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Via de la Plata – Silberweg
Eine Alternative zum Jakobsweg: Auf der Via de la Plata von Salamanca im Süden nach Santiago de Compostela. Der Pilgerweg ist eine Herausforderung, aber man muss einfach nur gerne wandern.
Nur wenn der Wind über die Maifelder streicht, wird die Ruhe durch das Rascheln der Blätter unterbrochen. Die alte kastilische Hochebene. „El Cubo de la Tierra del Vino” ist der Start der ersten Wanderung. Kein Dorf, kein Bauernhaus und keine Menschenseele sind zu sehen, nur unzählige Kühe grasen auf großen Weideflächen. Einsamkeit und Stille umgeben die Schritte auf dem Silberweg, der vom Süden Spaniens nach Santiago de Compostela führt. An einem stillgelegtem Bahngleis, auf dem Büsche und Pflanzen schon längst die Vorherrschaft übernommen haben, führt der Weg entlang und verliert sich dann in einer endlosen geraden Linie bis zum Horizont. Nur einmal tauchen Mountainbiker wie aus dem Nichts auf und grüßen mit einem „Buen Camino“ auch sie sind auf dem Weg nach Santiago. Dann verändert sich die Landschaft, unzählige Hügel mit Steineichen und Kiefern reihen sich aneinander. Die Mittagspause wird in einem kleinen dunklen Restaurant in Villanueva de Campeán eingelegt. Ein Cortado, ein Espresso mit etwas Milch, spendet neue Energien. Und weiter geht es auf dem Silberweg, der nie so bedeutend war wie der Jakobsweg von Frankreich nach Santiago. Doch seine Wurzeln reichen bis in die Römerzeit zurück, denn er verband die Erzminen Kastiliens und Galiciens mit den Römerstädten in Andalusien. Die alte Römerstraße, war der bequemste Weg von Süd nach Nord. Silber dagegen wurde hier nie transportiert. Als die Araber Spanien eroberten, benutzen sie auch die Römerstraße und nannten sie al-Balath oder Balata, was soviel wie befestigte Straße hieß. Im Laufe der Zeit veränderte sich wahrscheinlich der Name zu Plata – Via de la Plata. Zur Zeit der Pilgerreisen nach Santiago de Compostela wurde der Silberweg immer mehr als südlicher Pilgerweg benutzt.
Der ganz besondere Weg, ein Weg der Ruhe
Das Ende der ersten Tagesetappe naht, wer nach dreiundzwanzig Kilometern genug hat, der kann die letzten zehn Kilometer mit dem Bus, der auf die Wanderer wartet, zum Tagesziel nach Zamora fahren. Angefangen hat die Pilgerreise in Salamanca, der größten Studentenstadt Spaniens mit einer Stadtbesichtigung am Plaza Mayor, der von dreistöckigen Häusern mit Arkaden umgeben ist. Er ist der wohl schönste Platz in Spanien. Die Stimmung ist heiter, einige Junggesellenabschiede werden gefeiert. Kleine Musikantengruppen spielen auf. Beeindruckend ist ein paar Schritte weiter das „Casa de las Conchas“, der Stadtpalast, ein im Plateresker-Stil erbauter Stadtpalast, der mit rund 300 Jakobsmuscheln verziert ist. Wo ist der Frosch? Jeder sucht den Frosch in der Hauptfassade der Universität, der im reichen Ornamentschmuck auf einem Totenkopf versteckt ist. Es bedeutet Glück, wenn man ihn findet, so sagen die Einheimischen. In der Neuen Kathedrale kann man das schöne Chorgestühl bewundern. Der Übergang zur Alten Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert ist geschlossen, da gerade Hochzeiten stattfinden.
