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Hilfe für den Sudan
Sehr geehrte ReiseTravel User,
gern möchte ich über meine Reise in den Sudan, nach Dhafur berichten. Dies ist ein persönlicher Erlebnisbericht über unsere vorgesehene Hilfsaktion. Ich hoffe, ich kann Sie anregen zur Hilfe und Unterstützung. Vielen Dank im Voraus,
Ihre Edeltraut Pohl
In der Ev. Galiläa-Samariter-Kirchengemeinde Berlin treffen sich seit Jahren, Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern. Sie kommen mit ihren Problemen in unsere Kirche und erhoffen Hilfe. Deshalb ist unsere Gemeinde seit 1991 im Verein „Asyl in der Kirche“ integriert. Die meisten Menschen, die zu uns kommen, stammen aus afrikanischen Ländern, vor allem aus allen Teilen des Sudan. Es kommen Christen, Muslime, Animisten. Sie stellten uns ihr Land vor und berichteten über die Probleme des Landes in Form von Vorträgen, Ausstellungen, Konzerten. Wir beschäftigten uns mit den Problemen dieses Landes. Das Hoffen auf Hilfe von Seiten der Sudanesen, war ein Hilferuf. Das verstanden wir allerdings erst richtig, nachdem wir erst vor Ort waren.
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Vor einiger Zeit entstand eine Idee , gemeinsam etwas für dieses Land zu tun. Wir überlegten, was möglich ist. Wir sind allerdings eine kleine Gemeinde, die selbst große finanzielle Probleme hat, eine Gemeinde, die deswegen auch mit anderen Gemeinden fusionierte. Was war also möglich? Eine Idee war, beim Aufbau einer Schule zu helfen.
Das war etwas, wozu wir uns dann entschlossen. Wir mussten viele Veranstaltungen durchführen, Künstler dazu bewegen, Benefizkonzerte für dieses Projekt bei uns durch zuführen.
Ein Antrag für ein Visum konnte dann endlich gestellt werden. Allerdings mussten wir über eineinhalb Jahre warten, bis man uns dieses erteilte. Es war erst möglich, nachdem im vergangenem Jahr ein Friedensvertrag zwischen dem Norden und dem Süden des Landes geschlossen wurde. Im Südsudan wurde am 10. Januar 2006 die „Aweil West-Region Entwickungsinitiative“ ins Leben gerufen. Das Ziel dieses Projekts ist eine nachhaltige Entwicklung dieser Region. Es wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Diese ergab, dass sich eine große Zahl von Jungen und Mädchen durch Diebstahl und anderen kriminellen Praktiken am Leben erhielten. Man muss bedenken, dass durch den lang anhaltenden Krieg mindestens zwei Generationen nichts weiter als Krieg erlebt haben. Junge Menschen wurden zu Kindersoldaten gemacht, die nur das Töten gelernt haben um zu überleben.
Eine Bestandsaufnahme empfahl, unbedingt Schulen zu errichten, damit sich die Lebensweise der Kinder ändert, sie eine Zukunft erhalten.
Wir waren voller Erwartung und es kam der Tag näher, an dem wir unsere Reise antraten. Wir hatten genau alles in Berlin geplant. Telefonisch mit den Südsudanesen abgesprochen. Am 4. April machten wir uns zu Dritt (ich, ein Rechtsanwalt aus Eritrea, ein Sudanese – alle hatten wir die deutsche Staatsangehörigkeit) auf den Weg.
Ja, und dann waren wir in Khartum. Am, Flughafen wurden wir abgeholt von Parlamentariern aus dem Südsuden, von Gouverneuren aus dem Bezirk Bar el Ghazar, aus der Region Aweil. Dort wollten wir hin. Trotz der unbeschreiblichen Armut sollten wir Gastfreundschaft erfahren. Es wurde ein Schaf geschlachtet, was wir nicht verhindern konnten. Frauen begannen zu tanzen. Ich war Ehrengast und durfte mit den Männern essen. Es wurde diskutiert, wir fragten viel nach den Verhältnissen, nach dem Schulsystem, fragten, was sich seit dem Abschluss des Friedensvertrages alles verändert hat. Wir hörten vieles.
