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St. John’s

Im Winter in die Karibik statt auf die Kanaren

Antigua - das preiswerte Mini-Paradies: Rot steht für Dynamik, Schwarz für die ursprünglich afrikanische Herkunft, Blau für das Meer, Weiß für die Strände und Gold für den Beginn einer neuen Ära. So erklärt Dr. Werner Giersch die Nationalflagge von  Antigua und Barbuda, den Zwei-Insel-Staat in der Karibik, den er als Honorarkonsul vertritt.

Wetten dass? es nicht nur die vielleicht 365 Strände sind, mit denen das Inselreich - das knapp ein Drittel so groß wie Berlin ist - die Promis wie Eric Clapton, Denzel Washington oder Robert de Niro als Siedler gewonnen hat. Cool sind auch die 25 bis 32 Grad im Winterhalbjahr, vor allem in den nächsten Monaten, weil die deutschen Reiseveranstalter wegen der Buchungsflaute - trotzdem Condor-Nonstop-Charter – fast so günstige Angebote haben wie auf die Kanaren.

Das Feuer der Karibik - die Antiguanerin Rosie McMaster braut es in ihrer Küche zusammen und füllt es in kleine Glasfläschchen ab. Sie nennt es „Susie’s Hot Sauce“ oder „Burning Desire“ – und sie gewinnt mit ihren Chilisaucen, mit deren Entwicklung bereits ihre Mutter Susannah Tonge, genannt Susie, begonnen hatte, nicht nur reihenweise Wettbewerbe, sondern sie ist damit auch so etwas wie eine Botschafterin ihrer Heimat geworden, der Karibikinsel Antigua, die zu den östlichen Antillen gehört und sich 1981 vom britischen Königshaus verabschiedete.

 

Superstar gesucht

 

Antigua feierte im Juli und August seinen 52. karibischen Sommerkarneval.  Ausgelassene, fröhliche Menschen, farbverschmiert und recht frivol, hängen schon um vier Uhr, vor Anbruch der Morgendämmerung, in den Straßen der kleinen Hauptstadt St. John’s herum – und  warten auf einen kräftigen Schluck des köstlich, süffigen Insel-Rums oder das erfrischende einheimische Bier Wadadli“. Sie haben es auf die vielen, frühmorgendlichen, ausländischen Besucher abgesehen – natürlich ohne böse Absichten, sondern um mit ihnen zu trinken, zu tanzen und zu feiern.

An den Abenden zeigt sich Antiguas Carnival von seiner farbenprächtigsten Seite und präsentiert im Nationalstadion artistische und kulturelle Talente. Die haben in den vergangenen Wochen und Monaten in so genannten „Mas Camps“ riesige Kostüme geschneidert. Calypsonians texteten und komponierten ihre Songs.   Steelbands bereiteten ihre Instrumente und musikalischen Arrangements vor, um fit zu sein für die vielen Wettbewerbe, bei denen in den letzten zehn Tagen in „Carnival City“ der Puls der Veranstaltung geschlagen hat und Queens und Kings des Jahres gekrönt wurden.  

Steelband

 

Kein anderer Event hält die Insulaner, vom Kind bis zum Greis, derart auf Trab, und zu Normalzeiten mag der ausländische Gast den Einheimischen den „Slow down, you move too fast“ von den Lippen lesen. Aber auch der Carnival findet hier einmal sein Ende, und nach dem rauschenden Fest und der letzten Runde durch die Straßen St. John’s liegt wieder eine sympathische Behäbigkeit auf der Insel, gepaart mit einer souveränen, aus der britischen Zeit herüber geretteten Ruhe.

Egal, wo man sich auf Antigua aufhält, die Fahrt zum nächsten Strand dauert nie länger als 45 Minuten. Und traumhafte Buchten und Strände hat die Insel  für jeden Tag des Jahres: 365 Strände, so wirbt das Touristenbüro, hat die Insel den Sonnenhungrigen zu bieten.

Die lebenslustige Koblenzerin Bärbel Pfeiffer, die seit Jahren auf Antigua wohnt und im Hotelmanagement (Jollybeach Resort) tätig ist, hat auch einen Strandfavoriten: Die Halfmoonbay ganz im Osten der Insel. „Früher gab es einen Golfplatz und ein Luxushotel, in dem die Kennedys etliche Male Urlaub gemacht haben. Mittlerweile steht das Hotel leer, aber der Strand ist noch immer wunderschön – und er wirkt wie ein gigantischer Halbmond“, schwärmt auch Werner Giersch, der das Antigua-Tourist Board von Bad Homburg aus in Deutschland betreut und selbst längere Zeit auf der Insel gelebt hat. Giersch selbst hat gleich drei Lieblingsstrände: Neben der Halfmoonbay hat es ihm auch ein Strand auf der Südseite der Insel, in der Nähe von English Harbour angetan, der direkt beim „The Inn“ gelegen ist. Und der kilometerlange Sandstrand von Jolly Beach, an dem sich auch das größte Hotel der Insel, das „Jollybeach Resort“ befindet, eine Drei-Sterne-Anlage mit über 400 Zimmern und einem All-inklusive-Angebot. Der geschützte Sandstrand dieses Hotels ist – wie alle Strände auf Antigua – für die Öffentlichkeit zugänglich. „Wir haben auf Antigua keine Verhältnisse wie am Starnberger See“, versichert Giersch.

