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Sgraffiti in Pontresina
Für Glamour ist St. Moritz immer zu haben: Wer etwas auf sich hält, fährt nach „Moritz“, heißt es bei den oberen Zehntausend. Wer es in Engadin aber etwas bodenständiger mag, findet nur wenige Kilometer abseits des mondänen Lebens in Pontresina die gleiche majestätische Berglandschaft, glitzerndes Wasser, grüne Täler, Arven- und Lärchenwälder mit ihrem einzigartigen Licht. Das Hochtal Engadin im schweizerischen Kanton Graubünden ist eines der höchstgelegenen bewohnten Täler Europas und mehr als 80 Kilometer lang.
Der Fremdenverkehr und die liebevoll bemalten Engadinerhäuser machten das kleine Bergdorf Pontresina weltbekannt
Wer neben der Ruhe auch Romantik sucht, ist in Pontresina richtig
Idyllische Winkel und Gässchen und eine beachtliche Anzahl der im Engadiner Stil geprägten Häuser schmücken den Ort. Um sich mit dem alten Pontresina vertraut zu machen, lohnt sich ein vom Kur- und Verkehrsverein im Sommer durchgeführter Dorfrundgang.
Mit „Allegra! Bainvgnieus cò a Puntraschigna“ begrüßt Annemarie Brülisauer ihre Gäste. Das ist rätoromanisch und bedeutet etwa „Grüezi, willkommen hier in Pontresina“. Vor 150 Jahren sprach man in diesem Teil Graubündens ausschließlich romanisch, seitdem ist die einheimische Sprache einem ständigen Rückgang unterworfen.
Annemarie Brülisauer weist auf die vielen ins Auge fallenden Engadinerhäuser mit ihren wunderschönen Sgraffitimalereien an den Hausfassaden oder um Fenster, Türen und Tore. Bei der Sgrafitti-Technik wird der grobe Vorputz mit einer dunkleren Putzschicht abgedeckt, auf die dann eine dickliche Kalkmilch aufgetragen wird. In die noch feuchte Oberfläche wird die Zeichnung eingeritzt, und so die darunter liegende Putzschicht offen gelegt. Das sind dann die zweifarbigen Sgrafitti.
Die Häuser mit reich verzierten Erker und schmiedeeisernen Türschlössern und Türklopfern stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Die Pferdeköpfe an den Hausgiebeln sollten die bösen Geister vertreiben. In einem der alten Engadiner Häuser, in der Chesa Delnon, lüften stumme Zeugen die Geheimnisse ehemaliger bäuerlicher Alltagskultur und des Alpinismus. Das Museum Alpin, ein altes Bauernhaus, mitten im Dorf. Die ursprüngliche für jedes Engadinerhaus typische Rundbogen-Haustür, die der Einfahrt mit dem Heuwagen diente, hat einem rechteckigen Platz machen müssen.
Vor vielen Häusern stehen Brunnen, die den Spaziergänger Wasser spenden. Sie waren das Zentrum einer Hausgemeinschaft, waren Waschplatz, Tränke, Begegnunspunkt und Nachrichtenbörse. Den neuesten Klatsch erfuhr man allerdings auch auf der Ruhebank vor dem Haus. Im Volksmund war es die „Lügenbank“.
Der Burgturm Spaniola oberhalb des Dorfes stammt aus dem 12. Jahrhundert und gehörte vermutlich den Herren von Pontresina. In unmittelbarer Nähe des Turmes gelegen, lugt die ehrwürdige Kirche Santa Maria aus dem 12. und 13. Jahrhundert hervor, die mit den romanischen und spätgotischen Fresken zu den kostbarsten sakralen Bauten Graubündens gehört. Auf dem sechsterassigen Friedhof ruhen nicht nur Einheimische, sondern viele in den Bergen verunglückte Bergsteiger aus den Anfängen des hochalpinen Tourismus.
2.000 Einwohner hat Pontresiner, im Winter sind es über 10.000. Es ist überhaupt der Fremdenverkehr und die Lage am Bernina-Pass, dem Pontresina seine Bedeutung verdankt.
Eine elegante Adresse damals wie heute, war das Grandhotel Kronenhof in Pontresina, dessen Geschichte bis ins Jahr 1848 zurückreicht
Mit dem ehemals als Gasthaus Rössli erbauten Haus begann der Tourismus zu blühen. Die großzügigen Salons mit den originalen Deckenmalereien, das elegante „Grand Restaurant“ mit dem Charakter eines Schlosssaals und der imposante Blick aufs Berg- und Gletscherpanorams des Rosegtals begeisterten die Gäste. Im Keller wurde als zweites Standbein ein Weinhandlung für Veltliner Weine eingerichtet, die sich während des ersten und zweiten Weltkriegs als sichere Einkommensquelle erwies. In dieser Zeit suchten nur wenige Gäste das Oberengadin auf - und profitierte dann von den Olympischen Winterspielen 1928 und 1948 in St. Moritz. Später zerfiel das imposante Gebäude zunehmend, denn das Geld für die Erhaltung fehlte zunehmend. Vor sieben Jahren der Glücksfall für die Gemeinde. Die griechische Familie Niarchos kaufte das Haus und renovierte es aufwändig.
Pontresina steht und fällt mit dem Tourismus. Im Sommer 1885 kamen bereits über 2.000 Besucher in das kleine Bergdorf.
Einen weiteren Schub erhielt der Ort im Jahre 1908 durch die Eröffnung der Berninabahn, auch wenn sich manche Bewohner anfangs noch vor dem Dampf spukenden Ungetüm fürchteten. Es heißt, dass aus diesem Grund der Bahnhof weit weg gebaut werden sollte. Es war ein beschwerlicher Weg vom Bahnhof in das Dorf. Die Hotelgäste holte man dann mit Pferdekutschen ab. Davon profitierten die Einwohner. Als Hufschmied oder Kutscher hatten sie ein gutes Einkommen. Heute verbindet die Gebirgsbahn den Kurort St. Moritz über den Berninapass mit der italienischen Stadt Tirano. Mit bis zu sieben Prozent Neigung gilt sie als eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt.
Und wer Glück hat, erspäht aus dem Eisenbahnabteil sogar einen Steinbock, das bekannteste und beliebteste Tier in der Region, das vor hundert Jahren wieder angesiedelt wurde. Genießerisch ruht er auf den Schluchten und beobachtet die Gegend von oben, als gehöre sie ihm allein.
Museum Alpin Pontresina - Montag – Samstag, 16.00 bis 18.00 Uhr, bei Niederschlag ab 15.00 Uhr geöffnet.
Unterkunft: 22 Hotels in unterschiedlichen Preiskategorien. Alternativ die Zimmer bei Gastfamilien. Nobel im Grand Hotel Kronenhof, www.kronenhof.com
Von Christel Sperlich
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