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Sabine Erl

Buchbinder Wanninger bei der Telekom?

Mit den Worten „Saubande …“ endet der Sketch des berühmten Münchner Komikers Karl Valentin im Buchbinder Wanninger. Besonders im bayerischen Raum ist das mittlerweile zu einem geflügelten Ausspruch geworden: „Wie beim Buchbinder Wanninger.“ Das bedeutet so viel wie nicht ans Ziel kommen, von einer Zuständigkeit zur anderen verwiesen werden, zigmal weitergereicht werden – ohne Erfolg. Um am Ende genau so schlau zu sein wie vorher. Der Wanninger hatte allerdings noch Glück, wenigstens bekam er eine menschliche Stimme zu hören. Wenigstens bekam er überhaupt irgendeine Antwort, wenigstens wurde er verbunden.

Ob das von Bedeutung ist. Und ob. Jedenfalls im Falle eines Falles. Also, was tun wenn man das Handy verloren hat oder es gar geklaut worden ist. Wie z. B. nach einem Einbruch ins Fahrzeug. Nach einer langen Irrfahrt über die Polizeidienststelle, den Carglassservice und dann einer anschließenden Fahrt von 560 Kilometer erreicht man das traute Heim. Schnell noch das Auto ausräumen – man weiß ja nie. Was fehlt? Oh ja, da war doch noch ein Handy. Aber wo noch gleich? Vielleicht wurde es letzten Endes auch geklaut. Dann mal lieber schnell die Karte sperren lassen. Der dreiste Dieb hat ja schon mein Navi. Auslandsgespräche ohne Ende  auf meine Kosten, das geht dann doch zu weit. Ich bin ja schließlich kein Wohlfahrtsinstitut. Das Service-Telefon der Telekom ist Gott sei Dank rund um die Uhr besetzt wie jedermann weiß. Mittlerweile zeigt die Uhr unverfroren nach 01.00 morgens.

Also, call number 01803302202 – das ist die Nummer des Servicetelefons der Telekom. Rein theoretisch jedenfalls. Was da durch den Äther kommt hört sich zunächst auch einmal ganz gut an.

„Herzlich Willkommen beim Kundenservice der Telekom. Kostenfrei erreichen Sie mich von ihrem Telekom-Handy unter der Kurzwahl 2202. Oder bei uns im Internet unter telekom.de/mobilfunk“ und weiter: „Sie können sich bei mir wie bei einem Kundenberater informieren, sie steuern mich, indem sie mit mir sprechen. Wenn Sie wollen unterbrechen Sie mich einfach“. Langsam kommen wir der Sache näher. Es folgt eine Aufforderung für mich, aktiv zu werden.

„Bitte nennen Sie mir jetzt Ihr Anliegen“. „Kartensperre“!! Antwort des Blechdings: „Darüber sprechen Sie am besten mit unserem Kundenberater - bevor ich sie verbinde noch eine Bitte, wenn Sie bereits Kunde bei der Telekom sind geben Sie jetzt ihre Mobilrufnummer ein, alternativ können sie ihre Mobilrufnummer auch über die Tastatur ihres Telefons eingeben“ Ich mache das. So – nun ist das formelle Prozedere erledigt.

Es folgt ein hoffnungsvolles: „Einen Augenblick, ich verbinde. Bitte halten Sie ihre Mobilfunknummer und ihr Kundenkennung bereit“. Mach ich doch glatt. Anstatt des Kundenbetreuers erklingt jetzt eine etwas mechanisch klingende Musik. Und dann – „Unser gesamtes Team ist momentan in der Beratung tätig - bitte haben Sie etwas Geduld. Sobald ein Berater frei ist, werden Sie verbunden“. Kann ja mal vorkommen, deshalb weiter warten. Und warten, und warten, die aufgezwungene Musik hören und noch mal warten. Plötzlich ertönt eine Stimme. Aber anstatt des Kundenberaters drängt sich mir wieder ein Automat auf: „Es tut uns leid, dass wir sie zur Zeit mit keinem Berater verbinden können. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Vielen Dank“. Aufgelegt.

Zweiter Versuch – erfolglos, ebenso wie der Dritte. Ich hab`s. Ich probier das ganze einfach ohne Nummer so als hätte ich noch keine. Vielleicht zeigen die mehr Engagement, wenn sie einen Neukunden riechen. Was folgt: Selber Text wie vorher, der den ich beinah schon aus dem Stegreif aufsagen kann.

