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Deutschlands Erste Bergwanderschule macht Urlauber fit für Erlebnistouren
Im oberbayerichen „Kaiser-Reich“, der Ferienregion Oberaudorf/Kiefersfelden, gibt es jetzt Deutschlands erste Bergwanderschule. Hier lernen Urlauber Schritt für Schritt, wie sie erlebnisreiche Touren selbst organisieren und unversehrt wieder heimkehren.
Mit der Bergwanderschule unterwegs: Walter Fischer (links) mit einer Gruppe über den Wolken Foto: Kaiser-Reich
Brauchen Menschen mit zwei gesunden Füßen und ausreichend Puste für einen Aufstieg wirklich Nachhilfestunden im Gebirgswandern? Sie brauchen, behaupten die Initiatoren von Deutschlands erster Bergwanderschule. Denn ohne die richtige Technik und Ausrüstung kommt man nicht sicher zum Gipfel und zurück, zu spektakulären Aussichtspunkten oder dorthin wo Almrausch und Enzian blühen. „Es gibt leider immer noch viel zu viele, die unzureichend ausgerüstet sind, ihren Rucksack falsch packen, Karten für überflüssig halten und nicht aufs Wetter achten“, beklagt der Hans Schmid (44), einer von acht ausgebildeten Bergwanderführern im Team.
Dass dies schlimme Folgen haben kann, belegen die Unfallstatistiken des Deutschen Alpenvereins (DAV). Bergwanderer liegen hier mit rund 30 Prozent an der Spitze – gleichauf mit Skifahrern, die allgemein als viel gefährdeter eingestuft werden. Die Ursachen sind oft banal: umknicken, stolpern, ausrutschen. Ein gefährliches Phänomen als Folge von Verletzungen, Wettersturz, Erschöpfung und Wegverlust sind oft Panik und „Blockade“. Alfons Blüml von der Bergwacht Oberaudorf: „Dann sind die Betroffenen oft nicht mehr in der Lage, sich aus der Notlage zu befreien oder Hilfe zu rufen.“
Auch die Auswahl und das richtige Schnüren der Bergwanderschuhe will gelernt sein Foto: Kaiser-Reich/Budde
Zu denen, die den Bergwander-„Schülern“ zeigen wollen, wie man derartigen Gefahren und Fehleinschätzungen aus dem Wege geht und wie man Bergwanderungen mit Familie oder Freunden so plant, dass alle unversehrt, erholt, und voller schöner Erinnerungen heimkehren, gehört auch Walter Fischer (56). „Unser Unterrichtsraum ist die Natur, im Vordergrund steht die Praxis“, verspricht er, „als Lohn winken neben unvergesslichen Eindrücken auch ein Zugewinn von Fitness und Wohlergehen.“ Voraussetzung dafür allerdings seien Kenntnis über Tourenplanung, richtiges Gehen, Kartenlesen oder Wetterkunde. Rainer Zuchtriegel (65): „Nur wenn man das vorher trainiert hat, sind der Blick und der Kopf frei für die Schönheit der Landschaft und die wirklichen Bergerlebnisse.“
Vor der beeindruckenden Kulisse des „Wilden-“ und des „Zahmen Kaiser“, zwischen Inntal (ca. 500 m), Brünnstein (1619 m), Hocheck (860 m) und Wendelstein (1838 m) gibt es alle Geländeformationen und Wegeprofile, denen Bergwanderer in den Alpen begegnen – wo auch immer sie unterwegs sind. Bergwanderführer Erich Weißsteiner (43): „Glatte Feldwege, flache Almen, aufgeweichte Wiesen, glitschige Steine, schmale Gebirgsbach-Stege, Geröll oder Fels bieten ideale Übungsmöglichkeiten für Anfänger und Fortgeschrittene.“
