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New Delhi

Vater schoss bei Tigerjagd in den Motorblock

 

Deshalb hat der Maharaja von Deogarh einen Willys:

Es war einmal . . . So beginnen Märchen. Nicht weniger phantastisch ist eine Reise in die Welt der Maharajas, der einstigen Herrscher, die im nordindischen Unionsstaat Rajasthan - mit 342 000 Quadratkilometer etwa so groß wie Deutschland - ihre Paläste nun für Gäste aus aller Welt geöffnet haben (www.rajasthan-indien-reise.de . So auch Shatrunjai Singh Chundawat, der zusammen mit seinem Bruder Veerbhadra Singh den Deogarh-Mahal-Palast www.deogarhmahal.com  im gleichnamigen Städtchen verwaltet. Die beiden Maharaja-Söhne, deren Onkel V.P. Singh von 1979 bis 1981 indischer Premierminister war, haben ein gemeinsames Hobby: alte Autos. Besonders stolz sind sie auf zwei alte Nissan-Army-One-Toner und einen Willys Jeep aus den 40er Jahren, die Tag für Tag im Einsatz sind.

In einer Alteisenhandlung in Jaipur haben die Chundawat-Brüder die beiden Nissan-Oldtimer für jeweils 30 000 Rupien - umgerechnet gerade mal knapp 300 Euro - gekauft. Mit großem Aufwand wurden die ehemaligen Kriegsfahrzeuge - die während des Zweiten Weltkrieges mit Nissan-Lizenz im zentralindischen Jabalpur produziert und in erster Linie im Gebirge des Himalayas eingesetzt waren - hergerichtet. Jetzt dienen die Sechs-Zylinder-Diesel - passend für 17 Personen - als Transporter für Safari-Touren durch das Aravali-Gebirge.

 

17 Touristen passen auf den Nissan-Army-One-Toner des Maharaja von Deogarh

 

Besonders stolz ist Shatrunjai, Jahrgang '65, auf seinen Willys aus den '40er Jahren. Zusammen mit seiner Frau Rani Prabhakumari und seinem Sohn fuhren wir durch die wilde Landschaft des Aravali-Gebirges zum Fort Seengh Sagar. Unterwegs erzählte uns der Maharaja die abenteuerliche Geschichte, warum er den schrottreifen Willys erwarb und mit großem Aufwand wieder aufbauen ließ.

 

Als die Tigerjagd in Indien noch erlaubt war, legte sein Vater aus einem Geländewagen heraus das Gewehr an. In diesem Augenblick durchfuhr der Fahrer ein Schlagloch und statt der gestreiften Raubkatze traf der Schuss den Motorblock . . . 210 000 Rupien und ein Jahr mühsame Arbeit investierte der Willys-Liebhaber danach in ein herunter gekommenes Militärfahrzeug, das er auf Empfehlung eines befreundeten Tierarztes in Nagaur gekauft hatte.     

 

Manchmal beginnt Geschichte mit einer Aufgabe. 1940 forderte die US-Army ein allradgetriebenes Mehrzweckfahrzeug im Gegenzug zum Kübelwagen aus Wolfsburg. Es sollte robust und zuverlässig sein sowie über herausragende Fahreigenschaften in jedem Gelände verfügen. In einer beispiellosen Aktion ging ein Anforderungsprofil an 135 Automobilhersteller. Binnen 49 Tagen musste ein fahrbarer Prototyp und innerhalb von 75 Tagen eine Kleinserie von 70 Versuchsfahrzeugen bereitgestellt werden. Drei Firmen erfüllten die hohen Erwartungen der Army: American Bantam, Willys Overland und Ford. Nachdem das Heer zur abschließenden Erprobung von Bantam, Willys und Ford jeweils 1500 ihrer Modelle gekauft hatte, wurden die drei Wettbewerber nach folgenden technischen Forderungen beurteilt:

 

