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Osttirol ist mehr als eine Verführung (2)
Unberührte Natur mit unverwechselbarem Charakter
Am Zugang zum Tiroler Gailtal-Lesachtal liegt am Fuße der Karnischen Alpen die Gemeinde Kartitsch (1 358 m). Sie gilt als guter Ausgangspunkt zahlreicher interessanter Bergtouren. Zu den bekanntesten gehört der „Karnische Höhenweg“, auch als „Friedensweg Nr. 403“ bezeichnet. Er führt den gesamten Karnischen Kamm, an der Grenze zwischen Österreich und Italien entlang, und misst von Sillian bis Arnoldstein rund 150 km. Er verläuft größtenteils auf seit dem Jahre 1974 wieder instand gesetzten ehemaligen Kriegspfaden des Ersten Weltkrieges in Höhen zwischen 1 500 bis 2 500 m. Mit Hilfe von Schautafeln werden die Geologie dieses Gebirgszuges, die Beschaffenheit der Gesteinsarten sowie die alpine Tier- und Pflanzenwelt erklärt.
Auf einstigen Frontwegen unterwegs
Noch vor wenigen Jahrzehnten war dieser Weg umkämpftes Gebiet. Zahlreiche Steiganlagen, weit verzweigte Schützengräben, Überreste alter Stellungen, zu Bunkern ausgehöhlte Felskavernen und Soldatenfriedhöfe erinnern noch an die schrecklichen Zeiten zwischen 1915 und 1918. Tausende Männer der österreichisch-ungarischen Streitkräfte mussten in dieser Höhe Sommer und Winter ausharren, um einen möglichen Durchbruch der Italiener zu verhindern, was letztendlich auch gelang. Zusätzlich zu den feindlichen Angriffen forderten Lawinenunglücke und Erfrierungen ihren Tribut unter den Soldaten.
Heute dient der „Friedensweg Nr. 403“ dem Zusammenfinden von bergbegeisterten Menschen aus aller Herren Länder. Er ist bewusst so angelegt, dass er keine Höchstleistungen abfordert, sondern von Wandergruppen - auch von Familien - in beiden Richtungen leicht zu bewältigen ist.
An einer Kapelle des Weges steht zu lesen: Allen Menschen zum Frieden, den Opfern aus Unverstand und Hass für alle Zeit zur Ehre und den Wanderern, an der Kapelle innehaltend, zu bedenken.
Eine Gedenktafel erinnert am Zugang zum „Friedensweg Nr. 403“ an die gemeinsame Grenzsicherung österreichischer und deutscher Soldaten. Foto: B. Schenke
Das bestimmte auch das Credo des 1934 in Kartitsch geborenen Ludwig Wiedemayer. Der schrieb nach zahlreichen Recherchen vor Ort und in Archiven das Buch „Weltkriegsschauplatz Osttirol - Die Gemeinden an der Karnischen Front im östlichen Pustertal“, das 2007 erschien.
Es ist eine interessante Darstellung der Ereignisse und Ergebnisse von vor mehr als 90 Jahren, die man unbedingt vor einem Besuch dieses traditionsträchtigen Ortes lesen sollte (Siehe auch den Buchtipp am Ende des Beitrages.).
Grenzenloses Radvergnügen und noch einiges mehr
Der rund 42 km lange Drauradweg vom Südtiroler Grenzdorf Innichen nach Lienz ist in jedem Fall das Radeln wert. Die in dieser Fahrtrichtung überwiegend abwärts führende Strecke - von 1 174 auf 680 Meter - ist für Jeden ohne anstrengende Pedalbewegungen zu bewältigen. Es geht von Anbeginn an durch eine landschaftlich interessante und schöne Gegend, immer an der Drau entlang. Neben zahlreichen Möglichkeiten zum Einkehren und speziellen Rastplätzen, gibt es auch Sehenswertes, wo es anzuhalten lohnt.
Ein Ziel ist das denkmalgeschützte „Aigner Badl“. Im Jahre 1772 wurde das Badehaus errichtet und wird noch heute für spezielle Heilbäder genutzt. Aus einer nahe gelegenen Mineralquelle gelangt das Calcium Sulfat in die Holzbottiche aus Lärchenholz mit Deckel und erzielt seine Heilwirkung vor allem bei Leiden wie Gicht und Rheuma sowie bei Anwendungen gegen die Schuppenflechte.
