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Schwäbische Alb
Schwäbischer geht’s nicht: Nicht nur Spätzle und Maultaschen stehen für die Schwäbische Alb, sondern auch Laubwälder, zahlreiche Höhlen, bizarre Felsformationen und die typischen Wacholderheiden mit Schafen. Außerdem bietet das UNESCO-Bioshärenreservat Schwäbische Alb ein weit gefächertes Angebot an Freizeitaktivitäten.
„Auf de schwäbsche Eisebahne gibt gar viele Haltstatione, Schtuergert, Ulm...“. Und genau da in Ulm ist der Treffpunkt der Schwäbischen Art. Warum in die Ferne schweifen, warum nicht einmal die Schwäbische Alb entdecken? Willi Bosch hat diese Reise organisiert, schwätzt schwäbisch, kein Wunder, denn er ist hier geboren und aufgewachsen, ein Urschwabe also. Mit einer Stadtführung in Ulm beginnt die Tour. Dass das Ulmer Münster der höchste Kirchturm der Welt ist und Albrecht Ludwig Berblinger, bekannt als der Schneider von Ulm hier seine ersten Flugversuche von einem Holzgerüst gestartet hat, dabei kläglich gescheitert ist und zum Gespött der Leute geworden ist, das weiß man schon aus der Schulzeit. Im Anschluss an die Stadtführung gibt es in einem traditionellen Gasthaus im Fischerviertel an der Donau, einen Einstieg in die schwäbische Küche. Wie soll es auch anders sein, mit den bekannten Maultaschen, die aus der schwäbischen Küche nicht wegzudenken sind. Standortwechsel, Transfer nach Blaubeuren zum Gasthof Adler, der mitten in der historischen Altstadt liegt und für die Dauer der Wanderungen das Basisquartier ist.
Am nächsten Tag geht es nach einer Stadtführung durch Blaubeuren zum Blautopf, einem trichterförmigen Quelltopf. Im weit verzweigten Höhlensystem unter der Schwäbischen Alb sammelt sich das Wasser und fließt in den Blautopfes, der 22 Meter tief ist. Die intensive Blaufärbung entsteht durch die Lichtstreuung des kalkgesättigten Quellwassers. Eine magische Anziehungskraft geht von dem blauen Wasser aus, das schon von jeher zu Sagen inspiriert, wie die von der schönen Lau. Sie war eine wunderschöne Wasserfrau mit langem Haar und Schwimmhäuten zwischen den Fingern und Zehen. Lachen musste die schöne Nixe lernen, damit sie wieder zu ihrem Gemahl im Schwarzen Meer zurückkehren kann. Er, ein Donaunix hatte sie in den Blautopf verbannt, weil sie nur tote Kinder gebar. Das kam, weil sie immer traurig war und nicht lachen konnte. Nur wenn sie fünfmal von Herzen lachen könnte, würde sie ein gesundes Kind gebären, das hatte ihre Schwiegermutter ihr weisgesagt. Die dicke Betha, die Wirtin des Nonnenhofs, half der Lau das Leben der Menschen kennen zu lernen. Und siehe da, dabei musste die Lau lachen und es gab ein Happy End. Eduard Mörike hat die Geschichte der schönen Lau ausführlich erzählt. Und noch heute soll sie an manchen Tagen in den Tiefen des Quelltrichters kurz zu sehen sein, so sagen auf jeden Fall die Einheimischen. Ganz in der Nähe des Blautopfs steht das 900 Jahre Kloster Blaubeuren, ein ehemalige Benediktiner Kloster. Mit seinem doppelflügeligen gotischen Hochalter ist es eins der bedeutendsten Kulturdenkmäler des Mittelalters in Schwaben. Dass Mönche Wert auf Körperpflege legten, das zeigt das Badhaus (nicht Badehaus). Es ist das einzige erhaltene mittelalterliche Mönchsbad in Deutschland, heute ist hier das Heimatmuseum untergebracht.
Jetzt kann die erste Wanderung endlich losgehen, gewandert wird nur mit einem Tagesrucksack, denn die Reisetasche wird luxusmäßig transportiert. Es geht durch Buchenwald bis zur Burgruine Rusenschloss. Die alte Burganlage zeigt noch gut erhaltene Reste eines Turms auf einem steilen Fels, aber am besten ist der gigantische Blick auf Blaubeuren.
