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Ljubljana

Ein Neuling auf der europäischen Skifahrer-Landkarte

Genau so wie Norwegen, Österreich und die Schweiz sieht sich auch Slowenien als Wiege des Skilaufs. Ein Absatz im Werk „Die Ehre des Herzogtums Krain“ nachweislich verfasst von J.W. Valvasor im Jahre 1689 spricht allerdings für die Slowenen: „.... Zu diesem Zwecke nehmen Männer und selbst Frauen zwei hölzerne Bretter, vorne hoch gebogen. Die Schuhe werden in einen Gurt aus Leder gesteckt. Ein langer Knüppel dient als Stütze und zum Steuern. Sie lassen sich mit unglaublicher Geschwindigkeit  zu Tale hinab“. Bojan Krizaj brachte dann in den 80-ern des vergangenen Jahrhunderts mit 32 Medaillen erstmals Wettkampf-Ruhm ins Land und als Nachwuchs-Talent stand die Slowenin Tina Maze zwischen 2001 und 2009 immerhin 17 Mal auf dem „Stockerl“, 8 Mal davon als Ski-Weltcup-Siegerin.  

 

Das Angebot: Pistenlängen pro Skigebiet/am Stück nur im zweistelligen Kilometer-Bereich, vergleichsweise geringe Seehöhen, keine gepolsterten 8-er Sesselbahnen aus neuester Produktion mit Wetterschutz-Haube und Sitzheizung, kaum erkennbare Auftritte im  Wettbewerb ums internationale Schnee-Geschäft - die slowenischen Skigebiete erschließen sich Anfängern bis guten Mittelklasse-Läufern erst auf den zweiten Blick, sind aber längst nicht mehr zweite Wahl. Grasberge ohne spitze Kalkalpen-Steinchen, jede Menge Schneekanonen und eine international konkurrenzfähige Präparierung (Maribor-Pohorje hat im vorletzten Winter immerhin 144 Ski-Betriebstage geschafft) sorgen für viel Skigenuss -  und die mit 2.300 Metern höchste Piste in Kanin im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien gibt den Blick bis zur Adria frei. Deutschsprachige Gäste zählen hier noch zu den Exoten und werden mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Sie sind mit Tages-Skipass-Preisen zwischen  € 18 und € 28 dabei, das ist rund ein  Fünftel weniger als in Italien oder Österreich. Die Qualität dargebotener Mahlzeiten etwa in Skihütten ist gut, der Service ebenso. Zimmer und Frühstück gibts pro Nacht und Nase ab € 15. Genau so viel kostet die Vignette für 7 Tage (alle Autobahnen und Schnellstraßen). Mit 110 Cent je Liter Super (Stand 10/09) lässt sich auch beim Fahren sparen. Die Entfernungen sind auf gut ausgebauten Fernstraßen bequem überbrückbar - von München z.B. bis Kranjska Gora beträgt sie nur 350 Kilometer.

 

Maribor-Pohorje: 12 Stunden Skibetrieb täglich - wer bietet mehr?

Bis 21 Uhr tummeln sich Einheimische und vor allem Nachbarn aus dem Großraum Graz (nur eine halbe Autobahnstunde entfernt) auf zehn Kilometer hell beleuchteten und breiten Pisten. Und bei Bedarf - etwa im Fasching - wird kurzfristig bis 2 Uhr verlängert. Unter Tags vermögen die 40 Pisten-Kilometer durchaus zu begeistern, weil die Nordhänge 1.000 Meter Höhenunterschied erreichen und 21 Seilbahnen eine schwarze Abfahrt direkt unter der Gondel (wird nach frischem Schneefall 1-3 Tage nicht präpariert) genauso erschließen wie die so genannte touristische Piste. Sie schlängelt sich auf langen Ziehwegen gen Tal, bleibt stets im blauen Bereich und ist wohl so zu ihrem Namen gekommen. Gleich neben der Bergstation können Ski gegen Pferde ausgetauscht werden, Reitlehrer inklusive. Seit vergangenem Dezember ist der für slowenische Verhältnisse ziemlich schnelle „6-er-Sessel“ Pisker II in Betrieb. 2008 wurde auch ein 4-Sterne-Hotel auf 1.050 Meter Seehöhe um ein Appartement-Haus mit großzügigem Wellness-Zentrum erweitert - nur 100 Meter von der Skipiste entfernt. Tipp für Weltcup-Fans: „Goldener Fuchs“ 16.-17.1.10 (Slalom Damen).    