Das 1772 errichtete Aigner Badehaus - noch heute gern genutzt. Foto: B. Schenke
Wer es eher mit Dr. Kneipp hält, auf dessen Therapie schwört, der kann unterhalb des Badehauses auf dem Kneipp-Pfad Gutes für Leib und Seele tun. Ihm stehen neben klarem, kühlem Wasser - über eine alte Wassermühle kommend, ein 30 Meter Tretpfadbecken, zwei Tauchbecken und ein kurzer Barfußweg zur Verfügung.
Nach einer abschließenden Stärkung in der angeschlossenen Jausenstation geht es dann gestärkt auf die nächsten Radkilometer bis zum Wasserschaupfad Galitzenklamm, gegenüber dem idyllischen Dörfchen Leisach.
Diese Klamm wird nicht zu unrecht als Naturjuwel am Fuße der Lienzer Dolomiten bezeichnet. Inmitten steiler Felsen bekommt man von der Weg- und Brückenanlage aus einen Eindruck von der Urgewalt des Wassers, die sich aus dem Galitzenbach entwickelt. Ein Klettersteig führt besonders Mutige an den tosenden Wasserfällen entlang durch die Klamm. Die unmittelbare Wassernähe und der imposante Blick in Tiefe der Schlucht sind ein ganz besonderes Erlebnis.
Am Eingang zur Klamm steht die einzige Steinkugelmühle Österreichs südlich der Alpen. Über Wasserkraft wird ein horizontales Schaufelrad betrieben, das Stein- und Marmorbrocken unterschiedlicher Größe in einer kreisförmigen Rinne so lange „rundumschiebt“, bis Kugeln entstehen. Die sind beliebte Souvenirs, finden aber auch anderweitige Verwendung.
Die Drauradweg-Tour endet schließlich in Lienz, wo moderne Cafe´s, gemütliche Weinlokale und Biergärten zu Erfrischungen und kulinarischen Schmankerln einladen. Danach geht es dann bequem mit dem Zug an den Ausgangspunkt zurück.
Mehr als 120 000 Radler sind es inzwischen, die von Mai bis Oktober diesen 1996 errichteten Weg befahren. Nun wollen auch die Lienzer Bergbahnen davon partizipieren und laden ab diesem Winter in das Skigebiet Zettersfeld in 2 000 Meter Höhe ein. www.lienzerdolomiten.info; www.stadt-lienz.at
Eine naturbelassene Landschaft
Das sanfte Hochpustertal mit dem urigen Villgratental, den Nebentälern Winkeltal und Arntal sowie dem im Jahre 1996 als „Internationale Landschaft des Jahres“ ausgezeichneten Lesachtal ist von Sillian (1 103 m) - dem Zentrum der Region - aus ebenso gut erreichbar wie das benachbarte Südtiroler Innichen, die Sextener Dolomiten und der weltbekannte Wintersportort Cortina d´Ampezzo.
Abendstimmung über Sillian. Foto: B. Schenke
Mit der Bergbahn am Ortsausgang gelangt man beispielsweise bequem auf den Sillianer Hausberg, den Thurntaler (2 408 m). Von dort laden ausgedehnte Wanderwege zu den schönsten Touren ein. Wer es nicht so hoch mag, begibt sich zunächst in das Villgratental und lernt dort sehr rasch Land und Leute kennen.
Auf dem Weg dahin trifft man auf die Burg „Heinfels“, die erstmals 1240 urkundlich erwähnt wurde. An ihrem Fuß liegt die Gemeinde gleichen Namens, in der sich die älteste überdachte Holzbrücke Tirols befindet. Den Gast empfängt beim Eintritt ins Tal ein Teppich rot blühender Almrosen und blauen Enzians, der die naturbelassene Landschaft mit ihren sattgrünen Almwiesen überzieht.
Hier kann man das Brauchtum zurück liegender Jahrhunderte unmittelbar nacherleben. Der Villgrater Heimatverein hat mit der „Wegelate-Säge“ - dem einzigen und letzten venezianischen Sägewerk, dem „Zacheler Stadl“ - einem alten bäuerlichen Gerätemuseum, und mit der Hofanlage „Wurzerhof“ - seit 1999 unter Denkmalschutz stehend, nicht nur wertvolles Kulturgut erhalten, sondern einen Kulturwanderweg von unschätzbarem Wert geschaffen.