In derHauptstadt des Sudan leben etwa sechs bis acht Millionen Menschen. Keiner weiß genau, wie viel es wirklich ist. Es gibt keine Registrierung von Geburten oder Todesfällen. Eine Stadt voller Menschen. Wir erlebten dort Menschen in bitterer Armut und ganz Reiche. Selbst in dieser Stadt gibt es kaum asphaltierte Straßen, keine Bürgersteige, keine Straßenbeleuchtung, keine Müllentsorgung, wie wir sie kennen. Baustellen werden nicht abgesichert. Die Kanalisation ist in manchen Gebieten gerade im Aufbau. Viele Stadtbezirke haben keinen Strom, Wasser gibt es an drei Stunden am Tag. In dem Viertel, in dem wir wohnten, kam das Wasser erst nachts gegen 23.00 Uhr für 3 Stunden. In dieser Stadt leben sehr viele Muslime – aber auch viele Flüchtlinge aus allen Teilen des Landes. Die Versorgung ist dort besser, als auf dem Lande oder gar erst im Süden. Das sollten wir noch erfahren.
Sarah erzählte uns ihre Geschichte : Sarah lebte in einem Dorf im Südsudan. Sie ist eine Dinka. Eines Tages wurde ihr Dorf überfallen von einem anderen Stamm. Das Dorf wurde abgebrannt. Die Männer getötet, das Vieh gestohlen. Sie und ihre kleine einjährige Tochter wurden mitgenommen. Ihr Mann gehörte zu den Toten. Sie wurde an einen Bauern und Rinderzüchter in Dafur verkauft und musste für ihn arbeiten, Wasser holen, den Haushalt führen, die Rinder zur Tränke bringen u.u.u. Wenn sie nicht mehr weiter konnte, wurde sie geschlagen. Lohn bekam sie keinen. Eine Hilfsorganisation aus der Schweiz konnte sie nach 7 Jahren freikaufen. Solche Geschichten hörten wir öfter.
Aus unseren geplanten zwei Tagen in Khartoum wurden sechs Tage. Wir hatten geplant, mit dem Auto bis nach El Obaid zu fahren, von dort mit einem Flugzeug in den Südsudan zu fliegen und dann wieder weiter mit dem Auto bis zu unserem Ziel. Es gab kein Flugzeug, das zu unseren Terminen in den Süden flog und so suchte man nach anderen Möglichkeiten. Schließlich fuhren wir mit einem offenen Toyota in Begleitung eines Generals und eines Soldaten mit Maschinengewehr durch den Sudan. Zuvor waren wir aber bei der Deutschen Botschaft und holten Erkundigungen ein. So begeistert war man dort allerdings nicht über unsere nun geänderte Reiseroute. Weil wir unter militärischem Schutz fuhren, sagte man OK. .
Weil wir den Menschen nicht auferlegen wollten uns zu versorgen, zogen wir in Khartoum bis zur Abreise vorübergehend in ein Hotel. Das war nicht so einfach. Dort waren Soldaten der Afrikanischen Union untergebracht, es war sehr laut. An Schlaf war nicht zu denken. Bei uns hätte ein solches Hotel mit der Ausstattung, der sanitären Einrichtung, der Küche keine Betriebserlaubnis erhalten. Aber wir sollten noch ganz andere Dinge sehen und erleben.
Am 12. April ging es dann endlich los. Wir dachten, wir fahren zu sechst. Aber im Sudan gibt es keine Verkehrswege. Also gibt es immer wieder Menschen, die eine Gelegenheit suchen, um mitgenommen zu werden. So also auch bei uns. Auf der Ladefläche des Autos fuhren manchmal bis zu zehn Personen mit. Die Fahrt war eine sehr staubige Angelegenheit. Es gab nur bis kurz hinter El Obaid eine Asphaltstraße, dann kamen Schotterwege und dann gab es nur noch die Piste durch den Busch. Wir fuhren an der Ostgrenze von Dafur entlang. Pausen machten wir nur kurz, mal 10 oder 15 Minuten um die Beine zu vertreten. Die längste Pause betrug drei Stunden. Schlafen konnte ich auch nicht. Ich war zu aufgewühlt. Es gab unterwegs keine Raststätte, nur vertrocknetes Gras, kein Laub an den Bäumen. Alles war rotbraun, einfach staubig. Die Menschen warteten auf Regen, der in manchen Jahren auch ausbleibt.
