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Im Herzen des Meeres
Boulogne-sur-Mer ist eine Stadt der Kunst und Geschichte: Dies zeigt sich mit dem Nischenchor am Fuße der Stadtmauer und seiner architektonischen und kulturellen Vielfalt.
Die bereits unter Napoleon I. blühende Bade- und Garnisonsstadt steht als „Ville d'art et d'histoire“ unter besonderem Schutz. Heute ist Boulogne-sur-mer Frankreichs größter Hafen für Frischfisch und Europas wichtigstes Zentrum für die Herstellung von Fischkonserven. Boulogne war, wie Calais, einst eine englische Stadt, woran die in der Altstadt prangende, gut erhaltene Burg und die Stadtmauern erinnern. Interessanterweise gingen sowohl der erste Flugversuch über den Kanal - mit einem Ballon in Jahren den zwischen 1780 und 1790, als auch die ersten Radiosignale von Wimereux aus, das in der Nähe der Stadt liegt. Ebenso findet man hier zahlreiche Spuren des Zweiten Weltkriegs, mit dem sich auch mehrere Museen befassen.
Boulogne ist als Reiseziel bestens geeignet: Die Stadt liegt im Herzen der Cöte d'Opale, die Touristen und Urlaubern Freizeitmöglichkeiten wie Golf, Reiten und eine Vielfalt an Wassersportarten bietet - die letztere stützen sich auf die ausgedehnten Sandstränden der Region. Diese Gegend glänzt auch durch die Schönheit ihrer Natur, zumal sie nicht weit von Cap Gris Nez, Cap Blanc Nez und dem größten Waldgebiet der Region entfernt ist. Die Cöte d'Opale wurde auch von England aus geprägt. Le Touquet, Hardelot und Wimereux verdanken ihre Ursprünge größtenteils den Engländern, die zur Zeit der Jahrhundertwende herüberkamen.
Nicht verpassen sollte man einen Besuch im nationalen Meeresmuseum Nausicaä sowie den Fischmarkt morgens um sechs besuchen.
Schildkröten...

...Schlangen...

und Fische bestimmen die Ausstellungen
Nausicaa ist das erste französische Zentrum, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Besucher mit der Welt des Meeres bekannt zu machen und dabei in der Öffentlichkeit das Bewusstsein zu wecken, wie wichtig es ist, im Einklang mit dem Meer zu leben.
Das imposante Haus empfängt jährlich 600.000 Besucher und rangiert unter den Top Ten der Touristen- und Kulturattraktionen Frankreichs. Seit seiner Öffnung in Mai 1991 wurden 10 Millionen Besucher empfangen.
Die Aquarien beherbergen mehr als 35.000 Fische und andere Meerestiere, vom mikroskopisch kleinen Plankton bis zu riesigen Haien. Diese Aquarien, in denen alle großen Weltmeere vertreten sind, befinden sich in einem eindrucksvollen Ambiente. Auch Geschäfte, Cafe-Bars und eine Buchhandlung sind vorhanden. Es ist mehr als nur eine erfolgreiche Touristenattraktion. Hier wird auch Zucht und Aufzucht betrieben, hier werden kranke Tiere gepflegt und zusätzlich ist ein Kulturforum und Forschungsstation mit eigenem Multimedia-Center integriert.
Darüber hinaus kommt ihm eine erzieherische Rolle zu, denn es regt zum Weiterdenken an. Man befasst sich mit der Umwelt und weckt in der Öffentlichkeit das Bewusstsein, wie wichtig es ist, verantwortungsvoll gegenüber den Weltmeeren zu handeln, wenn uns deren Ressourcen und deren Schönheit erhalten bleiben sollen.
Die Anfänge von NAUSICAA liegen in den frühen 80ern, als der Bürgermeister von Boulogne, Guy Lengagane – der spätere Fischereiminister, sich der Aufgabe gegenüber sah, eine erstklassig gelegene Anlage, direkt am Meer, zu sanieren - das frühere Kasino der Stadt. Gemeinsam mit drei Ozeanografen hob er schließlich das Konzept aus der Taufe. Aus diesem Unternehmen sollte mehr als einfach nur ein Aquarium werden, und die Umwelterziehung sollte dabei groß geschrieben werden.
Der Name NAUSICAA wurde von der jungen Heldin in Homers Odyssee abgeleitet, die sich nach Odysseus' Schiffbruch um ihn kümmerte.
Gerade zehn Jahre später, im Mai 1991, öffnete NAUSICAA seine Türen. Finanzielle Unterstützung kam von Seiten der regionalen Behörden und der Europäischen Gemeinschaft.
Der Erfolg stellte sich prompt ein: In den ersten sechs Monaten wurde NAUSICAA von mehr als 500.000 Menschen besucht. Vom 18. Mai 2001 bis heute zählte das Zentrum fast 10 Millionen Besucher, was es zu einer der meistbesuchten Attraktionen Europas und zur populärsten in Nordfrankreich machte. 2008 wurde im Nationalen Meereszentrum die interaktive Ausstellungsplattform „Planet NAUSICAA“ für die Vermittlung von Wissen und Informationen über die Meere und eine nachhaltige Entwicklung eröffnet. Im ersten Teil des Rundgangs im neuen Bereich sind wechselnde Ausstellungen zu sehen, die alle zwei Jahre erneuert werden. Hier stehen verschiedene Meeresregionen der Welt im Mittelpunkt, und ein bestimmtes Meer, eine Küste, eine Inselgruppe oder eine Insel und die dort lebende Bevölkerung können entdeckt werden. Die erste Begegnung dieser Art ist eine Ausstellung über Madagaskar und den Kanal von Mosambik.
„Auf der Spur des Coelacanthus lautet diese Ausstellung!“