Naturkatastrophen - Lawinenabgänge 1951, Hochwasser 1965 und 1966 - spielten sowohl dem Sägewerk als auch dem Wurzerhof übel mit. Nur dank zahlreicher freiwilliger Helfer und öffentlicher Mittel gelang es, die Zeugen der Vergangenheit wieder aufzubauen und instand zu setzen. Der im Jahr 1999 verliehene, renommierte „Europa Nostra Award“ für die Wegelate-Säge und der „Henry-Ford-Umweltpreis“ (2000) waren Dank und Anerkennung für alle Beteiligten.
Der Der 300 Jahre alte „Wurzerhof“ wird gern als Herberge gebucht. Foto: B. Schenke
Heute kann der Besucher im „Wurzerhof“ eine sehr seltene, vom Wasser betriebene Dreifachmühle aus dem Jahre 1886 - eine von ehemals 17 Mühlen dieser Art in diesem Tal vor der Hochwasserkatastrophe - ebenso funktionsfähig bestaunen wie Arbeiten am offenen Schmiedefeuer und das Backen köstlichsten Brotes aus vor Ort gemahlenem Mehl.
Und wer ganz nah dranbleiben möchte, kann in dem urgemütlichen Berghaus der 300 Jahre alten Hofanlage Quartier beziehen. Bis zu 30 Personen finden in sechs Schlafzimmern Platz. Sie haben eine komplett ausgestattete Küche, eine Wohnstube mit gemütlichem Kachelofen, Duschen, WC, Bad, Sauna eine hauseigene Kegelbahn, einen größeren Aufenthaltsraum zum Essen, Feiern und Spielen sowie einen ausgedehnten Spielplatz für Kinder im Freien verfügbar.
Die neben dem Haus stehende Kapelle Hl. Katharina aus dem Jahre 1675, die 1852 erstmals vom Hochwasser schwer beschädigt und fünf Jahre später wieder aufgebaut wurde, erfreut sich reger Nutzung durch Hochzeitspaare. Josef Leiter, Chef des „Wurzerhofs“, hat der Kapelle 2002 den „letzten Schliff“ gegeben. „Ich war 14 Jahre Fernfahrer und hatte versprochen, wenn ich diese Zeit gesund überstehe, die Kapelle als Dank zu renovieren“, ist von ihm zu erfahren. Er hat es getan. www.ausservillgraten.info; www.wurzerhof.at
Urlaub ohne Strom und ohne Handy
Durch die Mitte des 20. Jahrhundert rasch expandierende Motorisierung wurden die einst natürlichen Kreisläufe der mehr als 500 Jahre alten Almwirtschaften gebrochen. Die Almhütten blieben in der Folge ungenutzt und drohten zu verfallen. „Ländlicher Einfachtourismus“ sollte den Erhalt der prächtigen Alm-Ensembles sichern. So auch auf der bekannten Oberstaller Alm.
Weg vom nervösen lauten Getriebe des Alltags, hinein in die Natur, erwartet den Touristen heute in 18 geschichtsträchtigen Holzhütten nichts, was mit einem komfortablen Urlaub zu verbinden wäre: kein Strom, kein Gas, kein Telefon - Handy funktioniert ob der örtlichen Lage auch nicht. Lediglich fließendes Bergwasser und ein Herd mit Holzfeuerung, ein Wasserkessel, etwas Geschirr und ein rustikales Nachtlager sind verfügbar. Urlaub pur.
Ländlicher Einfachtourismus auf der Oberstaller Alm. Foto: B. Schenke
In unmittelbarer Nähe zu den Almhütten befindet sicher der sog. „Sickersee“, ein Naturdenkmal. Neben seiner Besonderheit, zu verschwinden und wieder aufzutauchen, ist es die Verschiedenheit der Umzäunung des Areals, die das Objekt zusätzlich besuchenswert macht.
