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Sabine Erl

Der Fischer und seine Frau

Kinder brauchen Märchen – vielleicht mehr denn je: Und manchmal finden sie ja zum Glück auch noch ein bisschen Platz im Zeitalter der Computertechnik und dem elektronischen Unterhaltungswettlauf – wenn auch nur am Rande.

Bei den meisten jedenfalls rufen manche prägnanten Sätze angenehme Erinnerungen wach an die eigene Kindheit. Und dabei ist nicht der erhobene Zeigefinger gemeint, der sich wohl versteckt in jedem Märchen wieder findet.

Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in der See,

mine Frau, de Ilsebill,

will nich so, as ik wol will. „

Wieder erkannt? Wenn nicht, dann ist es höchste Zeit das Märchen vom Fischer und seiner Frau noch einmal zu lesen. Nicht um das Bild der gierigen Frau zu formieren, die immer den armen Mann antreibt. Obwohl – hinter jedem erfolgreichen Mann steckt eine ehrgeizige Frau, oder?

Es geht um eine allgemeine Schwäche der Menschen, egal ob Männlein oder Weiblein, ob Europäer oder was auch immer. Es menschelt, wie Eugen Roth sagen würde. Und wo es menschelt, ist die eine oder andere Schwäche selbstverständlich erlaubt. Aber auch ein paar Gedanken darüber, dass dieselben ungebremst ausgelebt gelegentlich zu schweren Rückschlägen führen können. So will es jedenfalls das Märchen. Und es tut der Seele gut zu erfahren, dass es offenbar ein gerechtes Ende gibt für allzu viel Gier – wenn auch nur in der Geschichte mit dem Fazit: „Wer nicht mehr genug kriegen kann, der steht am Ende ohne alles da“.

Von der Fischerhütte zum eigenen Heim mit Garten – vom Heim mit Garten zum Schloss – von der Schlossbesitzerin zur Königin usw. bis sie am Ende wieder in der alten Fischerhütte landet die Ilsebill. Frau des Fischers, der einem Butt die Freiheit geschenkt hat und dafür ein paar Wünsche offen hatte. Nun die schlimmsten Wünsche sind gelegentlich die, die in Erfüllung gehen. Die Frau des Fischers ereilte dieses Schicksal, weil sie Gott sein wollte. Wir kennen das ja von Babylon.

Wer zu hoch hinaus will, der ist vielerorts in Gefahr. Jedenfalls derjenige welcher viel zu hoch hinaus will. So wie Ikarus, der in der Sonne verbrannt ist, weil ihm das Fliegen nicht mehr genug gewesen ist. Die modernere Version davon wäre eventuell das Lied von Nicole: „Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund. Die Sonne brennt dort oben heiß. Wer zu hoch hinaus will, der ist in Gefahr“.

Den Grundtenor aus dem Märchen der Gebrüder Grimm vom Fischer und seiner Frau finden wir in zahlreichen Erzählungen wieder. Da wird wohl was Wahres dran sein, wenn sich die Menschen in den Jahrtausenden immer wieder damit befasst haben.

Und die Moral von der Geschichte:  Ist es nicht eben gerade unsere Generation, welche sich in der glücklichen Situation befindet Kindheit,  Jugend und wie wir hoffen auch das Alter in einer kriegslosen Zeit erleben zu dürfen. Manchmal so scheint es, kann man dann den Sinn dafür verlieren, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen.  Nicht als Aufforderung, sich mit allem zu begnügen und sich auf den Lorbeeren des Erreichten auszuruhen. Sondern als Anregung, sich zu freuen über das was man besitzt und sich auch ein wenig Zeit zu nehmen innezuhalten und  zu genießen. Dafür ist vielleicht gerade dieses Märchen gut.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl

 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

 

 

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