An den Straßen gab es keine Tankstellen, dafür eine Stelle, wo jemand mit gefüllten Benzinfässern stand. An solchen Orten befanden sich auch Frauen, die auf ihren Kochern Tee zubereiteten. Gekocht wurde mit Holzkohle. Die Frauen sitzen auf ganz kleinen Hockern. Im Kreis herum stehen ebenfalls Hocker, auf denen man sitzen konnte. Manchmal bekamen wir an solchen Stellen frisch gebackene Fladenbrote. Wasser war eigentlich das Wichtigste, was wir benötigten. Die Temperaturen lagen immerhin zwischen 40 bis 50 Grad. Aber es war eine trockene Hitze, die sogar ich vertragen konnte. Wir hatten uns in Berlin einen Wasserkanister gekauft um immer ausreichend Wasser zu haben. Eine Ärztin, die uns manchmal in unserem Treffpunktcafé besucht, gab uns Tabletten mit, damit wir Bakterien im Wasser abtöten konnten.
Den Eritreaer mussten wir in El Obaid zurück nach Khartoum schicken. Er ist Diabetiker. Bei unseren Vorgesprächen sagte man uns, dass es überall Strom gibt, dass es kein Problem für ihn geben wird, sein Insulin richtig aufzubewahren. Das war ein Irrtum. Um ihn lebendig wieder mit nach Berlin nehmen zu können, musste er zurück.
So reisten wir ohne ihn weiter. Nach über drei Tagen waren wir am Ziel. Zunächst in Aweil, das ist eine Bezirksstadt. Dort gibt es noch eine Schule, die man wieder hergerichtet hat. Auch hier gibt es keinen Strom und auch keine Kanalisation.
Hinter den Verschlägen, hinter der man seine Notdurft verrichten konnte, gab es Öffnungen, die zur Straße führten. So war es für mich kein Wunder, als man uns sagte, dass es in machen Gebieten im Südsudan, und auch in Flüchtlingslagern um Khartoum, Cholera gibt.
In den Flüchtlingslagern um Khartoum herrschen ähnliche Zustände. Wir wohnten für eine ganze Nacht bei einem Gouverneur. Es war wie ein großer Hof, auf dem einige Rundhütten standen. Hier gab es einen Brunnen und wir konnten afrikanisch duschen. Das bedeutete, wir bekamen einen Eimer mit Wasser und konnten hinter einem Verschlag verschwinden. Zunächst machte man sich nass, dann seifte man sich ein und dann hatte man den Eimer mit dem restlichen Wasser, den man sich über den Kopf gießen konnte. Ich bin der Ärztin heute noch sehr dankbar für ihre vielen guten Ratschläge, denn sie empfahl uns auch, ausreichend Feuchttücher für alle Gelegenheiten mitzunehmen.
Bevor wir weiter reisen konnten, mussten wir unbedingt zu dem Ministerpräsidenten, der für dieses Gebiet zuständig ist. Aber afrikanische Zeiten sind immer anders. So hatte man immer den Eindruck, sie haben alle Zeit der Welt. Das Gespräch war für 10 Uhr festgelegt ab er es wurde dann 12 Uhr. Mich nervten diese Zeitverzögerungen manchmal sehr. Garang, mein Begleiter war die Ruhe selbst.
Der Ministerpräsident sagte uns, dass er erst seit vier Monaten im Amt ist, sich erst einmal eine Übersicht verschaffen musste. Das vereinbarte Geld aus der Erdölförderung bisher aus Khartoum nicht regelmäßig und auch nicht in vereinbarter Höhe eingeht. Die Menschen nach wie vor Hunger leiden. Er freut sich, dass wir hier sind und er freut sich, dass wir beim Aufbau einer Schule helfen wollen. Damit wurden wir entlassen und nun sollte es dann auch bald weiter gehen. Wir sollten nun endlich den Ort sehen, wo diese Schule stehen soll. Aber zunächst wurde wieder erst einmal ein Schaf geschlachtet. Ich weiß nicht, wo dieses her kam, denn gesehen haben wir keine. Es hatte sich in Windeseile herumgesprochen, dass Besucher aus Deutschland da sind. Es kamen viele Menschen und wir bekamen vom zubereiteten Schaf nichts zu sehen.
