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Wanderungen im Lechtal
Jöchelspitze, Kasermandl und Hermann-von Barth Hütte: Die Lechtaler Bergbahn in Bach bringt uns drei Wanderer aus Bayern muskelsparend zur Bergstation, dem Ausgangspunkt der kleinen Tour. An einer steilen Wiese breiten ein paar Burschen ihre bunten Gleitschirme aus. Wir begutachten die Starts der Piraten der Lüfte. Die gute Thermik über dem Hang ist bei Gleitschirmfliegern bekannt. Doch der Berg ruft. Der Aufstieg zur Jöchelspitze in 2.226 Meter Höhe ist kurz aber knackig. Nach dem Gipfelerlebnis ist auf dem Rückweg eine kurze Einkehr in den Berggasthof Jöchelspitze unvermeidbar. Wir werden förmlich magnetisch vom Berggasthof angezogen. Ausgeruht gehen wir dann unter Fichtenbäumen zur Talstation zurück.

Im Hotel Alpenrose in Elbigenalp ist die Sauna unser Ziel, um die Muskeln wieder flott zu machen. Der unterirdische „Bademanteltunnel“ verbindet das Hotel mit einer neuen Wellnessanlage. Nach der Sauna und ein paar Schwimmzügen ist man wieder fit und zum Abendessen bereit. Peter Reich, der Chefkoch des Hotels. Er kocht leidenschaftlich gern und das schmeckt man auch. Natürlich und wie soll es auch anders sein, ist seine Hauptthema die gehobene Tiroler Küche, bei dem ihm eine 18-köpfige Küchencrew unterstützt. Mediterrane und internationale Gerichte ergänzen den Speiseplan auf dem allabendlich drei Hauptgerichte zur Auswahl stehen. Die Desserts führen einem die eigene Charakterschwäche deutlich vor Augen. Bei diesen Köstlichkeiten kann man sich unmöglich auf einen einzigen Nachtisch beschränken.

Zum Frühstück stellt Patrick, der aufmerksame Kellner, frisch gepressten Orangensaft auf den Tisch. „Das ist ein Vitaminstoss für eure große Tour zur Hermann-von-Barth-Hütte“, erklärt er. Der Wetterbericht in der hoteleigenen Morgenpost verspricht Sonne, also steht der Wanderung nichts mehr im Wege. Nur Isolde aus Bad Wörishofen ist etwas nervös, denn es ist ihr erster Aufstieg zu einer Hütte.
Der Wegweiser neben dem Hotel gibt die Zeit bis zur Hütte mit dreieinhalb Stunden an. Der Weg führt zunächst an der Geierwally-Freilichtbühne vorbei.
Der Mythos Geierwally lebt auch heute noch. Mit 17 Jahren hat Anna Stainer-Knittel mit beachtlichem Mut ein Adlernest ausgehoben. Keiner der Burschen aus Elbigenalp hatte es gewagt, sich in der steilen Wand zum Adlernest abseilen zu lassen. Die Jungtiere wurden aufgezogen und dann verkauft. Ihr Leben war die Grundlage für den Roman Geierwally. Doch Anna Stainer-Knittels Wunsch war es Malerin zu werden. Sie war zu ihrer Zeit wohl die erste emanzipierte Frau im Lechtal und die einzige Frau an der Münchner Kunsthochschule. Ihr größter Erfolg war, nachdem sie den Beruf einer Malerin ausübte, die Teilnahme an der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873.
Wir folgen dem Forstweg im Fichtenwald Richtung Hermann-von-Barth-Hütte. Hin und wieder laden Bänke zum Ausruhen ein, was wir gerne wahrnehmen. Nach ein und einer halben Stunde, haben wir die Jausenstation Kasermandl in 1.412 Meter Höhe erreicht. Rosen stehen auf den Tischen der schönen Terrasse. Auf einer Schiefertafel steht: „Wer vergnügt sein will, umgibt sich mit Freunden. Wer glücklich sein will, umgibt sich mit Blumen“. Das ist ein gutes Omen für unsere Tour. Die Speckknödelsuppe, die Wolfgang, der urige Wirt serviert, hat eine kräftige Fleischbrühe und schmeckt zum Niederknien. Dann sorgt er mit ein paar Anekdoten und ein paar Witzen für gute Stimmung. Doch es wird Zeit für den weiteren Aufstieg. Wolfgang verabschiedet sich von uns mit einem festen Händedruck und mit Grüßen für seinen jüngeren Bruder, dem Hüttenwirt der Hermann-von-Barth-Hütte.
Wir gehen an der Materialseilbahn vorbei bis zum Ende des Forstweges. Der gut beschilderte Weg führt durch das Drehkreuz, wird schmaler und windet sich oberhalb des Baches am Fels entlang und dann durch üppig blühende Bergwiesen. Welche eine Blumenpracht. Knabenkraut, Berganemonen, Arnika und Glockenblumen sind Zeugen einer intakten und unberührten Natur. Nur die Alpenrosen haben schon ihre beste Zeit hinter sich und verblühen langsam. Unzählige Schmetterlinge fliegen aufgeschreckt vor den Wanderern davon.
