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An Vielfalt gewonnen
Bonn hat 50 Jahre die Rolle als Hauptstadt gut und gern erfüllt: Das Provisorium währte schon 40 Jahre, und niemand glaubte, dass es in absehbarer Zeit enden würde. Doch es endete, im Grunde schon im November 1989. Und in Bonn freute sich jeder mit Die Öffnung der Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands war ein Fest für alle Deutschen. Sie bedeutete eine Wende für die Politik - und eine Wende für die Bundeshauptstadt Bonn. Diese Rolle füllte die Stadt am Rhein mit dem ihr eigenen Charme weitere zehn Jahre aus, bis Parlament und Regierung 1999 endgültig nach Berlin zogen. Seit 1989 hat sich Bonn verändert, viele sagen positiv verändert.

Aus der Bundeshauptstadt ist die Bundesstadt geworden
Eine Stadt, die nichts von ihrer Internationalität verloren hat, die zu Zeiten der Botschaften entstanden war; eine Stadt, die als erster deutscher UN-Sitz zahlreiche weitere UN-Organisationen angesiedelt hat; eine Stadt, in der Wissenschaft und Wirtschaft zum Selbstbewusstsein beitragen; eine Stadt, die immer noch eine politische Rolle erfüllt und dies gern tut. 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland und Grundgesetz, das hat sehr viel mit der Stadt am Rhein zu tun. Bonn ist die Stadt, wo alles begann, wo das neue Deutschland geboren und erwachsen wurde, und wo die ersten zehn Jahre in Freiheit und Einheit politisch gestaltet wurden.

Erinnerungen: Kamingespräche bei Adenauer
Am 8. Mai 1949 nimmt der Parlamentarische Rat, der sich im Museum Alexander Koenig konstituiert und in der Pädagogischen Akademie getagt hat, das Grundgesetz mit 53 zu 12 Stimmen an. „Für uns Deutsche", verkündet Konrad Adenauer, Vorsitzender des Parlamentarischen Rates, „ist es der erste frohe Tag seit 1933." Zwei Tage später entscheidet sich das Gremium für Bonn als vorläufige Hauptstadt. Keine unumstrittene Wahl. Bevor die endgültige Abstimmung im Bundestag stattfindet, hat die Hauptstadtkommission des Parlamentarischen Rates die vier Bewerber Bonn, Frankfurt, Kassel und Stuttgart gründlich geprüft. Am 3. November bestätigt der Deutsche Bundestag das Votum des Parlamentarischen Rates für Bonn mit 200 gegen 176 Stimmen. Das Grundgesetz wird bereits am 23. Mai 1949 verabschiedet. „Die Entscheidungen für Bonn als Standort, für Konrad Adenauer als Präsidenten des Parlamentarischen Rates und späteren ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und für die parlamentarische Demokratie des Grundgesetzes haben die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert 2008 bei einem Festakt im Museum Koenig.

Bautätigkeit prägt das heutige Bild in Bonn
Bundesbauten entstehen vor allem entlang des Rheins, mit dem Bundestag und Bundesratsgebäude an erster Stelle. Das Regierungsviertel zwischen B9 und Rhein entsteht. Doch eigentlich verteilt sich „der Bund" in Bonn auf die ganze Stadt. Denn mit der Politik zieht nach und nach auch die Diplomatie hierein. Botschafter lieben ihre Residenzen am Rhein, Menschen aus aller Welt genießen das Leben „in der nördlichsten Stadt Italiens", so ein beliebtes wie geflügeltes Wort, mit Piazza (Marktplatz) und Barock-Kulisse (kurfürstliche Schlösser). Die Amerikaner bauen gleich ein eigenes „Dorf" für ihre Botschaftsangehörigen und deren Familien, die amerikanische Siedlung in Plittersdorf. Die heißt heute noch so, auch wenn die Amerikaner wie fast alle anderen Botschaften längst in Berlin sind. Leben am Rhein und an der Rheinaue ist für Bonner wie für Menschen aus aller Welt weiter attraktiv.
Die Politik inklusive Staatskarossen und Straßensperren für Staatsgäste prägt wochentags das Bild. Am Wochenende ist das Regierungsviertel wie leer gefegt, die Abgeordneten zieht es nach Hause in die Heimat der Wahlkreise. Die Bonner nehmen das stets mit rheinischer Gelassenheit hin, den Trubel ebenso wie die Ruhe, Demonstrationen gegen politische Entscheidungen ebenso wie Staatsbesuche für völkerverbindende Freundschaften. John F. Kennedy war ebenso hier wie viele andere US-Präsidenten; sowjetische Machthaber in Zeiten des Kalten Krieges ebenso wie Deutschlandfreund und „Geburtshelfer" der Wiedervereinigung Michail Gorbatschow.

