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Neumarkt

Heimat für automobilen Mythos in der „Provinz“

Kieferchirurg schuf weltweit erstes Maybach-Museum: An die Reaktion der Automobilmanager von Mercedes-Benz kann sich Helmut Hofmann noch genau erinnern. Als der 57 jährige Kieferchirurg in Stuttgart von seinen Plänen berichtete, in Neumarkt in der Oberpfalz, einer rund 40 000 Einwohner großen Kreisstadt, das weltweit erste Museum für historische Maybach-Fahrzeuge zu eröffnen, fiel die Antwort des heutigen Maybach-Mutterkonzerns eindeutig aus: „Die Idee fanden Sie super, den Standort eine Katastrophe“, erinnert sich Hofmann. „Yes we can“, sagte er sich trotzdem und zusammen mit seiner einstigen Studienkollegin und inzwischen langjährigen Ehefrau Anna schuf er das „Museum für historische Maybach-Fahrzeuge“ (www.automuseum-maybach.de), das eröffnet wurde.  

16 automobile Wunderwerke, zehn Prozent aller weltweit noch vorhandenen Modelle, sind in den Hallen der ehemaligen Fahrradfabrik Express,  auf 2500 Quadratmeter ausgestellt. Seit dem Ende des Unternehmens vor einem halben Jahrhundert gab es für die mehr als 8000 Quadratmeter große Industrieanlage keine sinnvolle Nutzung mehr. Hofmann kaufte mit seiner Frau Anna die Gebäude und bewahrte sie so vor der Abrissbirne.  

 

Anna und Helmut Hofmann sagten “Yes we can“ und haben in Neumarkt/Oberpfalz – mitten in Bayern – das weltweit erste Maybach-Museum aufbebaut  

Die Idee, ein Museum zu gründen, hatte der Neumarkter bereits vor zehn Jahren. 2006 ergab sich schließlich die Möglichkeit, das ehemalige Industriegelände in seiner Heimatstadt zu nutzen. Gemeinsam mit seiner Frau Anna hat Hofmann den Bau und die Gestaltung der Räume zusammen mit den Innenarchitekten Gudrun und Johannes Berschneider konzipiert.  Hofmann versteht sein Museum als Hommage an das Leben der deutschen Konstrukteure Wilhelm und Karl Maybach. Der Neumarkter Arzt will den „Leuten einfach mal zeigen, was deutsche Ingenieurskunst alles bewerkstelligt hat“.  

Wie an einer Perlenkette aneinandergereiht  stehen die  Maybachs in Neumarkt  im  Museum  

Prunkwagen mit dem doppelten M auf dem Kühlergrill gelten als das Beste was die deutsche Automobilindustrie jemals entwickelt hat. Maybach ist trotzdem nie eine Erfolgsgeschichte gewesen. Was wäre Mercedes ohne Maybach? Auf den ersten Blick vielleicht um ein paar Sorgen ärmer. Doch ohne Maybach würde es Mercedes womöglich gar nicht geben. Schließlich war es der 1846 in Heilbronn geborene Wilhelm Maybach, der für seinen Ziehvater Gottfried Daimler die Motoren zum Laufen brachte.

Am 3. Juli  1986 feierte die Welt den 100. Geburtstag eines technischen Geräts, das sie nachhaltig verändert hat und jetzt in der tiefsten Krise seiner Geschichte steht.

An diesem Tag unternahm Karl Benz in Mannheim seine erste offizielle Ausfahrt mit einem Dreirad-Motorwagen. Nur ein Jahr später trat sein schwäbischer Landsmann Gottfried Daimler mit einer auf Motorbetrieb umgebauten Pferdekutsche an. Der zweite Meilenstein auf dem Weg des Automobils in eine weltverändernde Zukunft setzte 1901 Daimler-Chefkonstrukteur Wilhelm Maybach.