Am Ende des Tals erreicht man den im Jahre 1305 erstmals urkundlich erwähnten Wallfahrtsort Kalkstein. 1634 war er von einer furchtbaren Pest betroffen, die zahlreiche Menschenleben forderte. Dem Ereignis folgend, wurde das Gelübde abgelegt, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. Am 4. Mai 1660 wurde die Wallfahrtskirche Maria Schnee eingeweiht. Bis zum heutigen Tag pilgern zahlreiche Wallfahrer aus der nahen und weiteren Umgebung - selbst aus Südtirol - an diese heilige Stätte. www.innervillgraten.info
In einer „Landschaft des Jahres“
Unberührte Natur, eine terrassenförmige Landschaft, Ruhe und Idylle prägen den unverwechselbaren Charakter des Lesachtals. Es wurde im Jahre 1996 als „Europas naturbelassenstes und umweltfreundlichstes Tal“ ausgezeichnet, und von den internationalen Naturfreunden zur „Landschaft des Jahres“ auserkoren. Hier findet man eines der schönsten und höchst gelegensten Alpendörfer - das 800 Einwohner zählende Obertilliach (1 450 m).
Aufgrund seiner sehr eng aneinander gebauten, teilweise mehr als 300 Jahre alten Holzhäuser im Zentrum, wird es auch liebevoll als „Städtchen aus Holz“ bezeichnet. Im Jahre 1975 wurde der Dorfkern unter Denkmalschutz gestellt.
Durch seine Lage zwischen Gailtaler und Karnischen Alpen besitzt das Bergdorf schon ein wenig mediterranes Klima mit überdurchschnittlich viel Sonne.
Josef Lugger, Landwirt und Inhaber des Wirtshauses „Unterwögener“ bezeichnet sein Obertilliach als Goldschatz, den alle zusammen hegen und pflegen müssen. In diese Wertschätzung sind in jedem Fall auch die geschichtsträchtige, 1292 erstmals erwähnte St. Ulrich-Kirche, die Kapelle St. Helena - als vermutlich ältestes Heiligtum des Tals - und die Kapelle St. Nikolaus im Moos einzubeziehen.
Die bereits erwähnte Bauweise des Ortskerns barg seit jeher große Feuergefahr, der man einst mit einem Nachtwächter - erfolgreich - begegnete. Obertilliach hielt an dieser (prophylaktischen) Tradition fest und so erlebt man heute zweimal wöchentlich den einzigen noch in Österreich tätigen Nachtwächter in Person von Helmut Egartner. Der zieht um 22:00 Uhr in kompletter Ausrüstung durch´s Dorf und lässt das überlieferte Nachtwächterlied erklingen.
Landwirtschaft und Holzhandel prägten in den zurückliegenden Jahrzehnten das Bild der Region. Seit etwa 20 Jahren rücken der Rad- und Wandertourismus im Sommer und eine umfassend angelegte Nutzung als Skigebiet mit kurzen Wegen und mittelschweren Bedingungen im Winter zunehmend in den Mittelpunkt. Denn die Winter sind lang: Von November bis Mitte April liegt eine geschlossene Schneedecke. Das haben auch die internationalen Wintersportasse im Biathlon und Skilanglauf erkannt und verlegen einen Teil ihrer Saisonvorbereitung auf die 60 km langen Grenzlandloipen bei Obertilliach.
Der berühmteste Einwohner des Bergdorfs ist vielfach geschätzt. Foto: B. Schenke
Olympiasieger, Weltmeister und Weltcupsieger in den klassischen Wintersportdisziplinen werden bekanntlich „im Sommer gemacht“. Deshalb hat das neue, am Ortseingang gelegene Biathlon- und Langlaufzentrum mit seiner vier km langen Skirollerpiste besondere Bedeutung erlangt. Es ist inzwischen eine wichtige infrastrukturelle Einrichtung. Denn nicht nur der fünffache Olympiasieger und zehnfache Weltmeister, der Norweger Ole Einer Björndalen, der im Jahre 2003 seinen Wohnsitz in dieses schöne Bergdorf verlegte, sondern die Weltspitze der Skijäger - auch die aus Deutschland - trifft sich hier im Sommer und im Winter. Auch Inline Scater können sich auf dem Areal nach Leibeslust vergnügen und ihre Runden drehen. www.obertilliach.com
Den wunderbaren Lebensraum erhalten
Das Lesachtal wird gern als „Tal der 100 Mühlen“ bezeichnet. Ehemals klapperten hier bis zu 200 Holzmühlen an rauschenden Bächen. Die fortschreitende Industriealisierung ließ eine nach der anderen verschwinden. Aber fünf von ihnen wurden dank des 1973 gegründeten Mühlenvereins in Maria Luggau (1 179 m) erhalten und demonstrieren das Malen des Getreides, das Betreiben von Pflügen, Aufzügen, Dreschmaschinen und Sägewerken. Die Mühlen stehen seit 1750 an derselben Stelle und sind Privatbesitz einheimischer Bauern, deren Namen sie tragen.
