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Verkehrsfunk in Bayern
Der Bayerische Verkehrsfunk feiert 40. Geburtstag und mit ihm eine junge Frau ihren Zweiten - in gewisser Weise. Vielleicht hat sie es der prompten Reaktion der Redaktion zu verdanken, wenige Tage nach einem Vorfall auf der Autobahn überhaupt noch ihr 30-Jahresjubiläum feiern zu können.
Theresa S. aus Planegg mit ihrem „Schutzengel“ Jörg G. aus München
Nun behaupten ja Archäologen, dass es bereits in der Steinzeit eine Art Kommunikation über Verkehrsaufkommen gegeben hat. Mittels des so genannten Schwirrholzes, auch Bora-Bora genannt, konnte der tiefe Ton des ältesten Musikinstrumentes der Welt über weite Strecken übertragen werden. Dieses Steinzeit-Handy machte eine Konversation möglich. Hallo Nachbar, Mammut unterwegs. Aber das nur am Rande.
Vor 40 Jahren startete also der Verkehrsfunk sein Magazin "Gute Fahrt und Gute Reise". Blickt man heute auf die Arbeitsweise damals zurück, wird deutlich wie viel sich in der relativ kurzen Zeit in technischer Hinsicht entwickelt hat. Zwei Telefone nebeneinander, um halb sechs begann man zu telefonieren. Alle bayerischen Polizeidirektionen wurden einzeln angerufen, die Informationen auf einer mechanischen Schreibmaschine abgetippt und dem Moderator ins Studio getragen. Halbstündlich liefen die Meldungen über Bayern 3, der ersten Servicewelle Deutschlands. Auch die Polizei hörte mit. Schließlich mussten sie überprüfen, ob die durchgegebenen Meldungen der Richtigkeit entsprachen. Der Slogan lautete: "Ich weiß mehr vom Verkehr durch Bayern 3".
Heute stammen die Verkehrsinformationen aus einem Sammelsurium an 900 Details aus der Landesmeldestelle, 120 Meldungen der Induktionsschleifen, 100 der Bordcomputer und durchschnittlich 30 Staumeldern. An verkehrsreichen Tagen werden an die tausend Verkehrsmeldungen verarbeitet. Die Informationen sind nicht nur im Radio, sondern auch im Internet und im Bayerntext abrufbar. Und - hätten Sie es gewusst - auch die TMC-Meldungen in den Navigationsgeräten werden in den Verkehrsredaktionen der Radiosender freigegeben. Der Verkehrsfunk ist mit allen wichtigen Quellen über PC vernetzt und in der Lage, Gefahrenmeldungen binnen Sekunden ins Radio zu bringen und TMC-Meldungen an die Navigationsgeräte zu übermitteln.
Die in den Fahrbahnen integrierten Induktionsschleifen liefern Informationen darüber, wie viele Fahrzeuge derzeit dort unterwegs sind und über deren Geschwindigkeit. Auch die in den Lkws installierten Bordcomputer erfassen diese Daten, anhand derer das Verkehrsaufkommen an den besagten Stellen aktuell gemeldet wird. Die gesammelten Daten geben Aufschluss über die Verkehrslage in Bayern - und das in Echtzeit.
Die meisten Informationen an den Rundfunk kommen von der Verkehrsmeldestelle der Polizei in Bayern, hinzukommen in Zusammenarbeit mit dem ADAC noch einige hundert Meldungen von Lastwagenflotten. Waren das in den 80er Jahren noch 60 Meldungen pro Tag, so sind es heute 60 innerhalb einer Stunde. Während zu den Anfangszeiten der aktive Verkehrsteilnehmer Meldungen über die Notrufsäulen durchgeben musste, bedient sich der Verkehrsfunk heute einer wachsenden Anzahl an so genannten BayernDrivern. Die ca. 14.000 mit einer Staumeldernummer versehenen freiwilligen Verkehrsteilnehmer melden über ihr Handy auf der Fahrbahn liegende Gegenstände oder Geisterfahrer an die Landesmeldestelle. Dort werden die Informationen weitergeleitet und in Windeseile im Hörfunk übertragen.
