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Schenna

Apfelblüte in Schenna

Wanderungen zur Zeit der Apfelblüte auf Waalwegen zu Schlössern und alten Wirtshäusern: Der Winter hat sich aus dem Tal in die Berge zurückgezogen, nur dort halten sich hartnäckig noch ein paar Altschneereste. Und wieder zeigt sich die Natur in einem weißen Kleid, diesmal mit zarten Blüten der Apfelbäume. Philipp Weger, ein einheimischer Apfelbauer aus Schenna, erzählt alles über den Apfel, der in der Region schon seit über 200 Jahren angebaut wird. Das Klima in Südtirol mit seinen warmen sonnigen Tagen und den kühlen Nächten sind ideale Voraussetzungen für den Wuchs und die Qualität. Zwölf Prozent der Apfelernte Europas kommen aus Südtirol. An erster Stelle der Beliebtheitsliste steht der Goldene Delicious, dann folgen Gala, der süße Red Delicious, Fuji und Granny Smith. Auch die Zarenfamilie wusste die Qualität der Äpfel zu schätzen, sie ließen sich im 19. Jahrhundert Südtiroler Äpfel nach St. Petersburg schicken.

 

Wanderungen unter Apfelblüten   Foto: Schenna Tourismus

 

Am Schönsten ist es jedoch im Schatten der blühenden Apfelbäume in dem milden Südtiroler Klima zu wandern. Auf einem Fußweg, der am Schloss Schenna beginnt, geht man nur eine viertel Stunde zum Wirtshaus Thurner Hof. In dem ehemaligen Bauernhof von 1454 ist der Hauch der Geschichte in den gemütlichen Gaststuben zu spüren. Die alte Selchkuchl ist schwarz verrußt vom Räuchern und gehört genauso zum Ambiente wie der wunderschöne Garten mit alten Kastanien- und Nussbäumen und der angrenzenden romantischen Fassade des Schlosses Thurn. Die Küche im Thurner Hof verwöhnt mit Schlutzkrapfen, typischen Knödelgerichten und frischem Spargel den Gaumen.

Die Waal-Wanderung mit Jörgl Kaufmann, dem drahtigen Bergführer von einem Bauernhof oberhalb von Schenna, beginnt mit einer Fahrt mit dem Linienbus von Schenna nach St. Georgen. Nach Begutachtung der Rundkirche mit ihrem Spitzturm aus dem 13. Jahrhundert geht es auf dem Verdinser Waalweg stetig aufwärts immer am Wasser entlang. Der Waalbau wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Das Wasser wird in etwa 1000 Meter Höhe aufgefangen und in kleinen Kanälen zu den Gärten und Plantagen gebracht. Über alles wacht der Waaler, der Hüter des Wassers. Er teilt das Wasser in „Roaden“, in Stunden und Mengen den Bauern zu. Wenn das Wasserrad die Schelle dreht und der Ton erklingt, dann ist alles in Ordnung. Bei Murenabgängen, die den Waal verstopfen, muss der Waaler dafür sorgen, dass das Wasser wieder fließt. Der Weg zweigt kurz in den Wald ab. Eine in den Felsen gehauene steile Treppe erfordert etwas Kondition, sie wird von den Einheimischen die Katzenleiter genannt. Fichten, wild wachsende Esskastanien, Erlen, Birken und Espen drängen sich zum Licht. „Wenn man Glück hat“, so sagt Jörgl grinsend, „kann man Rehe, Gämsen, Fuchs, Steinadler, Auer- und Birkhähne beobachten, aber nur wenn man nicht soviel beim Wandern schwatzt“. Bei Frieda der Bäuerin vom Lechnerhof wird man in die Kunst des Apfelstrudelbackens eingeweiht. Zuerst gibt es für jeden Gast eine Schürze, denn die Gäste müssen zum Apfelschälen ran. Nach einer Tasse Kaffee und einer Kostprobe des köstlichen Strudels geht es über den steilen Wiesersteig wieder zurück nach Verdins ins Hotel.

Der Kirchenhügel mit den drei Kirchen, dem Mausoleum und Schloss Schenna prägen das Dorf Schenna. Schon um 1350 wurde das Schloss erbaut, das Erzherzog Johann von Österreich um 1845 erwarb. Als er Anna Plochl, eine Postmeistertochter, heiratete, musste er hinnehmen, dass er von der Thronfolge ausgeschlossen wurde. Heute leben hier im Schloss seine Nachkommen, die Grafen von Meran. Beeindruckend ist der original erhaltene Rittersaal, eine Waffensammlung, die Habsburger Ahnengalerie und ein Delfter Kachelofen. Erzherzog Johann war mit dem Freiheitskämpfer Andreas Hofer befreundet. Er setzte sich dafür ein, dass die Familie Hofer eine Wiedergutmachung erhielt, nachdem Andreas Hofer verraten und hingerichtet wurde. Gleich neben dem Schloss steht das Mausoleum aus rotem Sandstein mit seinen schlanken spitzen Türmen, in dem Erzherzog Johann beigesetzt wurde, denn es war sein Wunsch in Südtirol und nicht in Österreich begraben zu werden. Sehr schön und eindrucksvoll sind in der neuen Pfarrkirche die vierzehn geschnitzten Kreuzwegstationen. In der alten Pfarrkirche im romanischen Stil beeindrucken die freigelegten Fresken. Die dritte Kirche auf dem Hügel, die St. Martinskirche, aus dem 12. Jahrhundert ist das älteste Baudenkmal Schennas.