Emmanuelle Laga führt die Besucher aus Deutschland
Die Reise beginnt im Mosambik-Kanal an der Küste von Madagaskar und der von Mangroven bestandenen Mündung des Flusses Betsiboka. Dieser Kanal von Mosambik entstand vor 160 Millionen Jahren, als sich ein Erdstück vom Festland löste. Dieses Erdstück, das heutige Madagaskar, ist die viertgrößte Insel der Erde und liegt 400 km von der afrikanischen Küste entfernt im Indischen Ozean. Die in diesem weit zurückliegenden Zeitalter hier lebenden Arten haben sich unter anderen Bedingungen entwickelt als die Arten auf dem nahen Festland. Dies erklärt auch ihr auf dieses Gebiet beschränktes (endemisches) Vorkommen und ihre Arteigenheit. Die Koralleninseln und die vulkanischen Inseln, die sich in dem Kanal gebildet haben, wurden von eingewanderten Arten bevölkert. Alle diese Inseln sind sehr empfindlich und die intensive Besiedlung dieser isolierten Landstücke von geringer Größe durch den Menschen hat mitunter katastrophale Folgen. Nur durch einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen kann die Armut bekämpft werden.
Die an Lebewesen reichen Gewässer des Kanals von Mosambik beherbergen eine vielfältige Fauna, darunter einige geheimnisvolle Kreaturen wie den Coelocanthus, den Fisch, der die Zeitalter überlebt hat. Als echtes lebendes Fossil ist er Zeuge der Geschichte des Lebens auf unserem Planeten. Betrachtet man diesen „Überlebenden der Evolution“, stellt sich die Frage nach der Anpassungsfähigkeit der lebenden Arten angesichts der ökologischen Umwälzungen, die die Erde heutzutage durchmacht.
Eine hoch interessante Ausstellung zum Anfassen. Zum Besuch sollte schon ein halber Tag eingeplant werden, vor allem wenn man Kindern unterwegs ist. Super!
Von Calais nach Dover
Nausicaa Boulevard Sainte-Beuve BP 189
F-62203 Boulogne sur Mer Cedex France
Ein Beitrag für ReiseTravel von Ingrid Picquart Fotos Gerald H. Ueberscher
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