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Melnik

Auf den Spuren von Karl May

Melnik ist die kleinste Stadt Bulgariens: Ganz Nahe der Grenze zu Griechenland und Mazedonien, eingebettet in einem Panorama markanter Berge. Hier leben gerade Mal knapp 260 Einwohner. Doch die Idylle Melnik ist ein beliebtes Touristenzentrum und steht mit seinen 96 Häusern unter Denkmalschutz.

Beliebtes Fotomotiv für Touristen

Melnik war in früheren Zeiten eine slawische Siedlung und im Mittelalter Hauptstadt eines Fürstentums unter Aleksij Slaw (1205 bis 1229). 1878 war sie das Zentrum des bulgarischen Widerstands gegen die Herrschaft der Osmanen. Danach wurde sie von den Türken zerstört, Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut und während der Balkankriege (1912 bis 1913) erneut schwer beschädigt.

Geschichtsträchtiger Ort

Zu Bestaunen gibt es jede Menge an Vergangenheit

Eines der begehrten Fotomotive ist die Ruine der Kirche „Heiliger Nikolas“ sowie das Gebäude „Byzantinisches Haus“, eines der ältesten erhalten gebliebenen Bauten aus dem Mittelalter auf der Balkanhalbinsel: Das Wohnhaus wurde als Festung erbaut.

Für Freunde der Architektur von besonderem Interesse

Das Kordopulow-Haus. Dieses Gebäude wurde 1754 vom wohlhabenden griechischen Händler Manol Kordopulow erbaut. Beim Haus selbst handelt es sich um eines der Bedeutendsten Häuser Bulgariens im Stil der Architektur der „Periode der Bulgarischen Wiedergeburt“. Hier kann eine interessante Ausstellung besichtigt werden und diese ist in einem Weinkeller integriert. Dieser Weinkeller ist übrigens der größte in Melnik. Ausgestellt sind unter anderen riesige Weinfässer – mit und ohne Inhalt. Auch die Innenarchitektur des Hauses mit den Verzierungen, Wandmalereien, Schnitzereien und Glasmalereien, ist sehenswert.

Alle Weinkeller in Melnik wurden in den sandigen Boden gebohrt, sind durch unterirdische Gänge direkt mit den Häusern verbunden, mit Zugang zu den Weinbergen auf den Hügeln.

Weine aus der roten „Rebsorte Melnik“ sind Insider-Weine

Bei der Rebsorte Melnik handelt es sich um eine der ältesten Weinsorten Bulgariens. Er wächst ausschließlich in der Region Melnik

Dieser Wein ist ein Gemisch aus dem Melnik-Wein, einem lieblichen, sonnenverwöhnten, jungen und frischem Rotwein aus der gebietstypischen Rebsorte „Große Melniker-Traube“ und dem Merlot, einem ebenfalls jungen, frischen Rotwein mit einem Bukett von roten Früchten bei einer rubinroten Farbe. Daher auch sein vollmundiges, leicht trockenes und fruchtiges aber nicht zu herbes Aroma in Geschmack und Geruch. Die Farbe ist rubinrot mit einem Hauch violetter Reflexe, der Wein hat ein sehr gutes Aroma. Im Duft erinnern diese Aromen an dunkle Früchte wie Pflaumen, Brombeeren und Holunderbeeren. Ergänzt werden die Fruchtaromen durch eine feinwürzige Lakritznote und feine orientalische Gewürznoten, die auf den Barrique-Ausbau verweisen.

Wein der Marke „Melnik“ hat es in sich

Typisch für die Rebsorte Melnik sind die kleinen Beeren, die dünne blaue Schale und die Namensgebenden breite Blätter, die einen Durchmesser bis zu 20 cm erreichen

Köstlich, schmackhaft und doch mit „Prozenten“

Auf der Terrasse einer „Mehana“ eines Restaurants, lässt sich hier gut leben und Genießen. Doch Vorsicht: Hier ist der heißeste Ort von ganz Bulgarien und der süffige Wein hat seine Prozente. Der Wein steigt erst in den Kopf und dann in die Beine.