„Heute ist statt einer Waal-Wanderung eine Schlosswanderung angesagt“, erklärt Jörgl. Der erste Teil wird von Schenna bis nach Mühlhaus mit dem Linienbus zurückgelegt. Am Anfang führt der Wiesenweg an Weinbergen und dann an Apfelplantagen entlang zum Schloß Goijen, das in Privatbesitz ist. Ein kleines Wäldchen nimmt die Wanderer auf bis wieder Apfelblüten den Weg zum Schlosshotel Labers säumen. Und auch der restliche Weg zieht sich an Apfelplantagen entlang. Wind kommt auf, der die Blüten der Apfelbäume wie Schneeflocken durch die Luft wirbelt. Nach kurzer Zeit ist das Schloß Rametz zu sehen und dann ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Schloß Trauttmansdorff, das oberhalb von Meran thront und zweifellos das beliebteste Ausflugsziel in Südtirol ist. 2005 wurden die Gartenanlagen zu Italiens schönstem Garten gewählt. Die Voraussetzungen sind ideal. Die Ora, der warme Wind vom Gardasee schafft hier ein Mikroklima, in dem exotische Pflanzen gedeihen können. Das Schloss Trauttmansdorff blickt schon auf 700 Jahre alte Geschichte zurück. Hier hat sich 1870 und 71 Kaiserin Sissi in den Wintermonaten zur Kur aufgehalten und hat damit den Beginn des Tourismus ausgelöst. Als Erstes überquert man eine Brücke, hier lässt man den Alltag hinter sich und taucht in die Oase der Natur ein. Die Gärten erstrecken sich auf zwölf Hektar in Form eines riesigen natürlichen Amphitheaters und sind in vier Themenbereiche unterteilt. Im Frühling verzaubert das intensive Rot, Pink und Rosa der Rhododendronblüten den Waldgarten. Manche Rhododendronpflanzen sind bis zu zwölf Meter hoch, wie Bäume und einige sind über 100 Jahre alt. Die Sonnengärten zeigen das Bild des Südens und über allem liegt ein zarter Blütenduft. Beeindruckend ist der knorrige 700 Jahre alte Olivenbaum und die mannshohen Kakteen. Im Mai öffnen 60 verschiedene Rosenarten ihre Knospen und verzaubern mit ihren Düften die Wasser- und Terrassengärten, die europäische Gartenkunst repräsentieren. Der vierte Teil, die Landschaften Südtirols zeigen die heimische Pflanzenwelt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Erlebnisstationen wie die Grotte mit Multimediashow, Abenteuerbrücke, Voliere, elf Künstlerpavillons und der Matteo Thun’sche Gucker, mit einer sichtdurchlässigen Aussichtsplattform. Von hier hat man einen Blick über die Gartenanlagen, das gesamte Burggrafenamt bis hin zu den im Frühling noch schneebedeckten Bergen der Texelgruppe.

 

Kontakt

 

Auskunft: Tourismusbüro Schenna, I-39017 Schenna, Südtirol, Tel.: 0039-0473-945669, info@schenna.com, www.schenna.com

 

Unterkunft: Vitalhotel Verdinser Hof, Verdins 42, I-39017 Schenna, Tel.: 0039-0473-949423, info@verdinserhof.it, www.verdinserhof.it

 

Thurner Hof, Verdinser Str. 26, I-39017 Schenna, Tel.: 0039-0473-945 702, www.thurnerhof-schenna.com

 

Schloss Schenna, Schlossweg 14, I-39017 Schenna, Südtirol, Tel.: 0039-0473-945630, info@schloss-schenna.com www.schloss-schenna.com

 

Schloss Trauttmansdorff, geöffnet vom 1. April bis 15. November von 9.00 bis 18.00 Uhr, 15. Mai bis 15. September von 9.00 bis 21.00 Uhr, Tel.: 0039-0473-235730, www.trauttmansdorff.it

 

Veranstalter für Busreisen: Geldhauser, die Münchner Busreisen, Marienplatz 8, 80331 München, Tel.: 089-220861, reisen@geldhauser.de, www.geldhauser.de

 

Tipp: Mit der Verdinser Seilbahn nach Oberkrin. Eine kleine Wanderung zum Haashof nach Videgg in 1536 Meter Höhen zur Brotzeit und auf dem gleichen Weg wieder zurück.

 

Wander-Tipps: Das Hirzer Wandergebiet bietet 200 Kilometer markierte Wanderwege.

 

Der Schenna-Bus fährt vom 13.3. bis 13.11. und über Weihnachten jeden Mi und Sa vom Münchner Hauptbahnhof direkt zum Hotel in Schenna fährt. Hin und rück 59 Euro, buchbar beim Tourismusbüro.

 

Rezept:

Apfelstrudel von Frieda vom Lechnerhof

½ kg Mehl

1 Päckchen Backpulver

2 Eier

100 gr. Zucker

150 gr. Margarine geschmolzen

Milch nach Bedarf, den Mürbteig muss man kneten können.

Äpfel schälen, dann mit dem Gurkenhobel in dünne Scheiben schneiden. Zucker, Rosinen, Vanillezucker, Zitrone, Rum und Zimt mit den dünnen Apfelstücken vermengen.

Teig halbieren, ausrollen. Mit dem Teig die Äpfel einrollen und auf ein Backblech legen.

Ca. eine Stunde bei 120 Grad backen.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

 

Unsere Autorin arbeitet als Reisejournalistin in München. Ihr Thema sind die Berge.

 

 

 

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