Hier in dem Ort sollte ich bei einer Hilfsorganisation übernachten, Garang wollte zu Verwandten gehen, die er seit 1983 nicht mehr gesehen hatte. Diese Hilfsorganisation IRC hilft beim Bohren von Brunnen, unterstützt Frauen mit Kindern, wo es keine Männer mehr gibt. Sie arbeiten mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen, die zurzeit eine Impfaktion gegen Polio durchführt.
Hier hatte ich eine richtige Dusche und konnte sie ausgiebig genießen. Strom bekamen diese hier durch Solarenergie und ich konnte meine Videokamera aufladen. Es gab eine kleine Anlage dafür. Das Essen war gut. Nach Tagen genoss ich Tomaten und Obst. Alles Dinge, die die Bevölkerung nicht hat. Am Morgen kam Garang zu uns zum Frühstück. Er hat seinen Bruder gefunden. Er lag in seiner Hütte auf einer Matte. Das einzige, was er ihm sagte war, dass er Hunger hat. Das tat ihm sehr weh. Garang hatte sehr mit diesen Problemen zu kämpfen. Er kam nach so vielen Jahren zum ersten Mal in das Land, in das Gebiet, aus dem er kam. Alle wollten ihm seine Geschichte erzählen und erhofften von ihm Hilfe, erwarteten, dass er alle seine Probleme löst.
Es gab wieder eine Runde mit den Verantwortlichen und wir hörten wieder von den Problemen. Irgendwann am Vormittag bekamen wir ein weiteres Auto geschickt, damit wir alle in das Gebiet, wo die Schule gebaut werden soll, fahren konnten.
Es gibt dort kein Dorf mehr - es waren nur noch Reste davon zu sehen, keine Straßen, kein Brunnen, kein Strom. Von der alten Schule stand auch nur ein kleiner Rest. Aber es ist ein guter Ort. Man hat eine gute Stelle gewählt für eine Schule. Es stehen alte Bäume da, die auch alle stehen bleiben sollen und es gibt einen Fluss. Der Loll ist zurzeit an den meisten Stellen ohne Wasser, aber hier gab es noch welches. Es war wohl sonst an dieser Stelle sehr tief. Diesen Fluss haben wir mehrmals auf unserer Herfahrt an trockenen Stellen durchquert.
Wir wurden von etlichen Menschen erwartet, die sich um das Projekt kümmern. So erfuhren wir, dass es bereits 50.000 Steine gibt. Sie warten darauf verbaut zu werden. Die Steine wurden mit der Hand geformt, dann getrocknet und schließlich gebrannt. Für uns war diese Tatsache eine frohe Botschaft. Sahen wir doch, dass die Menschen wirklich gewillt sind, das Land wieder aufzubauen – trotz ihrer vielen Probleme. Mich haben die Probleme, die die Menschen haben, fast erdrückt. Immer wieder habe ich überlegt, was ist eigentlich das Wichtigste, sind es Straßen, ist es Wasser, ist es Strom.
Aber diese Menschen entschlossen sich für den Bau der Schule. Sie wollen die jungen Menschen einbeziehen in den Bau, damit es ihre Schule wird, damit die jungen Menschen eine Zukunft haben, eine Perspektive. Es fehlt hier eigentlich an allem, für uns immer wieder unfassbar. Aber die Menschen haben den Mut.
Es fiel uns schwer, von diesem Ort fort zu gehen. Lassen wir doch Menschen zurück, die Schweres erlebt haben, die trotz allem voller Hoffnung sind.
Wir fuhren zurück zu dem Lager der Hilfsorganisation und übergaben einem Lehrer, der sich um den Bau der Schule kümmern wird, einige Bälle, Federballspiele, Stifte, Farben, T-Shirts für Kinder usw.
Wir saßen noch einmal zusammen, besprachen unser weiteres Vorgehen. Es wird ein Konto eingerichtet, auf das wir Geld überweisen können. Sie werden über die Finanzen genau Buch führen. Über die Finanzen werden 3 Leute wachen. Es sind alles Leute, die ein eigenes Einkommen haben, die auch von Buchführung eine Ahnung haben. Auch wird es eine Kommission geben, die den Bau der Schule plant und überwacht. Man wird mit einer Klasse anfangen. Bereits jetzt schon, notfalls mit dem Unterricht unter einem Baum beginnen. Not macht erfinderisch.