Das Rauschen eines Wasserfalls ist zu hören. Bis zum Bach ist es dann nur noch ein Katzensprung. Der kleine Wasserfall etwas oberhalb des Weges hat eine tiefe Gumpe ausgespült. Nichts wie rein zu einem kurzen Bad. Nach der Erfrischung und einer langen Pause wird der Bach gequert und zwischen Latschengebüsch geht es weiter. Wir stapfen auf felsigen Grund in vielen Serpentinen weiter bergauf. Rote Tupfen auf den Steinen weisen die Richtung. Die Pfosten der Materialseilbahn zeigen, dass es nicht mehr weit bis zur Hütte ist. Dann ist sie endlich in Sicht und das letzte Wegstück zieht sich eben dahin bis zu einem kleinen Bergsee. Schafe mit kleinen Lämmern, die auf staksigen Beinchen stehen, grasen dort. Nach vier Stunden reiner Gehzeit ist die Hütte in 2.129 Meter unterhalb der markanten Wolfebenspitze erreicht. Isolde hat die Bewährungsprobe, fast eintausend Höhenmeter Aufstieg, bestanden. Erst einmal die Beine ausstrecken und auf der Terrasse die herrliche Aussicht auf die Lechtaler- und Allgäuer Alpen und das Lechtal genießen. Die Wildflusslandschaft des Lechs gehört zu den schönsten und urtümlichsten Regionen der Alpen. Harald, der Hüttenwirt ruft zum Abendessen in die gemütliche Stube, in der wir uns gleich wohl fühlen. Deftiger Leberkäs mit Ei, Schweinebraten und Spaghetti stehen zur Auswahl. Nach dem Essen greift Harald zur Ziehharmonika und spielt österreichische Volkslieder. Ja, das ist Hüttenromantik pur. Hier könnte man ewig sitzen. Die Tische sind voll besetzt. Man rutscht zusammen und tauscht Tourentipps mit anderen Wanderern aus.
Das Thema am nächsten Morgen für den Abstieg heißt „Zeit lassen“, denn an der Gumpe, einer tiefen Ausspülung im Bach, können wir einfach nicht vorbei gehen. Und an der Jausenstation Kasermandl winkt uns Wolfgang herein. Die Überraschungssuppe entpuppt sich als eine gut gepfefferte Kartoffel-Gemüsesuppe, die in einem ausgehöhlten Brot serviert wird. Nach einer langen Pause auf der Terrasse vergehen die letzen Schritte zurück ins Tal nach Elbigenalp wie im Flug. Zurück im Hotel fragt Patrick neugierig, wie es war. „Ich hab’s geschafft, es war gewaltig“, antwortet Isolde ganz stolz.
Kontakt
Lechtal-Tourismus, A-6652 Elbigenalp 55 b, Tel.: 0043-5634-5315, e-mail: info@lechtal.at, Internet: www.lechtal.at
Lechtaler Bergbahn, e-mail: info@lechtaler-bergbahnen.at, Internet: www.lechtaler-bergbahnen.at
Berggasthof Jöchelspitze, Egon Brandhofer, A-6653 Bach, Tel.: 0043-5634-6834, privat: 0043-676-4778150Jöchelspitz
Hotel Alpenrose, Familie Baldauf, A-6652 Elbigenalp, Tel.: 0043-5634-6651, e-mail: info@alpenrose.net, Internet: www.alpenrose.net. Das Programm in Alpi’s Kinderreich unter der Leitung von Anneliese, ist so spannend, dass die Eltern auch mal Zeit für sich haben.
Kasermandl, ganzjährig geöffnet. Im Sommer ist Mittwoch Ruhetag. Telefon: 0043-664-506-4156
Hermann-von-Barth-Hütte, Alpenvereinshütte, Harald Wolf, Tel. und Fax.: 0043-5634-6671, e-mail: info@hermann-von-barth.at,
Internet: www.hermann-von-barth.at
60 Schlafplätze, geöffnet bis 30.9.07.
Kostenloser Wanderbus im Lechtal, den Fahrplan gibt es im Lechtal Tourismus
Tickets für die Geierwally Freilichtbühne gibt es im Tourismusbüro Elgenalp, Tel.: 0043-5634-5315 DW 12 oder über das Internet: www.geierwally.lechtal.at
Bergschule/Bergführer: Florian Kerber, A-6653 Bach, Tel.: 0043-5634-6391
Bergsportführer, Adolf Kerber, A-6655 Steeg, Tel.: 0043-5633-5477www.bergsportfuehrer-tirol.at
Alpin & Wanderschule Paul Weber, Internet: www.sport2000.at/paulweber
Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.












