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Pilgerwege im Sankt Wendeler Land

Pilgerwege im Sankt Wendeler Land

Unter dem Motto „Momente zum Innehalten “ hat die Tourist-Information Sankt Wendeler Land historische Pfade neu belebt und damit die Jahrhunderte alten Pilgerstätten St. Wendel, Tholey und Marpingen miteinander in Verbindung gebracht. Die Pilgerwege verknüpfen in idealer Weise Wandern und Besinnen nach dem Vorbild des hl. Wendelinus.
Das Wegekonzept umfasst vier Wege: den eigentlichen Wendelinus-Pilgerweg (15 km), der von St. Wendel nach Tholey führt. An diesen Hauptweg schließen sich drei Rundwege an, benannt nach den Schutzheiligen: der Wendelinus-Rundweg um St. Wendel (8 km), der Marien-Rundweg um Marpingen (10,5 km) und der Mauritius-Rundweg um Tholey (8 km). Die Wege sind alle ausgeschildert mit dem Pilgerstab-Symbol in verschiedenen Farben.
An allen Wegen wurden Besinnungstafeln aufgestellt mit Texten, die das Thema „Weg“ zum Inhalt haben. Sie sollen die Menschen anregen, sich Zeit zu nehmen, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Vielleicht findet der Ein oder Andere eine kleine Lebenshilfe in den Sprüchen: Mut, Trost oder die Stärkung der Seele.
„Wege gehen, die vor der Stille bestehen, Dinge handhaben, als wären sie nur geliehen, Worte sagen, als wäre man nur noch eine Weile da“ ist ein Beispiel von insgesamt 41 Tafeln, die entlang der Pilgerwege aufgestellt sind.
Wo könnte diese Besinnung ausgeprägter stattfinden als in der Natur? So spielte die Landschaft eine große Rolle bei der Auswahl der Standorte: Herrliche Aussichten, wie z.B. vom Missionshaus in St. Wendel, kleine beschauliche Orte, wie z.B. das Bacheltälchen bei Bergweiler oder historische Stätten, wie z.B. die Härtelwaldkapelle in Marpingen laden zum Innehalten ein. An allen Standorten befinden sich Ruhebänke, die an markanten Eckpunkten durch Natursteine ergänzt wurden. Durch ihre Symbolkraft erhalten die Texte einen ganz besonderen Ausdruck. Wandertafeln an zentralen Punkten mit Wegbeschreibungen und Erläuterungen vermitteln einen Überblick über den Verlauf der Pilgerwege, wichtige Anschlusswege, Rastplätze und Sehenswürdigkeiten. Anregung zu dieser Initiative lieferte der Schutzheilige der Region, der hl. Wendelinus, der im 6. Jahrhundert im Sankt Wendeler Land lebte. Der Heilige gehörte der iro-schottischen Mönchsbewegung an und setzte sich für die Verbreitung des christlichen Glaubens in der Region ein.
Der Legende nach war er als Königssohn auf dem Weg nach Rom. In St. Wendel, wo die nach ihm benannte Kapelle steht, ließ er sich als Eremit nieder und tauschte die Königskrone gegen den Hirtenstab.

Der Wendelinus-Pilgerweg beginnt an der Wendelinus-Basilika in St. Wendel. Die im 15. Jh. fertig gestellte spätgotische Kirche prägt weithin das Stadtbild. Der Wendelinuspark ist ein beliebtes Freizeitgelände. Bei Winterbach hat man herrliche Aussichten auf die hügelige Landschaft des Naturpark Saar-Hunsrück und im Bereich der ehemaligen Römerstraße einen wunderbaren Blick auf den 568 m hohen Schaumberg. Vorsicht geboten ist bei der Querung der Straße zwischen Winterbach und Alsweiler. Nachdem Alsweiler mit dem Alsbachtal durchwandert wurde, bietet sich beim Austritt aus dem Wald wieder eine wunderschöne Aussicht auf Tholey mit seiner altehrwürdigen Abteikirche. Im Wareswald lohnt sich eine Besichtigung der römischen Ausgrabungsstätte, die ca. 300 Meter vom Weg entfernt liegt. Dort kreuzten sich die in die Kaiserstädte führenden Römerstraßen: von Metz nach Mainz mit der von Trier nach Straßburg. Wir erreichen bald den Endpunkt des Wendelinus-Pilgerweges: die Abteikirche St. Mauritius.

Der Wendelinus-Rundweg nimmt an der Basilika seinen Ausgangspunkt. Das mittelalterlich geprägte Ambiente rund um den Fruchtmarkt vermittelt einen Eindruck von der einstigen Bedeutung der Stadt als Pilgerzentrum. Wir kommen am Wendelinusbrunnen mit einer schönen Darstellung des Heiligen vorbei. Die Wendelinuskapelle liegt im Wendelstälchen, wo jedes Jahr an Pfingstmontag die Pferdesegnung stattfindet. Der Legende nach hat an dieser Stelle die Klause des Eremiten gestanden und dort soll Wendelinus auch seine Schafe gehütet haben. Weithin sichtbar über der Stadt liegt das Missionshaus mit der 1910 erbauten Kirche. 1893 hielten die Steyler Missionare hier Einzug und übten von hier ihre missionarische Tätigkeit in alle Welt aus, vor allem in Lateinamerika und den Philippinen. Etliche Gegenstände (von Kult, Haushalt, Bewirtschaftung), die die Patres von ihren Reisen mit zurück brachten, sind im „Museum für Missions- und Völkerkunde“ zu bewundern. Ab Wendelinushof kann man herrliche Aussichten genießen.

