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Sinnesrausch der Sonderklasse
Pushkar liegt beschaulich am Rande der Thar-Wüste im Schatten der imposanten Aravalli-Bergkette. 140 Kilometer südwestlich von Jaipur. Einmal im Jahr erwacht das Wüstenstädtchen aus seinem Dauerschlaf. Immer im Kartika, dem achten Mond-Monat des Hindukalenders und einem der heiligsten, schniegeln und striegeln die Thar-Kameltreiber ihre Wüstenschiffe und machen sich auf den langen Marsch nach Pushkar – rechtzeitig zum Kartik Purnima (Vollmond) am Donnerstag, 13. November 2009. Wenn der Novembermond sich rundet, wächst die Stadt am heiligen See von 17 000 auf eine halbe Million Bewohner an und zu Ehren des Gottes Brahma wird gefeiert. Er soll genau an dem Ort entsprungen sein, an dem er eine heilige Lotusblume fallen ließ.
Unterwegs zur Pushkar Mela sind Elefanten auf der Straße keine Seltenheit Foto: MN-InfoText
Gleichzeitig findet der größte Kamelmarkt der Welt mit 50 000 Höckertieren statt. Der Ort verwandelt sich in einen außergewöhnlichen Wirbel aus Farben, Geräuschen, Gerüchen und Bewegung, überschwemmt mit Musikanten und Mystikern, Touristen und Tieren, Händlern und Heiligen. Es ist das Kamelpflege-Nirwana, mit einem unglaublichen Aufgebot an Zöpfchen, Hufkettchen, Stickereien und Pom-Poms.
Der Handel startet schon eine Woche vor dem offiziellen Jahrmarkt (eine gute Anreisezeit, um das ernstere Geschäft zu beobachten). Ernst ist es auch den noch unverheirateten Frauen in ihrer ganzen Schönheit, ist doch die Pushkar Mela nicht nur Pilgerfest, sondern auch Heiratsmarkt und Volksfest, bei dem die strengen Konventionen des wenig abwechslungsreichen Dorflebens für einige Mondnächte abgeschüttelt werden.
Aber wenn der Jahrmarkt beginnt, tritt das Geschäft in den Hintergrund und die eher bizarren Randerscheinungen drängeln sich auf die Bühne des Geschehens (Musiker, Schlangenbeschwörer, Kinder, die auf dem Balkon balancieren und . . .)
Selbst das Kulturprogramm des Touristenamtes wird merkwürdig: Schätzen, wie viele Menschen auf einem Kamel passen? Oder auch: Tanz auf heißen Kohlen . . .
Es ist schwer zu glauben, aber diese wimmelnden Massen sind nicht das Wichtigste. Kartik Purnima bedeutet vor allem, dass Hindupilger kommen, um in den heiligen Wassern Pushkars zu baden. Dieses religiöse Ereignis sorgt, zusammen mit dem Kamelmarkt, für ein wildes, magisches Crescendo von Weihrauch, Gesängen und Prozessionen. Bis zum Tag des Eintauchens, der letzten Nacht des Jahrmarkts, wenn tausende Gläubige über die 52 Ghats (Badetreppen) ins Wasser steigen, ihre Sünden wegwaschen und brennende Kerzen auf dem Heiligen See schwimmen lassen.
Priester – echte und falsche – sprechen die Besucher an den Ghats an, um ihnen ein puja (Gebet) anzubieten. Dafür gibt’s dann einen „Pushkar Pass“ – ein rotes Band fürs Handgelenk. Andere bieten Blumen an. In jedem Fall folgt nun die Aufforderung, alle seine Lieben aufzuzählen – tot oder lebendig – denn deren Glückseligkeit ist einem doch bestimmt einige 100 Rupien wert. „Versuchen Sie, entweder ihre Familie zu verleugnen, um billiger davon zu kommen oder massiv zu übertreiben, um einen Mengenrabatt herauszuhandeln“, rät Bahadur Singh Rajawat, bester deutschsprachiger Reiseführer in Rajasthan. Andererseits werden am Brahma-Tempel ebenfalls Blumen angeboten, aber hier stehen einfache Spendenkästen. Hier kann man Blumen und heilige Süßigkeiten für das Glück von Familie und Freunde und jeden, den man sonst noch kennt, opfern.