In Auftrag gegeben wurde er vom k.u.k.-Konsul in Nizza, Emil Jellinek, einem recht geschäftstüchtigen Herrn mit sportlichen Ambitionen. Dieser Jellinek handelte mit Daimler-Autos und setzte Maybach im November1899 zu, ihm ein Fahrzeug mit stärkerem Motor zu bauen. Es sollte den französischen Wagen überlegen sein, die damals die modischen und verkaufsfördernden Rennprüfungen gewannen; so gesehen die Formel 1 der vorletzten Jahrhundertwende. 

Da der Auftrag mit der Bestellung von 36 weiteren Daimlerwagen verbunden war, konnte Maybach nicht ablehnen. Sein neuer Vierzylindermotor war wesentlich leichter und leistete 35 PS – zwölf mehr als sein Vorgänger.

Mit der neuen Maybach-Konstruktion startete Jellinek unter „falschem Namen“. Wohl weil vom Krieg 1870/71 noch Ressentiments erhalten waren, gab er dem Auto statt Daimler den Namen seiner Tochter: Mercedes. Der neuentwickelte Mercedes siegte im März 1901 bei der Rennwoche in Nizza, und der Name wurde dann beibehalten. 

Dieser erste Mercedes war für die damalige Zeit ein bemerkenswert fortschrittliches Auto, mit Stahlblech-Chassis und tiefergelegtem Schwerpunkt.

Für die folgenden Jahre wurde Maybachs gelungener Entwurf zum Vorbild und selbst die französische Presse feierte den Schöpfer als „König der Konstrukteure“. Der dritte Mann der knapp 125 jährigen Automobilgeschichte, neben Benz und Daimler ursprünglich das „fünfte Rad“ der automobilen Historie wurde zur No. 1.

Jetzt schreibt Maybach noch mal Geschichte und die No. 1 heißt jetzt Helmut Hofmann. Der 57 jährige Kieferchirurg, ein Maybach-Spätberufener, erklärt seine automobile Liebe so: „Mein Vater war Kfz-Mechaniker, ich wurde daher früh zum Autonarren, doch die Marke Maybach habe ich für mich erst vor gut 20 Jahren entdeckt“, erzählt er in seinem Maybach-Museum, das einzigartig auf der Welt ist und termingerecht zum 100. Jubiläum der Maybach Motorenbau GmbH-Firmengründung zum Frühjahrsbeginn 2009 in Neumarkt/Oberpfalz eröffnet wurde.

Auf dem Weg zum Maybach-Museum hatte der Kieferchirurg bei aller Sammlerleidenschaft viele Hürden zu überwinden. Einmal traf er etwa einen Verkäufer, der sich anfangs sehr bedeckt gehalten hatte. Nach längerer Zeit hat er ihn zufällig wieder gesehen. „Diesen Maybach hab’ ich per Handschlag bekommen“, erzählt der Museumsgründer. Hofmann sammelt seit den 80er Jahren die automobilen Klassiker. Damals noch Student, war er in den Semesterferien als Postbote unterwegs, um seine automobile Leidenschaft verwirklichen zu können.  „Maybach war eine Marke, die im verborgenen geschlummert hat, dafür hat sich kaum jemand interessiert“, berichtet er. Sonst hätte Hofmann nach eigener Einschätzung wohl nicht so viele Modelle aufkaufen können, mehrere Autos hat er in Russland vor der Schrottpresse gerettet“.     

Das einzigartige Museum des 57 jährigen fällt unter die Kategorie “klein, aber fein“. Schließlich sind die automobilen Prestigeprojekte von einst ausgesprochen rar. „Es gibt weltweit noch etwa 160 Autos“. Immerhin ein Zehntel des rund um den Globus verteilten Oldtimer-Bestandes aus dem Hause Maybach ist nun in der ehemaligen Neumarkter Fahrradfabrik zu bewundern. Hofmann zeigt 15 eigene Autos und eine Leihgabe aus den Baujahren 1926 bis 1939.

