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Unfallforschung der Versicherer

Ein aktuelles Projekt der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt, dass sich durch umfassende und detaillierte Analyse aller Unfälle Unfallursachen definieren, systematische Schwachstellen in der Infrastruktur aufdecken und Fehler im Verkehrsverhalten benennen lassen.

 

 

UDV führt in Münster Pilotprojekt durch: Wesentlicher Faktor für eine funktionsfähige Mobilität ist die Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Was aber, wenn trotz aller Bemühungen seitens der Verantwortlichen (z.B. der Unfallkommission) die Anzahl und Schwere der Unfälle nicht reduziert werden kann, da nicht einmal die Ursachen für das scheinbar diffuse Unfallgeschehen benannt werden können?

Diese Frage stellte sich auch der Stadt Münster und bat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) um Unterstützung, den Zusammenhängen und Hintergründen einer seit Jahren dauerhaft schlechten Unfalllage auf den Grund zu gehen. Die UDV führte darauf hin ein Pilotprojekt in der Stadt Münster durch, um ein auf andere Kommunen übertragbares Vorgehen bei der Unfallanalyse zu entwickeln.

 

Systematischer Ansatz: Durch eine umfassende und systematische Analyse aller 27.741 Unfälle der Jahre 2004 bis 2006 und durch ergänzende Verhaltensbeobachtungen konnten durch die UDV nicht nur Unfallschwerpunkte sondern auch systematische Unfallursachen erkannt und Maßnahmenvorschläge erarbeitet werden. Die Untersuchung umfasste neben der Auswertung von Unfalltypen-Steckkarten und Unfalldatenlisten auch die Erstellung von Unfalldiagrammen für alle Unfallhäufungsstellen und –linien einschließlich Ortsbesichtigung sowie eine streckenbezogene Sicherheitsanalyse für das gesamte Hauptverkehrsstraßennetz.

 

Analyseergebnisse: Insgesamt wurden in den drei Jahren auf Münsters Straßen 23 Personen getötet, 797 schwer und 3.839 leicht verletzt. 47% aller Unfälle mit Personenschaden waren Radverkehrsunfälle bei denen 6 Personen getötet, 341 schwer und 1.582 leicht verletzt wurden. An 12% der Radverkehrsunfälle waren ausschließlich Radfahrer beteiligt.

Auch wenn sich das Unfallgeschehen in Münster auf das gesamte Stadtgebiet verteilt, konnten durch die detaillierte Auswertung der Unfalltypensteckkarten und Unfalldatenlisten 63 Unfallhäufungsstellen und 22 Unfallhäufungslinien gemäß Merkblatt für die Auswertung von Straßenverkehrsunfällen der FGSV identifiziert werden. Hier ereignen sich rund ein Drittel aller Unfälle mit Personenschaden. Besonders auffällig war dabei, dass 86% der Unfallhäufungsstellen lichtsignalgeregelte Kreuzungen oder Einmündungen sind. Rund ein Drittel aller Innerorts-Unfälle mit Personenschaden ereignen sich in Münster an Lichtsignalanlagen und knapp die Hälfte aller Unfälle mit Personenschaden sind Abbiege- und Einbiegen/Kreuzen-Unfälle, also typische Knotenpunktunfälle.

In Ergänzung zu den unfallbezogenen Analysen wurden stichprobenhafte Verhaltensbeobachtungen sowie Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Besonders auffällig war der Anteil der beobachteten Rotlichtverstöße durch Radfahrer: Bei 7% aller Querungen an Lichtsignalanlagen fuhren Radfahrer bei Rot, das entspricht etwa 10.000 bis 13.000 Rotlichtverstößen täglich. Zudem befuhren rund 25% aller Radfahrer die signalisierten Furten in falscher Richtung, was immer wieder zu schweren Unfällen führte. Aber auch das Verhalten der Kraftfahrer wurde kritisch beobachtet: So vergewisserte sich ein Drittel der Kraftfahrer beim Rechtsabbiegen nicht ausreichend, ob Radfahrer oder Fußgänger queren wollten. Zudem zeigten Geschwindigkeitsmessungen eine deutliche Häufigkeit von Überschreitungen. Insbesondere nachts hielten sich nur ein Drittel der Kraftfahrer an die zulässige Höchstgeschwindigkeit.

 

Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit: Für alle unfallauffälligen Bereiche wurden durch die UDV konkrete, geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit vorgeschlagen. Darüber hinaus wurden gesamtstädtische Strategien und Empfehlungen erarbeitet, die teilweise grundsätzlicher Natur sind und auf andere Städte übertragen werden können. Dazu gehört unter anderem:

Die Einrichtung eigener Abbiegephasen an Ampeln, um insbesondere Fußgänger und Radfahrer zu schützen

Keine Nachtabschaltung von Ampeln

Intensivierung der Überwachung zur Einhaltung der Verkehrsregeln und Geschwindigkeiten

Verdeutlichung der Radverkehrsführung über Grundstückszufahrten und Einmündungen

Schaffung sicherer Querungsmöglichkeiten von Fußgängern und Radfahrern

Gezielte Kommunikationsmaßnahmen zur Verbesserung des Verhaltens der Verkehrsteilnehmer

Breitere Dimensionierung von Radwegen, Anlage von markierten Radverkehrsführungen auf der Fahrbahn

 

Fazit

Die Ergebnisse des Projekts zeigen: Ein systematischer Ansatz durch umfassenden und detaillierten Analyse aller Unfälle ist unerlässlich, um Schwachstellen in der Infrastruktur aufzudecken und Fehler im Verkehrsverhalten zu benennen. Nur so lassen sich geeignete Maßnahmen und zielgerichtete Strategien zur Verbesserung der Verkehrssicherheit entwickeln und umsetzen. Zur Unterstützung der Unfallkommissionen bei dieser Arbeit sind entsprechende finanzielle und personelle Ressourcen erforderlich. Das Pilotprojekt zeigt aber auch, dass es sinnvoll sein kann, die Untersuchung von externen Gutachtern durchführen zu lassen, die unabhängig Mängel aufdecken und entsprechende Maßnahmen empfehlen können. Die systematische Vorgehensweise in Münster sollte möglichst vielen Kommunen als Vorbild dienen, um eine deutliche Reduktion von Unfallhäufigkeit und Unfallschwere zu erzielen.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Jörg Ortlepp.

 

www.dvr.de

 

http://www.unfallforschung-der-versicherer.de/Unfallforschung/VI/Aktuell/aktuell_verkehrssicherheit.htm

 

http://www.unfallforschung-der-versicherer.de/Unfallforschung/PR/pr_meldung_2808_2008_muenster.htm

 

 

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