![]() | ![]() | ![]() | Moos in Passeier | Wandern im Passeiertal | ![]() |
Wandern im Passeiertal
Im Passeiertal prasseln Naturschönheiten aufeinander: Im Naturpark der Texelgruppe, umringt vom Ötztaler Hauptkamm und der Texelgruppe lebt es durch seine Kontraste. Das ewige Eis der Gletscher und schroffe Gipfel wechseln sich mit klaren Gebirgsbächen, versteckten Seen und verträumten Almen ab.
„Wir fangen mit einer leichten Wanderung an“, erklärt Vigil, der Bergführer aus Pfelderns, „und ich zeig’ euch, wie schön es im Passeiertal ist“. Gemütlich schlendert die kleine Wandergruppe einen Leichtansteigenden, breiten Weg zur Jausenstation Zeppichel. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Eine Kaminwurzen oder eine Suppe kosten drei Euro. Auf dem gegenüberliegenden Wiesenhang wird noch ganz traditionell mit der Sense gemäht. Hühner sonnen sich an der Hauswand und eine Katze streicht herum. Vigil kommt immer gerne herauf und zeigt dieses Idyll. Dazu gehört auch die Lazinser Alm, die nur eine halbe Stunde weiter entfernt liegt und Wendolins Reich ist. Mit seinem Rauschebart und seinem Filzhut sieht Wendel, wie er von den Einheimischen genannt wird, genauso aus, wie man sich einen zünftigen Hirten vorstellt. Er sorgt für Jungvieh und Schafe, das die Bauern von Mai bis zum Almabtrieb Mitte Oktober in seine Obhut geben. Anna, seine Frau, Alfred der Gehilfe und Fly, der Hund, unterstützen ihn bei der Arbeit. Die Aussicht auf das von Bergen eingerahmte Passeiertal ist fantastisch. Nur die Hohe Wilde, der 3.482 Meter hohe Hausberg von Pfelders, hüllt sich hartnäckig in Wolken.
„Seid’s noch fit?“, fragt Vigil und schlägt vor, den Rückweg etwas auszudehnen. Der Wanderweg schlängelt sich am Tschingelsbach aufwärts. Ausspülungen im Flussbett bilden winzige Swimmingpools und laden zum erfrischenden, kurzen Bad. Auf dem Weg Nummer 42 quält sich die kleine Wandergruppe über Granit und Glimmerschieferstufen steil aufwärts bis zum Faltschnaljöchl und noch 100 Höhenmeter bis zum Spronserjoch. Hier zweigt der alte Totenweg ab, auf dem wurden früher die Verstorbenen von Pfelders nach St. Peter Gratsch im Tal gebracht und dort beerdigt. Im Faltschnaltal geht es für die Wanderer bergab Richtung Pfelders. Der Abstieg endet unweigerlich in der Faltschnalalm. Daran kommt man einfach nicht vorbei. Bei einer gemütlichen Einkehr erzählt Hubert, der Senner, dass für ihn der Tag um halb sechs mit dem Melken der Ziegen beginnt. Mit 110 Rindern, 100 Ziegen, 160 Schafen, fünf Pferden und ein paar Katzen und Hunden hat er alle Hände voll zu tun. Die Eier der 80 Hühner sorgen unter anderem für das traditionelle „Mus“, das die Hirten und Bauern früher aßen. Es ist eine einfache Version des Kaiserschmarrns, die es heute nur auf Vorbestellung gibt. Nach der langen Pause führt der Weg über ein paar Felsenstufen bergab nach Pfelders zurück. Hier schein die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Balkone der Bauernhäuser sind üppig mit Blumen geschmückt, ein Dorfbrunnen plätschert und Hühner laufen gackernd über die Straße. Nur selten fährt ein Auto durch die schmalen Dorfstraßen, denn Pfelders ist die letzte Ortschaft im Passeiertal. Abends wird im Kuhstall bei volkstümlicher Musik gemolken, das soll die Milchproduktion heben. Manche Bauern schwören aber mehr auf klassische Melkmusik, so wie der Hans vom Häuslerhof.