Ein Ausflug in die Mühlen-Vergangenheit endet schließlich mit einem Besuch im Lesachtaler Bauernladen. Das über 400 Jahre alte Haus wurde 1990 auf der sog. Schattenseite komplett heruntergebaut, jedes einzelne Brett, jeder Balken nummeriert und am jetzigen Standort wieder neu errichtet. Es gehört zu den schönsten Bauernhäusern des Tals. In seinem üppig mit Waren aller Art ausgestatten Laden vermarkten seit 22 Jahren die 60 Lesachtaler Produzenten - von der Hausfrau über den Bauern bis zum Handwerker - auf direktem Weg ihre Erzeugnisse. Damit machen sie zugleich deutlich, dass der Bauernstand in der Region bis zur Gegenwart trotz zahlreicher Veränderungen nichts von seiner Ursprünglichkeit und einstigen Bedeutung verloren hat.
Das umgesetzte Haus - der 400 Jahre alte Bauernladen in Maria Luggau. Foto: B. Schenke
„Mit diesem Bauernladen wollen wir mithelfen, für die Menschen dieses Tals und für die Erholung suchenden Gäste unseren wunderbaren Lebensraum zu erhalten“, erzählt die pensionierte Volksschullehrerin und noch immer begeistere Altbäuerin Brigitte Lugger, so etwas wie die gute Seele des Ganzen.
Maria Luggau liegt unweit der Grenze zwischen Osttirol und Kärnten. Es zählt nur rund 400 Einwohner und ist seit dem Jahre 1513 Wallfahrtsort. Das Ortszentrum wird vom 1536 fertig gestellten Serviten-Kloster mit der Wallfahrtsbasilika beherrscht. Zwischen 1730 und 1788 erhielt das ehemals im gotischen Stil errichtete Haus eine nahezu komplette barocke Umgestaltung. www.lesachtal.com
Eine kulinarische Reise in verführerischer Natur
Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Das gilt auch für die Liebe zu Osttirol und seiner Küche im Besonderen.
Es gibt vielleicht nichts Genussvolleres auf dieser Welt, als nach einer ausgedehnten Wanderung in eine Almwirtschaft auf eine Brett´ljause und ein Bier einzukehren. Ein ordentliches Stück Speck, ein Hauswürstel (eventuell sogar vom Lamm) und Käse - alles natürlich im Ganzen serviert, denn das bedächtige Aufschneiden und das Essen mit den Fingern gehört mit zum Genuss; „Fingerfood“ auf osttirolerisch sozusagen. Den Speck schneidet man in etwa zwei mm dünne Streifen, erst dann entwickelt er sein volles Aroma. Und am besten schmeckt’s mit einem typischen, dunklen Osttiroler Bauernbrot.
Niemand sollte die Region wieder verlassen, ohne einmal Osttiroler Schlipfkrapfen gekostet zu haben, mit Butterschmalz und Schnittlauch serviert, begleitet von einem Glas kalter Milch. Natürlich gehören auch Tiroler Knödel, in Osttirol vorzugsweise in der Suppe serviert, und eine gekochte Hauswurst mit Sauerkraut zum Speiseplan des Erforschers Osttiroler Esskultur.
Höchste Qualität und heimische Produkte
Allen Osttiroler Gastronomen - ob Almwirtschaft oder Haubenlokal - ist eines gemeinsam: sie verwenden nur Produkte von höchster Qualität, zum Großteil aus der heimischen, biologischen Landwirtschaft und aus artgerechter Tierhaltung. In den allermeisten Gaststätten wird typisch regionale Kost serviert. Auch die internationale Küche hat in Osttirol ihren Einzug gehalten. Vor allem die geographische Nähe zu Italien hat in dieser Region einige ausgezeichnete italienische Lokale entstehen lassen.
