![]() | ![]() | ![]() | München | Dreiklassenmedizin für alle | ![]() |
Dreiklassenmedizin für alle
Sehr geehrte ReiseTravel User, als Reichskanzler Otto von Bismarck die Sozialgesetze verabschiedete, wollte er eigentlich nur eines: den Besitzlosen ein „Soziales Königtum“ vorgaukeln. Es ist also nichts Neues, dass Politiker die Tatsachen verdrehen, um sich ins rechte Licht zu rücken. Vor der Wahl wird versprochen, Zahlen frisiert, schön geredet und hinterher gilt die Aussage: „Was kümmern mich meine Worte von gestern“.
So sollte laut Aussagen des ehemaligen Gesundheitsministers das Gesundheitssystem besser und dabei nicht teurer werden. Schon Monate später wurden seine Aussagen Lügen gestraft. Über 70 Millionen Versicherte zahlen bei der aktuellen Gesundheitspolitik kräftig drauf. Gemeint sind hier die Menschen mit kleinerem oder mittlerem Einkommen aber auch die Rentner- und Rentnerinnen. Wie hieß es noch gleich: „Die Versicherten werden keine höheren Beiträge zahlen“. Nettes Wortspiel. Keine höheren Beiträge – dafür aber höhere Kopfpauschalen, die auf sie umgelegt werden. Oder hat er etwa Folgendes gemeint: Besserverdienende, die Arbeitgeber, die Pharmakonzerne, die Apotheker, Teile der Ärzteschaft und die private Krankenversicherung sind die großen Gewinner dieser gerechteren Politik. Der versprochene Sozialausgleich lässt bis heute auf sich warten.
Gelegentlich aber ist der Ansatz noch viel schlimmer als eine bloße falsche Darstellung der Fakten. Nämlich dann, wenn Begründungen zugezogen werden, welche die Tatsachen verschleiern sollen. Und hinterher steht das Volk, das nach bestem Wissen und „Gewissen“ regiert werden sollte, wieder angeschmiert da. So auch bei der Gesundheitsreform à la Rösler. Wenn die Beitragsanhebung vor der Wahl rückgängig gemacht wurde, um dann hinterher wieder angehoben zu werden, dann lässt sich leicht nachrechnen wer wieder einmal auf dem Verliererposten steht. Auf diese Weise sind wir leise, still und heimlich zu einer Beitragsanhebung bei den Krankenkassen auf 15,5 Prozent gekommen. 8,2 Prozent zahlen davon die Beschäftigten, 7,3 Prozent der Arbeitgeber. Während jedoch der Arbeitgeberanteil stagniert, im Fachjargon eingefroren wird, können die Kosten für die Arbeitnehmer ins Unermessliche steigen. Bei ihnen schlagen nämlich die zu erwarteten Kostensteigerungen zu Buche.
Muss ja auch sein. Schließlich erlauben wir zivilisierten Menschen uns die Frechheit unsere Lebenserwartung ständig zu erhöhen was zu mehr älteren Versicherten führt, die entsprechend häufig auch krank sind. Des Weiteren gehen wir alle wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt. Auch das müsste nicht sein. Erschwerend kommt noch hinzu, dass wir uns Medikamente verschreiben lassen. Wir sollten uns wirklich schämen, wir Weicheier. Ein richtig schlechtes Gewissen sollte man haben. Das alles belastet die Versicherungen unnötig. Ergo – es bleibt nichts anderes übrig als die Beiträge ständig zu erhöhen und die Kopfpauschale einzuführen. Da führt kein Weg daran vorbei, oder?
Es ginge schon anders. Wenn sich alle Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit am Gesundheitswesen beteiligen würden. Und bist Du nicht willig, dann brauch ich Gewalt. Eine gesetzliche Regelung wäre notwendig dafür zu sorgen, dass Wohlhabende nicht aussteigen, sondern sich zur solidarischen Krankenversicherung bekennen.
Der Geringverdiener bleibt bei den gesetzlichen Krankenkassen und diejenigen, die wirklich Beiträge einbringen würden, wechseln zu den Privaten. Zu allem Übel ist nun auch noch die Wartezeit für den Wechsel von der gesetzlichen zur privaten Kasse gesenkt worden, was es den Besserverdienern zusätzlich erleichtert, aus dem Pool auszusteigen. Die Wartezeit um in eine Privatversicherung zugelassen zu werden beträgt nun gesetzlich nicht mehr drei, sondern nur noch ein Jahr. Junge, gesunde und Gutverdienende kehren der Gemeinschaft dabei den Rücken zu, wechseln zu Privatversicherungen und werden dabei auch noch tatkräftig unterstützt. Was sie häufig nicht berechnen, die günstigen Einsteigetarife steigen später extrem an. Darüber hinaus sind Ehegatten und Kinder nicht mitversichert. Ein Nachteil, den sie erst sehr viel später zu spüren bekommen.