Beim nächsten Start habe ich keine Lust mehr und schweige. Das kann der Automat dann auch nicht leiden. Und fordert mich zur Antwort auf. Darüber hinaus bietet er mir sogar einige Auswahlmöglichkeiten an: Sagen sie z. B. Tarife, News oder Kartensperre????? Weitere Themen erhalten sie wenn sie Übersicht sagen - sie bekommen jetzt eine Übersicht über die meistgenannten Themen. … das brauche ich nicht. Diesmal lege ich - schon ein wenig entnervt – den Hörer zurück auf die Gabel.  

Entschließe mich aber doch dazu, beim nächsten Versuch denselben Weg zu beschreiten und dazu ein Stichwort einzugeben. Also Kartensperre. Es folgen immer weitere Varianten. Ich sage Weiter, ich rufe Hilfe, ich verlange mehr Infos, sie hat mich leider nicht gehört, ertönt die freundliche Computerstimme am anderen Ende der Leitung. Ach nein, wie interessant. Blöd wenn man nicht gehört wird, nicht wahr. Schade, dass es sich um eine Maschine handelt. Vielleicht könnte sie dann nachempfinden wie es mir mittlerweile schon seit einer Stunde ergeht. Und das zu Nacht schlafender Zeit.

Ach ja, einzelne Gespräche werden aufgezeichnet und analysiert. Mir egal. Ich gebe mein Einverständnis weiter schön brav, allerdings mit einem mittlerweile grolligem „Ja“. Hurra, es klingelt erneut. Aber dann wieder die Ernüchterung. Es ertönt abermals die Musik, die mich mittlerweile weder beruhigt noch zum weiteren Warten animiert. Und der Satz, den ich nun auch schon nicht mehr hören kann.

Letzter Versuch. Ich schlage Sie mit ihren eigenen Waffen. Anrufen und so tun als wäre ich gar nicht da, bis endlich ein Kundenberater abhebt. Na, wie klingt das? Also, ich lasse die ganze Begrüßungszeremonie nochmals über mich ergehen. Nennen Sie mir Anliegen, nee keine Lust. Geben Sie Ihre Handy-Nummer ein – hab ich schon mehrmals. Mag ich auch nicht mehr. Langsam haben wir wieder das ganze Repertoire durch. Diesmal resigniert die Computerdame und gibt mich an einen Kundenberater weiter. Sagt sie. Unser gesamtes Team………, ja um diese Zeit. Wie viele Menschen telefonieren denn mit dem Kundenservice der Telekom mitten in der Nacht? Den Umgang mit dem Sprachportal können Sie üben, bitte sagen Sie dafür Guided Tour. Das hat mir noch gefehlt.

Vom Handy aus anrufen unter 2202 wie angeboten geht nicht, „isch abe gar keine Handy“. Zumindest jetzt nicht mehr. Aktuell möchte ich die Karte ja gerade aus diesem Grund sperren. Keine Panik - vermutlich ist ja mittlerweile bei meinem Handy der Akku leer und ohne PIN kommt niemand ins Menü rein. Internet funktioniert nämlich auch nicht. Aufgrund mehrerer falscher Eingaben wurde der Account gesperrt? Oh weh. Handy-Kriminalität – gibt es so etwas? Eine darauf spezialisierte Bande, die Handys klaut und dann vergnüglich telefoniert. Nach Lust und Laune. Ganz für umsonst. Ins Ausland womöglich und stundenlang. Die Kosten werde ich tragen. Schließlich hätte ich die Kartennummer ja nur pflichtgemäß sperren lassen  müssen, nicht wahr. Also, noch mal ein Versuch um 02.09 Uhr. Vergeblich. Das war der letzte. Für diese Nacht.

Am nächsten Tag jedoch führen meine Anrufe in dieselbe Sackgasse. „Nun, es gibt aktuell völlig neue Tarife, deshalb die Überlastung“ wird mir der Herr im Telekom-Landen dann am Montag mitteilen. Es ist also eine Ausnahmesituation gewesen. Wirklich??? Ich möchte nicht noch einmal in die Verlegenheit kommen dies auszutesten.

Mir graut jetzt noch mehr als ohnehin schon vor einer Zukunft, in der immer mehr solche Automaten den Menschen ersetzen werden.

Ihre

Sabine Erl

Und fie Erfahrungen mit "Buchbinder Wanninger bei der Telekom?"

Ein Kommentar für ReiseTravel von Sabine Erl.

 

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