Wie schnell das geht, konnte erst kürzlich Jörg G. aus München erfahren. Er meldete einen Geisterfahrer. Innerhalb weniger Sekunden, bemerkte er auf der Veranstaltung "40 Jahre Verkehrsfunk", lief schon die Durchsage im Radio. Die 29-jährige Theresa S. aus München fuhr zu dieser Zeit auf der Autobahn A 96 von Lindau Richtung München, als ihre Lieblingssendung auf Bayern3 von einer Geisterfahrermeldung unterbrochen wurde. Sofort realisierte sie, dass der sich genau auf ihrer Strecke befinden musste. Sie verlangsamte ihr Tempo und fuhr auf die rechte Spur. In diesem Moment sah sie auch schon die Polizei mit Blaulicht hinter sich und auf der Überholspur gerade noch die Rücklichter des entgegenkommenden Fahrzeuges.
Aber nicht nur Meldungen über Falschfahrer laufen über den Äther, sondern auch Informationen über erhöhtes Verkehrsaufkommen. Momentan verzeichnet man 400.000 Kilometer Stau jährlich, was der Entfernung von der Erde bis zum Mond entspricht. Prognosen deuten darauf hin, dass im Jahr 2025 noch zwanzig Prozent mehr Autos auf den Straßen unterwegs sein werden. Bedingt durch die Mobilität im Beruf und die vielfältigen Hobbies sowie dem Trend zu mehr Kurzurlauben. Die A-cappella-Gruppe „Voxenstopp“ komponierte anlässlich des 40. Jubiläums ein Lied mit dem Titel "hundert fahrn". Damit die darin geschilderte Horrorvision des Dauerstaus nicht Realität wird, müssen Überlegungen angestellt werden wie man dem wachsenden Verkehrsaufkommen begegnen kann.
Die Möglichkeiten, sich darauf einzustellen sind vielfältig. Zunächst einmal werden die gelieferten Daten aus den Lkw`s im Verlauf der nächsten Jahre noch mehr zunehmen. Zahlreiche digitale Angebote ermöglichen eine noch schnellere Übertragung und Auswertung.
Auf der Festveranstaltung "40 Jahre Verkehrsredaktion in Bayern" haben Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der BR-Hörfunkdirektor Dr. Johannes Grotzky und der Vorsitzende des ADAC Südbayern Dr. August Markl eine Kooperation bekannt gegeben. Durch sie soll der Austausch noch weiter verbessert werden. Wichtig ist, so Herrmann, neben der guten Verkehrsinfrastruktur auch eine bestmögliche Versorgung der Verkehrsteilnehmer mit Verkehrsinformationen. Die Kooperationsvereinbarung setzt genau hier an und sieht einen umfassenden Verkehrsdatenaustausch zwischen Innenministerium, Bayerischem Rundfunk und ADAC vor. Hier sollen die verschiedenen Datenquellen zusammengeführt werden, um einen noch besseren Überblick über die Verkehrssituation zu bekommen. Damit kann jederzeit präzise darüber informiert werden, wo der Verkehr stockt und wo freie Fahrt möglich ist, so Hörfunkdirektor Grotzky.
Dr. Grotzky, Dr. Markl und Innenminister Herrmann erläutern das neue Modell
Die besonders schwierige Aufgabe wird allerdings in Zukunft darin bestehen, die relevante Auswahl an den gesammelten Informationen zu treffen. Schließlich wollen die Verkehrsteilnehmer nicht im Minutentakt mit Meldungen überhäuft werden. Auch wenn sich Therese S., wie sie Bayern 3 in einer E-Mail mitteilte, nie wieder darüber ärgern wird, wenn ihre Sendung durch eine Verkehrsmeldung unterbrochen wird. "Ihr rettet damit Leben!"
Bayerischer Rundfunk - Rundfunkplatz 1, D-80335 München - www.br-online.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.
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