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Weinheim

Aus dem Brautstrauß wuchs ein stattlicher Baum

Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof: Am schönsten sind die Geschichten zu den Pflanzen. Ob die riesigen Mammutbäume im Exotenwald, angrenzend an den Schlosspark. Oder die seltenen Gewächse im Hermannshof – so heißt der Schau- und Sichtungsgarten, der von dem in Weinheim ansässigen Weltunternehmen Freudenberg quasi als kleines Paradies inmitten der Stadt gepflegt wird. Mit den Geschichten fangen sie zu leben an, diese Pflanzen. Wie jene Myrthe, mittlerweile acht Meter hoch und so breit, das sie fast quadratisch wirkt. Sie steht genau neben dem Gärtnerhaus des Hermannshofs. Im Sommer weist ein Metallgerüst darauf hin, dass der Busch jeden Winter ein Haus gebaut bekommt. Sonst würde die Myrthe den Winter hierzulande nicht überstehen. Wenn das Haus einmal zu klein geworden ist, wird man es vergrößern, denn die Myrte darf nicht sterben. Für die Familie Freudenberg ist der Baum das Herz-Stück des Gartens. Entstanden ist die Myrte einst aus einem Zweiglein im Brautstrauß von Helene Freudenberg. Das war im Jahr 1879. Noch heute darf sich jedes Fräulein Freudenberg vor der Hochzeit daraus einen Brautstrauß herausschneiden.  

 

 

Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof nimmt eine Ausnahmestellung unter den Parks und Gärten in Weinheim ein. Denn einerseits ist er natürlich Oase und Ausflugsziel für alle Freunde von Natur und Gärten. Andererseits widmet er sich aber wissenschaftlichen Untersuchungen und ist vergleichbar sogar mit Universitätsgärten wie jenem in Hohenheim bei Stuttgart.

Seit 1998 ist Landschaftsarchitekt Cassian Schmidt  für die rund 2,2 Hektar große Idylle verantwortlich. Studenten der Fachhochschule Wiesbaden, angehende Landschaftsplaner, studieren hier „en nature" botanische Kompositionen. Welche Stauden sind besonders einfach zu pflegen, eignen sich deshalb besonders für die Pflanzung in öffentlichen Bereichen - und schmücken trotzdem? Etwa 5 200 Arbeitsstunden jährlich erfordert die gepflegte Blütenpracht. Allein 18 000 Blumenzwiebeln werden im Herbst in die Erde gesteckt. Regelmäßig tauschen die Weinheimer mit 250 Gärtnereien in Nordamerika Samen aus.

Zu den Besonderheiten im Park gehören auch ehrwürdige Bäume, wie eine 230-jährige Riesenplatane, die unter der Wurzel einen hohlen Stamm hat, der über einen Schacht sogar begehbar ist. Außerdem, um nur eine Auswahl zu nennen: ein eindrucksvoller Ginkgo biloba (110 Jahre), ein über 100 Jahre alter Sequoiadendron giganteum (Stammumfang neun Meter!), ein Taschentuchbaum, eine immergrüne Eiche, eine Pergola mit 70 Jahre alten, besonders langdoldigen Glyzinen. Sie blüht im Frühjahr besonders violett und üppig und ist wahrscheinlich das am häufigsten benutzte Hochzeitsmotiv Weinheims. Zu jeder Jahreszeit zeigt der Hermannshof ein anderes „Gesicht". Rund 100 000 Gäste aus aller Welt besuchen während eines Jahres den Garten.

Die Geschichte des Hermannshofs hängt in Weinheim mit dem Deutschorden zusammen: Im 18. Jahrhundert geriet der Deutsche Ritterorden in große finanzielle Schwierigkeiten. Er musste seinen Weinheimer Kommendenverwalter Sartorius statt mit Barentgelt mit der Nutzung des Gewannes „Im Sand“ entlohnen, wo später der Hermannshof angelegt wurde. Die beiden Schwiegersöhne von Sartorius, Ferdinand Anton Becker und Lambert Babo, konnten dann 1759 und 1763/64 zwei aneinander grenzende Grundstücke im Gewann „Frauenböhl“ und „Im Sand“ erwerben. Sie wandelten diese in einen barock gestalteten Garten mit einem „Lusthaus“ an der Grenze des Grundstückes um. Dieses Haus kann als erster Vorläufer des heutigen Hermannshofes gelten.

Bis 1862 lebte der Sohn Lambert von Babos in dem Anwesen. Er galt als Fachmann fortschrittlicher Landwirtschaft, veröffentliche agronomische Schriften und entwickelte neue Gerätschaften und Düngemethoden. Durch seinen Kunstsinn wurde das Haus zu einem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Weinheim.

1888 erwarb der junge Unternehmer Hermann Ernst Freudenberg (1850-1923), der Sohn des Firmengründers Carl Johann Freudenberg, das für ihn günstig gelegene Anwesen und baute es zu einem dreigeschossigen Wohnhaus um. Im Jahre 1900 erhielt das Haus den Namen „Hermannshof“. Hermann Ernst Freudenberg wurde im Jahre 1918 Weinheimer Ehrenbürger.

Im Jahre 1981 entschloss sich die Unternehmensleitung der heutigen Weltfirma Freudenberg, den „Hermannshof“ zu einem Seminar- und Empfangszentrum für das Unternehmen umzugestalten; das Gebäude wurde zu diesem Zwecke umgebaut.

Der Garten wurde 1983 in eine öffentliche Stiftung „Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof“ überführt. Er ist als einziger von 13 Schau- und Sichtungsgärten in Deutschland in privater Hand. Mit 20 Prozent beteiligt sich die Stadt Weinheim am Unterhalt der öffentlich zugänglichen Anlage.

Von 1981 bis 1997 hatte Professor Urs Walser hatte die Gesamtleitung der wissenschaftlichen  Einrichtung der Carl Freudenberg Stiftung in Weinheim inne. Der Hermannshof (Babostraße 5) ist im Sommer bis 19 Uhr geöffnet.                               

 

Kontakt

 

www.sichtungsgarten-hermannshof.de - www.weinheim.de

 

Schlossrestaurant „Hutter im Schloss“

Tel. 06201-99 55 0, info@hutter-im-schloss.de

 

www.hutter-im-schloss.de

 

Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg
Esslinger Str. 8, D-70182 Stuttgart

www.tourismus-bw.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Roland Kern.

 

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