Für ein erstarktes Selbstbewusstsein in der Gastronomie im gesamten Land Tirol steht die Initiative „Tiroler Wirtshaus“. Sieben Betriebe in Osttirol sind bei dieser Initiative dabei und stellen das Erlebnis Tiroler Gastlichkeit in den Mittelpunkt. Eine Gastlichkeit, die sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt hat und zugleich offen ist für die Ansprüche unserer Zeit. Allen Gaststätten gemeinsam sind die Liebe zur Tiroler Kost, die Frische der verwendeten Produkte aus Landwirtschaft, Gewässern und Wäldern sowie das besondere Augenmerk auf authentische Atmosphäre und Architektur.
Auf zum goldenen Herbst
Kulinarisch liegt das Lesachtal am Schnittpunkt der Kulturkreise Italien, Slowenien und Österreich. Es bringt dadurch viele Kreationen hervor. Jeweils am ersten Wochenende im September findet das Lesachtaler Dorf- und Brotfest statt. Da gibt es die verschiedensten Sorten Brot, gebacken von hiesigen Bäuerinnen. Das Brot ist die Grundlage für eine Morende. Dabei handelt es sich um eine geschmackvolle Jause, die vorzugsweise am Nachmittag oder Abend mit heimischen Produkten wie Speck und Käse angeboten wird. Auch Leberwurst und div. Topfenaufstriche (Quark) aus eigener Herstellung sind dabei.
Der heimatliche Mühlenverein bietet Rezepturen zum selbst Backen an, wie den Luggauer Mühlenkekslan. Man nehme: 125 g Butter, 100 g Zucker oder Honig, ein Ei, 80 g gemahlene Nüsse, 200 g grobes Vollkornmehr (evtl. auch Roggen oder Weizen), einen Teelöffel Backpulver und Zimt nach Belieben. Diese Zutaten werden gut verknetet. Danach den Teig in kleine Kugeln formen, flach drücken und bei 200 Grad Wärme zwölf Minuten backen lassen; guten Appetit.
Ausgezeichnete Gourmettempel in verführerischer Natur
Regionale Osttiroler Küche auf höchstem Niveau gibt es verständlicherweise in den von Gault Millau 2008 ausgezeichneten Osttiroler Haubenlokalen:
Der Gannerhof in Innervillgraten ist berühmt für seine Lammgerichte. Das urige Ambiente des über 300 Jahre alten Bauernhofs, gepaart mit der einmalig regionalen Haubenküche, lässt die verschiedensten Kreationen auf der Zunge zergehen; zwei Hauben; www.gannerhof.at
Eine abwechslungsreiche und vor allem gesunde Ernährung garantiert das Genießer-Parkhotel Tristachersee in Tristach bei Lienz vor allem durch die täglich frischen Fischspeisen von Zander über Hecht bis hin zur Forelle aus den eigenen Quellteichen. Ein großes Weinsortiment bester Herkunft mit den Schwerpunkten Österreich und Italien rundet das anerkannte Gourmetangebot ab; zwei Hauben; www.parkhotel-tristachersee.at
So präsentiert sich das Parkhotel Tristachersee dem anreisenden Gast. Foto: B. Schenke
Exzellente, frische Lebensmittel aus heimischer Aufzucht und naturnahem Anbau werden durch schonendste Garmethoden im Wellnesshotel Jesacherhof in St. Jakob sorgsam zubereitet und respektvoll kredenzt; eine Haube; www.jesacherhof.at
Die kreative Küche des Genießerhotels Rauter in Matrei genügt in ihrer Vielfalt und ihrem Einfallsreichtum auch verwöhnten Ansprüchen. Die Kochkunst reicht von Klassikern wie Kitz, Schöpsernes und Nigelen, bis zum raffinierten Degustationsmenü mit Hummer und Gänseleber, Wildwasserforellen und Dessertvariationen. Hier spürt man die Nähe Italiens und bleibt trotzdem tief verwurzelt im typisch Tirolerischen, eine Haube; www.hotel-rauter.at
Auf hohem Niveau kocht der Küchenchef im Vital-Landhotel Pflege in Anras. in der Speisekarte entdeckt man interessante Einflüsse aus aller Welt. Zwei Welten in einem Haus: Tiroler Wirtshauskultur und mehrfach ausgezeichnete Haubenküche, mit reichlich Regionalbezug und einem Hauch von Italien. Eine Mischung die auf der Zunge zergeht; eine Haube; www.hotel-pfleger.at
Der Strasserwirt in Strassen/Hochpustertal verspricht leichte Tiroler Haubenküche mit viel Liebe und Sensibilität, gekocht von Werner Gander, Küchenchef mit Leib und Seele. Und so mancher Tropfen aus dem Strasserwirt Weinkeller lässt den Besuch in den historischen Stuben zu einem besonderen Erlebnis werden; eine Haube; www.strasserwirt.com.
