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Schnelle Rettung von Unfallopfern

Beschluss des DVR-Gesamtvorstands zur Fahrzeugidentifikation für Rettungskräfte: Nach schweren Verkehrsunfällen können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Darüber, ob sich die Unfallopfer wieder vollständig erholen oder mit lebenslangen Behinderungen leben müssen. Rettungskräfte müssen deshalb in der Lage sein, schnell zu handeln. Schutzeinrichtungen für Fahrer und Beifahrer können nach dem Unfall Barrieren für die Retter darstellen. Nicht ausgelöste Airbags und alternative Antriebssysteme sind Beispiele für potenzielle Gefahren, wenn diese bei Rettungsmaßnahmen beschädigt werden. Verstärkte Karosseriestrukturen können das Trennen von Dachsäulen oder das Öffnen verklemmter Türen durch hydraulische Rettungsscheren oder -spreizer erheblich erschweren. Diese Bereiche zu lokalisieren und zu identifizieren ist deshalb von besonderer Bedeutung. Keine leichte Aufgabe, da es nicht nur Unterschiede zwischen Fahrzeugmodellen, sondern auch innerhalb einer Modellreihe geben kann. Die Ungewissheit darüber, wo zum Beispiel Rettungsscheren anzusetzen sind, welche Druckpunkte für Spreizgeräte optimal und welche Einbauten zu beachten sind, kann die Rettungszeit verlängern und damit lebenswichtige medizinische Behandlungen verzögern.

 

Deshalb fordert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) flächendeckend standardisierte Systeme zur Fahrzeugidentifikation mit Rettungsinformationen einzuführen. "Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die durchschnittlichen Rettungszeiten in Deutschland verschlechtert haben, können solche Systeme helfen, verletzte und eingeschlossene Fahrzeuginsassen im Sinne der 'golden hour' schnell zu retten und zu versorgen", zeigt sich DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf zuversichtlich.  

Der DVR weist darauf hin, dass zurzeit in Deutschland unterschiedliche Systeme diskutiert werden, mit denen Rettungskräften die notwendigen Informationen schnell zur Verfügung stehen sollen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) stellen standardisierte Rettungsdatenblätter für unterschiedliche Fahrzeugmodelle zur Verfügung. Hier finden sich Informationen über Steuergeräte, Energiespeicher, Airbag, Airbag-Gasgeneratoren und Karosserieverstärkungen. Diese Datenblätter stehen für Rettungskräfte zum Download im Internet bereit und sollten als Ausdruck im Einsatzfahrzeug mitgeführt werden.

Der ADAC plädiert dafür, dass jeder Fahrzeughalter diese Rettungsinformationen in Form einer Rettungskarte selbst im eigenen Fahrzeug unterbringt. Die Rettungskarte soll dazu gut fixiert hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite deponiert werden. Nach Ansicht des ADAC sollten die Rettungsinformationen außerdem um Angaben über optimale Schnittlinien ergänzt werden. Der DVR spricht sich dafür aus, Neufahrzeuge werkseitig mit entnehmbaren Rettungsinformationen an einer einheitlichen Stelle auszustatten.

 

In einer kostenpflichtigen elektronischen Variante gibt es inzwischen auch Fahrzeuginformationen in Form einer Datenbank, die über ein Laptop im Einsatzfahrzeug abgerufen werden können. Dabei sollten nicht nur aktuelle Modelle dokumentiert werden, sondern auch nicht mehr in Produktion befindliche Modellgenerationen. Wünschenswert wäre dies rückwirkend bis zu den Fahrzeugen, in denen erstmals Airbags verbaut wurden.

Rettungskräfte sind mit den notwendigen Geräten auszustatten, damit sie die fahrzeugrelevanten Daten zeitnah abrufen können. Darüber hinaus sollten die Rettungskräfte im Umgang mit möglichen technischen Komplikationen sowie der Anwendung der bereitgestellten Rettungsinformationen geschult werden.

In einer weiteren Variante sollen zukünftig Fahrzeugidentifikationsdaten zusammen mit dem Absetzen eines automatisch oder manuell ausgelösten Notrufs durch das Fahrzeug übermittelt werden (eCall). Einige Fahrzeughersteller bieten ähnliche Systeme schon heute an, bei denen ein Notruf aus dem Fahrzeug bei einem festgelegten Servicedienstleister ankommt und von dort – bei Bedarf mit rettungsrelevanten Angaben ergänzt – an die zuständige Rettungsleitstelle weitergegeben wird.

"Das Kraftfahrt-Bundesamt ist aufgerufen, den Rettungskräften eine unmittelbare Online-Abfrage der für die Modellidentifikation relevanten Daten unter Angabe des amtlichen Kennzeichens zu ermöglichen", fordert Dr. Eichendorf. Für die Anwendung der Rettungsdatenblätter oder der computerbasierten Datenbank an der Unfallstelle müssen Unfallfahrzeuge genau identifiziert werden. Zur Online-Abfrage des Kennzeichens ist allerdings in Deutschland eine Gesetzesänderung notwendig, um die Rechtsgrundlage für Feuerwehren und Rettungskräfte zu schaffen.

 

Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR)
Beueler Bahnhofsplatz 16, D-53225 Bonn

www.dvr.de - www.runter-vom-gas.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sven Rademacher

 

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