Der Marien-Rundweg beginnt am Wegekreuz zwischen Winterbach und Alsweiler. Die Johanneskapelle Rheinstraße lädt zur Besinnung und Ruhe ein. Als Symbol und Dank für 50 Jahre Friede in Deutschland errichteten Bewohner der Rheinstraße 1995 das Friedenskreuz. Nach einem herrlichen Ausblick auf die Umgebung erreichen wir die neu gestaltete Marienquelle. Von hier aus lohnt ein Abstecher zum Bergmannskreuz (500 m) mit Stollennachbildung und Pestkreuz, einem besonderen Wahrzeichen Marpingens.
Der Marien-Rundweg führt über den Kreuzweg zur Härtelwaldkapelle mit der Mariengrotte. Weithin sichtbar steht die im neugotischen Stil 1902/03 erbaute Pfarrkirche Maria Himmelfahrt auf dem Kirchberg. Nur wenige Meter davon entfernt befindet sich der Marienbrunnen, die bereits 1569 dokumentierte und damit älteste Stätte der Marienverehrung außerhalb der Pfarrkirche. Parallel zum Alsbach erreichen wir in Alsweiler die Pfarrkirche St. Mauritius und das gegenüber liegende Hiwwelhaus, das älteste in seiner Originalität erhaltene Bauernhaus Südwestdeutschlands. Von hier aus sieht man bereits den Dorfbrunnen, an dem der Marien-Rundweg wieder auf den Wendelinus-Pilgerweg trifft.

Der Mauritius Rundweg führt von der Benediktinerabtei Tholey über den Marktplatz mit Rathaus und dem neuen historischen Museum „Theulegium“ hinauf zum Schaumberg. Folgt man dem Rundweg nach links, vorbei an der Bacchushütte, weitet sich der Blick beim Waldaustritt über Sotzweiler mit der Stahlskulptur „Wortsegel“ von Heinrich Popp im Hintergrund. Am Wendepunkt des Weges kommt man an die Blasiuskapelle, einem barocken Kleinod bei Bergweiler. Als Einsiedelei 1246 entstanden, entwickelte sie sich im Laufe der Jahre zur Wallfahrtskapelle des Tholeyer Klosters. Nach einem Brand 1716 in der heutigen Form wieder aufgebaut, werden hier neben dem Hl. Blasius auch der Hl. Theobert, Markus und Wendelinus verehrt. Die historischen und liebevoll restaurierten Pilgerwegekreuze, die man immer wieder am Wegrand entdeckt, gehörten ehemals zu einem Kreuzweg, der von der Abtei Tholey zur Blasiuskapelle führte.

St. Wendel geht auf eine merowingische Gründung zurück und trug einst den Namen „Basone villare“. Im Zuge der frühmittelalterlichen Wendelinusverehrung taucht um die Jahrtausendwende in einer Urkunde erstmals der Name „Sankt Wandalino“ auf. Unter Balduin von Luxemburg, dem Erzbischof von Trier, kam St. Wendel von einer Herrschaft Verdun zu Kurtrier. Durch sein Bestreben erhielt St. Wendel 1332 die Stadt- und Marktrechte. In dieser Zeit ist auch der Baubeginn der Wendelinusbasilika belegt, die 1460 in einem spätgotischen Stil fertig gestellt wurde. Im Hochgrab am Altar (15. Jh.) befinden sich die fast vollständig erhaltenen Gebeine des Heiligen. Sehenswert sind weiterhin Steinkanzel, Tumba und Grablegungsgruppe. Die Wallfahrten, insbesondere an Pfingsten und in der Wendelswoche im Oktober, sind bis heute von großen Märkten begleitet.
Tholey entstand am Kreuzungspunkt zweier wichtiger römischer Handelsstraßen. Auf den Resten einer aus dem 3. Jh. stammenden römischer Badeanlage errichtete der fränkische Diakon Adalgisel Grimo eine Kirche, die in seinem Testament aus dem Jahr 634 schriftlich belegt ist. Er richtete eine Klerikergemeinschaft ein, die als das älteste Kloster Deutschlands gilt. Im 8. Jh. entwickelte sich daraus die Benediktinerabtei St. Mauritius. Von 1264 bis 1302 wurde die heutige frühgotische Abteikirche erbaut. In der französischen Revolution wurde die Abtei 1794 aufgehoben und erst 1949 wieder besiedelt. Bis heute leben dort die Mönche nach den Regeln des hl. Benedikt.
In Marpingen ist die Marienverehrung seit dem 15. Jh. bekannt. Im Juli 1876 erreichte sie einen ersten deutschlandweit beachteten Höhepunkt, als die Mutter Gottes angeblich drei achtjährigen Mädchen im Härtelwald erschien. Jährlich besuchen tausende Pilger die Marienverehrungsstätte. Kapelle, Kreuzweg, Kreuzigungsgruppe und Marienquelle laden zum Gebet und zur Verehrung der Gottes Mutter ein. In den letzten Jahren hat die Gemeinde Marpingen die Anlage mit großem Aufwand neu gestaltet.


 

 

 

 

Kontakt

 

Tourist-Information Sankt Wendeler Land
Am Seehafen, D-66625 Nohfelden-Bosen
Tel.: 06852 – 9011 0, Fax: 06852 – 9010 20, e-Mail.
Tourist-info@bostalsee.de

www.sankt-wendeler-land.de


Tourismus Zentrale Saarland
Franz-Josef-Röder-Strasse 17, D-66119 Saarbrücken
Tel.: 0681 / 92720 15, Fax: 0681 / 92720 40

www.tz-s.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Florian Kulik.

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