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Das Unfallgeschehen bei Nacht
Im Jahr 2008 ereigneten sich auf Deutschlands Straßen 85.401 Unfälle mit Personenschaden bei Nacht. Damit ereigneten sich im letzten Jahr etwa 27% aller Unfälle mit Personenschaden bei Nacht. Dabei wurden 1.722 Personen getötet und 111.681 verletzt. In den letzten 10 Jahren hat sich das Unfallgeschehen bei Nacht dabei durchaus positiv entwickelt. Unfälle mit Personenschaden sind um etwa 20% und die Unfälle mit schwerem Personenschaden (Schwerverletzten und Getöteten) um etwa 40% zurückgegangen. Sie haben sich damit besser entwickelt als die vergleichbaren Unfälle am Tag. Dennoch werden noch etwa 27% aller Verunglückten bei Nacht erfasst, der Nacht-Anteil der Getöteten liegt sogar bei 30% (1.722 von 4.477 Getöteten).
Nachtunfälle stellen insbesondere deshalb einen Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit dar, da sie im Vergleich zu Unfällen am Tag deutlich schwerere Folgen nach sich ziehen. Während am Tag im Mittel bei 1.000 Unfällen mit Personenschaden 12 Personen getötet werden, sind es bei Nacht 20 Getötete je 1.000 Unfälle mit Personenschaden.
Die Ursachen für diese höhere Unfallschwere sind vielfältig. Einerseits unterscheidet sich die Art und Weise des Verkehrs bei Nacht deutlich von der am Tag. Insgesamt findet in den Nachtstunden ein deutlich höherer Anteil an Freizeitverkehr statt. Dies spiegelt sich auch im Unfallgeschehen wider. Der Anteil der jungen Erwachsenen an allen Unfallbeteiligten ist nachts deutlich höher und Unfälle, bei denen einer der Beteiligten unter Alkoholeinfluss stand, treten wesentlich häufiger auf. Zum anderen ist der Nacht-Anteil der Unfälle außerorts deutlich höher als innerorts. Diese Verlagerung des Unfallgeschehens in die Ortslagen mit höheren Geschwindigkeiten zieht dementsprechend eine Erhöhung der gesamten Unfallschwere bei Nachtunfällen nach sich.
Auf Landstraßen und Autobahnen werden bei Nacht je 1.000 Unfälle mit Personenschaden 41 Personen getötet. Dabei wurden im Jahr 2008 auf diesen Ortslagen die meisten Getöteten bei Nachtunfällen erfasst (1.232 Getötete bzw. 72% der Getöteten bei Nacht), innerorts waren es 490. Demgegenüber wurden jedoch die meisten Unfälle mit Personenschaden innerorts registriert (54.836 bzw. 64% der Nachtunfälle).
Die Basis der Analyse der Unfälle bei Nacht bilden die Daten der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik. Für die Auswertung wurden die Unfälle mit den schwersten Folgen ausgewählt, nämlich solche Unfälle, bei denen mindestens ein Verkehrsteilnehmer verletzt oder getötet wurde. Als Nachtunfälle werden dabei unabhängig von der Uhrzeit alle Unfälle bezeichnet, die bei Dunkelheit oder in der Dämmerung stattgefunden haben. Während nachts insgesamt weniger Radfahrer und motorisierte Zweiradfahrer verunglücken, sind Unfälle, bei denen Pkw-Nutzer oder Fußgängern verunglücken, deutlich häufiger vertreten.
Die bei Weitem größte Gruppe der Getöteten sind Nutzer von Pkw (991 Getötete bzw. 58% aller Getötete bei Nacht), gefolgt von den Fußgängern mit 397 bzw. 23% aller Getöteten bei Nacht. Die Anzahl der getöteten Fußgänger bei Nacht ist dabei sogar höher als bei Tag (256 Getötete) -während bei allen anderen Verkehrsteilnehmergruppen mehr Personen am Tag als bei Nacht getötet werden. Während tagsüber auf Landstraßen fast keine Fußgänger getötet werden (26 Getötete im Jahr 2008), sind es nachts fünfmal so viele (130 Getötete). Wenn der Fußgänger selbst Verursacher des Unfalls war, spielt in 60% der Fälle auf Landstraßen Alkoholeinfluss eine Rolle. Dennoch werden die meisten Fußgänger bei Nacht innerorts getötet (241 Getötete). Der Schwerpunkt der getöteten Pkw-Nutzer liegt dagegen mit 700 von 991 Getöteten auf Landstraßen.
Etwa die Hälfte der Nachtunfälle auf Landstraßen sind Alleinunfälle von Pkw-Fahrern, bei denen der Fahrer von der Fahrbahn abgekommen ist. Dabei ist in 3 von 4 Fällen der Pkw-Fahrer zwischen 18 und 34 Jahre alt. Ursache ist in der Regel eine der Verkehrssituation nicht angepasste Geschwindigkeit, häufig gepaart mit Alkohol. Ebenso bedeutend auf Landstraßen sind Auffahrunfälle oder Zusammenstöße zwischen entgegenkommenden Fahrzeugen. Während bei Auffahrunfällen von Pkw in 76% der Fälle ein mangelnder Sicherheitsabstand die Ursache war, wird bei Zusammenstößen mit entgegenkommenden Fahrzeugen in jedem zweiten Fall das Rechtsfahrgebot nicht eingehalten. Diese Unfälle zeichnen sich mit 96 Getöteten je 1.000 Unfälle mit Personenschaden durch eine extrem hohe Unfallschwere aus.
Nachtunfälle haben eine ausgeprägte saisonale Komponente, die sich gegenläufig zum allgemeinen Unfallgeschehen verhält. Erwartungsgemäß ereignen sich die meisten Nachtunfälle im Winter. 63% der Nachtunfälle finden zwischen Oktober und Februar statt. Die Unfallschwere von Nachtunfällen ist dagegen im Sommer deutlich höher als im Winter. Von Oktober bis Februar werden im Mittel 18 Personen je 1.000 Unfälle mit
Personenschaden getötet, im Sommer zwischen Mai und September werden dagegen 23 Getötete je 1.000 Unfälle mit Personenschaden registriert. Neben den saisonalen Unterschieden zeigen sich bei Nachtunfällen auch Unterschiede im Verlauf der Nacht. Die Unfallschwere steigt vom frühen Abend bis in die frühen Morgenstunden kontinuierlich an, von etwa 14 Getöteten je 1.000 Unfälle zwischen 18-19 Uhr auf 40 Getötete je 1.000 Unfälle mit Personenschaden zwischen 3-4 Uhr morgens.
Sowohl die saisonale als auch die zeitliche Komponente stehen in engem Zusammenhang zur Art des Verkehrs. Im Sommer findet in der Regel kaum Berufsverkehr bei Dunkelheit statt. Damit handelt es sich bei sommerlichen Nachtunfällen hauptsächlich um Unfälle im Freizeitverkehr. Im Winter dagegen wird ein großer Teil des Berufsverkehrs bei Dunkelheit abgewickelt, so dass das Nachtunfallgeschehen im Winter zu einem großen Teil von dieser Art Verkehr beeinflusst wird. Zum Vergleich: Im November finden 40% aller Nachtunfälle zwischen 6-8 Uhr bzw. 16-20 Uhr statt – im Juni entfallen auf die Zeit zwischen 21-2 Uhr morgens 74% aller Nachtunfälle.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Dipl.-Stat. Susanne Schönebeck, Bundesanstalt für Straßenwesen, Bergisch Gladbach, www.bast.de
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