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Freising

Stadtspaziergang in Freising

Freising – dem Himmel so nah: „Hier war früher der Schrannenplatz, der tägliche Markt“, erklärt Rudolf Goerge, der Stadtführer, und deutet auf den Marienplatz im Zentrum Freisings, „heute wird hier nur noch mittwochs und samstags Markt abgehalten“. Die St. Georgkirche, das historische Rathaus, das Asamtheater und die gut erhaltenen mittelalterlichen Häuser unterstreichen den besonderen liebenswerten Charme der Stadt. Eine Besonderheit in ganz Deutschland sind die roten Straßenschilder und Hausnummern, die die Stadtfarben weiß und rot wiedergeben. Rudolf Goerge ist ganz in seinem Element. Wer das Glück hat, an seiner Stadtführung teilzunehmen, der hat das große Los gezogen. Rudolf Goerge weiß fast alles über seine Stadt und hat vor allem Freude daran, sein immenses Wissen weiterzugeben.

 

Die Mariensäule mitten in der Altstadt ist eines der markantesten Denkmäler Freisings. An jeder Ecke auf dem mächtigen Marmorsockel kniet ein Heiliger, Korbinan, der erste Bischof Freisings, Erzbischof Sigismund von Freising, Franz Xaver, ein spanischer Jesuit und Franz von Assisi, der Gründer des Franziskanerordens. Wie kommt der gekrönte Mohr ins Freisinger-Wappen am Sockel der Säule? Ist er eine Erinnerung an die drei heiligen Könige aus dem Morgenland? Im Mittelalter glaubte man, dass die Welt nur aus Europa, Asien und Afrika besteht. Die drei heiligen Könige symbolisierten diese drei Kontinente. Caspar, der Vertreter für Afrika, wurde meist mit dunkler Hautfarbe dargestellt.

In der Fußgängerzone fallen die vielen Cafés, Bäcker-, Metzger- und Feinkostläden auf, sie zeugen davon, dass die Freisinger Genussmenschen sind. Die Wirtin, Katharina Eisenreich, hat 1920 den „Obatzten“ bekannt gemacht. Sie hat reifen Camenbert mit Butter, Zwiebeln und Paprika zu einer Creme verarbeitet ihren Gästen zum ersten Mal im Weihnstephaner Bräustüberl serviert. Ein bayerischer Biergarten ohne „Obatzten", das ist nicht vorstellbar, denn der gehört zur Brotzeit unweigerlich dazu.

 

Bekannt wurde Obatzter in den 1920er Jahren, als ihn die Wirtin Katharina Eisenreich ihren Gästen im Weihenstephaner Bräustüberl in Freising servierte. Seither gilt folgendes Rezept als das verbreitetste: Reifer Camembert wird mit schaumig gerührter Butter, sehr fein gehackten Zwiebeln, evtl. etwas Salz, Pfeffer, viel Rosenpaprika, Kümmel und etwas Weißbier zu einer Creme verarbeitet. Für die kräftigeren Varianten nimmt man Limburger oder Romadur, die milderen Varianten entstehen durch Zugabe von Quark oder Frischkäse. In Altbayern wird der Rezeptur auch gerne Bier, in Franken Wein zugefügt.

 

Vom Marienplatz führt ein versteckter Durchgang zum alten Gefängnis, dort beginnt der steile Aufstieg zum Domberg. Rudolf Goerge deutet auf den Ausblick über die mittelalterlichen Dächer von Freising. Der weitere Aufstieg führt durch ein großes Tor neben den Stiftsherrenhäusern auf den Domberg, hier schlägt das Herz Freisings. Die strengen schlichten Türme des Doms St. Maria und St. Korbinian, der von den Einheimischen nur kurz Mariendom genannt wird, stehen im Kontrast zum prunkvollen Innenraum. Beim Eintreten bleibt man unwillkürlich stehen und ist überwältigt von der unerwarteten barocken Pracht. Das Licht, das durch die großen Kirchenfenster fällt, bringt die Malereien und das Gold zum Leuchten. Bereits um 715 stand auf dem Domberg die erste Marienkirche. Als ein verheerender Brand 1159 die Kirche zerstörte, wurde sofort wieder mit dem Aufbau begonnen und nur das Hauptportal, das heute in die Vorhalle integriert wurde, und die Krypta sind noch aus der Romanik. Das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl aus Eichenholz ist ein Glanzstück aus gotischer Zeit. Die berühmten Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam schufen 1723 bis 1724 auf dem Höhepunkt ihres Könnens, dieses Kunstwerk des Barocks. Das von ihnen gestaltete Deckengemälde zeigt den heiligen Korbinian, den ersten Bischof und Schutzpatrons Freisings, wie er zum Himmel aufsteigt. Die Seitenbilder weisen die verschiedenen Stationen der „Vita Corbiani“ auf. Korbinian wurde um 680 in der Nähe von Paris in Frankreich geboren. Seine Mutter kam aus Irland und sein Vater war Franke. Korbinian beschloss als Einsiedler zu leben. Als immer mehr Ratsuchende zu ihm kamen, fühlte er sich in seiner Einsamkeit gestört und pilgerte er nach Rom zu Papst Konstantin I., der ihn zum Bischof weihte und mit Missionsarbeiten beauftragte. Bei dieser Arbeit kam er nach Südtirol, in die Schweiz und nach Bayern. In Freising ließ er eine Kirche errichten, den Vorläufer der Abtei Weihenstephan. Bei der Alpenüberquerung zu seinem zweiten Besuch in Rom - so sagt die Legende - tötete ein Bär sein Lastpferd. Als Strafe musste der Bär Korbinians Gepäck tragen. In Rom angekommen, entließ er den Bären wieder in die freie Wildbahn.