Qualitätswein aus dem Tal der Struma der südwestlichen Weinbauregion Bulgariens, der ein idealer Begleiter für alle Gelegenheiten: Wein als Mitbringsel

Neben dem Wein ist die Stadt für die Sandsteinpyramiden von Melnik und für die Architektur im „Stil der bulgarischen Wiedergeburt“ bekannt

Kloster Rozhen: Ganz in der Nähe von Melnik steht das Anwesen eines Klosters. Das Kloster Rozhen oder Roschen ist das größte Kloster im Pirin Gebirge: „Heilige Geburt der Gottesmutter Maria“ ist offen für alle Besucher. Das Klosterensemble gehört zu den nationalen touristischen Objekten Bulgariens und steht unter Denkmalschutz.

Bischof Dimitri führt die Gäste durch die Anlage und Dolmetscher Stojan übersetzt: „Das Kloster befindet sich im bulgarischen Teil der Landschaft Makedonien. Früher unterstand das Kloster direkt dem Patriarchen. Der Name der Klosterkirche „Heilige Geburt Marias“ übertrug sich im Laufe der Zeit auf das nahe gelegene Dorf Roschen. Die Geschichte des Klosters ist nicht genau bekannt. Nach den Chroniken, die in Athos aufbewahrt werden, wurde das Kloster im Jahre 890 gegründet. Ein großes Feuer hat Ende des 17. Jahrhunderts die Klostergebäude beschädigt und auch das Archiv des Klosters vernichtet“. Achtung: Fotos, Video, Tonaufnahmen sind verboten!

Auf den Spuren von Karl May die Mini-Stadt Melnik erkunden

Melnik kommt ohne Straßennamen aus. Hier kennt jeder Jeden

In seinem Band „In den Schluchten des Balkan“ beschreibt Karl May auch Melnik: Bei der Verfolgung der Schut-Komplizen treffen die Akteure zum „Jahrmarkt in Melnik“ ein. Die Helden sind Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar und Gefährten, die seit ihrem Aufbruch in Konstantinopel die Verbrecher verfolgen. Quer über die Balkanhalbinsel, damals alles noch osmanisches Staatsgebiet. In den Schluchten des Balkan setzt sich die Verfolgung er flüchtigen Verbrecher fort, die in der tunesischen Wüste begonnen hat. Berühmt geworden ist unter den Karl May Lesern wohl Halefs „Abenteuer im Taubenschlag“. In Melnik fallen die Gefährten den Anhängern des Schut fast in die Hände, doch gelingt es ihnen, zu entfliehen. In den Ruinen von Ostromdscha – einem geheimen Ort der Bande fassen sie den Mübarek und übergeben ihn den Hütern des Gesetzes. Dann brechen die Freunde nach Shiganzy auf, dem Ort, in dessen Nähe sich die Schluchthütte befindet, in der sie dem Schut zu begegnen hoffen. Spannend zu Lese, obwohl Karl May selbst nie in Melnik war.

Heute leben hier nur wenigen Menschen - hauptsächlich von Wein, Tabak und vom Tourismus

Es ist nicht nur die geringe Einwohnerzahl, die dem zwischen Sandsteinpyramiden verborgenen Ort eine etwas unwirkliche Atmosphäre verleiht. Auf der einen Seite weisen die Ruinen, deren Zahl die der bewohnten Häuser bei weitem übersteigt, Besucher immer wieder auf den Verfall dieses Ortes hin. Auf der anderen Seite steigen aber inmitten der steilen Hänge der malerischen Sandsteinfelsen wie in einem Amphitheater einzigartige Denkmäler der älteren und neueren Baukunst auf. Melnik ist bekannt wegen seiner Weinreben, denen der schwere, dunkelrote Wein der Gegend zu verdanken ist.

Hotels und Restaurants aller Couleur und Preisklassen laden ein. Bei einem Essen im morbiden Ambiente vergangener Zeit und im Glas einen edlen Tropfen „Melnik-Wein, ja, hier kann man Leben: Wie Gott in Frankreich!

Ach ja, die Anreise, die ist gar nicht so einfach: Am Besten im eigenem Auto. Der Airport Sofia liegt gute vier Fahrstunden entfernt. Das Ziel aber, ist eine Reise wert: Faszinierend sind allein die Weinkeller, die unter den Felsen und den Häusern ausgehöhlt wurden, damit eine beständige Temperatur gewährleistet war.

 

Von Gerald H. Ueberscher mit freundlicher Unterstützung von Media Consulta Deutschland GmbH – www.media-consulta.com

 

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