Noch eine Nacht blieben wir dort und dann mussten wir die Heimreise antreten. In Aweil machten wir noch einmal Station. Auch dort erwartete man uns und wollte wissen, was wir zu allem sagen. Auch hier erlebten wir die Menschen wieder voller Elan, voller Hoffnung. Wir waren noch immer bedrückt von der unbeschreiblichen Not, der wir immer wieder begegneten. Mich beschlich eine Hoffnungslosigkeit für diese Menschen. Wo können, sollten sie anfangen, woher nehmen sie den Mut? Aber sie hatten den Kopf voller Ideen und Pläne.
Wir haben unterwegs die Menschen befragt. So sind die Familienverhältnisse ein riesengroßes Problem. Etwas, was für uns neu war, war, dass gerade im Südsudan die Männer viele Frauen haben dürfen, auch die Christen. So lernten wir Männer mit 10 Frauen kennen. Die meisten Frauen hatte ein Gouverneur. Es waren 17. Die Frauen wollen dies alles in den nächsten 2 Jahren ändern. Junge Mädchen, die wir befragten, wollen auch nicht mehr den Mann mit mehreren Frauen teilen. Ob das aber auch die Männer wollen? Wir sprachen mit einer Gruppe von Parlamentarierinnen, die wir in Aweil trafen. Sie sind gewillt, all diese Probleme anzugehen. Mut macht, dass in dem neuen Parlament des Gebietes von 60 Personen, bereits 13 Frauen sind. Werden sie sich durchsetzen können?
Das Land ist im Aufbruch. Es wird sich in nächster Zeit viel verändern. Wir wünschen diesem Land, dass der Frieden zwischen dem Norden und dem Süden Bestand hat, dass Frieden auch in der Region Dafur endlich kommen möge, dass im Osten des Landes die Unruhen beseitigt werden. Dazu bedarf es der Mahnung und Hilfe der ganzen Weltgemeinschaft.
In Khartoum angekommen, übernachtete ich bei einer Nubafamilie. Ich war dankbar dafür, dass ich in viele Häuser hereinschauen konnte, in einem Land unterschiedliche Kulturen erleben durfte. Dafür hatte unser 3. Begleiter gesorgt, den wir in El Obaid nach Khartoum zurück schicken mussten.
Unsere Rückreise traten wir dann zu zweit an. Garang, der Südsudanese wollte noch länger bleiben. Er konnte sich noch nicht trennen.
Es gibt noch viel zu berichten, der ausführliche Bericht hat immerhin 20 Seiten. Erwähnen sollte ich vielleicht noch, dass ich mir in Khartoum gleich am 2. Tag einen Fuß gebrochen hatte, dieses aber nicht erkannt wurde. Die medizinische Versorgung ist eben auch nicht das, was man sich so vorstellt. Ein Beispiel: Wir trafen im Süden einen Mann, den man uns als Arzt vorstellte. Herausgestellt hat sich, dass er als Krankenpfleger in einem Buschkrankenhaus gearbeitet hat, sich dort vieles abgesehen hat und heute notdürftig sogar Operationen durchführt. Die Not macht eben auch solches möglich.
Auffällig war für uns auch, dass wir sehr oft von Militär kontrolliert wurden. Der General hat das aber immer galant gelöst. So hatten wir nur zweimal dadurch einen längeren Aufenthalt. Wir hatten im Süden mit 3 Armeen zu tun - eine der Regierung aus dem Norden, der SPLA (Armee der ehem. Rebellenbewegung) und einer gemeinsame Armee. Alle kontrollieren und vor allem sich gegenseitig. Das war mein Eindruck.
Wieder in Berlin angekommen, viel uns das Eingewöhnen ziemlich schwer. Die Reise war sehr anstrengend und das Gesehene müssen wir alle verarbeiten. Und das wird seine Zeit brauchen.
Sehr geehrte ReiseTravel User,
ich hoffe, ich konnte Ihnen den Sudan und Dhafur etwas näher bringen. Ich würde mich freuen, wenn Sie eine Anregung zu einer kleinen Spende erhalten haben.
Vielen Dank,
Ihre Edeltraut Pohl
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| Kontakt |
Spendenkonto: 512 7412 80 - BLZ 100 602 37 - Ev. Darlehnsgenossenschaft
Kontoinhaber: KVA Berlin-Stadtmitte (KVA = Kirchliches Verwaltungsamt)
Verwendungszweck: Galiläa-Samariter-Kirchengemeinde-Ausländerarbeit - Sudan
www.samariterkirche-berlin.de
CARE - ein Paket mit Zukunft - Ihre Spende kommt an!