Heiliger Berg
Wie auch immer, es ist ein großes Ereignis und sollte keinesfalls verpasst werden, wenn man nicht weiter weg ist, als ein Kamel spucken kann.
Kontakt
Indisches Fremdenverkehrsamt - www.india-tourism.org
Einreise: Notwendig ist ein gültiger Reisepass und ein Touristenvisum (kostet EUR 50 und ist sechs Monate gültig) – das Antragsformular kann man sich auch unter www.india-tourism.com herunterladen.
Währung: Der Euro ist inzwischen bis in die letzte Provinzbank bekannt. Kreditkarten werden in den meisten Hotels und Restaurants akzeptiert, vor allem Masters und Visa. Es ist ratsam, bereits am Flughafen Rupien in kleinen Mengen für die ersten Tage umzutauschen. Kurs 1 EUR = 55,8 Rupien, 1 Schweizer Franken = 33,9 Rupien (Stand 08. September 2007).
Telefon: Vorwahl für Indien aus dem Ausland ist 0091. Von Indien nach Deutschland wählt man 0049, nach Österreich 0043 und in die Schweiz 0041. Für Telefonate im Land gibt es zwei günstige Möglichkeiten: entweder über die weit verbreiteten Telefonzellen (Phone Booths), in denen man national (STD) oder international (auf des ISD-Schild achten) telefonieren kann (beispielsweise für 15 Rupien pro Minuten nach Deutschland. Oder übers Mobiltelefon mit Prepaid-Kaarten, wobei die Minute nach Deutschland etwa 20 Rupien kostet.
Uhrzeit: Im Winterhalbjahr ist uns Indien um 4,5 Stunden voraus, im Sommerhalbjahr um 3,5 Stunden.
Klima und Reisezeit: Für alle indischen Regionen außerhalb des Hochgebirges (Himalaya) ist unser westliches Winterhalbjahr die beste Reisesaison.
Anreise: Studienreisen- und Asien-Veranstalter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bieten Pauschalreisen zum Pushkar Mela an (z.B. Forts & Palaces Tours Ltd., (www.rajasthan-indien-reise.de), Comtour (www.comtour.de), Gebeco (www.gebeco.de), Studiosus www.studiosus.de), Lotus Travel (www.lotus-travel.com) , TUI (www.tui.de), Meiers’s Weltreisen (www.meiers-weltreisen.de), Thomas Cook (www.thomas-cook.de)
Neben klassischen Gesellschaften wie Air India (www.airindia.de), Lufthansa (www.Lufthansa.com), AUA (www.aua.com), Lauda Air (www.laudaair.com) bieten sich in den letzten Jahren namhafte Nahost-Airlines mit hoch gelobtem Service und guten Preisen an: Emirates (www.emirates.de) und Qatar Airways (www.qatarairways.com),
Hotels: Pushkar Palace www.pushkarpalace.com), Royal Desert Camp, Sarovar Hotel.
Auch noch wichtig: Pushkar gilt als heiliger Ort, es gibt dort – außer in den Hotels – keinen Alkohol und nur vegetarische Speisen. Offiziell gilt am See striktes Fotografierverbot . . . Es ist touristisch laut (Traveller mit leichtem Schlaf sollten Ohrenstöpsel dabei haben) und protzig. Wer eine Allergie gegen Staub oder Tierhaare hat, sollte entsprechende Medikamente mitführen.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText.
ReiseTravel Lifestyle-Reporter in Action:
Unser Autor: Lifestyle-Reporter Ludwig Mario Niedermeier stellt für ReiseTravel exklusiv aus aller Welt interessante Orte vor, Orte, die zu jeder Zeit besuchenswert sind. eu@reisetravel.eu
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