Und abends geht es ins „Edelweiß“. Kathl ist eine begnadete Köchin und seit 37 Jahren verwöhnt sie schon ihre Gäste. Das Restaurant ist nicht nur ein Gasthof in der vierten Generation, sondern eine Institution. Es gibt Bockenes oder Schöpsernes, dahinter verbirgt sich Hammelbraten, eine Spezialität der Küche. Saures Rindfleisch mit Zwiebeln, Schlutzkrapfen oder eine frische Bachforelle sind regionale Gerichte, die einem auf der Zunge zergehen. Nicht umsonst kommen Gäste aus Bozen und Meran einfach nur zum Essen und manchmal auch in Kombination mit einer kleinen Wanderung.
„Lasst euch überraschen, heut’ gibt’s im Naturpark Texelgruppe viel zu sehen“, verspricht Vigil zum Auftakt der Wanderung ins Seebertal. Der Naturpark ist mit 33.430 Hektar der größte der sieben Südtiroler Naturparks. Zu ihm gehört die ausgedehnte Hochgebirgslandschaft zwischen Schnalstal und Passeiertal sowie Teile der Stubaier und Ötztaler Alpen. Der Einstieg zur Wanderung liegt gleich neben dem Timmelsjoch. Hier wachsen Lärchen, die Material für die Schindeldächer liefern. Die Lärchen, die am Steilhang wachsen, haben durch die schwere Last des Schnees einen Bogen. Diese Stämme werden für Schlittenkufen und Alphörner verwendet. Beim Aufstieg über den Sunnenbichl muss man sich schon schinden. Der Wegmarkierer Rudolf Pichler kommt gerade mit einem Eimer Farbe vom Kennzeichnen der Wanderwege zurück. Seine Augen schweifen suchend über den Gegenhang. Im Fernrohr zeigt Rudolf eine Steingeis mit Kitz am gegenüberliegenden Grat. Der Blick auf den Hochfirst- und Seeber Ferner, mit ihrem ewigen Eis flößt Ehrfurcht ein. Zwei Kolkraben ziehen mit tiefer Stimme laut krächzend am Himmel ihre Kreise und ein Adler lässt sich hoch in der Luft schwebend vom Wind tragen. Vom Aussichtspunk am Grubjoch in 2.661 Meter Höhe kann man bis hin zum Rosengarten in den Dolomiten blicken. Dann geht es auf dem Rundweg zurück. Unterhalb einer Kalkmoräne grasen 39 Gämsen. „Das ist Rekord“, flüstert Vigil hektisch, „so viel habe ich noch nie gesehen“. Doch fluchtartig bringen sich die Gämsen vor den Wanderern in Sicherheit. Ein paar Schritte weiter, rennt ein fettes, für den Winter angefüttertes Murmeltier, in seinen Bau. Ein paar Schritte weiter zeigt Vigil noch ein Highlight. Nur er kennt den Platz. Versteckt neben dem Weg an einem Steilhang steht ein Edelweiß in seiner ganzen Pracht. Über Schiefergletscherablagerungen geht es im weglosen Gelände auf dem Wanderweg zurück ins Tal. „Gut habt’ ihr’s gemacht“, lobt Vigil die Gruppe. Sieben Stunden hat die Wanderung gedauert und 800 Höhenmeter wurden bewältigt.