 

KRVAVEC - Hausberg von Ljubljana: Die relativ neue und luxuriöse Zubringer-Gondel bringt Skifahrer in die erste Etage auf eine Hochalm (keine Abfahrt ins Tal). Von dort aus erschließen je vier und drei Seilbahnen bzw. Schlepplifte zwei weitere Etagen bis auf  knapp 2.000 Meter Seehöhe. Anfang des Jahres wurde eine neue 6-er-Sesselbahn eröffnet. Von den insgesamt 26 Kilometer präparierten Pisten sind 12 mit rot für mittelschwer ausgewiesen. Eine Abfahrt bleibt für Freerider unpräpariert, für Snowboarder gibts eine 150-Meter-Halfpipe. Hoch droben auf der Alm lässt der Luxus nach - Lift-Sessel ohne Polsterung mit Kriechgang gibts hier noch. Halfpipe, Bordercross, zwei Sprungschanzen, Pisten mit Zeitnehmung und eine 90-prozentige Beschneiung locken an Wochenenden viele Sportler aus der Hauptstadt an, denn Krvavec ist der Hausberg von Ljubljana.  

    

Im Weltcup-Ort KRANJSKA GORA: Gleich hinter der Kärntner Grenze liegt das bekannteste Skigebiet Sloweniens mit den atemberaubenden Gipfeln der Julischen Alpen.  Dafür sorgen  die regelmäßigen Weltcup-Rennen genauso wie der in einem Seitental gelegene Vorort Planica mit dem Weltrekord im Schanzen-Fliegen von 239 Metern (Skiflug Weltmeisterschaft Finale 19.-21.3.10).  Am 30. und am 31. Januar 10 stehen ein Weltcup-Slalom plus Riesentorlauf auf dem Programm. Seit Anfang des Vorjahres surrt eine neue 4-er-Sesselbahn über die verbreiterte Podkoren-Abfahrt.  Eisklettern, Kinderskischule, Schlitten-Partys im Fackel-Licht, 40 Kilometer Loipen, ein Casino - alles da. 19 Seilbahnen und Lifte erschließen gut 20 Kilometer überwiegend „blaue“ Pisten. 800 Meter Seehöhe schon im Tal garantieren reichliches Weiß bis April.

 

Skizentrum VOGEL in der Bohinj-Skiregion: Die Nummer eins. Die obere Hälfte der Abfahrt vom Gipfel des Postaja Sija in den Zagarjev-Graben ist präpariert, die untere für Freerider reserviert - sie stellt alleine 12 der insgesamt 36 Pistenkilometer mit viel Gelände-Abwechslung zwischen hellrot und schwarz ohne „Autobahnen“. Die guten alten Liftstützen (hier kann man noch mit einem gemütlich Einser-Sessel durch den Karst zuckeln) inmitten der Pisten sind sorgfältig gesichert. Gemeinsam mit den benachbarten Orten Kobla, Soriska Planina und Pokljuka (bekannt durch seine Biathlon-Weltcupveranstaltungen, z.B. 17.-20.12.09) bringt es die Bohinj-Region auf rund 70 Kilometer Pisten plus 75 Kilometer Loipen einschließlich des neuen Snowboard-Parks. Die Seilbahnen zählen nicht unbedingt zu den schnellsten, schaffen aber alle zusammen über 20.000 Beförderungen pro Stunde und sind mit einem dichten Skibus-Shuttle-System miteinander verbunden - das ist von der Angebotsdichte her die Nummer Eins in Slowenien. Und wer keine Lust hat, den Skipass voll auszunutzen, darf sich bei Schlechtwetter den „Rest“ vom Eintritt in den neuen „Aquapark“ abziehen lassen - das Kartenlesegerät an der Badekasse weist das entsprechende Guthaben exakt aus.