Weg der Stille
Übernachtet wird am zweiten Tag in Zamora ganz stilvoll im Parador Conde de Alba y Aliste einem Renaissancepalast aus dem 15. Jahrhundert. Auf dem gegenüberliegendem Turm stehen vier Störche, die erhaben auf die hektischen dahineilenden Menschen hinabschauen. Die Kuppel der Kathedrale auf romanischen Grundbau mit ihren schuppenartigen Steinplatten im byzantinischen Stil dominiert die Stadt. Besonders wertvoll im Museum der Kathedrale sind die flämischen Wandteppiche mit religiösen Motiven aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Es gibt 23 Kirchen in Zamora, doch die schaffen die müden Wanderbeine nicht mehr.
Die Wanderung von Zamora beginnt erst einmal mit einer Busfahrt. In Tábera wird noch schnell Wasser und Tagesproviant gekauft. Dem Lärm der Stadt entflohen und endlich wieder in die Ruhe in der Natur eingetaucht. Steineichen stehen eingesprenkelt auf den Hügeln und der Geruch von Thymian steigt einem in die Nase. Nach drei Stunden ist Bercianos de Valverde erreicht. Die kleine Bar für die geplante Mittagspause ist leider geschlossen, doch wie ein Wunder taucht ein Mann in einem grünen Overall auf, der den Schlüssel hat und die Kaffeemaschine anwirft und kalte Getränke verkauft. Und weiter geht es auf dem Weg bis zum Kloster Santa Marta de Tera. Die Kirche ein unverfälscht romanischer Bau birgt eine Überraschung. An der Rückseite steht die wohl älteste Darstellung des Heiligen Jakobus aus dem 11. Jahrhundert. Er ist mit den typischen Pilgerzeichen, dem Pilgerstab und der Muschel dargestellt.
Die nächste Unterkunft ist die Posada de las Misas in Sanabria. Die Altstadt mit ihren Schiefer gedeckten massiven Steinhäusern und hölzernen Balkonvorbauten, erstreckt sich auf einem steilen Hügel. Die klobige Burg wurde im 15. Jahrhundert erbaut, um die Araber abzuwehren. Nach der Burgbesichtigung und einem grandiosen Blick auf das hügelige Umland vom Turm gibt es regionaltypisch Spanferkel in der Posada.
Und wieder beginnt der Tag mit einer kurzen Busfahrt. Ginster, der längst verblüht ist und immer wieder Steineichen säumen den Weg. Die kleine romanische Iglesia de Santiago de Terrose um 1200 gebaut, ist dem Heiligen Jakobus geweiht. Jakobsmuscheln zieren die Fassade. Dann geht es an einem Fußballplatz vorbei und an einem weißen Kreuz durch ein Waldstück. Mit zwei österreichischen Pilgern aus Wels, die mit je 18 Kilo Gepäck beladen sind, werden Informationen ausgetauscht. Da freut man sich über den Gepäcktransport. Nach zweieinhalb Stunden ist der kleine Ort Requejo erreicht. Indem rustikalen Restaurant „Mar Rojo“, in dem Schinken von der Decke hängen, wird eine deftige weiße Bohnensuppe mit Salchichon, eine pikante Wurst, serviert. Der Bus bringt die Wanderer zum Kloster Oseira. Nach einer Führung durch das ehemalige Zisterzienser-Kloster und ein paar Einkäufen im Klosterladen ist Lavacola das Tagesziel.
Alles konzentriert sich auf das große Finale. Übernachtet wird in einer schlichten zwei Sterne Unterkunft mit extrem guter Küche. „San Paio“ in Lavacolla. Die Pilger mussten früher hier im Fluss ihr traditionelles Bad nehmen, um rein die Kathedrale zu betreten. Der letzte Tag, ein stetig langer Anstieg zum Monte del Gozo. Damals trug der Pilger einen breitkrempigen Hut, der vorne hochgeschlagen wurde, weiter Mantel, Pilgerstab, ein Kürbis als Wasserbehälter und die Jakobsmuschel. Heute dominieren Funktionsfasern und ein Rucksack mit leichtem Gepäck, außerdem gibt es für ein paar Euro einen Gepäcktransport. Der erste Blick auf die Kathedrale Santiago de Compostela. Abstieg zum Ziel. Dann heißt es eine Stunde Pflastertreten bis ins Zentrum zum Punkt Null, dem Stein vor der Kathedrale.