Am nächsten Morgen geht es in aller Herrgottsfrüh mit den Milchkühen, die auf die Weide gebracht werden, raus aus Pfelders. Wie immer gibt Vigil den Schritt vor. Der Weg führt über Holzstege, eine Brücke und manchmal auch über Steine im Bach bis zur Schneidalm im Hochtal. Nach einer kurzen Trinkpause geht es in Serpentinen weiter aufwärts bis zu einem Aussichtspunkt mit einem Kreuz und einer Bank zum Verschnaufen und mit einem herrlichen Blick zurück auf Pfelders. Dann wird der Weg steiler mit Blockwerkpassagen bis zum Felsenkegel, auf dem die Hütte steht. Auf den letzten Metern bis zur Hütte erfordert ein seilgesichertes Stück noch etwas Konzentration. Der Hüttenhund kündigt mit einem freudigen Bellen den Zieleinlauf eines jeden Wanderers an. In 2.989 Meter Höhe, zwanzig Meter höher als die Zugspitze, thront die Zwickauer Hütte neben dem ewigen Eis des Panferners. Das war eine stramme Leistung 1.400 Höhenmeter Aufstieg in viereinhalb Stunden, jetzt wird erst einmal eine große Pause gemacht. Nach einem letzten Blick auf den Gletscher geht es wieder ins Tal zurück. Und die Hohe Wilde, die über Pfelders thront, liegt noch immer in den Wolken.
„Heut’ gibt’s zum Abschluss einen Gipfel“, verkündet Vigil. Die Kolbenspitze ist das Ziel. Der Wanderweg wird stetig steiler und führt dann an abgemähten Bergwiesen und an verlassenen Almen vorbei. Ein Murmeltier regt sich mit einem schrillen Pfiff über die fremden Eindringlinge auf. An einem ausgetrockneten Gletschersee geht es balancierend über Blockwerk entlang und dann folgt noch ein kurzer Anstieg im Felsen bis zum Gipfelkreuz. Geschafft. Der Eintrag ins Gipfelbuch und ein Foto krönen die Leistung. In Windeseile ist beim Abstieg die Ulfas Alm erreicht. Trotz eines gespritzten Holunderblütensaftes wird danach die letzte Wegstrecke nur mit einiger Mühe zurückgelegt. Aber die müden Lebensgeister sind bald wieder quicklebendig, denn wie jeden Tag endet auch dieser Tag im Restaurant Edelweiß bei Kathls Kochkünsten.
Infos
Allgemeines Die Naturerlebniswanderung im Naturpark Texelgruppe wird jeden Dienstag und Freitag kostenlos angeboten. Ende Juni ist Alpenrosenblüte. Ab Mitte September Almabtrieb. Die Almen öffnen meistens um den 20. Juni herum und die Schutzhütten etwa ab 1. Juli. Lazins Alm auf 1.882 Meter Höhe bei Pfelders, Anna Ilmer, I-39013 Moos im Passeiertal, Tel.: 0039-473-646800, Internet: www.pfelders.info. Zwickauer-Hütte auf 2.989 Meter, Tel.: 0039-0473-646002, Handy: 0039-347-8742805, e-mail: zwickauer@13h.de, Museum Passeier – Andreas Hofer, Passeiererstr. 72, I-39015 St. Leonhard, Tel.: 0039-473-659086, e-mail: info@museum.passeier.it, Internet: www.museum.passeier.it. Das Museum ist von Mitte März bis Anfang November täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erlebnisbergwerk und Schutzhütte Schneeberg, Tel.: 0039-473-647045, e-mail: info@schneeberg.org, Internet: www.schneeberg.org, geöffnet vom 15. Juni bis 15. Oktober
Die wichtige Lebensader für das Passeiertal ist der Jaufenpass und das Timmelsjoch. Im Mittelalter diente der Jaufenweg als Personen- und Warentransport. Schon 1241 wurde der Saumweg über das 2509 Meter hohe Timmelsjoch als Übergang ins Ötztal erwähnt. Das Passeiertal bietet Wanderungen in Lärchenwäldern, zu Almen, Schutzhütten, Gipfeln bis fast 3.500 Metern und Gletschern. Der 1976 gegründete Naturpark Texelgruppe ist mit 33.430 Hektar der größte der Südtiroler Parks. Pfelders im Passeiertal ist Stützpunkt für zahlreiche Touren auf die Dreitausender des Ötztaler Hauptkamms, die Gipfel der Texelgruppe und die Seitentäler des Naturparks der Texelgruppe.