Konto 4 40 40, Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 50 198
www.care.de - www.60-jahre-care-paket.de
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| NEWS |
Statement des Vorstandsvorsitzenden von CARE Deutschland,
Staatssekretär a.D. Heribert Scharrenbroich :
Nach dem Human Development Report rangierte der Sudan auf der Armutsskala im Jahr 2004 auf Platz 167 von 177 Ländern. Heute liegt es auf Platz 171 und ist somit das 7.ärmste Land der Erde. Die Regierungsgewalt zur Durchsetzung von Gesetzen begrenzt sich weitgehend auf den Bereich um die Hauptstadt.
Die Flüchtlingsbewegung aus Darfur begann 2004. Inzwischen leben im Osten des Tschads ca. 230.000 Flüchtlinge aus Darfur. Diese Zahlen sind in den letzten Monaten stabil geblieben. Die Flüchtlinge werden ausschließlich von der Internationalen Gemeinschaft versorgt. Das gilt auch für die ca. 172.000 Intern Vertriebenen (IDP). Deren Zahl hat sich seit dem vergangenen Dezember verfünffacht. Hinzu kommen ca. 42.000 Flüchtlinge im Süden des Tschad aus der Zentralfrikanischen Republik.
Die Vertreibungen in den Ostregionen sind nach Auffassung von Entwicklungsexperten weniger auf oppositionelle tschadische Rebellen als vielmehr auf marodierende Banden (einschließlich sog. Janjaweeds), ethnische Konflikte und Kämpfe um Wasser zurückzuführen. All dies findet in einem nahezu rechtsfreien Raum statt, nachdem die Regierung ihre Truppen an die Grenze zum Darfur verlegt hat.
Um den wachsenden Spannungen zwischen den Menschen in den Lagern und den benachbarten Ortschaften zu begegnen, kümmert sich die Internationale Gemeinschaft, so auch CARE, zunehmend auch um die Menschen außerhalb der Lager.
Bis zum Beginn des Jahres hatte sich die Internationale Gemeinschaft überwiegend auf Hilfen für die Darfur-Flüchtlinge konzentriert, wodurch die Lage in den Vertriebenen-Lagern entsprechend viel armseliger ist, zumal die Verfünffachung der Vertriebenenzahl seit Jahresbeginn unerwartet kam. Eine weitere Zunahme der Vertriebenen nach der Regenzeit wird angenommen, falls die Sicherheitslage in den betroffenen Kantonen nicht verbessert wird.
In der von Juli bis Ende September normaler Weise herrschenden Regenzeit finden kaum Kämpfe zwischen Regierungs- und Rebellentruppen statt. Allerdings ist auch die Versorgung der Vertriebenen wegen der teilweise hohen Wasserstände in den Wadis sehr erschwert.
CARE ist zuständig für die Versorgung von 52.000 Flüchtlingen in den drei Lagern nördlich von Abéché und 21.000 Vertriebene südöstlich von Abéché. CARE Deutschland hat diese Arbeit mit 2,5 Millionen EURO mit Hilfe der Bundesregierung und aus Eigenmitteln unterstützt. Außerdem betreut CARE-Tschad 32.000 Flüchtlinge aus der Zentral Afrikanischen Republik.
Während meines Aufenthaltes habe ich Gespräche in der Hauptstadt N´Djamena, der Regionalhauptstadt Abéché ( im Osten ) sowie in der weiter nordöstlich gelegenen Präfektur von Iriba und den beiden dort gelegenen Flüchtlingslagern Iridimi und Touloum geführt. Die geplante Reise in Vertriebenenlager musste wegen Überflutung von zwei Wadis abgebrochen werden.
Damit Flüchtlinge und Vertriebene in ihre angestammten Gebiete zurückkehren können, muss die Sicherheitslage dort entscheidende Fortschritte machen und ein Befriedungsprozess innerhalb der sich befehdenden Gruppierung gefördert werden. Die Verbesserung der Sicherheit ist auch Voraussetzung, dass die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen den Wiederaufbau der Dörfer unterstützen können.