Das ehemalige Altarbild von Peter Paul Rubens ist heute durch eine Kopie ersetzt worden. Denn das Original gehört seit den Zeiten der Säkularisierung zur Bayerischen Gemäldesammlung in München. Im Dom befindet sich eine außergewöhnliche Orgel, die in der Fastenzeit mit Türen geschlossen gespielt wird, damit die Musik leiser klingt.

 

Dann steigt die Stadtführungsgruppe in den Untergrund, in die Krypta. Als Korbinian um 730 starb, wurde er auf eignen Wunsch in Kuens in Südtirol bestattet. Doch dreißig Jahre später wurden seine Gebeine nach Freising überführt und werden in einem goldenen Reliquienschrein in der Krypta aufbewahrt. Daneben gibt es ein Grab mit einem „Durchschlüpfstein“. Nach dem Volksglauben soll es gegen Rückenschmerzen und Kinderlosigkeit helfen, wenn man unter dem Grab des Heiligen Nonnosus aus dem 6. Jahrhundert hindurchkriecht. Er war Abt eines Benediktinerklosters im Norden Roms. Keine Säule in der Krypta gleicht der anderen. Besonders beeindruckend ist die Bestiensäule, eine sehr seltene und kostbare Säulenform romanischer Baukunst ist einzigartig in Deutschland. Schlangen und Drachen kämpfen mit Männern in Ritterrüstungen. Es geht um Leben und Tod. Ein Ritter ersticht einen Drachen und eine Bestie hat bereits einen Menschen im Maul. Unbeachtet von den Bestien sitzt eine Frau mit Blick nach Osten, denn das Ostlicht soll den Erlöser Jesus Christus bringen.

 

Und dann hat Rudolf Goerge noch eine Anekdote parat. Die Brüder Joseph und Georg Ratzinger studierten Theologie auf dem Domberg, dem Berg der Gelehrsamkeit. Sie wurden der „Bücherratz“ und der „Orgelratz“ genannt, weil Joseph Ratzinger so viel gelesen hat und Georg Ratzinger so gut Orgel spielen konnte. Beide wurden 1951 in Freising zum Priester geweiht. Nach dem Joseph Ratzinger er an der Universität München promovierte und habilitierte, kehrte er als Theologieprofessor und Erzbischof wieder nach Freising zurück.

Die nahezu durchgehend in weiß gehaltene Dombibliothek ist ein Meisterwerk des Rokoko. Sie gehörte einst zu den größten kirchlichen Bibliotheken Deutschlands. Heute ist sie nicht mehr von so entscheidender Bedeutung, da in der Säkularisation die wertvollen Bücher vom bayerischen Staat übernommen wurden.

Von der Aussichtsterrasse neben dem Dom hat man bei gutem Wetter einen hervorragenden Blick bis zur Frauenkirche und zum Fernsehturm bis München. An manchen Tagen kann man sogar die Alpen sehen, verspricht Rudolf Goerge. Auf dem gegenüberliegenden „Nährberg“ haben Benediktiner Mönche angefangen Bier zu brauen. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1040 ist Weihenstephan, obwohl die Urkunde umstritten ist, die älteste noch bestehende Brauerei und darf sich „Älteste Brauerei der Welt“ nennen.

Nach soviel Geschichte und Informationen über Freising zieht es einen unwillkürlich ins Weißbräu. Hier ist es urgemütlich, die Küche ist bayerisch und die Preise stimmen. An den langen Tischen kommt man leicht ins Gespräch mit seinen Nachbarn. Über dem Eingang hängt ein Text: „Wer glaubt, ist nie allein“, von Papst Benedikt XVI., anlässlich seines Besuchs in Freising am 14. September 2006. Das beweist, dass das Leben des Papstes eng mit Freising verbunden ist. Eins haben der Papst und die Stadt Freising gemeinsam, sie haben den Korbinian Bären in ihrem Wappen.

 

PS: Original bayrischer Krustenbraten mit Dunkelbiersoße. Urgemütlich mit antiken bemalten Schießscheiben. Preiswerte Mittagskarte: Weißbräu Huber, Familie Wagner - General-von-Nagel Str. 5, D-85354 Freising, Tel.: 08161-548686 -

 

Kontakt

 

Touristinformation der Stadt Freising

Marienplatz 7, D-85354 Freising

Tel.: 08161-54-122, touristinfo@freising.de

www.freising.de

 

Die Stadtführungen werden von Anfang April bis Ende Oktober angeboten, voraussichtlich an jedem Donnerstag und 3. Samstag im Monat, Beginn ist 15 Uhr, Treffpunkt Touristinformation. Es werden wechselnde Themen angeboten, Schwerpunkt "Freising klassisch" und "Papstführungen".

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger und Heidi Pfanzelt.

 

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