Saucen-Rosie’s Lieblingsstrand auf Antigua? „Mein Favorit ist die Dickenson Beach, wo auch das Hotel Sandals Grande Antigua Resort & Spa liegt. Ich liebe diesen Strand - und er ist so nah, dass ich dorthin zu Fuß gehen kann.“

 

Jolly Beach

 

Nicht nur Strandfreunde, auch Segler kommen auf Antigua voll auf ihre Kosten. Neben dem Carnival, der im Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1834 auf Antigua nicht im Februar, sondern Ende Juli/Anfang August gefeiert wird, gehören die Antigua Sailing Week und die Antigua Classic Yacht Regatta, die im April und Anfang Mai durchgeführt werden, zu den Höhepunkten des Insellebens.

 

Doch obwohl es auf der Insel, die von 70 000 Menschen bewohnt wird, 365 verschiedene Strände zu entdecken gibt, bleiben die meisten Gäste nur einen einzigen Tag lang. 500 000 Kreuzfahrtpassagiere, so berichtet Werner Giersch, laufen Antigua jedes Jahr an. Auch wenn längst nicht alle ihre schwimmenden Luxuskreuzer verlassen: St. John’s, die Hauptstadt Antiguas, ist ganz auf die Kurzzeitbesucher eingerichtet. Wenn man vom Pier aus in den Ort läuft, befindet sich rechts der St. Mary’s Street die Redcliffe Quay, und links von ihr die Heritage Quay. Neben Grillrestaurants und Cafés stößt man hier auf Boutiquen und Andenkenläden – sowie zahlreiche Taxifahrer, die abenteuerlustigen Kreuzfahrtpassagieren eine Inselrundfahrt anbieten.

 

Beliebt sind Ausflüge nach Nelson’s Dockyard im Süden der Insel. Benannt ist dieser Ort nach Horatio Nelson, der später durch seinen Tod bei der Schlacht von Trafalgar weltberühmt wurde. Großbritanniens größter Seefahrer des 18. Jahrhunderts bekleidete zwischen 1784 und 1787 einen Posten auf Antigua. Er kommandierte die 28-Kanonen-Fregatte H.M.S. Boreas und hatte die Aufgabe, die unbeliebte Navigation Act durchzusetzen, welche britischen Pflanzern und Kaufleuten den Handel mit den neugegründeten Vereinigten Staaten von Amerika verbot. Eine Zeit lang war Nelson so verhasst, dass er es nicht mehr wagte, auf Antigua an Land zu gehen, sondern nach Nevis floh. Als Nelson, „von Moskitos zerfleischt“, nach England abreiste, ließ er ein Fass Rum an Bord nehmen, in dem sein Leichnam aufbewahrt werden sollte, falls er während der Reise sterbe. Die Werftanlage spielte damals eine Schlüsselrolle für die gesamten westindischen Kolonien. Reste davon - insbesondere einige gewaltige Steinsäulen, die früher zum Segelmacherhaus gehörten - sind noch immer zu bewundern.

 

Kreuzfahrtschiff 

 

Einer der wichtigsten britischen Generäle auf Antigua war Thomas Shirley. Er befahl  1781 den Aufbau der gewaltigen, mittlerweile nach ihm benannten Befestigungsanlage Shirley Heights auf einer Anhöhe in der Nähe von English Habour. Heute ist der Shirley Heights Lookout in der Nähe des ehemaligen Forts eine regelrechte Pilgerstätte – allerdings nicht für Militärhistoriker, sondern für musik- und tanzbegeisterte Einheimische und für die Touristen. Jeden Sonntag lädt die Lookout Bar auf Shirley Heights zu einem Openair-Konzert mit Barbecue. Schon am Spätnachmittag, wenn English Habour noch deutlich zusehen ist, spielt eine Steelband moderne und klassische Stücke auf lackierten Öltonnen und Blechfässern, die umfunktioniert wurden und nun kurzerhand als Musikinstrumente genutzt werden.

