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Achensee

Ölquelle am Fjord ist noch nicht versiegt

Die letzten Steinölbrenner in Europa haben ihre Heimat am Achensee: „Der Achensee sei der Fjord der Alpen“, flunkert Daniela Neuhauser, einzigste weibliche Kapitänin der Achenseeschiffahrt. Wer aber mit ihr über den See schippert, hält den Vergleich gar nicht mehr so weit hergeholt. Tirols größter Badesee zeigt sich kristallklar, türkisblau bis aquamarin schimmernd, umrahmt von steilen Felsen des Karwendelgebirges und einem nur schmalen Wanderpfad am Seeufer. Er liegt auf einer Höhe von rund 930 Metern und ist zehn Kilometer lang. Segler und Surfer schätzen die hervorragenden Windverhältnisse, Taucher die Unterwasser- Sichtweiten von bis zu zehn Metern.

Der See begleitet die Käpitänin seit ihrer Kindheit. „Im Achensee lernte ich schwimmen, tauchen, baute Flösse, watete mit Gummistiefeln im Bodenschlick. Der See ist wie ein guter Freund. Schon als kleines Mädchen erzählte ich ihm meine Geschichten, traurige und lustige.“ Damals wollte Daniela Neuhauser Pilotin werden, wegen der tollen Uniform. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen ging sie zur Achenschiffahrt, bekam eine weiße Kappe und einen blauen Anzug mit goldenen Knöpfen. Nun sieht sie doch beinahe wie eine Pilotin aus und steuert die Anlegestellen rund um den See an.

Fünf Dörfer gehören zum Achensee. Eines davon ist Pertisau, das direkt am Seeufer liegt. Hier befindet sich das Steinölmuseum, das die 100-jährige Geschichte der Tiroler Steinölbrenner bewahrt.

Steinöl Quelle Achensee 

Seit 1902 wird das Tiroler Steinöl 1.500 Meter über dem Achensee aus Ölschiefer gewonnen. „Eine harte Arbeit, heute wie damals“, sagt Günther Albrecht und deutet auf die schwarz-weißen Fotos an den Wänden des Museums. Seine Familie lebt seit mehr als hundert Jahren in Pertisau von dem Ölschiefer der umliegenden Berge. Die Bilder zeigen Albrechts Vater als jungen Mann, wie er Schiefer schleppt, und die Mutter als kleines Mädchen, wie es den Bergmännern einfachstes Werkzeug reicht. „Meine Eltern klopften schon als Kinder Schiefer, bis sie vor Müdigkeit einschliefen.“ Und alles nur, um dem Stein das schwarze Gold abzupressen.

Großvater Martin, ein passionierter Mineraliensammler, entdeckte 1902 nahe der Geisalm, am westlichen Ufer des Achensees, einen braunen Felsbrocken und identifizierte ihn als Ölschiefer. Der darin vorkommende Fettstoff stammt aus den fossilen Überresten, über 50 Millionen Jahre lang lagerten sich in den Sedimentschichten des Ur-Mittelmeers Thetis tierische und pflanzliche Organismen ab, Fische, Muscheln und andere Meerestiere.

Mehrere Schicksalsschläge wie die Erblindung von Albrecht senior, zwei Brände und eine Lawinenabgang hielten die Söhne nicht davon ab, das Lebenswerk ihres Vaters tatkräftig fortzusetzen. Es ist die „dritte Generation“, die heute das Traditionsunternehmen mit moderner Technologie im Sinne ihrer Vorfahren weiter führt. Bei nur elf Mitarbeitern packen alle mit an, hocken im Familien-Bergwerk in einem Seitental des Karwendelgebirges, sprengen den Schiefer aus dem Fels, zerlegen ihn mit einer Spitzhacke und befördern die Brocken schließlich zur Schwelanlage. Dort wird der Ölschiefer in Rohröfen ausgeschwelt. Durch die Erhitzung verflüchtigt sich das Öl zu einem milchig weißen Dampf, kondensiert und schlägt sich als Steinöl nieder, das weiter veredelt und zu naturbelassenen Pflegeprodukten verarbeitet wird. Seine wohltuende und pflegende Wirkung schätzte man schon lange, bevor man den Begriff Wellness überhaupt kreierte. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wird der schwefelhaltigen Flüssigkeit eine heilende Wirkung nachgesagt, damals verkauften Wunderheiler in den Tiroler Bergdörfern sie als Medikament gegen so ziemlich alles, von Schürfwunden bis hin zu Zahnschmerzen.

Steinölbrenner am Achensee 

Die Steinölbrenner vom Achensee, wie die Albrecht-Familie sich nennt, sind einzigartig in Europa. Heute vermarkten sie das Öl als Kosmetikprodukt, denn nur so ist es frei verkäuflich. Touristen können in den Hotels am See in der streng riechenden, schwarzen Flüssigkeit baden oder sich damit massieren lassen, um die Gelenke zu regenerieren, Muskeln und Haut geschmeidig zu machen, wie in der über 3.000 Quadratmeter große Wohlfühloase im Puria Spa des Fürstenhaus Am Achensee. Außerhalb der Region sind die Produkte aus Steinöl nur schwer zu finden -und das soll auch so bleiben. „Zu viel Schweiß, zu viel Geschichte steckt darin, als dass wir es in alle Welt verscherbeln wollten“, sagt Günther Albrecht bestimmt. Zumal die Ressourcen endlich sind. Noch etwa zwei Generationen werden ihr Geld mit dem Ölschiefer verdienen können, dann ist das Vorkommen erschöpft. Und damit werden sie dann auch der Vergangenheit angehören, die Steinölbrenner vom österreichischen Fjord.

Tourismusverband Achensee - Tel 0043 (5246) 5300

Tiroler Steinöl Vitalberg - Tel 0043 (5243) 20186. Das Museum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Übernachtung: Travel Charme Fürstenhaus Am Achensee, 01805/ 464 446 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Christel Sperlich

 

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