In diesem Zusammenhang misst CARE der geplanten Stationierung einer EU-Truppe mit UN-Mandat sowie dem geplanten UN/tschadischen Polizeieinsatz große Bedeutung bei. Umso mehr bedauere ich, dass die Bundesregierung diese Maßnahmen bisher nicht unterstützen will und dadurch auch kaum Einfluss auf Ausgestaltung des Mandates sowie die Befehlsstruktur der Truppe nehmen kann.
Nach Auffassung von UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen in der Hauptstadt und den östlichen Regionen Wadai und Wadi Fira besteht Anlass zu der Befürchtung, dass
• das Mandat der Truppe unzureichend ist,
• die Neutralität der Truppe zwischen Regierungstruppen und Rebellen nicht gesichert ist und
• der Einsatz von Militär und Polizei nicht rechtzeitig erfolgt.
Wenn eine der drei Problempunkte nicht zufrieden stellend gelöst wird, ist zu befürchten, dass die humanitäre Lage mit dieser Truppe eher verschlimmert als verbessert wird.
Zum Mandat: Die Truppe braucht ein robustes Mandat. Auch wenn sie nicht die Aufgabe haben soll, die Grenze zwischen Tschad und Sudan zu sichern, muss sie dennoch völlige Bewegungsfreiheit auch in der Grenzregion haben, um dort Sicherheit herzustellen. Nur unter diesen Voraussetzungen werden die Vertriebenen in ihre dort gelegene Heimat zurückkehren. Nur dann können die Hilfswerke auch in den bisher gefährdeten Gebieten, aus denen die Vertriebenen kommen, die Rückkehr tatkräftig begleiten. Präsident Déby lehnt aber eine Anwesenheit der Truppe in grenznahen Regionen bisher ab. Diese Beschneidung des Mandates gefährdet eine wichtige Zielsetzung der Mission.
Zur Neutralität: Bei den nach Beendigung der Regenzeit zu erwartenden erneuten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen sollte die EU-Truppe auf keinen Fall Partei ergreifen. Sonst - so befürchten meine Gesprächspartner vor Ort - würde sie permanent von den Rebellen angegriffen. Dann kann man eine Gefährdung der europäischen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen oder der EU nicht mehr ausschließen.
Frankreich spielt bei dieser Einschätzung eine besondere Rolle. Da Frankreich einerseits als Unterstützer von Präsident Déby angesehen wird, andererseits die Hälfte des Truppenkontingentes französisch sein dürfte, und wenn - wie man hört - das Truppenkommando auch noch von Frankreich dominiert sein sollte, ist dies ein besonders neuralgischer Punkt der Mission.
Zum Stationierungszeitpunkt der EU-Truppe: Ob die Truppen - wie ursprünglich geplant - bereits nach Ende der Regenzeit in ausreichender Stärke und mit einem ausreichenden Mandat vor Ort sein werden, wird weitgehend bezweifelt. Man befürchtet, dass das militärische Vakuum zu einem Wiederaufflammen der Kampfhandlungen verführt.
Zur Aufstellung der Polizeitruppe unter UN-Kontrolle: Man geht davon aus, dass die von der UN zu schulende Polizei (800 plus 300 UN-Polizisten) ohne militärischen Schutz außerhalb der Lager nicht großflächig arbeiten kann. Innerhalb der Flüchtlings- wie Vertriebenenlager wird sie nach Auffassung der für die Lager zuständigen Organisationen nicht benötigt – entgegen weit verbreiteter und wiederholt vorgetragener Behauptungen.
Der geplanten Polizei-Verstärkung wird aber große Bedeutung bei der Herstellung von Rechtsstaatlichkeit, dem Aufbau eines rechtsstaatlichen Gerichtswesens und sogar der ebenfalls wünschenswerten Wiedereinführung der traditionellen Autoritäten beigemessen.
Der Wiederherstellung der traditionellen Autoritäten in den Kantonen (Dorfälteste, Sultane) kommt besondere Bedeutung zu. Mit Zerstörung dieser Strukturen wurde auch ein früher funktionierendes Schlichtungswesen bei Auseinandersetzungen um Grund und Wasser beseitigt. Diese Strukturen müssen zwar von den Einheimischen selber wieder aufgebaut werden, die Internationale Gemeinschaft und die Hilfswerke sollten dabei helfen, dass die Voraussetzungen dafür wieder geschaffen werden. CARE wird sich in diesem Sinne engagieren.
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