Eine Ganztageswanderung steht am nächsten Tag auf dem Programm. Willi gibt die Schritte vor bis zum Geißenklösterle, einer Höhle die schon vor 40.000 Jahren bewohnt war. Hier wurden Flöten aus Schwanenknochen und aus Elfenbein gefunden, man sagt es sind die ältesten Musikinstrumente der Erde. Dann geht es zum stillgelegten Steinbruch bei Sotzenhausen. Enzian, Augentrost, Hornklee und Klappertopf haben längst wieder die Herrschaft im Steinbruch übernommen. Schließlich wurde seit seiner Aufgabe im Jahre 1934 keine Rekultivierung betrieben. Er ist ein Paradebeispiel für natürliche Sukzession. Dann ist es nicht mehr weit bis zum Hohlen Fels, der Fundstelle der „Venus vom Hohle Fels“, der Urmutter und einer Phallusdarstellung. Sie sind die Höhepunkte im Archäologischen Museum in Blaubeuren. Also Transfer in die Eiszeit. Als die Venus vom Hohlen Fels 2009 erstmals entdeckt wurde, schieden sich die Geister, ob sie die älteste bekannte figürliche Menschendarstellung der Welt sei. War sie nun die Urmutter oder ein pralles eiszeitliches Pin-Up-Girl für einsame Jägerstündchen?
Am nächsten Tag wird der Albhochfläche erkundet. Der Aufstieg ist nicht schweißtreibend, sondern eher gemütlich zu den mit Gras überwachsenen Hügelgräber im Attenlauh von 1000 bis 500 vor Christus in der Urnenfelderkultur und der Latenezeit fanden hier Hügelbestattungen statt. Hier haben in grauen Vorzeiten Grabräuber gewütet und die Grabbeilagen mitgenommen. Dann geht es ins Backhaus im kleinen Dorf Treffensbuch. Der schwäbische Zwiebelkuchen und der lauwarme „Zwegschgablaatz“, einen Zwetschenkuchen, denn die Frauen gerade aus dem alten Steinbackofen holen, muss man einfach probieren.
Die Schwäbische Alb ohne Schafe, ist unverstellbar. Sie gehören genauso zur Hochfläche, wie die Wachholderheiden, die typische Landschaftsform. Obwohl die Wachholderheiden den Eindruck völlig unberührter Natur machen, so sind sie doch von Menschenhand durch Rodung geschaffen. Hier wachsen geschützte Pflanzen, wie Enzian, Orchideen und Silberdisteln und wer Glück hat kann die Klappergrasmücke, Hänfling, Goldammer, Laufsänger oder Neuntöter beobachten oder hören.
Einer der letzten Wanderschäfer, Heinz Ruhland stellt seine zwei Hunde vor, die sich gerne kraulen lassen. Er erzählt seinen harten Tagesablauf von der Schafhaltung, die nicht viel abwirft, weil die Wolle nicht mehr so gefragt ist, da sie von Baumwolle und Kunstfasern vom Markt verdrängen wird. Dafür genießt er das Leben in der Ruhe der Natur. Dann geht es auf dem Anhänger eines Traktors, der Strohballen als Sitze hat, zum Bauern Heiner Roser. Der ist ganz in seinem Element, er ist Biobauer aus Leidenschaft und arbeitet auch beim Naturschutz in der Landschaftspflege. Den Hof hat er von seinem Vater übernommen, der in der ruhigen Jahreszeit sein Leben und seine Erfahrungen in Gedichten wiedergibt. Zum Abschied trägt er ein Gedicht über den Bauernstand vor. Ergriffen von der rauen Landschaft der Alb und den liebenswerten Menschen geht es zurück nach Blaubeuren.
Ein voller Wandertag und gleichzeitig der Höhepunkt ist die Wanderung zur Tiefenhöhle in Laichingen. Tiefer und tiefer führen schmale Gänge und immer wieder Leitern in den Schlund der Erde. Die Beschreibung für die Höhle hängt man sich um den Hals, da man beide Hände zum Ab- und Aufstieg auf den Leitern braucht. Mit 80 Metern Tiefe und 1253 Meter Gesamtlänge, ist sie die tiefste Schachthöhle Deutschlands. Die Karsthöhle mit Schächten und Hallen wurde von Johann Georg Mack 1892 entdeckt, als er beim Schürfen von Dolomitsand einen Spalt entdeckte. Nach einer Stunde kraxeln im Bauch der Erde geht es wieder ans Tageslicht, dort gibt es erst einmal eine Tasse Kaffee. Wer mag schaut sich das kleine Höhlenkundliche Museum an, in dem ein lebensgroßes Bärenskelett zu bewundern ist.
