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Sousse

Urlaub in Sousse

Sousse ist neben Monastir, Hammamet  und Djerba eine der interessantesten Städte für Besucher aus aller Welt in Tunesien: Sie ist die viertgrößte Stadt des Landes und ist das Industriezentrum der Sahelzone mit einem großen Handels- und Fischereihafen. Hier werden neben dem wichtigsten Exportgut Olivenöl auch Salz aus den Salinen, Datteln, Phosphate, Zellulose, Papier und andere Produkte verschifft. Eine große Einnahmequelle ist aber der Tourismus. Die Lage der Stadt am Mittelmeer und der feine Sand am Strand sind die Anziehungspunkte für die Touristen. Doch nicht alle Gäste ziehen es vor, den ganzen Tag faul am Strand zu liegen und sich bräunen zu lassen. Sousse bietet mehr. Die Medina (Altstadt) von  Sousse wurde im 9. Jahrhundert erbaut und ist von einer 2,25 Kilometer langen Stadtmauer umgeben. Seit 1988 gehört die Medina zum Weltkulturerbe der UNESCO. Am Eingang zur Altstadt befindet sich der Ribat, eine Festung, die 821 angelegt wurde, jedoch nach Errichtung der Stadtmauer im Jahre 859 ihre Bedeutung verlor. In den kleinen verwinkelten Gassen befinden sich neben den meist zweigeschossigen Wohnhäusern zahlreiche Geschäfte, wo man die Erzeugnisse des Landes erstehen kann. Gewürze und Lederartikel aller Art sind die begehrtesten Souvenirs. Allerdings gibt es keine festen Preise, sondern es muss gehandelt werden. Wenn der Preis dann nur noch die Hälfte des ursprünglichen beträgt, hat man ein gutes Geschäft gemacht. Alle Araber müssen handeln, sonst haben sie keine Freude an dem Geschäft. In der Altstadt liegt auch Dar Essid (Haus des Herrn Essid) als Museum, das besichtigt werden kann. Es ist die frühere Wohnung eines Patriziers von Sousse. An den geräumigen mit Wandfliesen belegten Innenhof grenzen drei Wohnzimmer, deren Wände reich geschmückt und die mit kostbaren Möbeln ausgestattet sind. Innerhalb der Altstadt ist auch der Markt zu finden, wo die Hausfrauen von Sousse ihren täglichen Bedarf an Fleisch, Obst und Gemüse kaufen. Das geschieht meistens, bevor die Touristen überhaupt aus ihren Betten kommen, vermutlich auch deshalb, um der Hitze des Tages zu entgehen. Die Temperaturen in Tunesien sind nicht immer so erträglich wie im Frühjahr und Herbst, wo sie um 30 Grad Celsius schwanken; im Sommer können sie schon um 40 bis 50 Grad liegen. Seine Blütezeit hatte Sousse im 2. Jahrhundert unter römischer Herrschaft. Allerdings sind nur wenige antike Baureste erhalten, zu denen auch die 5 km langen Katakomben gehören, die besichtigt werden können. Jeden Sonntag findet von 8.00 bis 14.00 Uhr der „Kamelmarkt“ statt, auf dem man alles kaufen kann was man zum Leben braucht, nur keine Kamele. Dieser Markt ist hauptsächlich für die Menschen aus Sousse und Umgebung gedacht, die während der Woche keine Zeit haben, einzukaufen, weil sie arbeiten müssen. Aber die Touristen lieben diesen Markt. Ungewöhnlich ist die kleine katholische Kirche St. Felix in der Nähe der Hotelanlagen von Sousse, in der täglich vormittags ein Gottesdienst stattfindet, der von einem französischen Priester in französischer Sprache abgehalten wird. Praktischerweise wohnt der Priester gleich neben der Kirche, die vorwiegend von polnischem Gläubigen besucht wird, die in Sousse ihre Ferien verbringen. Daneben gibt es eine jüdische Synagoge sowie zahlreiche Moscheen. Obwohl die Touristenhotels am Strand gelegen sind, kann man ab 4.00 Uhr morgens den Ruf des Muezzins hören, der alle vier Stunden fünfmal zum Gebet ruft. Von Sousse aus kann man mit einer halbstündigen Eisenbahnfahrt  Monastir erreichen, wo in unmittelbarer Nähe vom Hafen das prachtvolle Mausoleum von Habib Bourguiba schon zu seinen Lebzeiten erbaut wurde. Bourguiba wurde nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1956 zum Staatspräsidenten gewählt, das er bis 1987 ausübte. Nach über 70 Jahren als französisches Protektorat führte er in Tunesien viele Reformen nach europäischem Muster durch: Bodenreformen, Einführung der Schulpflicht, Abschaffung der nach dem Koran erlaubten Polygamie, Gleichstellung der Frau sowie neue Arbeits- und Sozialgesetze. Damit machte er Tunesien im Laufe der Jahrzehnte zu einem der liberalsten Staaten in der arabischen Welt. Trotzdem gibt es immer noch 14,2 Prozent Analphabeten in Tunesien und die  derzeitige Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 20 Prozent. Bourguiba starb im April 2000. Ende 1987 wurde Zin El Abdine Ben Ali Tunesiens neuer Staatspräsident und ist es auch heute noch. Sousse hat auch einen zweiten Bahnhof, von dem die Züge zwölfmal am Tage nach Tunis, der Hauptstadt von Tunesien, fahren. Mit dem „Happy Noddy Train“, auch Bimmelbahn genannt, kann man den in der Nähe von Sousse gelegenen Port Kantaoui besuchen; ein Yachthafen, der 1979 aus dem Nichts erbaut wurde und den inzwischen zahlreiche Hotelbauten säumen. Auf dem zentralen Platz gibt es zahlreiche Geschäfte, die traditionelle Waren zu Festpreisen anbieten. Port Kantaoui ist der einzige Ort, wo nicht gehandelt wird. Die tunesische Küche ist geprägt von den wechselnden Einflüssen der verschiedenen Invasoren. Von den Berbern wurden beispielsweise Couscous und Tajines (verschiedenartige Aufläufe) übernommen. Die Araber brachten ihre Gewürze, die Andalusier Oliven, Olivenöl, Nüsse und Früchte. Von den Türken kommen die klebrigen  honigtriefenden Süßigkeiten. Und dann hatte auch noch die französische Küche großen Einfluss. Eine tunesische Spezialität ist Harissa, eine scharfe rote Paste aus Pfefferschoten, sowie Brik als Vorspeise, eine dünne Blätterteigtasche, die mit einer Mischung aus Ei und Fisch oder Kartoffeln gefüllt und in heißem Öl gebacken wird. Dazu kann man einen roten Magon oder Mornag (auch in Rosé) trinken. Erstklassige Spitzenweine sind die Rotweine Sidi Saad und Vieux Magot. Der Weinanbau wurde von den Römern im Umland von Karthago eingeführt, dass 840 gegründet wurde. Inzwischen ist Karthago ein Vorort von Tunis, in dessen Nähe sich große Weingärten befinden. Allerdings sind die tunesischen Männer sehr zurückhaltend beim Weingenuss, da der Koran das Trinken von Alkohol verbietet. Natürlich gilt dieses Verbot für die westlichen Touristen aus aller Welt nicht.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.

 

Edelgard Richter berichtet aktuell

 

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