Bergwanderer brauchen keine „alpintechnischen Hilfsmittel“ wie Seile, Haken oder Gurte. Sie dringen nicht zu den Klettersteigen vor und überschreiten selten die Baumgrenze. Und dennoch ist es eben doch etwas anderes als Wandern im Mittelgebirge, weiß Ingrid Hartl (39), wie alle anderen ausgebildeten Berg- und Bergwanderführer im Team schon seit Kindesbeinen und auch in der Freizeit in den Alpen unterwegs: „Die völlig andere Geländestruktur stellt höhere Anforderungen. Und wenn der Wanderer etwa im Sauerland erschöpft ist, ist es meist nicht weit zur nächsten Straße, wo man als Anhalter weiterkommt. Das geht bei uns nicht.“
Bergauf mit Hans Schmid – wichtig sind richtige Gehtechnik und Stockeinsatz Foto: Kaiser-Reich/Budde
Eine der wichtigsten Voraussetzungen beim Bergwandern: Kleidung, Schuhe, Stöcke und Rucksack müssen den individuellen Bedürfnissen angepasst sein. Denn die richtige Ausrüstung garantiert nicht nur, dass es dem Bergwanderer unterwegs wohl ergeht, sie ist auch unerlässlich für seine Sicherheit. Wenn Markus Hartmann (60) zeigt, wie man einen Rucksack packt, dann ist so mancher Freizeitwanderer verwundert. Warum Handschuhe und Mütze, auch wenn im Tal ein lauwarmes Lüftchen weht? Hartmann: „Alle 100 Höhenmeter sinkt die Temperatur um 0,6 Grad. Da kann es unterwegs ganz schön kalt werden.“ Warum Taschenlampe und Trillerpfeife? Damit man auch im Handy-Funkloch ein Notsignal geben kann. Was sonst noch wichtig ist, zeigt der Ausrüstungscheck der Bergwanderschule im Internet.
Immer wieder verlaufen sich Bergwanderer, verlieren vor allem bei plötzlichem Nebel oder Gewitter die Orientierung. Erich Weißsteiner (43): „Kenntnisse in Kartenlesen und Wegebeschilderung helfen nicht nur, das Ziel ohne Umwege zu erreichen. Sie können auch überlebenswichtig sein. Wie soll man sonst im Notfall der Bergrettung mitteilen, wo man steckt?“
Die ausgebildeten Bergwanderführer – einige haben zusätzliche Qualifikationen etwa als Ausbilder bei Kletterertouren oder als Nordic-Walking-Trainer – sind mit kleinen Gruppen (5 bis 10 Personen) unterwegs. Diese werden möglichst homogen nach dem Leistungsvermögen der Teilnehmer zusammengesetzt. Die Lehrer verstehen nicht nur Spaß, sie tun auch alles, damit die „Gaudi“ nicht zu kurz kommt.
Drei verschiedene Tageskurse bietet die Bergwanderschule Kaiser-Reich an. Die Themen sind „Routen-Planung“, „Geh-Technik“, „Tour-Taktik“. Sie können einzeln in beliebiger Reihenfolge oder in einem Block von Freitag bis Sonntag auch als Pauschalangebot mit Unterkunft gebucht werden. Teilnahmegebühr je Kurs 28 € (ohne Kaiser-Reich-Gästekarte 30 €). Außerdem gibt es einen „Schnupperkurs“ im Rahmen einer geführten Wanderung (Die Teilnahmegebühr von 5 € / 8 € wird bei Buchung eines Hauptkurses angerechnet). Bis Oktober sind zunächst zehn Wochenendtermine sowie sieben „Schnupperkurse“ am Mittwoch angesetzt. Das Angebot wird bei größerer Nachfrage erweitert. Für geschlossene Gruppen ab fünf Personen werden individuelle Termine organisiert.
Kontakt
Kaiser-Reich-Informationen in Kiefersfelden und Oberaudorf
Tel. 08033/97 65 27 bzw. 301 20) info@kaiser-reich.com
Ein Beitrag für ReiseTravel von Hans-Dieter Budde.
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