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Genf

Automobilsalon Genf

Seit 1977 fahre ich jedes Jahr Ende März/Anfang April nach Genf zum Auto-Salon: 1977 und 1978 fand die Ausstellung noch auf dem alten Messegelände mitten in der Stadt am Rhone-Ufer statt. Es war ein unvorstellbares Verkehrs-Chaos, weil JEDER auf den Salon wollte und JEDER auch dort parken wollte. Dann zog die Messe um auf das Gelände des heutigen Palexpo, ganz nah am Flughafen Cointrin. Wer aber jetzt glaubt, die PKW-Flut der Journalisten an den Pressetagen wäre überschaubarer geworden, irrt gewaltig: Auch hier ein riesiges Verkehrs-Chaos. Es wurden weitere Parkplätze gebaut und Shuttle-Busse eingesetzt. Trotzdem: Man sieht auch außerhalb der Hallen nur Blech und Wagendach an Wagendach. Und das Gedränge um Taxen am Ende des Tages ist enorm. Sogar die von den Autofirmen eingesetzten Shuttle-Fahrzeuge kommen kaum durch.

Man sagt, beim Auto-Salon in Genf beginnt der Frühling. Nun, meistens stimmt das ja auch, aber in diesem Jahr war es ziemlich kalt. Es regnete zum Teil und der Wind pfiff einem um die Ohren.

34 Jahre „Stell-dich-ein der Auto-Industrie in Genf“ sind eine sehr lange Zeit, da kann  man viel sehen. Viele Autos, die es gar nicht mehr gibt. Und immer wieder werden neue Ideen als Concept-Cars in Genf ausgestellt. In diesem Jahr waren Elektro-Auto angesagt. Es wird sich zeigen, ob die Auto-Hersteller ihre vollmundigen Erklärungen auch halten können. Wir werden sehen…

In diesen 34 Jahren habe ich meist nur den Flughafen gesehen, Taxen, Hotels und die Messe. Meist bin ich aber mit dem Auto nach Genf gefahren. Da bin ich unabhängig, kann schon sonntags zu Hause wegfahren und zum Beispiel in Gruyere ein Raclette essen. Oder in Chateau d’Oex den aufsteigenden Ballons zuschauen. Oder oder.

Gewohnt habe ich in all den Jahren im Beau Rivage, im De La Paix, im President Wilson, im Interconti, im Hotel du Lac in Coppet, im Tiffany oder im Metropol. Erste Adressen, und zu Zeiten des Genfer Autosalons unverschämt teuer. Und Du musst vier Nächte buchen und bezahlen, egal, ob Du eine Nacht bleibst oder alle vier. Da sind sich alle Hoteliers einig.

34 Jahre heißt auch, 34 Mal Journalisten zu Gast haben in kleinen, aber feinen Restaurants. Und mit einem ganz kleinen ausgesuchten Kreis von Gästen. Wir hatten – damals war ich noch bei Toyota – „unsere“ Essen im Chat Bottée (im Hotel Beau Rivage), im Olivier de Provence in Carouge, im Hotel du Lac in Coppet, im Tse Fung im La Reserve (der beste Chinese in der Schweiz). Dort hin geht Toyota noch heute.

Als ich dann von 1988 bis 1990 als freie Journalistin gearbeitet habe, bin ich auch nach Genf gefahren. Man muss sich schließlich sehen lassen. Und montags abends ich bin ins Olivier de Provence gegangen, alleine, nur wegen der gebratenen Gänsestopfleber mit Trauben. Ein Gedicht!

Später bei Subaru habe ich in den ersten Jahren auch ins Olivier de Provence eingeladen – einfach, weil es dort „göttlich“ schmeckte. Immer waren wir in einem separaten Raum hinten rechts. Da war ein riesiger Kamin, man musste schon ein bisschen aufpassen, dass man sich nicht den Kopf stieß.

Dann brannte das Oliver de Provence ab, und wir mussten ein anderes Restaurant suchen: Das Le Bearne am Rhone-Ufer. Auch dort waren wir viele Jahre zu Gast, bis auch das Le Bearne schließen musste, weil das ganze Viertel umgebaut wurde. In den letzten Jahren hatten wir unser Montags-Dinner im Restaurant Le Loti im La Reserve. Auch hier waren wir wieder in einen separaten Raum, und zu Gast eine kleine, aber feine Journalisten-Gesellschaft.

In diesem Jahr musste ich zum ersten Mal nicht von nine to five auf dem Subaru-Stand sein. Und ich konnte mir leisten, etwas außerhalb zu wohnen: im Hilton in Evian. Sind zwar 50 Kilometer zu fahren, aber ich war ja nicht mit der Minute in der Welt.

Und ich hatte Zeit und Gelegenheit, mir endlich mal die Gegend um den Lac Leman anzuschauen: Montags fuhr ich nach Yvoire, in die wunderbare verträumte mittelalterliche Stadt. Umzäumt von einer Mauer. Man geht durch ein Stadttor – und ist in einer ganz anderen Welt. Mein Mittagsmenü „Gourmet“ habe ich eingenommen im Hotel Vieux Logis. Hier in der Altstadt gibt es auch das Labyrinth der fünf Sinne. Es soll ganz toll sein – nur leider hat dieses Etablissement von April bis Oktober geöffnet. Ich werde also noch mal hinfahren.

Und ich habe mir den Parc du Monuments angeschaut, auf dem die Reformatoren in Stein gemeißelt sind (Granit vom MontBlanc): Calvin, Zwingli und Luther. Am unteren Teil dieses Parks befindet sich die Universität Genf. Ein Riesen-Areal!

Dann wollte ich mir endlich mal anschauen, wo die UNO ist: Auf dem Place des Nations. Hier gibt es ein sehr großes (und sauberes!) Parkhaus. Aber ansonsten lässt man am besten das Auto im Hotel oder auf einem abgelegenen Parkplatz stehen. Man kann alles – fast alles – in Genf mit der Straßenbahn, dem Bus oder O-Bus (ja, hier fährt noch ein O-Bus!) erreichen. Ich empfehle einen Stadtplan von Genf zu kaufen.

Aber bitte: Fahren Sie NIE, wirklich NIE mit dem Auto in die Stadt. Es herrscht das reinste Chaos. Sie brauchen soviel Geduld wie nirgendwo, und wenn Sie dazu neigen, cholerisch zu werden, lassen Sie es am besten ganz sein. Denn Sie stehen sich die Beine in den Bauch – äh: die Reifen ins Auto. Allein die Ampelschaltungen sind katastrophal: Drei Autos kommen bei Grün rüber, und diese drei fahren in den nächsten Stau vor der nächsten Ampel. Genf ist eine wunderschöne Stadt und hat so viel zu bieten. Aber Genf ist auch eine ausgesprochen autofahrerfeindliche Stadt. Egal, um welche Zeit sie fahren: Stau ist IMMER. Und so lautet meine Empfehlung als passionierte Autofahrerin: Lassen Sie das Auto stehen.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Jutta Sein,

 

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