 

Der Pistenkönig im Dreiländereck - inkl. Blick aufs Meer: KANIN. Mit 1600-2300 Meter über der See bietet Kanin die meisten Höhenmeter aller slowenischen Skigebiete und gleichzeitig einen Blick auf die Adria - entsprechendes Wetter vorausgesetzt. Die Gondel bewältigt gut 1.700 Meter Höhendifferenz und bietet erste Eindrücke der  anspruchvollsten Pisten im Lande. Eine Abfahrt führt zum Sella Nevea in Richtung Tarvisio/Italien, die neue Seilbahn (Eröffnung 11/09) ermöglicht eine bequeme Rückkehr nach Slowenien und ersetzt den bisher umständlichen Bus-Transfer. Die Verbindung mit dem österreichischen Arnoldstein ist schon geplant und der Skipass gilt jetzt schon auf allen Pisten im Dreiländer-Eck (ab 5 Tage). Ein Abstecher in die etwas entlegene Gegend lohnt sich nicht nur wegen der wunderbar kupierten Hänge - auch wegen der Restaurant-Szene, die genau so wie die Pisten für Fortgeschrittene ausgelegt ist. Rund um das Städtchen Kobarid haben sich bemerkenswerte Slow-Food-Spezialisten (wie z.B. Hisa Franko) etabliert.        

 

PREISE

6-Tages-Skipass „Julische Alpen“ für 4 Skigebiete: € 147. Skischule 6 halbe Tage: € 75.  Tages-Skipass Maribor und Kranjska Gora: Je € 28.

Essen/Trinken in Kranska Gora: Getränke € 1,80 bis 2,80. Tagesmenü 3-gängig ab € 8. Div. Spaghetti-Sorten ab € 4. 

Pauschalarrangements:

Bovec/Kanin, ***Hotel 5x ÜN/HP ab € 226 p.P. im DZ, mit Skipass.  

Bohnj/Vogel: 3 Nächte mit 3-Tages-Skipass im Privatzimmer ab € 82 .     

 

Zusammen gefasst: Preiswerter ist der Skiurlaub kaum wo in den Alpen. Besonders beim Essen und Trinken reden wir von rund einem Viertel Ermäßigung. Kleiner Wermutstropfen für „verwöhnte“ Slowenien-Kenner: Die Umstellung auf Euro vor zwei Jahren hat einen spürbaren Preisschub ausgelöst.

Die Lift- und Seilbahntechnik ist für echte Pistenfresser sicherlich nicht das Gelbe vom Ei. Chaotische Parkplätze, Rodler mitten auf der Piste und mäßiger Straßenzustand bei vielen Zufahrten vermitteln die Gastgeber allerdings mit Improvisationstalent und Hilfsbereitschaft. Das slowenische Hochgebirge hat einen eigenen Charakter mit Pisten aller Schwierigkeitsgrade und bietet durch die Nähe der Adria stabile Wetterlagen. Zwei Drittel der Pisten können beschneit werden, rund 300 Loipen-Kilometer sind präpariert. Eine interessante Abwechslung ist ein Skiurlaub in Slowenien für Forscher-Typen und Sparefrohs allemal.  

 

Kontakt

 

Slowenisches Fremdenverkehrsamt

Maximiliansplatz 12a, D-80333 München

Tel. 089-29161202, Fax -29161273, slowenien.fva@t-online.de

 

www.slovenia-tourism.si

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Theo Reisner.

 

 

 

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