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Schriftrollen vom Toten Meer
Die Schriftrollen vom Toten Meer beinhalten liturgische Schriften, davon den größten Teil der bekannten Biblischen Texte des Alten Testaments, aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Diese Rollen wurden in Qumran, einer Ruinenstätte im am Toten Meer, im Jahre 1947 von Beduinen entdeckt. Eingegraben in mehreren Höhlen an der Küste.
Der antike Ruinenplatz Qumran war bereits vor der Auffindung dieser Schriftrollen bekannt und war früher ein römischer Militärposten
Die Schriftrollen sind angeblich von einem Beduinenhirten gefunden worden, der eine entlaufene Ziege suchte. Als er sie mit Steinwürfen aus einer der Höhlen jagen wollte, hörte er es scheppern. So entdeckte er die Schriftrollen, die in Tonkrügen aufbewahrt wurden und offenbar unversehrt die Jahrhunderte überstanden hatten.
Qumran liegt im israelisch besetzten Jordanland. Die Essener waren neben Sadduzäern und Pharisäern die dritte religiöse Partei der Juden, so um 150 vor Christi
Der Archäologe Roland de Vaux brachte den Fundort: Siedlung, Höhlen und Rollen mit der Religionspartei der Essener in Verbindung. Er „hielt die Siedlung für das Zentrum einer monastischen Gemeinschaft, die sich der Produktion von Schriftrollen gewidmet habe“.
Diese Annahme war durchaus nahe liegend: Unter den Schriftrollen befand sich auch die so genannte Damaskusschrift, die man schon vorher essenischen Kreisen zugeordnet hatte. Der gesamte archäologische Fund konnte von de Vaux offenbar im Sinne dieser Theorie erklärt werden: ein aufwändiges System von Wasserleitungen und Becken wurde als Beweis intensiver ritueller Waschungen und Tauchbäder gedeutet. Die gefundenen Gebäude wurden von de Vaux als Gemeinschaftsräume interpretiert. Die israelische Altertümerverwaltung machte sich dieses Erklärungsmodell zu Eigen, was sich auch in der touristischen Erschließung der Ausgrabungsstätte spiegelt.
Jede alternative Deutung der Grabung steht vor dem Problem, dass de Vaux keine abschließende wissenschaftliche Dokumentation seiner Grabung vorgelegt hat, dass seine Grabungstagebücher dafür nur ein unvollkommener Ersatz sein können - und dass die von ihm geborgenen Funde zum Teil zerstreut wurden oder als verloren gelten müssen.
Nachdem die Gesamtzahl der zum Teil nur in kleinsten Fragmenten erhaltenen Rollen abschätzbar ist, wird auch deutlich, dass diese im Blick auf die verarbeiteten Tierhäute einen enormen finanziellen Wert darstellten. Rund 500 verschiedene Schreiber wurden bisher unterschieden - ein gleichfalls enormer Einsatz menschlicher Arbeitskraft. Wer, wie Stegemann, an der Provenienz der meisten Rollen aus Qumran festhält, wird einen umfangreichen Gerbereibetrieb vor Ort und eine gleichfalls hocheffektive Kopistenwerkstatt annehmen, komplettiert möglicherweise mit einer Bibliothek, in der Musterexemplare für häufig angefragte Schriften aufbewahrt wurden. Die Kunden für diese Literaturproduktion hätte man jedenfalls in Jerusalem zu suchen; im Rahmen der Pilgerströme zu den jüdischen Hauptfesten wäre dort auch ein Buchhandel für religiöses Schrifttum aller Art denkbar. Die in Bezug auf Jerusalem dezentrale Lage Qumrans möchte Stegemann mit der Ressource des Toten Meers erklären: hier seien fürs Gerben ideale Bedingungen vorhanden gewesen.
Offen bleibt die Frage der Provenienz der Rollen. Wurde hier etwa die Tempelbibliothek ausgelagert? Gab es zu dieser Zeit in Jerusalem und Jericho bereits Synagogengebäude, die einen Bestand an heiligen Schriften besaßen? Oder handelt es sich um Privatbibliotheken der lokalen Oberschicht?
Die Deponierung teurer Schriftrollen in Krügen und in Höhlen entspricht nicht dem Paradigma einer antiken Bibliothek, wohl aber dem Paradigma anderer Deponierungen, etwa von Münzen, und weist auf ein Kriegsszenario: im Vorfeld der Kampfhandlungen werden die Schätze in Sicherheit gebracht, und die Kampfhandlungen treffen das Gebiet so gravierend, dass die Eigentümer nicht überleben oder keine Möglichkeit mehr haben, ihre deponierten Schätze später wieder in Gebrauch zu nehmen. Dies ist im Fall der Schriftrollen von Qumran mit den Ereignissen des „Jüdischen Krieges“ gegeben. Eine Deponierung der Rollen ist deshalb im Vorfeld der Belagerung Jerusalems durch römische Truppen anzunehmen. Bei diesem aufwändigen Unternehmen ist von der aktiven Mitwirkung der in der Nähe wohnenden jüdischen Bevölkerung, also auch der Qumranleute, auszugehen.
Die in den Höhlen von Qumran gefundenen alttestamentlichen Schriften geben Einblicke in die Geschichte der biblischen Textentwicklung
Aufsehen erregte die aus der Zeit um 200 v. Chr. stammende Jesajarolle. Sie ist weit über 1000 Jahre älter als alle bisher gefundenen hebräischen Bibelmanuskripte. Auf 7,34 Meter gibt sie nahezu lückenlos den Text des Jesaja wieder. Dieser deckt sich bis auf wenige unbedeutende Abweichungen mit der bis dato ältesten vollständigen Bibelhandschrift
Qumran liegt in der West Bank und gehörte bis 1967 zu Jordanien. Im Januar 1949 wurden vier Schriftrollen in die USA gebracht und dadurch der Wissenschaft überhaupt bekannt. Unterdessen begann in Qumran die Erforschung der antiken Ruinenstätte und der Höhlen durch das Team von Roland de Vaux. Durch diese Forschungen wurde auch im Archäologischen Museum von Palästina in Jerusalem eine Sammlung von Qumranfunden aufgebaut. Das anfänglich von Rockefeller finanzierte Museum wurde 1966 von Jordanien verstaatlicht und fiel während des Sechs-Tage-Krieges 1967 an Israel. Einige der Rollen, zum Beispiel die „Kupferrolle“, befanden sich zu diesem Zeitpunkt für eine Ausstellung im Nationalmuseum in Amman, in dessen Besitz sie noch sind. Ebenfalls in Amman sind Tintenfässer der Qumrangrabung zu besichtigen, ein wichtiges Argument für die Befürworter einer Provenienz der Rollen aus einer Schreiberwerkstatt in Qumran.
Kontakt
Staatliches Israelisches Verkehrsbüro
Friedrichstrasse 95, D-10117 Berlin
Tel.: 030 2039970, Fax: 030 20399730
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Ein Beitrag für ReiseTravel von Su Kramer
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