Der letzte Wandertag zeigt sich mit Regen. Es geht per Auto nach Obermarchtal zur Besichtigung des großen Klosters. Die frühbarocke Klosteranlage liegt direkt an der Donau. Einzige Farbe ist das Licht, das mit dem vornehmen Weiß der Stuckdekorationen in der Kirche harmoniert. Im Kontrast dazu ist der Spiegelsaal mit farbenfrohen Fresken ein Glanzstück des oberschwäbischen Barocks. Die große Wanderung fällt buchstäblich ins Wasser. Als Trost gibt es einen Spaziergang zur Laufenmühle bei Lauterach, einer alten Getreidemühle, die heute ein Restaurant ist. Und wieder gibt es ein urschwäbisches Gericht. „Gaißburger Marsch“, eine Suppe mit Fleisch, Zwiebeln, Kartoffeln und natürlich Spätzle, wie soll es auch anders sein. Ja, schwäbischer geht’s nicht.
Allgemeines: Die Schwäbische Alb erstreckt sich als markantes Mittelgebirge auf ca. 200 km Länge und 50 km Breite quer durch Baden-Württemberg vom Bodensee bis ins Nördlinger Ries an der Grenze zu Bayern. Charakteristisch sind Höhenzüge, die bis zu Tausend Meter heranreichen, sanfte Bergrücken, Hügel und Kuppen geben der Alb ihr unverwechselbares Landschaftsbild. Schafherden, Wacholderheiden, Blumenwiesen, Buchenwälder, Kalkfelsen, Tropfsteinhöhlen,
Wasserfälle, Thermalquellen und Fachwerkstädtchen vervollständigen die Symbiose. Die Alb zählt zu den vulkanreichsten Gebieten der Erde, seltene Fossilien der Urtiere sind hier heute zu finden. Mit Mineralien angereichertes Wasser aus den Tiefen der Erde sind mit Thermal-Mineralbädern zu Quellen der Gesundheit geworden. Darüber hinaus gibt es Hunderte von Tropfsteinhöhlen von denen über 25 als Schauhöhlen zugänglich sind. All diese landschaftlichen und geologischen Besonderheiten haben dazu beigetragen, dass die Schwäbische Alb die Prädikate „Nationaler“, „Europäischer-“ und „UNESCO GeoPark erhalten hat. Eine Vielzahl von Burgen und Schlösser krönen Felsen und Bergkuppen.
Auskunft: Schwäbische Alb Tourismusverband, Marktplatz 1, D-72574 Bad Urach, Tel. 07125-948106, info@schwaebischealb.de, www.schwaebischealb.de
Alb-Donau-Kreis Tourismus, Schillerstr. 30, D-89077 Ulm, Tel. 0731-185-1238, wirtschaft@alb-donau-kreis.de, www.tourismus.alb-donau-kreis.de
Veranstalter: Natur- und Kultur, Wanderstudienreisen, Willi Bosch, Blütenweg 32, D-89155 Ringingen, Tel.: 07344-921222, info@natur-und-kultur.de, www.natur-und-kultur.de
Archäologisches Museum Blaubeuren, Tel. 07344-9286-0, www.urmu-blb.web.de
Tiefenhöhle Laichingen, www.tiefenhoehle.de
Gaststätte in Ulm: Zunfthaus der Schiffleute, Fischergasse 31, D-89073 Ulm
0731-64411, www.zunfthaus-ulm.de
Unterkunft in Blaubeuren, Gasthof Adler, Kaiserstraße 8, D-89143 Blaubeuren, Tel. 07344-91770, www.adler-blaubeuren.com
Gasthof Laufenmühle, Laufenmühle 4, D-89584 Lauterach, 07375-1526
Tipp von Willy Bosch: Wanderung von Ehingen nach Sigmaringen
Start dieser einwöchigen Wanderreise ist in Ehingen mit einer Stadtführung. Auf schmalen Jägersteigen geht es am nächsten Tag durch schöne Laubmischwälder nach Lauterach. Das Münster in Zwiefalten, die Wimsener Höhle, in die wir mit einem Kahn hineinfahren und das idyllische Städtchen Hayingen sind unsere Ziele am dritten Tag. Über das Naturtheater Hayingen und die renovierte Burganlage „Derneck“ gelangen wir ins Lautertal nach Buttenhausen. Der jüdischer Friedhof und das Museum stehen nun auf dem Programm. Mit dem Bauernhofmuseum in Ödenwaldstetten beginnt der nächste Tag, eine sehr schöne Wanderung führt dann über Wacholderheiden mit zahlreichen seltenen Pflanzen nach Trochtelfingen. Bei der Stadtführung erfahren wir die Geschichte dieser kleinen Stadt. Von der ehemaligen Wallfahrtskirche Ensmad wandern wir über Bingen und das Bittelschießer Täle nach Sigmaringen. Eine Stadtführung beendet dann die interessante Wanderwoche.