Anreise mit dem Zug bis Bozen, Meran und dann mit dem Bus bis Pfelders, mit dem Auto Brenner, Bozen, Meran, St. Leonhard, Moos, Pfelders oder über den Jaufenpass oder das Timmelsjoch.
Tipp Die Kochkünste von Kathl genießen. Restaurant Edelweiß Helga Kofler, Pfelders 10, I-39013 Moos in Passeier, Tel.: 0039-0473-646713, info@residence-edelweiss.it, www.residence-edelweiss.it
Auskunft Tourismusverein Passeiertal, Passeirerstr. 40, I-39015 St. Leonhard in Passeier Tel.: 0039-0473-656188, info@passeiertal.it, www.passeiertal.it oder Staatliches Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT, Kaiserstr. 65, 60329 Frankfurt, Tel.: 069-237434
Unterkunft Frühstückspension Panorama, Vigil Kuprian, geprüfter Ski- und Bergführer und Präsident des Tourismusverein Hinterpasseier, Pfelders 33, I-39013 Moos in Passeier, Tel.: 0039-0473-646727, info@panorama-pfelders.com, www.panorama-pfelders.com Zimmer mit Frühstück ab 25 Euro.
KARTE Tabacco, Passeiertal, 1:25.000
SURF-TIPPS www.provinz.bz.it/Naturparke Texelgruppe, www.bergfuehrer-passeier-schnals.com, www.passeiertal.org
Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.
Sehr geehrte ReiseTravel User,
bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank.
Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu
ReiseTravel aktuell:
![]() | ![]() | ![]() | Hensted | Wer zahlt, wenn das Fahrrad gestohlen wird? | ![]() |
Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint: Da werden die Fahrräder flugs aus Kellern und Schuppen geholt. Doch aufgepasst mahnt Thorsten Rudnik,... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Völz | Auf den Spuren des Oswald von Wolkenstein | ![]() |
Völs am Schlern als Familien-Urlaubsparadies mit hohem Erlebniswert: Sanft streichelt die Sonne die saftig grünen Almen, auf denen kleine Dörfer,... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | München | Regional und Biologisch im Duell? | ![]() |
Eine Art Testlauf war das Fachsymposium „Regionale Schätze – Genuss aus Münchens Vorgarten“. Falls die Veranstaltung ein Erfolg wird, so hieß es,... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | London | Mythos und Spirit | ![]() |
Rolls-Royce - Edel und für viele unerschwinglich: Was haben Thomas Gottschalk und David Beckham gemeinsam? Vielleicht nicht wirklich viel, aber auf... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Regensburg | Zauberhafte Stadt an der Donau | ![]() |
Reisen & Speisen in Regensburg führen zu facettenreichen Erlebnissen: Egal, wie lange ein Regensburg Aufenthalt dauert, einen kulinarischen... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Klaistow | Spargel aus Klaistow | ![]() |
Spitzenleistung: Wenn der Spargel seine Spitzen durch den märkischen Sand treibt, dann wissen Berliner und Brandenburger, dass wieder Saison für... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Berlin | DriveNow Start in Berlin | ![]() |
DriveNow, das Carsharing Joint Venture der BMW Group und der Sixt AG, und das Mövenpick Hotel Berlin haben den Start für die erste bundesweite... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Rom | Auffrischungskurs für Auto fahrende Sizilien-Urlauber | ![]() |
In Bella Italia waren Sie schon lange nicht mehr, sind aber grundsätzlich nicht abgeneigt? Bei mir war es bis vergangene Woche genauso. Da habe ich... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Uly Koch | Ein Leben am Fluss | ![]() |
In Donaueschingen befindet sich die Quelle der Donau: Nach 609 Kilometern durch Deutschland fließt der Fluss dann weiter durch zahlreiche Länder und... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Volker Lange | Benzin im Blut | ![]() |
Volker Lange Kurz vor der AMI: Vom 2. bis 10. Juni 2012 findet die AUTO MOBIL INTERNATIONAL (AMI) als PKW-Messe des Jahres in... | |||||



























