, statt der Truck schon am Quai.  Je nach Jahreszeit wechselt auch die Speisefolge.

 

Hauswirth, ein sympathischer Wiener („der schönste Platz ist zu Hause“), ist seit 17 Jahren weltweit auf Schiffen unterwegs. Bevor er vor zwei Jahren die Verantwortung für Food and Beverage an Bord der A-ROSA STELLA  übernommen hat, war er auf der „Queen Mary II“ und der „WindStar“, dem einzigen 5-Master der Welt, für das Wohlergehen der Passagiere zuständig.

 

Nach der einwöchigen Flusskreuzfahrt legt die A-ROSA STELLA frühmorgens um sechs Uhr wieder am Quai Claude Bernard in Lyon an. Überlegenswert ist schon bei der Reisebuchung, ob man vor oder nach der Flussreise eine Übernachtung in der lebenslustigen Stadt einplant. So hat man Gelegenheit, die Hauptstadt der Gastronomie (84 Michelin-Sterne, 800 Restaurants) zwischen Rhóne und Saóne zu erkunden.

 

Mit ihrer Altstadt, die seit 1999 zum Weltkulturerbe gehört, ihren engen Gassen,  verwinkelten Hinterhöfen, belebten Quais und großen Plätzen auf der Halbinsel und den mehr als 200 nachts erleuchteten Sehenswürdigkeiten bietet Lyon die Gelegenheit zu einer ungewöhnlichen Reise durch Epochen und Kulturen. Die Place des Terreeaux zieren eine monumentale Brunnenanlage und das Rathaus, auf der Place Louis-Pradel steht die sensationelle neue Oper des Architekten Jean Nouvel, und die Place Bellecour mit dem bronzenen Reiterdenkmal ist einer der größten Plätze Europas. Traboules heißen die 230 Durchgänge zwischen en Gassen und Höfen der Altstadt. Die meisten sind privat, jedoch tagsüber offen.

 

Ingeborg Lehmann-Brunel, frankophilie Deutsche aus Karlsruhe, die schon als Kind mit ihren Eltern umsiedelte, erzählte den A-ROSA-Passagieren bei einer gut dreistündigen Stadtrundfahrt viel Hintergründiges über „Monsieur Beton“, einen ehemaligen Bürgermeister, der für die Bausünden in der schönen Millionenstadt verantwortlich ist. Lyon sollte auch deutschen Stadträten eine Reise wert sein: Ein ausgeklügeltes System hilft im Stadtzentrum zügig vorwärts zu kommen; dafür stehen 4 000 Leihfahrräder bereit, die Jedermann/-frau bis zu einer halben Stunde kostenlos, danach für ein paar Cent benutzen kann.

 

Auf zwölf Etablissements ist das Paul-Bocuse-Imperium inzwischen angewachsen. Der Maítre de cuisine, gerne auch als „Gourmet-Papst“ tituliert, lässt halt nichts anbrennen. „Est“, „Sud“, „Nord“ heißen die Brasserien der Kochlegende. Leibhaftig begegnen können sie dem Aushängeschild der Neuen Küche auch in der Rue de la Martiniére 2, einem Haus, dessen Fassaden mit den Berühmtheiten der Stadt bemalt sind. 1994 hat Gilbert Desmet mit der Illusions- und Perspektivenmalerei begonnen; 158 Häuser sind inzwischen allein in Lyon bemalen. Jetzt hat auch Berlin die Idee aufgegriffen und schon nächstes Jahr sollen dort triste Betonsiedlungen mit Illusionsmalereien des Franzosen optisch aufgefrischt werden.

 

Auf der A-ROSA STELLA und bei den Bus- und Radausflügen geht es pünktlich, sauber und ordentlich zu. Aus acht Nationen kommen die Besatzungsmitglieder, die in jeder Situation - von früh in bis spät - so freundlich und hilfsbereit sind, dass sich mancher Passagier die spaßige Frage stellt, ob die Crew jeden Morgen Gute-Laune-Pillen schluckt.

 

Das Schiff A-ROSA STELLA

Baujahr: 2004/2005; Werft: Neptun Stahlbau GmbH, Warnemünde; Länge: 125,80 m; Breite: 11,40 m; Motorenleistung: 2174 PS; Geschwindigkeit: in stillem Wasser maximal 24 km/h; Dieselverbrauch: 22 000 Liter auf der Rhóne-Saóne-Flusskreuzfahrt; 86 Doppelkabinen, davon 57 mit französischem Balkon; Restaurant/Day-Lounge 304  m²; Lounge 172 m²; Wellness-/Fitnessbereich 135 m²;  Passagiere: maximal 174; Crew: 45 Personen.

 

Kontakt

                                            

A-ROSA Flussschiff GmbH

Steinstraße 9, D-18055 Rostock. 

 

info@arkona.de - www.a-rosa.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText.

Unser Autor: Lifestyle-Reporter Ludwig Mario Niedermeier stellt für ReiseTravel exklusiv aus aller Welt Hotels & Restaurants vor. Orte, wo Gemütlichkeit und Wohlfühlen im Vordergrund stehen, Häuser, die zu jeder Zeit besuchenswert sind. eu@reisetravel.eu

 

 

 

 

 

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