Ankommen
Ankommen in Santiago de Compostela, nach mehreren Wandertagen, ist es endlich soweit. Einige humpeln und hinken, wenn sie Santiago erreichen. Man muss den Kopf schon weit in den Nacken legen um die Kirchturmspitzen der Kathedrale zu sehen. Die zweitgrößte romanische Kathedrale der Welt, wurde schon 1075 begonnen. Sie ist so wichtig, weil dort Jakobus der Ältere bestattet ist, so sagt die Legende. Bewiesen ist, dass der Bischof Teodomiro von Iria Flavia im Jahre 814 Santiago besuchte und bestätigte, dass sich hier das Grab des Jakobus des Älteren befindet. Seit dieser Zeit kommen die Pilger um Krypta mit Reliquienschrein zu bewundern oder zu berühren. Die Wanderer werden stilvoll im Franziskaner Kloster untergebracht. Als der Heilige Franz von Assisi 1214 nach Santiago pilgerte, veranlasste den Bau des Klosters.
Um zwölf Uhr mittags beginnt die Pilgermesse in der Kathedrale. Viele müssen stehen, die Kirche ist überfüllt. Der Gesang der Kantorin in der perfekten Akustik lässt Gänsehaut aufkommen. Der Höhepunkt der Messe ist es, wenn der 45 Kilogramm schwere Botafumeiro, der Weihrauchkessel, als Danksagung an Jakob durch das Querschiff geschwungen wird. Nach Begehen des Jakobsweges und der Messe macht sich eine nie gefühlte innere Kraft und Ruhe breit. Früher haben die Pilger ihr religiöses Seelenheil am Grab des Apostels gesucht. Heute sind Selbsterfahrung und Selbstfindung eher die Ziele eines Pilgers.
Geschichte: Dem Hirten Pelayo erschien um 830 ein Stern, als er der Erscheinung nachging fand er das Grab des Heiligen Jakobus. Der Legende nach soll Jakobus, der Bruder des Apostel Johannes in Spanien missioniert haben. Als Jakobus nach Palästina zurückkehrte, wurde er auf Befehl König Herodes geköpft. Zwei Begleiter brachten den Leichnam auf einem Boot nach Galicien zurück, da Jakobus dort missionierte. Das Boot ist bei Iria Flavia an Land geschwemmt worden und der Leichnam wurde begraben. Bischof Theodomir von Iria Flavia erklärte die von dem Hirten gefundenen Reliquien für echt. Später ließ Alfonso II, der König von Asturien und León zu Ehren von Jakobus an der Fundstelle, dem Sternenfeld, eine Kirche errichten. Santiago wurde das dritte große Wallfahrtsziel neben Rom und Jerusalem.
Allgemeines: Der Silberweg von Sevilla bis Santiago de Compostela beträgt fast 1000 Kilometer. Reisezeit: ganzjährig, April bis Juni und September bis Oktober sind die besten Monate.
Spanisches Fremdenverkehrsamt - Myliusstrasse 14, D-60323 Frankfurt am Main, Tel.: 069-725038, frankfurt@tourspain.es, www.spain.info/de
Anreise: www.iberia.com
Veranstalter: DAV Summit Club, Am Perlacher Forst 186, 81545 München, Tel.: 089-6420-0, info@dav-summit-club.de, www.dav-summit-club.de
Parador in Zamora: Condes de Alba y Aliste, www.parador.es
Hotel San Francisco, Franziskaner Kloster, www.sanfranciscohm.com
Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger. Sie lebt und arbeitet in München.
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