Davon sind zehn Wagen fahrbereit und glänzen, als wären sie gerade erst aus der Montagehalle gerollt. Die restlichen Maybachs sollen nach und nach restauriert werden. Bis dahin präsentieren sie sich mit all ihren Macken, die sie im Laufe der Jahrzehnte abbekommen haben – Rost ist da noch einer der harmlosesten Schönheitsfehler. „Es geht vom zersägten  Scheunenfund bis zum Konkurs-Klassiker“, beschreibt der Maybach-Modellretter die Bandbreite. Die Besucher können aber nicht nur die Fahrzeuge bewundern, auch ihre Geschichte wird erzählt. So erfahren die Oldtimer-Freaks, welcher Prominente wann welchen Maybach ge- oder verkauft hat.

Vom Maybach-Motorenwerk, das zunächst für Zeppelin-Motoren bekannt war, wurden zwischen 1921 und1941 nur rund 1800 Fahrzeuge gebaut – also im Durchschnitt gerade einmal 90 pro Jahr. Vor 100 Jahren gründete Wilhelm Maybach zusammen mit dem Luftschiffskonstrukteur Ferdinand Graf von Zeppelin sein Unternehmen als Luftfahrzeugbau-Motorenbau GmbH im schwäbischen Bissingen an der Enz. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs und in der Folge des Versailler Friedensvertrages wurde die Firma 1918 zur Maybach-Motorenbau GmbH umbenannt. 1919 begann die Produktion von Automobilen. 1922 rollte das erste Modell aus dem Werk in Friedrichshafen.  

Die Maybachs protzten mit Größe und Hubraum. Daher konnte es auch sein, dass ein sechs Meter langer Zweitürer zwar jeden erdenklichen Luxus bot, sich aber letztlich hinter dem imposanten Blechkleid nur ein Mini-Kofferraum verbarg. Technisch waren die Nobelkarossen ihrer Zeit voraus, auch eine halbautomatische Lenkradschaltung war damals schon machbar. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie detailverliebt die waren“, schwärmt Hofmann. Alles wurde damals individuell nach Kundenwunsch gefertigt – von der Karosserie bis hin zum eingebauten Zigarrenabschneider.

Über den Wert der Fahrzeuge möchte der Kieferchirurg nicht sprechen. „Aufgrund der geringen Zahl der Maybachs gibt es auch keine wirkliche Marktbewertung“, sagt er. 2002 hauchte DaimlerChrysler der Traditionsmarke neues Leben ein. Der Konzern bewirbt die Limousinen mit dem typischen Doppel-M auf dem Kühler und verkauft zu Preisen von 300 000 bis 500 000 Euro weltweit 300 Stück pro Jahr; als Leihgabe steht ein Modell statt auf Halde im Maybach-Museum in Neumarkt.

Eins darf nicht unerwähnt bleiben: Anna Hofmann, die „gute Seele“ des Maybach-Museums, hat bereits 1997 die Anna-Stiftung (www.anna-stiftung.de) gegründet, mit der benachteiligten Kindern und Jugendlichen und deren Familien, die unverschuldet in Not geraten sind - unabhängig von Nationalität, Religion und sozialem Stand -  geholfen wird.                                              

 

Kontakt

 

Museum für historische Maybach-Fahrzeuge

Holzgartenstrasse 8, D-92318 Neumarkt

Telefon (0049) 09181 - 4877100,Telefax (0049) 09181 – 4877000, info@automuseum-maybach.de www.automuseum-maybach.de

Eintrittspreise: Erwachsene € 7,50, Kinder unter 6 Jahren € 0,00, Schüler, Studenten, Schwerbehinderte € 4,00, Familienkarte € 17,00, Schulgruppen € 3,00, Gruppen ab 12 Personen € 6,50, Fotoerlaubnis € 2,50, 90-Minuten-Führungen (Deutsch/Englisch) € 40,00 zuzüglich zum Eintrittspreis. 

Öffnungszeiten: Täglich außerdem Montag von 10 bis 17 Uhr.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText                            

 

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