Mehr Freude am Leben
Am Fuße des Thurntaler (2 408 m) und seiner Bergbahn-Talstation am Ortsein- bzw. -ausgang von Sillian findet der Urlauber das Dolomiten Residenz Sporthotel Sillian****. Seinen Gästen verheißt es „mehr Freude am Leben in den schönsten Zeiten des Jahres - gleich ob Urlaub im Sommer oder im Winter“.
Das erste Wellness-Hotel in Osttirol ist Alpine Wellness geprüft und zertifiziert. Mit dieser Auszeichnung liegt das 4-Sterne 250-Betten-Haus in Österreich, der Schweiz, Bayern und Südtirol mit seinem speziellen Familien-Wellness-Bereich „Schloss Heinfels“ bezüglich Qualität ganz weit vorn.
Das junge, 50 Mitarbeiter umfassende Team um Direktor Ulrich Walder zeigt sich durchweg kompetent, fleißig und überaus freundlich. Es gestaltet den Aufenthalt vom Check in bis zur Abreise zu einem echten Ferienerlebnis. Das bestätigt nicht allein der Stammgästeanteil von 50 Prozent, sondern auch die über´s Jahr mehr als durchschnittliche Auslastung der Kapazitäten in den großräumigen, gemütlich und zweckmäßig eingerichteten Zimmern.
Blick auf das Dolomiten Residenz Sporthotel Sillian **** am Fuße des 2 408 Meter hohen Thurntalers. Foto: B. Schenke
Lange schon hat sich das Haus zu einer äußerst beliebten familien- und kinderfreundlichen Ganzjahres-Destination im Hochpustertal entwickelt. Das zeigt sich insbesondere durch solche spezifischen Einrichtungen und Angebote wie den Kinderklub mit zwölfstündiger fachlicher Betreuung, das Kinderhallenbad, das Babybecken mit Elefantenrutsche und das gesonderte Kinderbuffet im Restaurant. Und während den Erwachsenen im 3 000 qm großen Wellness-Bereich Sauna, verschiedene Arten von Massagen, Sport-, Schönheits-, Wellness-Programme und Kräuterbehandlungen angeboten werden, können sich auch die Kleinen mit Kindermassagen und Kinderaromabädern sowie Kinder-Yoga umsorgen lassen.
Die Latschenkiefer spielt bei fast allen Anwendungen im Haus eine wichtige Rolle. Sie wächst in hochalpinen Regionen, muss extremen Witterungen standhalten und entwickelt so besondere Kräfte. Das Latschenkieferöl beispielsweise wirkt entzündungshemmend, fördert die Durchblutung der Haut, lindert Gelenk- und Gliederschmerzen, hilft bei Muskelkater, Kopfschmerz und rheumatischen Beschwerden. Es eignet sich zudem hervorragend bei Erkältungskrankheiten.
Das einladende Ambiente im Hotel-Innenbereich - Lobby, Hallenbar, Restaurants, einzelne Stuben, Wintergarten und Terrassen - setzt sich im äußeren Umfeld fort. Ein großzügig angelegter Garten mit Pool, Schwimmteich und Liegewiesen gibt den Blick frei auf die umliegende Kulisse der Lienzer Dolomiten. Herz, was willst du mehr?