Straight führt der Weg zur tolerierten Dreiklassenmedizin. Der pauschale Festbetrag, liebevoll die kleine Kopfpauschale genannt, ist ein Einheitsbetrag, den jeder unabhängig vom Einkommen zu zahlen hat. Das klingt gerecht, oder? Ist es aber keineswegs. Die finanzielle Belastung durch die so genannte Kopfpauschale ist für Menschen mit niedrigem Einkommen ungleich höher als für Besserverdienende. Fakt ist, dass auf lange Sicht Gesundheit bezahlbar wird – oder eben nicht. Das Prinzip, dass starke Schultern mehr leisten können als Schwache soll einem Alles-für-Mich-System weichen. Das Ende vom Lied wird sein – die Behandlung erfolgt in dieser Reihenfolge. Behandelt werden zunächst die Privatversicherten, dann kommen diejenigen, die Vorkasse bezahlen und das Schlusslicht bilden die Normalversicherten.
Ein mehr als einhundert Jahre funktionierendes Solidarprinzip verfällt zu Staub und Asche. Eine Konstante, die in Zusammenhang mit der einkommensabhängigen Einzahlung vom Ausland als vorbildlich gesehen wurde und international anerkannt war.
Uneingeschränkte Handlungsfreiheit hat wie es scheint dafür die Pharmaindustrie. Nach dem Arzneimittelneuordnungsgesetz kann sie zu bestimmten Zeiten die Preise für eine Medizin selbst festlegen. Die Apotheken dürfen darüber hinaus teure Medikamente anbieten, die bei gleicher Wirkung mehr kosten als ein anderes, der Restbetrag – den die Kasse nicht bezahlt, bleibt am Patienten hängen. Es ist zu befürchten, dass vor allem ältere Menschen an den Wirren scheitern werden. Weil gelegentlich teurere individuelle Behandlungen dann von der Kasse nicht bezahlt werden.
Ihre
Sabine Erl
Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.
Sehr geehrte ReiseTravel User,
bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank.
Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu
ReiseTravel aktuell:
![]() | ![]() | ![]() | Hensted | Wer zahlt, wenn das Fahrrad gestohlen wird? | ![]() |
Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint: Da werden die Fahrräder flugs aus Kellern und Schuppen geholt. Doch aufgepasst mahnt Thorsten Rudnik,... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Völz | Auf den Spuren des Oswald von Wolkenstein | ![]() |
Völs am Schlern als Familien-Urlaubsparadies mit hohem Erlebniswert: Sanft streichelt die Sonne die saftig grünen Almen, auf denen kleine Dörfer,... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | München | Regional und Biologisch im Duell? | ![]() |
Eine Art Testlauf war das Fachsymposium „Regionale Schätze – Genuss aus Münchens Vorgarten“. Falls die Veranstaltung ein Erfolg wird, so hieß es,... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | London | Mythos und Spirit | ![]() |
Rolls-Royce - Edel und für viele unerschwinglich: Was haben Thomas Gottschalk und David Beckham gemeinsam? Vielleicht nicht wirklich viel, aber auf... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Regensburg | Zauberhafte Stadt an der Donau | ![]() |
Reisen & Speisen in Regensburg führen zu facettenreichen Erlebnissen: Egal, wie lange ein Regensburg Aufenthalt dauert, einen kulinarischen... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Klaistow | Spargel aus Klaistow | ![]() |
Spitzenleistung: Wenn der Spargel seine Spitzen durch den märkischen Sand treibt, dann wissen Berliner und Brandenburger, dass wieder Saison für... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Berlin | DriveNow Start in Berlin | ![]() |
DriveNow, das Carsharing Joint Venture der BMW Group und der Sixt AG, und das Mövenpick Hotel Berlin haben den Start für die erste bundesweite... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Rom | Auffrischungskurs für Auto fahrende Sizilien-Urlauber | ![]() |
In Bella Italia waren Sie schon lange nicht mehr, sind aber grundsätzlich nicht abgeneigt? Bei mir war es bis vergangene Woche genauso. Da habe ich... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Uly Koch | Ein Leben am Fluss | ![]() |
In Donaueschingen befindet sich die Quelle der Donau: Nach 609 Kilometern durch Deutschland fließt der Fluss dann weiter durch zahlreiche Länder und... | |||||
![]() | ![]() | ![]() | Volker Lange | Benzin im Blut | ![]() |
Volker Lange Kurz vor der AMI: Vom 2. bis 10. Juni 2012 findet die AUTO MOBIL INTERNATIONAL (AMI) als PKW-Messe des Jahres in... | |||||



