Das alte Regierungsviertel hat sich heute auch sichtbar verändert
Neben dem Langen Eugen mit dem UN-Logo ragt der Post Tower als sichtbarstes Zeichen der wirtschaftlichen Kraft Bonns in den Himmel. Die internationalen United Nations sowie die Weltkonzerne Deutsche Post DHL und Deutsche Telekom bestimmen das Bild, ergänzt vom Weltsender Deutsche Welle. Die historischen und wunderschönen ehemaligen Landesvertretungen beherbergen weitere Firmen und Büros, leer gefegt ist die Gegend auch am Wochenende nicht mehr. Im Gegenteil: Parkplätze sind immer knapp. Wer hier arbeitet, der lebt größtenteils auch in der Stadt am Rhein. Nicht direkt im Regierungsviertel, aber in einem der Stadtviertel mit dörflichem Charakter. Wo jeder fast jeden kennt, und ein Schwätzchen beim Bäcker zum Samstagmorgen gehört. Bonn war nie Großstadt, aber gerade das lieben Einheimische wie Zugezogene. Und sind oftmals nur ungern weiter gezogen in die Großstadt Berlin.
Was schon immer da war (genauer seit 1818) und alle Stürme, auch die politischen mit Großdemos auf der Hofgartenwiese, überdauert hat, das sind Universität und Wissenschaft. Sie haben gerade mit dem Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin einen neuen Anstoß erhalten. Wertschätzung und Auszeichnung für Wissenschaft und Forschung sind noch einmal ein Stück gestiegen. Rund 27.000 Studentinnen und Studenten prägen das Bild vor allem in der Innenstadt mit dem kurfürstlichen Schloss und in der Südstadt mit seinen unzähligen Studentenbuden. Hochmoderne Forschungszentren wie CAESAR (Center for Advanced European Studies and Research) oder Life&Brain tragen den guten Ruf der Stadt weiter in die Welt.
Bonn hat an Selbstbewusstsein gewonnen, seit das Provisorium Bundeshauptstadt ein Ende hat. Denn die Stadt definiert sich vielfältiger und hochkarätiger, seit es nicht mehr nur um große Politik geht. Den Titel Bundesstadt trägt Bonn dennoch mit Stolz. Denn er steht nicht nur für die weiterhin politische Rolle mit den Hauptsitzen von sechs Ministerien, sondern auch für die wichtige Rolle, die diese Stadt beim Erwachsenwerden der deutschen Demokratie gespielt hat. Bonn ist die Stadt, wo alles begann, wo sich die Demokratie gefunden hat, wo das Grundgesetz mit Leben gefüllt, wurde und wo es mit dem wiedervereinigten Deutschland seinen vorläufigen Charakter endlich verloren hat.
Die Geburtsstadt der deutschen Demokratie feiert die 60 Jahre deutscher Nachkriegsgeschichte im Mai und im September 2009. Am 23. Mai findet die „Lange Nacht der Demokratie" an unzähligen Orten der Stadt statt, initiiert von der Bundeszentrale für politische Bildung und von der Stadt Bonn mit dem Museumsmeilenfest verknüpft. An erster Stelle steht das Museum Koenig, wo 1949 der Parlamentarische Rat tagte. Die damals schon berühmt gewordenen Giraffen und Zebras, die den Politikern über die Schulter schauten, stehen auch heute noch in dem Zoologischen Forschungsmuseum. Das damalige Amtszimmer von Konrad Adenauer im Museum wird geöffnet. Die Türen der Bonner Museen sind bis in die Nacht geöffnet, etwa in der Bundeskunsthalle, dem Haus der Geschichte und dem Kunstmuseum. Musik, Diskussionen und Installationen gehören zum Programm. In der Villa Hammerschmidt, heute noch zweiter Dienstsitz des Bundespräsidenten, wird es einen „Tag der offenen Tür" mit Bürgerfest und Live-Übertragung der Wahl des nächsten Bundespräsidenten geben.
Anlässlich des 60. Jahrestages der Konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages am 7. September ist eine Sondersitzung des Bundestages in Bonn geplant.
Kontakt
Tourismus & Congress GmbH
Region Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler
Adenauerallee 131, D-53113 Bonn
Bundesstadt Bonn – Rathaus
Berliner Platz 2, D-53103 Bonn
Ein Beitrag für ReiseTravel von Dr. Monika Hörig, Fotos Gerald H. Ueberscher
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