Das haben die Gäste aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Österreich, mit steigenden Zahlen auch aus Kroatien und Osteuropa längst erkannt. Sie kommen, um zu relaxen, aber auch, um sich in freier Natur des Sommers und des Winters körperlich auf verschiedene Weise zu bewegen und neue Energie zu tanken. www.sporthotel-sillian.at
Anreise
Mit dem Pkw von München kommend über den Grenzübergang Kiefersfelden, die Felbertauernstraße bis Osttirol.
Mit der Bahn von München kommend über Salzburg, Spittal an der Drau nach Lienz.
Mit dem Flugzeug ab Berlin-Tegel, Hamburg, Hannover, Köln-Bonn, Leipzig ohne Zwischenstopp nach Klagenfurth und von dort mit der Bahn über Spittal an der Drau nach Lienz.
Bernd Schenke
Kontakt
Tourismusbüro Hochpustertal
HNr. 10, A-9920 Sillian
Tel. +04842 6666-0, Fax +4842 666615
info@hochpustertal.com; www.hochpustertal.com
Tourismusbüro Osttirol/Ortsinformation Innervillgraten
Innervillgraten 78, A-9932 Innervillgraten
Tel. +04843 5194, Fax +04843 5317-10
innervillgraten@hochpustertal.com; www.innervillgraten.info
Villgrater Heimatpflegeverein e. V.
A-9932 Innervillgraten
Tel. +4843 5194
Wurzerhof
Josef Leiter
Winkeltal 114, A-9931 Außerwillgraten
Tel. +434843 5481
info@wurzerhof.at; www.wurzerhof.at
Verkehrsamt Lesachtal
A-9653 Lesachtal
Tel. +434716 24212
info@lesachtal.com; www.lesachtal.com
Tourismusbüro Obertilliach-Untertilliach
A-9942 Obertilliach
Tel. +434847 5255, Fax +4348 525511
obertilliach@hochpustertal.com; www.obertilliach.com
Dolomiten Residenz Sporthotel Sillian****
Direktor Ulrich Walder
A-9920 Sillian
Tel. +434842 6011-0, Fax +434842 6013
info@sporthotel-sillian.at; www.sporthotel-sillian.at
Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt
Weltkriegsschauplatz Osttirol
Die Gemeinden an der Karnischen Front im östlichen Pustertal
Schon in jüngeren Jahren war Ludwig Wiedemayr, geboren 1934 in Kartitsch, an den Ereignissen des Ersten Weltkrieges in seiner Heimatgemeinde und am Karnischen Kamm interessiert, aber erst im Pensionsalter fand er Zeit für Nachforschungen und Aufzeichnungen, „damit die bitterste Zeit des Tals nicht vergessen wird“, wie er sagte.
Am Beispiel seines Dorfes, das zu einer Drehscheibe des Kriegsgeschehens der Tiroler Front am Karnischen Kamm wurde, zeigt er besonders die Not, das Leid und die Entbehrungen der Bevölkerung in den vom Militär belagerten frontnahen Gemeinden, aber auch den Überlebenskampf der Menschen in den Nachkriegsjahren auf.
Ludwig Wiedemayr - vom Unternehmer zum Schriftsteller. Foto: B. Schenke
Der an Zeitgeschichte interessierte Wiedemayr ist gelernter Schmied. Nach Ablegung der Meisterprüfung als Schmied und Landmaschinentechniker führte er einen Landtechnikbetrieb in Kartitsch, später in Heinfels, bevor er 2003 mit einer Hof-, Betriebs- und Familienchronik erstmals schriftstellerisch in Erscheinung trat. Den Betrieb übergab er seinem Sohn und konzentrierte sich voll auf die Arbeit am vorliegenden Buch. Mehr als 250 Personen befragte er - darunter auch Zeitzeugen. Mit seinen Aufzeichnungen wollte er keinesfalls die in Jahrzehnten abgebauten Feindbilder wieder aufrichten, sondern den Männern an der ehemaligen Gebirgsfront auf eine besondere Weise Dankbarkeit und Respekt zollen. Zugleich soll das Buch auch als Mahnung gelten.
Copyrigth 2007 by Osttiroler Bote Medienunternehmen Ges. m.b.H., A-9900 Lienz; ISBN-Nr. 978-3900773-80-9; 288 Seiten.
Das Buch kostet im Buchhandel Euro.
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