 

English Harbor

 

Auf „The Rec“ in St. John’s wird Cricket gespielt. Wer das für einen englischen Sport mit undefinierbarem Regelwerk hält, der muss umdenken. Mitgebracht haben das Spiel zwar die Briten. Inzwischen aber ist Cricket die Leidenschaft der Antiguans. In den 60er-Jahren stieg der kleine Inselstaat zur internationalen Spitzenklasse auf. Viv Richard, der vielleicht beste Schlagmann der Welt, ist heute ein sportlich nationaler Mythos – wie Franz Beckenbauer in Deutschland. Auch ein Präsidentensohn, Lester Bird, galt in den 90er Jahren als ausgezeichneter Cricketspieler. Vor zwei Jahren fand der Cricket World Cup auf Antigua statt. Das Sir Vivian Richard Stadium ist eins von 12, in denen um den Titel gekämpft wurde: Baukosten 20 Mio. US-D, davon wurden 20 Prozent von China übernommen.

China und Taiwan übernehmen - natürlich nicht gleichzeitig - auf vielen karibischen Inseln die Kosten für den Bau von Sportstätten, Straßen und Flughäfen, wahrscheinlich um Stimmen für sich zu bekommen, falls im Weltsicherheitsrat eine wichtige Abstimmung sein sollte. Jetzt hat sich der „politische Wind“ auf der Karibikinsel offenbar gedreht.

Yes, you can climb up! Ab sofort heißt Antiguas höchster Berg „Mount Obama“. Exakt am 4. August dieses Jahres - zum Geburtstag des neuen US-Präsidenten - wurde der gut 400 Meter hohe bisherige Boggy Peak umgetauft, weil Antiguas Premierminister Balwin Spencer kurz zuvor, beim Gipfeltreffen der Organisation Amerikanischer Staaten, vom amerikanischen Hoffungsträger begeistert war.

 

Als „Heart of the Caribbean“ wirbt die größte der Leeward-Islands für sich, und der internationale Flughafen von Antigua ist tatsächlich eine Drehscheibe der Kleinen Antillen. Umso verblüffender, dass fünfzig Kilometer nördlich von Antiguas ein weitgehend unbehelligtes Revier der Strandurlauber und Ornithologen liegt. Selbst viele Antiguans waren noch nie auf Barbuda (162 qm groß). Dafür immer wieder Lady Di, wenn sie wieder einmal auf der Flucht vor den Paparazzi war; sie nächtigte dann zusammen mit ihren Söhnen im Edel-Resort der Designerin Krizia, dem K-Club, der inzwischen geschlossen ist.

Jetzt gibt es dort nichts mehr außer der größten Fregattvogelkolonie der Karibik und, zugegeben, herrlich einsamen Stränden aus feinstem zartrosa Korallen- und Muschelstaub. Nur gut tausend Einwohner zählt die Insel. Die meisten stammen von der “Sklavenzuchtstation“ ab, die der englische Zuckerbaron Christopher Codrington auf Barbuda betrieb.  1685 hatte er die Insel zum jährlichen Zins „eines gemästeten Schafes“ von der britischen Krone gepachtet, um mit Ackerbau und Viehzucht die Sklaven seiner Plantagen auf der Nachbarinsel Antigua zu ernähren. Barbuda ist eine andere Welt, es gibt dort kaum Tourismus und keine Industrie. Die Barbudaner erlauben niemanden, nicht einmal den Antiguanern, bei ihnen Land zu besitzen – und konnten sich deshalb ein kleines Paradies erhalten. Aus historischer Sicht ist ihre Skepsis gegen Fremde mehr als verständlich.    

 

Fazit

Antigua – der gemütliche Karibikstaat mit seinen zwei Schwester-Eilanden Barbuda und Redonda ist im kommenden Winter ein Geheimtipp. Wer sich bei Condor zu „Fliegenzeiten“ (www.condor.de), der monatlichen dreitägigen „Zockerrunde“ ein Billigticket ergattert und zum Beispiel das Jolly Beach Resort & Spa (3*) bucht – Übernachtung mit VP ab 97 Euro, kann einen unvergesslich preiswerten Karibik-Urlaub genießen.                            

 

Kontakt

 

Antigua and Barbuda Tourism Authority, Office Germany

Thomasstraße11, D-61348 Bad Homburg

 

Telefon +49 (06172) 21504, Fax +49 (06172) 21513,

e-Mail antigua-barbuda@karibik.de - www.karibik.de/antigua-barbuda

 

Barbuda-Express, täglich vom Hafen in St. John’s www.antiguaferries.com

Condor www.condor.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText.

 

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Unser Autor: Lifestyle-Reporter Ludwig Mario Niedermeier stellt für ReiseTravel exklusiv aus aller Welt interessante Orte vor, Orte, die zu jeder Zeit besuchenswert sind. eu@reisetravel.eu

 

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