Maharaja Shatrunjai Singh Chundawat unterwegs mit seiner Familie im Willys Jeep aus den 40er Jahren Fotos Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText

 

Eine Höchstgeschwindigkeit auf ebener Straße von nicht weniger als 55 mph (88 km/h) bei einer Motordrehzahl, die die der Höchstleistung nicht übersteigt; 2) Eine Mindestgeschwindigkeit auf ebener Straße von nicht mehr als 3 mph (5 km/h); 3) Die Fähigkeit, Wasserläufe (mit festem Untergrund) mit mindestens 18 Zoll (460 mm) Wassertiefe zu durchfahren, mit einer Geschwindigkeit von mindestens 3 mph (5 km/h), ohne das Wasser auf das Fahrzeug eine Wirkung zeigt; 4) Für die Reifen der Antriebsräder werden Gleitschutzketten gefordert, die beim Befahren gefährlichen Terrains häufig benutzt werden. Die Konstruktion des Wagens soll ein zufrieden stellendes Aufziehen und Verwenden der Gleitschutzketten gestatten; 5) Das Gewicht des voll ausgerüsteten Wagens (einschließlich Schmierstoffe und Wasser), jedoch ohne Kraftstoff, Gleitschutzketten und Nutzlast soll 2100 lb (950 kg) bei Zweiradlenkung nicht übersteigen und 2175 lb (987 kg) bei Vierradlenkung; es sollen alle Anstrengungen unternommen werden, das Gewicht zu verringern; 6) Die Nutzlast soll bei voller Besatzung (einschließlich Fahrer) und mit Reifen vom Militärtyp maximal 800 lb (363 kg) betragen; 7) Der vordere Böschungswinkel muss mindestens 45 Grad betragen, der hintere Böschungswinkel mindestens 35 Grad, wobei das Fahrzeug voll ausgerüstet, beladen und waagrecht stehen muss.

 

Im November 1940 traten die Prototypen der drei Hersteller gegeneinander an. Der von Willys vorgestellte Quad wurde von den Armeestrategen als ausgereiftestes Modell bewertet. Man ging auf Nummer sicher und entschied sich für weitere Tests. Willys fing mit dem Quad (vom lateinischen quatuor "vier") oder ATV (All Terrain Vehicle), ein vierrädriges Geländefahrzeug mit dicken Reifen an. Vorläufer der Quads waren ursprünglich von Honda entwickelte, dreirädrige ATC mit extrem gewöhnungsbedürftiger Fahrzeugsgeometrie. 1941 schließlich wurde auf Basis des Quad der Willys MA gebaut. Noch im selben Jahr kam eine weiter verbesserte Version, der MB. Und mit ihm das Fahrzeug, dass zur Legende wurde. Und das viele nur unter einem Namen kennen: Jeep.

 

Willys-Jeep hatte 1054 kg Leergewicht, war 333 Zentimeter lang, 1,57 Meter breit und mit Verdeck 1,82 m hoch; bescheidene 61 PS leistete der Vier-Zylinder-Benzinmotor "Go Devil" bei 2,2 Liter Hubraum, beschleunigte aber auf der Straße auf 105 km/h. Das teilsynchronisierte Drei-Gang-Schaltgetriebe trieb die Hinterräder an; Allrad war zuschaltbar. Platz war - je nach Rüstsatz - für Fahrer und drei Beifahrer.

 

Das erste Jeep-Modell, das für zivile Zwecke verwendet wurde, der CJ-2A, wurde 1945 produziert. In damaligen Werbeanzeigen wurde er als "Motor auf Reifen" bezeichnet und als Nutzfahrzeug an Farmer und Bauarbeiter verkauft. Nach dem Krieg wandelte sich der Jeep vom Nutz- zum Freizeitauto. Egal ob echter Off-Roader oder Wochenend-Cowboy. Der Jeep bedient wie kein anderes Auto das Klischee des freiheitsliebenden Weltenbummlers.   