Neu im Programm 2011 bei Willy Bosch: Von Sigmaringen durchs Obere Donautal
Diese Reise ist eine direkte Fortsetzung der Tour von Ehingen nach Sigmaringen. Hier beginnt sie auch mit einer Stadtführung. Am nächsten Tag geht es durch den Naturpark von Inzigkofen, vorbei am Amalienfelsen nach Thiergarten. Der ehemalige, schön renovierte Gutshof Käppeler ist unser Quartier für zwei Nächte. Nun folgt eine unglaublich schöne Wanderung auf schmalen Jägersteigen mit traumhaften Blicken ins Donautal über das Schloss Werrenwag nach Langenbrunn. Hier geht’s am nächsten Tag weiter, wieder auf versteckten Pfaden zum Kloster Beuron. Übernachtung in diesem idyllischen Ort. Den Höhepunkt an Ausblicken stellt die Wanderung über die schönsten Aussichtsfelsen des Oberen Donautals nach Mühlheim dar. Eine Rundwanderung über die Kolbinger Höhle führt am Schluss direkt an der „verwunschenen“ Donau entlang zurück nach Mühlheim. Durchs wildromantische Lipbachtal und die „Heide“, ein Naturschutzgebiet bei Kraftstein führt unsere nächste Wanderung. Eine Stadtführung, eingestreut mit Anekdoten beendet das Programm.
Karten: Zu empfehlen sind die Freizeitkarten des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg.
Tipp: Wandern ohne Gepäck auf den Spuren von Eduard Mörike
Zum 200. Geburtstag des Dichters Eduard Mörike wurde eine Themenwanderung „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ entwickelt. Man folgt der Hauptfigur, dem Schustergeselle Seppe quer über die Alb, zwar ohne Zauberschuhe, aber dafür ohne Gepäck. www.schwaebischealb.de
Tipps vom Schwäbische Alb Tourismus: Radwege - Der Schwäbische-Alb-Radweg von Ludwigshafen nach Nördlingen mit 335 Kilometern, www.schwaebischealb.de
Der Hohenzollern-Radweg von Esslingen am Neckar bis an den Bodensee mit 205 Kilometern, www.fahrrad-tour.de
Der Donau-Radweg von Ulm nach Donaueschingen mit 190 Kilometer, www.donau-radweg.info
Der Neckartal-Radweg von Villingen-Schwenningen nach Heidelberg, ca. 350 Kilometer. www.neckarradweg.de
Der Alb-Neckar-Radweg von Eberbach nach Ulm, ca. 270 Kilometer, www.fahrradeln.de
Tipp MTB: Der 368 Kilometer Bike Crossing-Trail Schwäbische Alb sind für anspruchsvolle Mountainbiker, www.schwaebischealb.de - www.bettundbike.de
Tipp: Klettern
Erster Felslehrpfad der Welt. Im Oberen Donautal wurde 2007 im Bereich der Gemeinde Inzigkofen der erste Felslehrpfad der Welt eröffnet. Der Pfad am Aussichtsfelsen zwischen Inzigkofen und Dietfurt bietet Informationen über die Bedeutung der Felslebensräume. Er führt an einzigartigen Felspflanzen vorbei, ohne diese zu gefährden. Der eigentliche Pfad ist Kletterern vorbehalten, aber eine große Infotafel an der Donautalstraße informiert auch "Unten-Gebliebene" ausführlich über das Thema Felsflora und deren Schutz. Informationen Haus der Natur, 88631 Beuron Tel. 07466-92800, www.naturpark-obere-donau.de - www.schwaebischer-albverein.de
Hochseilgärten, www.schwaebischealb.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Ester Allmis und Gabi Dräger. Sie leben und arbeiten beide in München. Die Fotos sind von Ester Allmis.
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