 

Legendär wie das Fahrzeug ist auch sein Name, für den es mehrere Erklärungen gibt. Die verbreitete ist die Abkürzung für "general purpose": GP. Daraus wurde dann "jeep". Das Wort "jeep" war aber in der US-Army schon lange zuvor verbreitet. Es hatte viele Bedeutungen, allerdings meist abfällige, angefangen von einem trägen Soldaten bis hin zu einem überflüssigen Bauteil einer Maschine. Es gibt aber auch noch eine ganz andere Erklärung: In den Comic-Heften von Popeye, dem Spinat essenden Seemann, tauchte 1936 eine neue Figur auf, die über die erstaunlichsten Fähigkeiten verfügte. Ihre Name war "Eugene the Jeep".

 

Irving "Red" Hausmann, Chef-Testfahrer von Willys Overland, machte den Namen erstmals 1941 publik, als er "seinen" Jeep der Presse vorstellte. Es ist überliefert, dass er bei der Pressevorstellung mit dem Jeep die Treppe des Capitols in Washington hochfuhr - begleitet von der "Daily News"-Journalistin Katherine Hillyer. Wieder am Fuß der Treppe angekommen, fragte ein Zuschauer, was das denn für ein Auto sei. Hausmann "It's a Jeep". Hillyer übernahm diesen Namen für ihren Artikel, der am 19. Februar 1941 veröffentlicht wurde. Erst 1950 ließ sich Willys Overland Company in Toledo (Ohio) den Jeep als Markenzeichen schützen. Vor 65 Jahren wurde Willys MB zur Legende. Als würdiger Nachfolger gilt Anfang des 21. Jahrhunderts der Jeep Wrangler vom DaimplerChrylser-Konzern, der in Lizenz auch bei Mahindra in Indien vom Band läuft.    

 

Der weitläufige Deogarh Palast ist ein Juwel unter den Heritage-Hotels in Rajasthan

 

"Vor die undankbare Aufgabe gestellt, unter der Vielzahl sehr schöner Heritage-Hotels in Rajasthan das schönste auswählen zu müssen, würde ich mich letztlich für das entzückende Deogarh Mahal entscheiden. Das in ein Hotel umgewandelte Schloß hat all das zu bieten, was das Wohnen in diesen traditionsreichen Häusern zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

 

Da ist zunächst einmal der in der Mitte der touristischen Hochburgen Jodhpur, Ajmer, Chittorgarh und Udaipur gelegene Ort selbst. Durch seine Lage auf 700 Meter Höhe herrscht ein angenehmes Klima, welches dazu einlädt, die auffallend sauberen, mittelalterlich anmutenden Marktstraßen zu durchstreifen und die liebliche, von Hügeln und Seen geprägte Landschaft zu erwandern. Darüber hinaus ist das 1670 vom lokalen Herrscher Rawat Dwarka Dasji erbaute Schloß in geradezu vorbildlicher Weise restauriert worden. Jeder der insgesamt 40 Räume ist anders geschnitten und mit viel Liebe zum Detail restauriert worden, von den Teppichen über die Nachttischlampen bis zu den herrlichen Miniaturmalereien an den Wänden und Decken, für die Deogarh in ganz Rajasthan bekannt ist.

 

Die hervorragende Küche, das freundliche Personal, der architektonisch sehr gelungene Swimmingpool und die Dachterrassen runden das Bild dieses von den sympathischen Söhnen des Rawat geführten Kleinodes ab", schreiben Thomas und Martin Barkemeier, zwei absolute Indien-Kenner, in ihrem Reise-Know-How-Führer.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText.

 

ReiseTravel Lifestyle-Reporter in Action: 

 

Unser Autor: Lifestyle-Reporter Ludwig Mario Niedermeier stellt für ReiseTravel exklusiv aus aller Welt interessante Orte vor, Orte, die zu jeder Zeit besuchenswert sind. eu@reisetravel.eu

 

 

 

 

 

 

 

 

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